Mode mit Makeln

Schreibkunst-Texter-Fuesse

Als ich vor einigen Jahren bei einer Stilberatung in Berlin war, lautete eine der ersten Fragen „Was magst Du an Deinem Körper am meisten?“ Ich stand vor dem Spiegel und sah mich an. Üblicherweise tunnelt unser Blick auf unsere Schwächen. Wir haben in der Schule jahrelang erlebt, wie nicht unsere richtigen Äußerungen mit grünen Haken versehen wurden, sondern jeder Fehler in Rot angekreidet worden ist. Solch eine Konditionierung hinterlässt natürlich Spuren. Auch bei mir.

Sie ebnet den Weg zum Perfektionismus. Wir empfinden uns als unzureichend, wenn wir nicht fehlerfrei sind. Die Benennung der Noten zementiert den Irrtum durch die Macht der Worte. „Sehr gut“ und „gut“ scheinen noch ganz in Ordnung zu sein. Über „befriedigend“ oder „ausreichend“ könnte man sinnieren. Diese Wertungen sind irgendwas, aber auf jeden Fall nicht mehr „gut“. Und „mangelhaft“ oder „ungenügend“ – da sagt die Bezeichnung ja schon alles.

Als Teenager habe ich echt Ärger zu Haus bekommen, weil ich eine Eins MINUS heimgebracht habe. Eigentlich hätte ich die richtige Antwort gewusst. Ich war wohl nur unkonzentriert. Und genau das war mein „Vergehen“. Der Flüchtigkeitsfehler war unnötig. Solche Blüten kann das Streben nach Perfektion treiben. Es führt zu übertriebenem Anspruchsdenken. Man wird verbissen und der ganze Spaß hört auf. Durch perfektionistische Eltern und Lehrer wird diese Haltung von einer Generation an die nächste übertragen wie ein Staffelstab bei den Bundesjugendspielen.

Zurück vor dem Spiegel in Berlin

Nach einer Weile freute ich mich über etwas wirklich Positives, das ich ohne Eitelkeit und ohne Scham an mir selbst loben konnte: meine schön geschwungenen Haare, ihre Feinheit einerseits und ihre vitale Fülle gleichzeitig. Ja, das war etwas, worauf ich zu Recht stolz war. Es fanden sich später noch andere Punkte, aber dieser erste war praktisch der Knackpunkt zu mehr Selbstakzeptanz hinsichtlich meines Körpers.

Und nun das: Durch meine Erkrankung und durch die medikamentöse Behandlung geht mir die Haarpracht verloren. Erst kamen wenige kahle Stellen, die sich noch relativ gut kaschieren ließen. Zwischenzeitlich ist der Ausfall diffus, so dass beträchtlich Volumen verloren gegangen ist. Ich musste mich notgedrungen von einigen Zentimetern Länge trennen. Hätte ich nicht so eine pfiffige und begabte Friseurin, wäre das Ganze bestimmt ein Drama epischen Ausmaßes geworden.

Der Kurzhaarschnitt ist alles andere als ideal für meine Gesichtsform, besonders da nun das Cortison den typischen Vollmond hervorgebracht hat. Aber wenigstens passt der Bob zu meinem Stil und ist eine gute Basis für Wachstum in der Zukunft. Was mache ich in der Zwischenzeit? Ich nutze mein Mode-Wissen und mache das Beste aus der Situation.

Um anderen Menschen Mut und Hoffnung zu vermitteln, teile ich meine Erfahrungen hier mit Ihnen. Sie betreffen nicht nur den Umgang mit Haarproblemen, sondern mit Schönheitsfehlern im Besonderen und persönlichen Makeln im Allgemeinen.

Bedeutung der Samson-Mähne

Das Haupthaar ist Ausdruck unserer Lebenskraft. Jeder kennt „Bad-hair-days“: Tage, an denen die Frisur einfach nicht sitzt wie sie soll. Die Borsten stehen wild vom Kopf ab oder der Schopf hängt kraftlos herab wie nasse Birkenblätter nach einem Gewitterregen. Oft zeigt sich im Zustand der Haare die seelische Verfassung. Und wenn es uns schon nicht gut geht, müssen wir uns auch noch das Elend im Spiegel ansehen. Das macht die Lage insgesamt nicht besser. Da helfen weder Rundbürste, noch Gel oder Glätteisen wirklich. Ich habe mir angewöhnt, den Zustand als vorübergehend zu akzeptieren und den Haaren ihren Willen zu lassen.

