Ins eigene Fleisch geschnitten

Petra Weiß Heilpraktikerin Weinheim

In unserer Reihe “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” bewegen wir uns entlang der rhetorischen Tricks, die Arthur Schopenhauer in seinem Buch “Die Kunst Recht zu behalten” aufgeschrieben hat. Sie erfahren, welche Wortjonglagen Ihnen auch heute noch täglich in den Medien sowie in persönlichen Gesprächen begegnen. Als praktische Beispiele beobachten wir die Diskussion zwischen einer wohlmeinenden Mutter und ihrem wortgewandten Sohn, der seinen Spinat einfach nicht essen will.

Hin und wieder argumentieren Menschen zum eigenen Schaden und merken es nicht. Wollen Sie einen solchen Gesprächspartner zum Aufgeben seiner Position bewegen, ist das einfach: Machen Sie ihm deutlich, dass er einen Nachteil von den praktischen Folgen aus dem Gewinn des Disputs hätte. Erfahrungsgemäß wechselt der Wind dann so rasch seine Richtung, dass man sich nur wundern kann.

Eine erweiterte Version dieses Kunstgriffs ist das Einbeziehen der Gruppe, in der sich jemand befindet. Nehmen wir an, jemand spricht vor einer Fachversammlung von psychologischen Psychotherapeuten und stellt ein pflanzliches Medikament vor, das Angststörungen ohne weitere Therapie innerhalb weniger Wochen nachhaltig auflösen kann – welche Folgen hätte es für die Gruppe, wenn er damit im Recht wäre?

Aus purem Vorteilsstreben halten die Zuhörer seine Argumente vermutlich für dünn, seine Studien für unwissenschaftlich und seine Schlüsse für falsch. Unser Gehirn erweist uns die Gnade, dass wir eine selektive Wahrnehmung für Informationen haben, die unserem persönlichen Nutzen offensichtlich nicht zugute kommen. Wir hören sie erst gar nicht oder sortieren sie sogleich in die Schublade „unbrauchbar“ ein. Und der Lebensunterhalt bleibt gesichert.

Die Dynamik ist so stark und verlässlich, dass dieser Trick laut Schopenhauer alle anderen entbehrlich macht. Wenn das Rechthaben den eigenen Interessen zuwider läuft, ist es plötzlich gar nicht mehr so wichtig.

Das ist sehr verständlich und unterstützt leider gar nicht der Wahrheitsfindung.

Kommen wir zurück zur Spinatdiskussion: „Tja, Mama, wenn Du richtig liegst, und Menschen das verzehren sollen, was die Ernährungswissenschaft vorschlägt, wie ist das dann mit Deinen fünf Tassen Kaffee am Tag?“

Möglicherweise landen die Ernährungsratgeber und Nährwerttabellen dann ganz rasch in den hinteren Reihen des Bücherregals.

Quelle: “Perlentaucher der Redekunst – Manipulative Muster erkennen – bei sich und bei anderen” – ein psychologischer Reisebegleiter auf dem Weg zum authentischen Selbstausdruck von Petra Weiß. Das Buch erscheint voraussichtlich im Herbst 2022 bei BoD.

Text: Petra Weiß
Foto: St.Kaczkowski / PIXELIO

Theorie und Praxis

Heilpraktikerin Weinheim Petra Weiß

In der Reihe “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” beleuchten wir Rhetoriktricks, die Ihnen täglich begegnen. Der Philosoph Arthur Schopenhauer hat sie in seinem Buch “Die Kunst Recht zu behalten” dokumentiert. Die Autorin Petra Weiß bringt die Beschreibung der Kunstgriffe in eine zeitgemäße Sprache und veranschaulicht sie mit nachvollziehbaren Alltagsbeispielen. Als Kulisse dient ihr eine Diskussion über den Verzehr von Spinat am mütterlichen Esstisch.

Ist eine Theorie nicht zu widerlegen, gibt man ihre Richtigkeit zu und verneint gleichzeitig ihre Praktikabilität. „Ja, in der Theorie scheint das richtig zu sein. Aber die Praxis belehrt uns eines Besseren.“

Da die Theorie sozusagen aus dem Diskussionsfeld genommen wird, gibt es nichts mehr zu verhandeln. Und letztlich steht der Praktiker als Sieger da, egal wie gut die Theorie gewesen ist. Denn – und da sind sich alle einig – Theorien, die nicht praxistauglich sind, braucht kein Mensch.

Unsere Spinatverfechterin könnte ihrem Bub sagen „Theoretisch kannst Du natürlich essen, was Du willst. Praktisch wirst Du aber früher oder später verspeisen, was ich Dir zubereitet habe – einfach weil Du Hunger hast. Das zeigt die Erfahrung.“

Nicht das Argument widerlegt den Kontrahenten, sondern angeblich die Praxis daselbst. Wie überaus praktisch!

