Ups falsch verstanden…?

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Haben Sie es schon einmal erlebt, dass Sie plötzlich als Verlierer eines Disputs dastehen, obwohl Sie gar nicht wissen, was Ihnen gerade widerfahren ist? Sie bleiben mit einem unklaren Eindruck zurück, dass man Sie irgendwie an die Wand geredet hat, und hatten gefühlt keine Chance, sich zu wehren.

Es gibt Menschen, die beherrschen die hohe Kunst der Manipulation durch Sprache. Um ihren Argumentationskünsten wirksam zu begegnen, müssen wir lernen, die Tricks zu durchschauen. Das ist der Zweck der Reihe „Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…“

In den letzten beiden Teilen haben wir uns schon mit verschiedenen Taktiken von „unfair warfare“ (ugs. tückische Kriegsführung) im Wortgefecht beschäftigt:

Scheinargumente mit Tradition

All-gemeine Argumente.

Heute widmen wir uns einer anderen Strategie: dem bewusst herbeigeführten Missverständnis.

Zur Veranschaulichung betrachten wir wieder eine Szene mit Alltagscharakter: Wir folgen dem Versuch einer wohlmeinenden Mutter, ihr Kind zu einer gesunden Ernährung zu bewegen, und den durchaus kreativen Lösungsansatz des Sprösslings, kein Gemüse essen zu müssen:

Ein bisschen fadenscheiniger als die beiden vorherigen Taktiken, aber zuweilen erheiternd ist es, doppeldeutige Begriffe bewusst falsch zu verstehen. Sagt beispielsweise die Mutter „Wenn du den Spinat isst, wirst du groß und kräftig“, kann der Bub sich auf den übergewichtigen Nachbarsjungen beziehen und entgegnen „So kräftig wie der dralle Kalle?“ So hat Muttern die Aussage selbstverständlich nicht gemeint. Das ist aber wurscht. Man will an dieser Stelle ja nur ihr Argument vom Esstisch fegen.

Manchmal nutzen Menschen Parabeln und Vergleiche, um ein Prinzip deutlich zu machen. Dieses Vorgehen kann sehr einleuchtend sein. Oder gezielt auf die Schippe genommen werden wie im folgenden Beispiel.

Eltern versuchen, Ihren Zöglingen Sachverhalte kindgerecht zu erklären und greifen dabei oft auf Geschichten und Figuren zurück, die den Kleinen schon vertraut sind. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, birgt allerdings auch Gefahren für den weiteren Verlauf des Gesprächs, wie wir gleich sehen werden:

Der Seemann Popeye entwickelt übermenschliche Kräfte, sobald er Spinat isst. Es wäre naheliegend für die Mutter, sich auf diese Comicfigur zu berufen, um ihren Sohn das Grünzeug schmackhaft zu machen: „Dann wirst du so stark wie Popeye!“ Nun muss unser Spinatverweigerer nur ignorieren, dass es sich dabei logischerweise um eine Metapher handelt. Er könnte eine konkrete Szene aus der Phantasiegeschichte dem Anschein nach für bare Münze nehmen und fragen „Dann kann ich ein Schiff mit einer Hand in die Höhe heben? Wirklich?“ Und schon wäre das Argument der Frau Mama am Esstisch verpufft, noch bevor der Spinat erkaltet.

Text und Bild: Petra Weiß

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Zur Autorin

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.