Manchmal ist das Wachstum auf einem Stand, der sich gerade in eine Welle hineinkringelt, so dass vom natürlichen Fall kein geschmeidiges Bild zu erwarten ist, bis der Loop vollendet wird. Da kann man mit vertretbarem Aufwand wenig machen als Gelassenheit zu bewahren und sich in Geduld zu üben.

Exkurs

Andererseits sind Haare an Stellen, wo wir sie lieber nicht hätten. Oder wo die Sozialingenieure beschlossen haben, dass geschlechtsspezifische Unterschiede genauso wenig willkommen sind wie der natürliche Ausdruck unseres Erwachsenseins. Darauf gehe ich hier nicht näher ein. Das Thema ist vielschichtig und braucht eine separate Zuwendung in einem eigenen Beitrag. Ich wollte es nur der Vollständigkeit halber erwähnen.

Haarausfall ist ein typisches Männerproblem. Viele Herren kämpfen mit Geheimratsecken, einer Platte auf dem Hinterkopf oder einer Tonsur. Das Überkämmen der freien Flächen ist gottlob aus der Mode geraten. Wobei ich heute meinen Deutschlehrer verstehen kann, der versuchte, auf diese Weise seine Lichtung zu verdecken. Damals haben wir uns über seinen Makel lustig gemacht. Kinder können grausam sein. Heutzutage tragen die Betroffenen ihren Kopfputz ultra-kurz oder rasieren sich gar den Schädel, was beides je nach Typ durchaus ansprechend wirken kann. Gerade in Verbindung mit den trendigen Vollbärten kann sich daraus ein ziemlich cooler Look ergeben. Spätestens seit Bruce Willis wissen wir, wie sexy eine Glatze mit Dreitagebart sein kann. Nein, mein Deutschlehrer hätte einem Vergleich mit dem Kino-Helden sicher nicht standgehalten – egal, welche Frisur er trug. Er war eher der Typ “Lehrer Lämpel” aus “Max und Moritz”.

Was am „starken Geschlecht“ männlich wirkt, ist für uns Frauen keine Option. Weder der Bart noch die Vollrasur kommen für die meisten Damen in Betracht. Wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen.

Praktische Lösungswege

Meine Schwägerin trägt eingesteckte Haarsträhnen. Nicht, dass sie es nötig hätte, Volumen aufzufüllen. Sie tut das aus rein modischen Gründen, ohne besonderen Anlass. Zu Ihrem flippigen Typ passt die bunte Bereicherung der Haarpracht (zuletzt sah ich sie mit leuchtend grünen Strähnen) ganz hervorragend. Solch ein Gefieder mag nicht für jeden typgerecht sein. Deshalb kann es sich sehr lohnen herauszufinden, was für ein Stiltyp man ist. Dann entdeckt man auch die stilechten Lösungen. Sie sind ein Weg, aus der Not eine Tugend zu machen. Damit niemand hinschaut und denkt „Mein Gott, sind der Frau die Haare ausgegangen!“, sondern „Wow, die hat ja einen interessanten Kopfschmuck!“ und keiner bemerkt, dass er die Lösung für ein Problem ist.

Wie meine Leser mitbekommen haben, bin ich ein 1920-Terminator-Stiltyp. Ich mixe Elemente aus der Epoche von vor hundert Jahren und dem Sience Fiction Hollywood-Streifen, so dass Marlene Dietrich, Phryne Fisher und Sarah Conner in unterschiedlichen Gewichtungen zum Vorschein kommen. Ja, das ist natürlich ungewöhnlich. Aber einzigartig ist Ihr Stil vermutlich ebenfalls, auch wenn Sie davon noch nichts wissen.

Für mein Kopf-Malheur haben sich entsprechend Military Caps und Herrenhüte angeboten. Beides trage ich gerne – wenn ich unterwegs bin. Innerhalb geschlossener Räume finde ich eine Kopfbedeckung dieser Art etwas merkwürdig. Sie wirkt aufgesetzt. Die Doppeldeutigkeit konnte ich mir nicht verkneifen 😉 Auch wenn nach aktuellen Benimmregeln die alte Sitte noch gilt, dass Damen ihren Hut beim Betreten des Hauses (im Restaurant, Café etc.) aufbehalten dürfen, während die Herren ihren absetzen müssen, komme ich mir damit ein bisschen albern vor.