Wenn Ihnen dieser Trick im echten Leben begegnet kontern Sie doch einfach mit dem Satz “Es gibt nichts praktischeres als eine gute Theorie.”

Quelle: “Perlentaucher der Redekunst – Manipulative Muster erkennen – bei sich und bei anderen” – ein psychologischer Reisebegleiter auf dem Weg zum authentischen Selbstausdruck von Petra Weiß. Das Buch erscheint voraussichtlich im Herbst 2022 bei BoD.

Text: Petra Weiß
Foto: SYMBOLBILD Tim Reckmann / PIXELIO

Aber was weiß ich schon?!

Heilpraktiker Weinheim Petra Weiß

Auf unserer Rundreise durch die Welt der Manipulation orientieren wir uns an den Schriften Arthur Schopenhauers, der die Wortgefechte der Antike in seinem Buch “Die Kunst Recht zu behalten” vortrefflich beschrieben hat.

Ein ziemlich perfider Trick ist es, sich selbst mit ironischem Tonfall für inkompetent in der Sache zu erklären. „Sie mögen mit Ihren Ausführungen vollkommen im Recht sein – oder auch nicht – das kann ich nicht beurteilen. Ich verstehe Ihr Argument einfach nicht und kann Ihre Logik nicht nachvollziehen.“

Dabei nutzt man den Effekt, dass eine unwahre Behauptung automatisch Widerspruch erzeugt. Das heißt, die Gegenbewegung „DOCH: Der ist ein anerkannter Experte auf dem Gebiet und weiß, wovon er spricht.“ kommt dem Zuhörer von ganz allein in den Sinn.

Ob der Kunstgriff funktioniert, hängt mit dem Ansehen der beteiligten Personen beim Publikum zusammen. So einen Kniff kann sich nur erlauben, wer sich sehr sicher ist, dass er als wesentlich fachkompetenter eingeschätzt wird wie sein Gegenüber. Wenn selbst der Experte nicht die leiseste Ahnung hat, was der andere meinen könnte, müssen dessen Ausführungen ja wohl voll daneben sein.

Die Unverständlichkeitserklärung aus Spezialisten-Mund bindet den Zuhörern einen Knoten in den Kopf und verhindert, dass sie selbst sich in der Lage sehen, das Gesprochene richtig einsortieren zu können. Und falls es ihnen vorher sinnvoll erschien, werden sie zumindest stark verunsichert in ihrer Bewertung.

Der schlaue Diskussionspartner erkennt das Spiel und kann nun seinerseits einsteigen, indem er den Spieß einfach umdreht: „Bei Ihrer überragenden Expertise in dem Thema kann es nur an meinen unzureichenden Erklärungen liegen, dass Sie mein Argument noch nicht nachvollziehen können.“ Im besten Fall stellt sich heraus, dass der andere ihn tatsächlich nicht verstanden hatte und der Schuss geht komplett nach hinten los.

In der Spinatdebatte könnte das so aussehen:

Die Mutter pocht auf ihre Lebenserfahrung und sagt süffisant: „Seit mehr als 10 Jahren bereite ich Essen für Kinder zu und kann immer noch nicht verstehen, was am Spinat so schlimm sein soll. Sag Du es mir bitte so, dass ich es begreifen kann!“

Der Junge pariert in selber Weise: „Du als erfahrene Mutter und Familienköchin müsstest am besten verstehen, warum Spinat für Kinder nicht taugt. Bestimmt sind meine armseligen Ausdrucksweisen daran schuld, dass Du mich nicht verstehen kannst. Bitte hab Nachsicht. Ich bin ja noch ein Kind.“

Quelle: “Perlentaucher der Redekunst – Manipulative Muster erkennen – bei sich und bei anderen” – ein psychologischer Reisebegleiter auf dem Weg zum authentischen Selbstausdruck von Petra Weiß. Das Buch erscheint voraussichtlich im Herbst 2022 bei BoD.

Text: Petra Weiß
Foto: Volker Hausmann / PIXELIO

Die Autorität der Vielen

Heilpraktiker Weinheim Petra Weiß

In der Reihe “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” beleuchten wir rhetorische Tricks, die der Deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer in seinem Buch “Die Kunst Recht zu behalten” zusammengefasst hat. Wir haben in früheren Beiträgen schon zahlreiche Kunstgriffe besprochen. Sie finden einige davon in der Rubrik Manipulative Muster erkennen.

Hat man sich bis hierher durch Schopenhauers Buch gearbeitet, könnte man den Eindruck gewonnen haben, er hätte gegen Ende die Lust an detaillierten Erklärungen verloren. Seine Texte werden immer kürzer. Und dann kommt der Kunstgriff mit der Nummer 30. Über mehrere Seiten erstrecken sich die Erläuterungen für einen Punkt, der inhaltlich diese Ausführlichkeit nicht gebraucht hätte. Daher gehe ich davon aus, dass er diesem Phänomen aufgrund seines gehäuften Auftretens, der Vielseitigkeit seiner Verwendungsmöglichkeiten und / oder der verheerenden Auswirkungen seines Gebrauchs besondere Bedeutung beimisst.

Weiter vorne haben wir schon den Kunstgriff kennengelernt, eine Autorität zu zitieren, statt sich mit guten Argumenten zu bewaffnen. Viele von uns neigen dazu, irgendwelchen Gurus im Zweifel mehr Glauben zu schenken als unserem eigenen gesunden Menschenverstand. Allzu rasch sind wir bereit, ein Fachgebiet als zu komplex anzusehen, um mit unseren laienhaften Kenntnissen und unserem begrenzten Wissen etwas beurteilen zu können. Daher geben wir gerne die Verantwortung für das Bewerten an sogenannte Experten ab.

In diesem Kunstgriff geht es speziell um das „Expertentum“, das scheinbar in der Akzeptanz einer Meinung durch die breite Öffentlichkeit liegt. So als könne sich zwar der Einzelne täuschen, aber die Masse irre nie. Wie wir in der Geschichte immer wieder gesehen haben, ist das ein abscheulicher Aberglaube. Dennoch erfreut sich die Ansicht, etwas müsse für wahr gelten, weil viele Menschen es für richtig halten, weiterhin großer Beliebtheit. Es kann doch nicht sein, dass so viele Menschen falsch liegen! Oh, doch. Das kann es.

Hat sich ein falscher Glaube in der Gesellschaft breitgemacht und wurden die ersten Fachleute in aller Öffentlichkeit dafür angeprangert, dass sie andere Meinungen geäußert haben, führt kaum mehr ein Weg zurück in eine ergebnisoffene Diskussion. Durch das Vertreten einer eigenwilligen Ansicht riskiert jeder Kritiker den Ausschluss aus der Gemeinschaft, Schmach und Schade. Der Meinungskorridor verengt sich zunächst unmerklich und dann unaufhaltsam immer weiter. Ist der Teufelskreis erst einmal in Gang gesetzt, muss schon viel passieren, damit sich die Massen zur Besinnung bringen lassen. Das Widerrufen der offensichtlich falschen Postulate allein reicht bei fortgeschrittenen Prozessen dieser Art selten aus.

Schopenhauer tat gut daran, dem Thema ein umfangreiches Kapitel zu widmen. Der Propaganda-Spezialist Gustave le Bon hat die „Psychologie der Massen“ 1895 in seinem gleichnamigen Buch beschrieben. Heute spricht man in der Sozialpsychologie von Massenformung oder Mass Building. Gemeint ist die Einflussnahme auf das Denken und Handeln der Menschen in großem Stile. Die Autorität der Vielen spielt dabei eine zentrale Rolle.

Kehren wir zurück zum Esstisch: Der Junge beruft sich auf Generationen von Kindern, die ihren Spinat nicht essen wollen. Die Erwachsenen müssen sich sogar Comics wie Poppey ausdenken, um den Verzehr des grünen Blattgemüses attraktiv erscheinen zu lassen. Etwas kann mit dem Spinat nicht stimmen, wenn man zu solchen Tricks greifen muss, weil kein normales Kind jemals freiwillig Spinat gegessen hat. Milliarden von Spinathassern weltweit können doch nicht irren…

Quelle: “Perlentaucher der Redekunst – Manipulative Muster erkennen – bei sich und bei anderen” – ein psychologischer Reisebegleiter auf dem Weg zum authentischen Selbstausdruck von Petra Weiß. Das Buch erscheint voraussichtlich im Herbst 2022 bei BoD.

Text: Petra Weiß
Foto: Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO

Hier finden Sie weitere Beiträge aus der Rubrik Manipulative Muster erkennen.

 

Freude im Tal der Ahnungslosen

Heilpraktiker Weinheim Petra Weiß

Heute nehmen wir den Faden aus der Serie “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin” in der Rubrik Manipulative Muster erkennen wieder auf.

Diese Beiträge beziehen sich auf der Buch “Die Kunst Recht zu behalten” von Arthur Schopenhauer und betrachten rhetorische Tricks, die der Philosoph analysiert hat, anhand von alltäglichen Beispielen.

Wenn einem die Munition in der Sache und sogar gegen eine Person ausgegangen ist, wendet man sich mit einem Argument gar nicht an den Gegner, sondern ans Publikum. Je weniger die Zuhörer mit Sachkenntnissen gesegnet sind, desto wirksamer ist dieser Kunstgriff. Während ein Fachpublikum unwahre Aussagen erkennt, kann ein sogenannter Experte einem Laien alles erzählen, was halbwegs schlau klingt.

Gerne genommen sind dann irgendwelche Ausführungen, die den Kontrahenten lächerlich machen. Zum Lachen sind die Leute fast immer bereit. Mit einem begeisterten Schenkelklopfer kann man die eigene Ahnungslosigkeit einfach weglachen.