In meinem Online-Mode-Studium habe ich den Tipp von einer Kollegin erhalten, dass in den 1920er Jahren Turbane en vogue waren. Durch ein youtube-Video konnte ich lernen, welche Tücher sich eignen und wie man einen Turban bindet. Das ist kinderleicht. Wenn man erst einmal weiß, wie es geht.

Unterstützung durch die Gruppe

Der Trick ist, eine Lösung zu finden, die mindestens ebenso gut und vielleicht sogar noch schöner ist als der Zustand vor dem Eintreten des Problems. Das sieht in meinem Beispiel so aus: Die Turbane stehen mir außerordentlich gut. Ich werde sie auch noch tragen, wenn wallendes Haar wieder über meine Schultern fällt. Weil sie kein fauler Kompromiss sind, sondern zu mir passen.

Entscheidend war, dass ich mich in der Gruppe mitgeteilt habe. Ermutigt wurde ich durch eine Kollegin, die aus anderen – ebenfalls gesundheitlichen – Gründen eine Kopfbedeckung brauchte: Alle Teilnehmerinnen in dem Forum haben sich bemüht, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Liebevoll, fürsorglich und mitfühlend wurde mit ihrem Malheur umgegangen. Das war Balsam auch für meine Seele. Also habe ich mich getraut, mich in diesem vertraulichen Kreis zu outen.

Selbstverständlich ist es nicht immer empfehlenswert, sich mit seinen „Schwächen“ oder „Makeln“ in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Je nach Zusammensetzung der Gruppe findet sich immer ein Idiot, der abfällige Bemerkungen für witzig hält oder sein kleines Ego aufplustern muss. Darüber kann man hinwegsehen, wenn man in seiner Kraft ist. Aber wer ist schon so hartgesotten, dass ihn das narzisstische Geschwätz in einer persönlichen Krise kaltlässt?! Die meisten von uns sind empfindsamer als sonst, wenn es ihnen gerade nicht so gut geht.

Es spricht allerdings nichts dagegen, nach umsichtiger Wahl der Ansprechpartner auszuprobieren, wie wirklich wohlmeinende Menschen reagieren. Und dabei ihre Kreativität für die Lösungsfindung anzuzapfen. Genau sie ist es nämlich, die uns selbst in der Not oft verloren geht.

Hindernisse auf dem Weg

Warum halten wir uns außerdem zurück, uns der Schwarmintelligenz zu bedienen? Weil die Tipps zuweilen völlig daneben sind. Und wir nicht wissen, wie wir sie wertschätzend oder zumindest diplomatisch zurückweisen können.

Wenn eindeutig eine Boshaftigkeit enthalten ist, empfehle ich wärmstens, GAR NICHT zu reagieren. Das ist eine Nummer für Fortgeschrittene. Wir sind so erzogen, dass auch der blödeste Hinweis mit einem Dankeschön quittiert werden muss. Nun gut, dabei brechen Sie sich keinen ab.

Falls Sie unbedingt reagieren wollen: Nicken Sie allenfalls mit dem Kopf oder ergänzen Sie die Geste durch das simple Wort „Verstanden“. Weil sie ja wirklich verstanden haben, dass jemand Sie beleidigen will. Mir ist das im engsten Kreis schon widerfahren. Das muss Sie nicht grämen. Nehmen Sie es zur Kenntnis und gehen Sie einfach weiter. Bleiben Sie in der Verletzung nicht hängen. Es ist Ihre Lebenskraft. Sie entscheiden, wofür Sie sie ver(sch)wenden.

Ist der Tipp gut gemeint und dennoch für Sie unpassend, kann ich aus psychologischer Sicht und aus meiner eigenen Erfahrung dazu raten, sich eine formelhafte Antwort zurecht zu legen. Sonst wird man von unerbetenen Ratschlägen überfahren, weil sie ja meist überraschend kommen. Eine bewährte Strategie ist die Würdigung der guten Absicht in Kombination mit dem Offenlassen der Entscheidung bei gleichzeitiger Demonstration von Souveränität: „Du willst mir helfen. Das ist lieb von Dir. Danke für Deine gute Absicht. Ich werde darüber nachdenken. Und dann machen, was meinen Bedürfnissen am besten entspricht.“

Fangen Sie bloß keine Diskussionen an, warum Sie nicht sofort den Tipp befolgen. Sie geraten sonst nur in eine völlig ungebührliche Rechtfertigungsrolle. Das können Sie sich ersparen.

Kommen wir nochmal zurück zum Thema. Welche Möglichkeiten gibt es noch, mit den eigenen Makeln umzugehen?