Während der fiese Einwurf keinerlei Wahrheitsgehalt aufweisen muss, sondern nur ein bisschen Unterhaltungswert, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, müsste der Angegriffene zu langen Erklärungen ausholen, um sich zu rehabilitieren – und die will nun wirklich keiner hören. Mit Spaß und Gutgläubigkeit wurde schon so mancher Fachmann der Lächerlichkeit preis gegeben, dessen Ansichten sich später als richtig erwiesen haben.

Zur Verdeutlichung des Tricks betrachten wir wieder unsere gewohnte Debatte am Esstisch. Eine Mutter versucht, ihren Buben zu überzeugen, dass er Spinat verzehrt:

Die Mutter sagt „In Spinat sind viele Vitalstoffe enthalten, unter anderem ist Eisen darin.“ Dann ulkt der Spinathasser mit Blick auf sein Schwesterlein „Und wenn ich das ganze Eisen im Spinat essen, bin ich dann magnetisch? Muss ich dann um alle Magneten herum einen riesigen Bogen machen, weil ich – schwupps – sonst davon angezogen werde? Eisen IST doch magnetisch! Stell Dir vor, ich gehe ganz normal durch die Stadt und plötzlich hänge ich an einem Magneten fest, zum Beispiel in der Spule eines Trafos.“

Wenn der Bub sein komödiantisches Talent einsetzt, um die Anziehung zu veranschaulichen, sind ihm die Gluckser seines Geschwisterchens sicher. Er muss nur lange genug mitlachen und fröhlich darauf warten, dass der Mutter das Lachen vergeht.

Quelle: “Perlentaucher der Redekunst – Manipulative Muster erkennen – bei sich und bei anderen” – ein psychologischer Reisebegleiter auf dem Weg zum authentischen Selbstausdruck von Petra Weiß. Das Buch erscheint voraussichtlich im Herbst 2022 bei BoD.

Text: Petra Weiß
Foto:  Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO

 

Ins Wespennest gestochen

Heilpraktiker Weinheim Traumatherapie

Und wieder wenden wir uns gemeinsam den rhetorischen Kunstgriffen zu, die Arthur Schopenhauer in seinem Buch “Die Kunst Recht zu behalten” notiert hat. Der heutige Kniff hat es in sich. Auch wenn Schopenhauer das Thema in wenigen Sätzen abhandelt, ist es aus meiner psychologischen Sicht wert, die Hintergründe genauer zu beleuchten.

Der Trick bezieht sich auf die Reaktion des Gegenübers. Beobachten wir, dass jemand bei einem Thema überraschend ärgerlich wird, dann liegt der Verdacht nahe, dass wir einen wunden Punkt getroffen haben. Möglicherweise ist seine Argumentation an dieser Stelle dünn. Oder er hat einen roten Knopf, den wir unabsichtlich berührt haben.

Selbst wenn völlig unklar ist, worin die Schwachstelle besteht, wird der skrupellose Haarspalter durch hartnäckiges Nachfragen so lange in der Wunde bohren, bis er den anderen zornig gemacht hat. Ihn so aus der Reserve zu locken ist an sich schon ein Punktvorteil für den Sophisten: Die emotionale Wallung bringt den Gegner aus der Fassung. Unter diesen Umständen legt er womöglich eine Verletzlichkeit offen, die im Weiteren ausgenutzt werden kann.

Erinnern Sie sich an das pummelige Nachbarskind im Beitrag über absichtliche Fehlinterpretationen? Wenn die Formulierung „der dralle Kalle“ bei der Mutter eine Welle der Wut ausgelöst hat, war sie vielleicht als Kind selbst Opfer des Spotts aufgrund einer körperlichen Besonderheit. Bei vielen Erwachsenen sind solche Mobbing-Geschichten aus der Kindheit noch sehr lebendig. Das Alter war irgendwann vorbei oder der Schulwechsel löste den Konflikt und die Angriffe hörten auf. Verarbeitet wurden die Erlebnisse aber nur selten.

Das Wissen um solche Wunden verschafft dem fiesen und empathielosen Streitstrategen einen entscheidenden Vorteil: Mit einer winzigen Bemerkung kann er das Trauma beliebig reaktivieren und dann hat der andere erst mal mit seinen Stresshormonen zu tun.

Emotional und vom Körperempfinden her katapultieren uns Traumareaktivierungen in die Zeit der damaligen Geschehnisse zurück, als wären wir noch genau in jenem Alter und in jener Situation. Das bedeutet traurig, ängstlich, wütend, verzweifelt, überfordert, allein gelassen, schwach oder einfach nur ohnmächtig. In jedem Fall sind wir so ein leichtes Opfer weiterer Angriffe.

Wir alle haben in unserem Leben kleine, mittlere oder größere Traumata erlebt. Ihre Reaktivierung können wir nicht in Gänze vermeiden. Die beste Vorsorge, um nicht in ungünstigen Situationen von den alten Geschichten überflutet zu werden, ist sich ihnen gezielt zu stellen. Arbeiten Sie Ihr Vergangenheit auf, sonst wird sie Sie immer wieder einholen. Im ersten Schritt ist es schon hilfreich, sich darüber bewusst zu werden, ob die Heftigkeit Ihrer Gemütsregung der aktuellen Situation wirklich angemessen ist. Bei Handlungsunfähigkeit müssen Sie nicht lange sinnieren, ob es sich um ein Trauma handeln könnte. Fühlen Sie sich wie gelähmt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch.

Vorsicht: Der Kopf neigt dazu, den Inhalt der Gedanken den Emotionen und Körperempfindungen anzupassen, wenn wir es mit Trauma zu tun haben. Dann erscheint mitunter das freundliche Lächeln der Bäckerin am Morgen als Ausdruck von Hohn oder Angriffslust.

Lernen Sie genau zu unterscheiden zwischen objektiven Beobachtungen (inneren und äußeren), Emotionen, Körperempfindungen und Gedanken. Holen Sie sich bei Bedarf geeignete Unterstützung.

Es ist keine Schande, heute dafür Sorge zu tragen, dass sie nicht wie damals alleine mit dem Malheur fertig werden müssen. Werten Sie es als Zeichen von wachsender Stärke, wenn Sie in diesem Sinne gut für sich sorgen.

Text: Petra Weiß
Foto: Heinrich Linse / PIXELIO

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Mein Anliegen ist es, mit meinen Beiträgen an der Entwicklung der Menschheit in Richtung Aufrichtigkeit mitzuwirken. Das Schreiben liegt mir und ich habe etwas zu sagen, das gerade jetzt sehr gebraucht wird. Daher teile ich mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen.

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

 

 

Gerade weil…

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Nun sind wir schon ziemlich fortgeschritten, was die Analyse der Taschenspielertricks angeht und haben einige Kapitel in Arthur Schopenhauers “Die Kunst Recht zu behalten” in der Serie “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” gemeinsam betrachtet.

Man sollte meinen, dass der wache Verstand die allzu platten Manipulationsversuche entdeckt, wenn man sich schon mit ganz ausgefeilten Techniken befasst hat. Leider ist das nicht immer so. Wenn der andere gar keine Chance hat, eine Debatte zu gewinnen, greift er manchmal zu ebenso verzweifelten wie aussichtsreichen Taktiken.

Jemand, der etwas von uns möchte, das dem gesunden Hausverstand oder der natürlichen Mitmenschlichkeit schon auf den ersten Blick eklatant widerspricht, hat eigentlich schlechte Karten. Er muss zu ganz fiesen Zaubertricks greifen.

An dieser Stelle sprechen wir über die Verkehrung eines stichhaltigen Arguments in sein genaues Gegenteil.

Es gibt Zwecke und Absichten, denen kaum jemand widersprechen würde, weil sie im allgemein anerkannten Wertesystem ganz weit oben stehen. Gesundheit, Sicherheit, Rücksichtnahme, Gemeinschaftssinn, etc. sind solche Werte. Gibt man vor, ehrenhafte Ziele zu verfolgen, hat man kein Risiko, für die Überzeugungen infrage gestellt zu werden und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dies vorgeblich ehrenhafte Handeln hingenommen wird, auch wenn es im Grunde schädlich oder sogar böse ist.

Man muss nur hinhören, auf welchem Wert der Gegner sein Hauptargument aufbaut und dreist behaupten, mit dem gegenteiligen Handeln genau diesem Zweck zu folgen.

Wir kehren zurück zum Esstisch und verfolgen die Debatte, in der die Mutter durch den Gesundheitsaspekt eigentlich ein wirklich gutes Argument auf ihrer Seite hat. Nehmen wir an, die Mutter sagt „Wenn Du Dich gesund ernähren möchtest, ist es wichtig, dass Du Spinat isst.“ würde der Zögling im Sinne der Verkehrung entgegnen „Gerade WEIL ich gesund sein und bleiben will, werde ich diesen Spinat nicht essen.“ und dann eine wortreiche Erklärung anfügen, z.B.: „Ich gehe davon aus, dass meine Abneigung gegen das Gemüse Ausdruck meiner inneren Weisheit ist, welche Nahrung mein Körper nicht gut verdauen kann.“ und so weiter und so fort.

Sie finden in der tagesaktuellen Presse einen bunten Reigen genau solcher Verdrehungen.

Seien Sie besonders wachsam, wenn man Ihnen etwas offenkundig Ungesundes als gesund, einen für jedermann ersichtlichen Zwang als Weg in die Freiheit oder das Ausgrenzen von Menschen als Akt der Solidarität verkaufen will.

Orwellsches Neusprech darf bei Ihnen alle Alarmglocken läuten lassen.