Juwelen aus der Mode-Schatzkiste

Ein beliebter Trick unter Mode-Fachleuten ist die Blicklenkung. Wohin soll der Betrachter seine Aufmerksamkeit richten? Natürlich NICHT auf unsere Schönheitsfehler, die wir lieber ausblenden wollen. Sondern auf unsere Schokoladenseiten. Dafür gibt es eine ganze Palette an Empfehlungen.

Das Ausblenden funktioniert durch Kaschieren und Verdecken. Das liegt auf der Hand. Da wären Sie auch ohne mich darauf gekommen. Und doch sind einige Ratschläge überraschend. Wenn eine Frau beispielsweise ihren Bauch für zu voluminös hält, hängt es von der Silhouette ihrer Statur ab, wie sie damit am Besten verfährt.

Beispiel Figuroptimierung

Ist ihre Figur von Natur aus so gestaltet, dass sie über einen stattlichen Rumpf und schlanke Extremitäten verfügt, dienen ihr ganz andere Strategien als einer Frau, die mit einer Sanduhr-Figur gesegnet ist. Während die eine den Blick auf die schlanken Beine und / oder Arme lenkt, betont die andere ihre Taille, auch wenn sie ein Bäuchlein hat. Sind hingegen die Proportionen so, dass die Hüften deutlich breiter sind als die Schultern, wird oben Volumen hinzugefügt, um insgesamt einen ausgewogenen Eindruck zu machen, damit der Bauch optisch in den Hintergrund rückt. Drei Damen mit demselben Problem, aber drei ganz unterschiedliche Lösungen.

Ein paar Tricks aus dem Modenähkästchen – ich nenne es „die Blickpunkthierarchie“ – will ich Ihnen gerne verraten: helle Töne, leuchtende Farben, glänzende Materialien, Stoffe mit Oberflächenstruktur oder Muster sowie dekorative Details, insbesondere bewegliche Teile, ziehen immer den Blick auf sich.

Blickpunkthierarchie

Möchten Sie also, dass der Betrachter Ihren Hüften besondere Aufmerksamkeit schenkt, brauchen Sie Hosen, die in Hüfthöhe entweder den Bund haben oder Taschen oder Ziernähte. Sind Jeans „distresst“, weisen also absichtliche Beschädigungen auf, oder sind irgendwo Pailletten angebracht, metallische Fäden eingearbeitet u.s.w., kann man gar nicht anders, als genau dort hin zu sehen. Ähnliches bewirkt Transparenz durch Spitze, Häkel/Strick oder durchscheinende Materialien. Platzieren Sie solche Effekte daher immer im Bereich Ihren schönsten Körperregionen. Und verzichten Sie darauf, den Blick genau dorthin zu richten, wo Sie eigentlich lieber unsichtbar bleiben wollen.

Das gilt übrigens auch für das Aufeinandertreffen von farblich unterschiedlichen Flächen oder kontrastreichen Kombinationen. Eine weiße Bluse und eine schwarze Hose blenden den Unterleib aus, betonen den Oberkörper und lenken den Blick auf den Hosenbund bzw. den Blusensaum. Also dahin, wo die Farbflächen sich berühren. Wollen Sie das? Dann nur zu! Vorteilhaft ist dieses Vorgehen bei eingestecktem Oberteil für Frauen mit A-förmiger Statur und Taille.

Eine Frau mit O-Figur könnte beispielsweise eine Tasche mit plüschiger Verzierung oder wehenden Fransen so tragen, dass sie in Höhe ihrer Gazellen-Beine hängt und dorthin den Blick lenkt. Oder sie lockt das Auge durch Schuhe aus metallisch glänzendem Material gleich auf ihre grazilen Fesseln.

Besonderheiten in Gesichtsnähe

Das Prinzip funktioniert nicht nur bei figürlichen Bedürfnissen, sondern bei allem, was wir in unserem Perfektionswahn als Schönheitsfehler empfinden. Will ich von meinem Kopfhaut-Malheur ablenken, platziere ich zum Beispiel eine auffällige Kette im Dekolletee. Das leitet den Blick in Richtung Gesicht, was ohnehin meist eine gute Lösung ist. Es sei denn, man hat im Moment ein Cortison-Gesicht mit ungünstiger Fettverteilung.