Nehmen wir an, ein Hersteller von Blei und Beton wollte Ihnen Schuhe verkaufen, mit denen Sie nur noch ganz schwer gehen können. Niemand würde diese Schuhe freiwillig anziehen. Es sei denn, man wendet den Trick der 180-Grad-Verdrehung an und behauptet frech, dass GENAU DIESE SCHUHE das Gehen verbessern, statt es zu behindern.

Pfiffige Marketing-Menschen würden die Schuhe als „gesunde Gehschutz-Sicherheitsschuhe“ betiteln. In der Werbung würde man sehen, wie wir durch das langsamere Gehen davor bewahrt werden, ungestüm eine Treppe hinabzustürzen, was unser aller Leben sicherer und gesünder macht. Wir könnten dann auch niemanden mehr umrennen, daher sei der Gehschutz ein Ausdruck von Solidarität. Nur mit den Gehschutz-Sicherheitsschuhen könne man sicher gehen. Menschen ohne Gehschutz-Schuhe wären eine Gefahr für die Allgemeinheit. Man müsse damit rechnen, dass sie überall stürzen. Das Risiko sei enorm, dass man ständig über einen Geschutz-Sicherheitsschuh-Verweigerer fällt und sich trotz des eigenen Gehschutzes ein Bein bricht.

Glauben Sie, das sei absurd? Ich auch. Trotzdem hören wir solche Argumente jeden Tag.

Die falsche Logik lösen Sie auf, indem Sie sich aus dem Glaubenssatz befreien, der Zweck heilige die Mittel. Das tut er nämlich nicht. So lange Sie das denken, kann man Ihnen jede noch so absurde Handlungsweise abverlangen, indem man einfach einen Ihrer Werte als angebliches Ziel in den Raum stellt. Sie tun dann sogar das glatte Gegenteil dessen, was tatsächlich Ihren Werten dienen würde.

Hören Sie nicht hin, wenn blumige Werbebotschaften Sie mit Ihren Werten locken wollen, sondern betrachten Sie mit offenen Augen, was tatsächlich passiert. Beobachten Sie ein Kind mit den „gesunden Gehschutz-Sicherheitsschuhen“. Ganz ehrlich: Wollen Sie, dass alle Kinder in Zukunft SO durch die Welt gehen? Klar, wenn sie dann sicherer sind? Wie sicher wäre es, wenn Kinder einfach GAR NICHT mehr laufen? Noch sicherer? Oder wenn sie gar nicht mehr atmen?

Vielleicht war der kategorische Imperativ als Richtschnur für unser Zusammenleben in der Gemeinschaft gar nicht so schlecht. Wenn Sie das wollen, legen Sie diesen Maßstab auch heute noch an: Kann Ihr momentanes Handeln zu jeder Zeit und in allen Zusammenhängen als vorbildlich gewertet werden? Nein, nicht Ihr Ziel. Ihr Handeln. 

Ihr Wertesystem darf ganz eigen sein und von meinem beliebig abweichen. Doch vielleicht können wir uns als Menschheitsfamilie auf EINEN gemeinsamen Wert einigen: das Leben an sich. Messen wir unser Tun an dem, was dem Leben dient, und fragen wir uns, ob das, was wir erleben, lebendiges Leben ist. Dann beantworten sich viele Fragen im Handumdrehen und andere etwas leichter.

Text und Bild: Petra Weiß

Danke schön

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Beweisketten mit falschem Ausgang

Schriftsteller, Texter, Editor, Bewusstsein

Wir kennen das aus der Verkaufspsychologie: Wird zwei Mal „ja“ gesagt, kommt die nächste Zustimmung fast von allein. Um den Weg zum dritten „Ja“ zu bahnen, werden wir scheinbar sinnlos nach allerlei Selbstverständlichkeiten gefragt.

Diesen Kniff würzen wir noch mit einer Prise verdrehter Logik und schon ist der nächste Trick im Kasten.

In der Reihe “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” untersuchen wir manipulative Muster durch Sprache. Wir bedienen uns dabei der Aufzeichnungen von Arthur Schopenhauer, der in seinem Buch “Die Kunst Recht zu behalten” die Wortjonglagen der antiken Philosophen auseinandernimmt.

Wieder einmal belauschen wir den Spinat-Disput am Esstisch, um einen alltäglichen Eindruck zu bekommen, wie rhetorische Kunststückchen in der Praxis Anwendung finden:

Unser Fidius könnte seiner Mutter auf den Leim gehen, indem sie fragt: „Brauchst Du fast jeden Tag etwas zum Essen, weil Du sonst verhungerst?“ Natürlich würde er das bejahen. „Und kannst Du noch nicht selbst für Dich sorgen?“ Je jünger er ist, desto weniger kann er das verleugnen.

Jetzt kommt die Irreführung ins Spiel, die zwar logisch klingt, aber nicht ist: „Dann hängt Dein Leben davon ab, dass Du brav isst, was ich für Dich zubereite!“

Ein bisschen emotionaler Erpressung mit der Angst vorm Verhungern und eine kleine Machtdemonstration inklusive!

Wer Ihnen etwas verkaufen will und als erstes eine vollkommen entbehrliche Frage stellt bzw. einen unstrittigen Sachverhalt zur Bestätigung in den Raum stellt (“Sie sind also Frau Müller?”), versucht Sie zu manipulieren. Dieses Vorgehen darf Sie zu Recht hellhörig machen.

Jetzt wissen Sie, warum man Sie in der Fußgängerzone mit der Frage anspricht “Mögen Sie Tiere?” Das ist eine fiese Fangfrage. Wer outet sich schon als Tierhasser?! Und noch dazu öffentlich. Das erste “Ja” ist den Spendeneintreibern für irgendwelche dubiosen Projekte damit sicher.

Wenn Sie wollen, veräppeln Sie die Manipulateure einfach mal zurück und sagen Sie “nein”. Das lässt die komplette Taktik in sich zusammenfallen.

Falls Sie etwas für Tiere tun wollen und es dabei um Geld gehen soll, wählen Sie selbst die Initiative, welche Sie reinen Herzens unterstützen können. Aber bitte aus Ihrem freien Willen heraus und nicht aus schlechtem Gewissen oder aus dem Druck, als guter Mensch dastehen zu wollen. Genau darauf zielen solche Werbestrategien. Lassen Sie sich nicht überrumpeln und mit platten Verkäufertricks zu einer Unterschrift verleiten, die Sie später bereuen. 

Im Zweifel gibt es in der Nachbarschaft einen Hund der ausgeführt werden will, eine Katze auf der Suche nach Streicheleinheiten oder eine Gans, die sich über Ihr trockenes Brot freut. Dann wissen Sie, wo Ihre Gutherzigkeit ankommt. Echte Tierfreunde finden viele Möglichkeiten zu helfen. 

Text: Petra Weiß
Foto: knipseline / PIXELIO

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Den Rahmen weit genug aufziehen

Schreibkunst Texter Redakteur Schriftsteller Essayist

Heute kommen wir zurück auf unsere Reihe “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” Nach dem Beitrag Moment mal! haben wir passenderweise eine Pause eingelegt.

Nun nehmen wir unsere Streifzüge durch die Welt der Manipulation durch Sprache wieder auf. Die Grundlage für unsere Betrachtungen liefert das Buch “Die Kunst Recht zu behalten”, in dem Arthur Schopenhauer seine messerscharfen Analysen antiker Dispute mit seinen Lesern teilt.

Für die lebensnahe Darstellung der Tricks setzen wir uns wieder einmal an den Esstisch: Mutti möchte, dass der Sohnemann Spinat isst und versucht, ihn zu überzeugen. Der junge Mann will dem Schicksal entrinnen und wird pfiffig in seiner “kulinarischen Notwehr”:

Manchmal hat man einfach kein griffiges Argument parat, um eine bestimmte These zu entkräften, weil es schlichtweg keines gibt. Macht nichts! Man muss den Rahmen nur beliebig groß aufziehen, bis man mit allerlei Tamtam ein Gebiet weiträumig angreifen kann. Beispiel gefällig?

Nehmen wir an, unser Gemüseverächter will die Aussage seiner Mutter widerlegen, dass das Kalzium im Spinat den Knochenaufbau unterstützt. Wie stellt er das an, obwohl es eigentlich nicht möglich ist? Nach logischen Gesichtspunkten ginge der Punkt eindeutig an die Mama. Dass Kalzium im Spinat enthalten ist, belegen biochemische Untersuchungen eindeutig. Diese Tatsache kann beim besten Willen nicht bestritten werden. Die knochengesundheitsfördernde Wirkung von Kalzium ist seit Jahrzehnten mit einer Vielzahl von Studien erwiesen. Was tun?

Der Junior bläst einfach zum Generalangriff auf die Ernährungskunde oder gleich auf die Forschung im Allgemeinen.

Vielleicht schlägt er den Weg ein, auf die Unmöglichkeit von Neutralität durch wissenschaftliche Aussagen hinzuweisen. Dann würde er vielleicht betonen, die Wissenschaft lebe vom Diskurs, man könne daher gar nicht behaupten, irgendeine Erkenntnis sei allgemeiner Konsens. Das widerspräche der Auffassung von Wissenschaft von Grund auf.