Die Gesichtsform lässt sich teilweise „korrigieren“. Die dekorative Kosmetik kann hier manchmal Wunder bewirken. Vielleicht sind Sie ein Naturtalent mit Rouge-Pinsel, Wimperntusche und Eyeliner. Sonst fragen Sie eine Kosmetikerin, was Sie mit vertretbarem Aufwand tun können. Ein anderer Trick ist der Einsatz einer (natürlich typgerechten und stilistisch passenden) Brille oder einer ebensolchen Kopfbedeckung. Probieren Sie einfach aus, welche Form Ihnen am Meisten schmeichelt. Es gibt für jedes Gesicht die passende Mütze und einen kleidsamen Hut oder ein schönes Nasenfahrrad. Bei einem erfahrenen Optiker erhalten Sie für Letzteres fachkundige Beratung.

Sobald Sie sehr in Gesichtsnähe operieren, lohnt es sich, mit Eigenfarben zu arbeiten. Alles andere rächt sich. Wie ich das meine? Wenn Sie exakt den Farbton Ihrer Augen, Haare oder Haut für das Brillengestell, das Halstüchlein oder die Kappe nutzen, wirkt das Ergebnis immer harmonisch. Und Sie müssen diese Farbe nicht an anderer Stelle im Outfit wiederholen (das nennt man „eine Farbklammer setzen“), damit sie nicht verloren wirkt. Sie sind dann die Farbklammer.

Vergreifen Sie sich im Ton, kann die Optik harmonisiert werden, falls die “falsche” Farbe gesichtsfern erscheint. Man reduziert die Fläche durch Lagen-Look, verwischt den Gesamteindruck durch einen passendere Nuance derselben Farbe und / oder platziert einen idealen Ton, der näher am Gesicht liegt. Das geht mithilfe von Schmuck und Accessoires im Kopfbereich bzw. für unsere Schminkfreundinnen mit Lidschatten oder Lippenstift.

Allgemeine Hinweise

Wenn wie bei mir gerade mehrere Baustellen es schwierig machen, den Blick auf geliebte Partien zu ziehen, hilft ein genereller Trick: die individuell passenden Farben einsetzen. Wem z.B. leuchtende Farben gut stehen, der sieht mit pudrigen, pastelligen oder gedeckten Tönen blass und krank aus. Und umgekehrt, wer gedämpfte Töne braucht, der wirkt mit intensiven Farben schnell wie angemalt. Sein Teint wird dadurch leider nicht leuchtend, sondern fahl. Falten, Unregelmäßigkeiten im Hautbild oder Hautunreinheiten kommen noch deutlicher zum Vorschein.

Der beste Ratschlag, den ich Ihnen geben kann, betrifft den Stil: Kleiden Sie sich so, dass es zu Ihnen passt. Das darf dann ruhig auch auffällig sein – wenn Auffälligkeit zu Ihrem Typ gehört.

Falls all das nicht dazu führt, dass Sie sich fühlen wie Cindy Crowford oder Grace Kelly? Dann besinnen Sie sich auf den Zaubertrunk gegen übertriebenen Perfektionismus. Der Satz ist ganz einfach: „Gut ist gut genug.“ Wiederholen sie ihn wie ein Mantra – so oft bis er in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wir können unsere spontanen Reaktionen schulen. Gestalten Sie Ihr Bewertungssystem um. Wer sollte Ihnen das verbieten?! Vergeben Sie sich selbst die Note „genügend“. Setzen Sie „genügend“ = „gut“. Und verlangen Sie kein „sehr gut“ von sich.

Sie haben Stellen, die Ihnen als Makel erscheinen – Punktabzug in der B-Note? Willkommen im Club. Wir beide sind damit nicht allein. Ich könnte viele Beispiele aus meinem privaten Umfeld, aus meiner Arbeit oder aus der Öffentlichkeit nennen, will mich aber auf das eindrucksvollste beschränken: Die bezaubernde Film-Schönheit der 1960er Jahre Audry Hepburn hat sich über ihre „zu großen“ Füße gegrämt. Hätten Sie das gedacht? Schönheitsfehler sind subjektiv. Jedes noch so schillernde Idol kann bei Bedarf etwas an sich auszusetzen finden. Das dient niemandem.

Machen Sie es wie die Stilberaterinnen in Berlin: Halten Sie gezielt Ausschau nach Lobenswertem. Nehmen Sie genau das in den Fokus. Lenken Sie Ihren eigenen Blick, während Sie durch modische Tricks die Augen der außenstehenden Beobachter zu Ihren Schokoladenseiten locken. Und seien Sie gnädig mit den Körperpartien, die nicht zu den Stars Ihrer Erscheinung auserkoren sind.

Das hilfreiche “Mindset”

Es ist überhaupt nicht vonnöten, in allen Fächern eine Eins zu erreichen. Zeugnisse, die ein Profil von starken und weniger starken Bereichen aufweisen, zeigen Charakter und Einzigartigkeit. Niemand muss alles gleich gut können.

Manche Menschen sind von Natur aus vielseitiger begabt, andere haben ganz spezielle Talente, die es zu entdecken und zu fördern gilt. Ein Anhaltspunkt ist für mich die Balance der Elemente, welche in der Konstitution angelegt sind. Dem einen liegt die luftige Kommunikation mehr, dem anderen die erdige Struktur, dem nächsten das harmonische Miteinander und den übrigen das feurige Umsetzen von Plänen in die Tat. Und natürlich sind alle Kombinationen “in freier Wildbahn” anzutreffen.

Über den Erfolg im Leben oder das Glücklichsein sagt diese Anlage rein gar nichts aus. Es kommt darauf an, die eigenen Stärken zu finden und zu entwickeln, statt auf die Schwächen zu starren, sich schlecht zu fühlen und diese krampfhaft ausmerzen zu wollen.

Fangen Sie an, statt der roten Kreide grüne Häkchen zu verteilen. Diese veränderte Haltung wird Ihnen in vielen Lebensbereichen dienlich sein, nicht nur in der Annahme Ihrer körperlichen Besonderheiten.

Erlösende Trennungen

Bewusstseinsarbeit kann man anhand von ganz unterschiedlichen Anliegen üben. Hier geht es um das Erscheinungsbild nach außen, deshalb nutze ich noch ein Beispiel aus der Welt der Mode, das Einfluss auf die Psyche hat: Viele von uns nehmen reflexhaft Schuld auf sich. Es hat sich beispielsweise bewährt, sich von Kleidungsstücken zu trennen, in denen man nicht gut aussieht oder sich nicht wohlfühlt. Es ist im ersten Schritt egal, ob das an der Farbe, am Muster, am Schnitt, am Material, an der Passform oder an stilgebenden Details liegt. Sie und der Fummel passen einfach nicht zusammen. Es ist nicht Ihre Schuld. Das Teil darf gehen.

Um künftig nicht weitere Teile mit demselben Mangel an Passung zu kaufen, macht es natürlich schon Sinn, sich darüber klar zu werden, was genau nicht gepasst hat – aber bitte ohne (Selbst-)Vorwürfe. Wie bei der Trennung von einem Menschen oder einer Lebenssituation, für die Sie sich bewusst entscheiden haben.

Vielleicht ahnen Sie, welche inneren Veränderungsprozesse mit der gedrehten Grundeinstellung zusammenhängen können. Und wie befreiend in diesem Sinne das bewusste Aussortieren der Garderobe sein kann. Der Vorgang wirft überholte Glaubenssätze mitsamt der ausgedienten Textilien über Bord.

Ende gut…

Und nun stellen Sie sich vor, dass Sie in Ihrem Lieblings-Outfit vor den Spiegel treten. Alles stimmt: genau Ihre Farben, ein gefälliges Muster (das kann auch uni bedeuten), eine schmeichelhafte Silhouette, Materialien von einer Beschaffenheit, mit der Sie in jeder Hinsicht gut eingepackt sind, ein Wohlfühllächeln im Gesicht. Ihr Blick ruht auf schönen Details oder auf der Gesamterscheinung. Freuen Sie sich an dem Gefühl. Sie dürfen mit sich zufrieden sein, ohne Gefahr zu laufen, dass Sie ein eitler Gockel werden. Es ist gut so wie es ist. Und wenn es durch Veränderungen noch besser werden kann, ist das willkommen, aber kein Muss.

Mit dieser entspannten Herangehensweise entfalten Sie Ihre Kreativität und gewinnen ein Mehr an Gelassenheit. Dadurch können Sie sich aufrichtig in die Welt stellen. So wie Sie sind. Denn ganz sicher, sind Sie genau so gut genug 🙂

Text: Petra Weiß
Foto:  Rainer Sturm / PIXELIO

Danke schön

Herzlichen Dank an alle Leser, die meine freiberufliche Tätigkeit durch einen Energieausgleich würdigen. Ich liebe die Arbeit an Texten. Mir macht es Freude, mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen zu teilen. Gleichzeitig habe auch ich alltägliche Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf und etwas Sojasahne im Kühlschrank. Daher bitte ich Sie, freiwillig einen angemessenen Energieausgleich zu leisten:

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist psychologische Beraterin und Stil-Detektivin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

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