Oder er zieht ihre Verlässlichkeit in Zweifel und zählt auf, wie oft sich die sogenannte Wissenschaft schon geirrt habe. Dann fängt er an ausufernd zu berichten, dass an der Pariser Akademie der Wissenschaften eine Geschwindigkeit von mehr als 30 km/h bei Zugfahrten einst von klugen Köpfen für so gesundheitsschädlich gehalten wurde, dass sie mit dem menschlichen Leben nicht vereinbar sei. Und wie das endete, weiß ja wohl jeder, der schon mal in einem ICE – ach, was sage ich! – in einer Bummelbahn gesessen habe…

Dieser Trick lässt sich wunderbar kombinieren mit Verwirren mit Details und Beweise, die keine sind. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien lauf und malen Sie ich eine feurige Rede mit großem Unterhaltungswert und wenig inhaltlichem Bezug zur ursprünglichen Fragestellung aus. Mit viel Glück hat der Junge seiner Mutter die Freude an unumstößlichen Fakten, die eindeutig auf ihrer Seite waren, schon bald verleidet und sie stattdessen schwindelig gequasselt. 

Sie verstehen das Prinzip: Fasse das Thema weit genug, dann bietet sich irgendeine Angriffsfläche von allein.

Text: Petra Weiß
Foto: Bernd Sterzl / PIXELIO

Danke schön

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Zur Autorin

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr erstes eigenes Buch SO BIN ICH ECHT erscheint im ersten Quartal 2022 im Hardcover.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

Moment mal

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In unserer Serie „Sie baden gerade Ihr Gehirn darin“ beleuchten wir uralte rhetorische Tricks, die bis zum heutigen Tage nicht das Geringste an Aktualität verloren haben. Dabei orientieren wir uns an den Aufzeichnungen von Arthur Schopenhauer. Er hat die überlieferten Wortgefechte der antiken Philosophen studiert und 36 Kunstgriffe herausgearbeitet. Sein Buch „Die Kunst Recht zu behalten“ ist die Grundlage für meine Beiträge dieser Reihe.

Ich habe die Texte für Sie in eine zeitgemäße Sprache übersetzt und mit Beispielen aus unserem normalen Alltagserleben illustriert: Wir beobachten ein Kind am Mittagstisch, das keinen Spinat essen will und mit trickreichen Wortjonglagen versucht, dem Gemüse zu entgehen.

In dieser Folge befassen wir uns mit einer bewährten Technik in der unfairen Kriegsführung: die taktische Unterbrechung. Unendlich platt und dennoch immer wieder erfolgreich ist es, gezielt an passender Stelle die Stop-Taste zu drücken.

Nähert sich eine Diskussion dem Punkt, an dem man sich eigentlich geschlagen geben müsste, wird stattdessen eine Gesprächspause erwirkt. Das kann auf jede erdenkliche Weise geschehen. Hauptsache der Gegner vergisst, was er sagen wollte, lässt sich ablenken und vernebeln. Zur Not verlässt man einfach den Raum. Besser ist es aber, den anderen zu beschäftigen.

In unserem Alltagsbeispiel könnte der Bub plötzlich ganz dringend Pipi müssen. Oder ein Becher fällt „aus Versehen“ herunter. Oder der kleine Spinatverweigerer verkleckert sich großflächig mit dem unliebsamen Grünzeug.

Zum Unterbrechen ist jeder noch so vorgeschobene Grund geeignet. Selbst wenn dem Widersacher vollkommen klar ist, dass er gerade manipuliert wird. Was soll´ s?! Hauptsache nicht als Verlierer aus der Situation hervorgehen. Bei einer richtigen Rechthaberei ist alles besser, als klein beizugeben.

Natürlich möchte ich Sie nicht ermutigen, solche Tricks gegen Ihre Gesprächspartner anzuwenden. Mir geht es darum, dass sie die Kunstgriffe erkennen, wenn Sie Ihnen begegnen.

Bitte gehen Sie mit Ihrem neuen Wissen achtsam um. Nicht jeder, der während einer Debatte zur Toilette will, unterbricht das Gespräch aus unlauteren Beweggründen. Vielleicht muss er einfach nur aufs Klo. Oder er bemerkt, dass die Gemüter erhitzt sind, und verschafft sich und dem anderen eine kleine Pause der Abkühlung.

Das Verhalten eines Menschen anhand eines Merkmals bewerten zu wollen, ist ohnehin nicht sinnvoll. Beobachten Sie Ihr Gegenüber weiträumiger, bevor Sie sich ein Urteil erlauben. Rechnen Sie damit, dass Sie gelenkt werden sollen, aber bleiben Sie dafür offen, dass die Welt viel freundlicher sein könnte, als Sie gerade glauben.  

Text: Petra Weiß
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Danke schön

Herzlichen Dank an alle Leser, die meine freiberufliche Tätigkeit durch einen Energieausgleich würdigen. Ich liebe die Arbeit an Texten. Mir macht es Freude, mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen zu teilen. Gleichzeitig habe auch ich alltägliche Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf und etwas Sojasahne im Kühlschrank. Daher bitte ich Sie, freiwillig einen angemessenen Energieausgleich zu leisten:

Konto: IBAN DE48 4306 0967 6022 2369 03
Bank: GLS Gemeinschaftsbank Bochum
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Verwendungszweck: “Weißheiten”

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