Das Leben lieben!

Schreibkunst Texter Schriftsteller

Im Rahmen meiner Videosprechstunde treffe ich regelmäßig einen Patienten, der seit Jahren unter wiederkehrenden Depressionen leidet. Nun hat er mich zum dritten Mal mit den Worten begrüßt: „Frau Weiß, Sie strahlen immer so.“ Und in der Tat, wenn ich mein Bild auf dem Video sehe, strahle ich wie der Broadway bei Nacht.

Warum ist das so?

Verkenne ich die Situation, die für den Patienten wirklich ernst ist? Nein, mir ist sehr bewusst, was er gerade durchmacht. Ich bin voller Mitgefühl und Verständnis. Das Wesen einer Depression ist mir durchaus vertraut. Auch ich habe solche Zeiten in meinem Leben gehabt.

Bin ich aus therapeutischer Überheblichkeit in Vorfreude auf den Triumph, weil ich diejenige sein werde, die dank meiner außergewöhnlichen Fähigkeiten diesen Menschen retten wird? Keineswegs. Die Fragilität der Situation ist mir klar. Wir arbeiten seit mehreren Jahren zusammen, die Hintergründe sind komplex, einfache Lösungen nicht zu erwarten.

Wie komme ich also dazu, mit strahlenden Augen in die Kamera zu lächeln?

Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich meine Arbeit liebe, erleichtert bin, dass ich mit der Technik unerwartet gut zurecht komme, und dass ich den Mann auf der Herzebene von Mensch zu Mensch wirklich mag.

Zum anderen ist diese Lebensfreude einfach in mir. Sie war immer da. Auch und gerade in besonders anspruchsvollen Lebensphasen bin ich tanzen gegangen – lange nachdem ich dem Disko-Alter eigentlich entwachsen war. Die einstudierten Schrittfolgen lagen mir nicht. Lieber zappelte ich stundenlang im „Freestyle“ über die Tanzfläche. Mein Körper bewegte sich ganz von allein zu den fetzigen Rhythmen und beschwingten Melodien.

Ich wurde gefragt, wo ich diesen Tanzstil erlernt hätte. Gar nicht. Ich habe ihn entwickelt. Oder besser: Er hat sich aus mir heraus von selbst entwickelt. Genauer: Aus meinem Selbst heraus hat er sich entwickelt. Diese Art des Tanzens ist also eine kreative Form des Selbst-Ausdrucks.

Im Auto lag immer ein Handtuch bereit, damit ich mich nicht verkühle, wenn ich schweißüberströmt und glücklich die Rückfahrt antrat. An diese Erinnerungen kann ich heute anknüpfen, wenn ich Gefahr laufe, dass mir die Lebensfreude abhanden kommt.

Der Beitrag des Einzelnen

Auch ich nehme wahr, dass die Welt sich in einem katastrophalen Zustand befindet. Wird sie dadurch besser, dass ich in einem Depressionsloch verschwinde? Glauben Sie mir: Meine Gemütsverfassung ist den dunklen Mächten in Politik, Wirtschaft und Hochfinanz herzlich egal. Dabei liegt in ihr ein kostbares Potenzial.

Im Sinne einer Schwingungserhöhung ist es eher dienlich, wenn ich gut für mich sorge. Wir speisen alle unsere Stimmungen und Gedanken in das Morphische Feld der Erde ein. Über das kollektive Bewusstsein wirkt jeder daran mit, wie sich die Menschheit entwickelt. Setzen wir den lebensfeindlichen Bestrebungen skrupelloser Geschäftemacher und Machtmenschen etwas entgegen: unsere Liebe zum Leben. Und verleihen wir ihr Ausdruck. Was wir dann versprühen ist Lebensfreude. Sie ist ansteckend.

Selbstausdruck ist immer individuell

Finden Sie einen Ausdruck, der Ihnen entspricht. Tanzen ist nicht jedermanns Sache. Wobei es nützlich sein kann, den lebendigen Leib zu spüren, um wieder mit der Lebensfreude in Kontakt zu kommen. Gerade bei depressiven Verstimmungen ist dieser Zusammenhang bekannt und gut belegt.

Weniger bewegungsfreudige Menschen spüren sich beim sinnlichen Genuss. Das kann ein Stück Kuchen sein oder ein heißes Bad, die Berührung eines lieben Menschen oder das Hören einer erbaulichen Musik.

Den Genuss genießen

Hören wir endlich auf, unsere schönsten Momente durch konventionelle Bewertungen zu zerstören. Solange Sie sich über die Kalorien oder den Fettanteil Gedanken machen, während Sie eine Donauwelle kosten, wird das nichts. Kaum hat man sich versehen, ist der Bissen am Gaumen vorbei, ohne dass man ihn wirklich bemerkt hat.

Lenken Sie stattdessen Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf den Geschmack, auf das Verändern der Beschaffenheit des Häppchens in Ihrem Mund, während Sie kauen. Kauen Sie ausgiebig bevor Sie schlucken. Freuen Sie sich an der Handwerkskunst des Bäckers, an der Tradition des Rezepts, an der Schönheit der Gestaltung, oder was auch immer für Sie ein wichtiger Wert ist, den der Kuchen erfüllt.

Lassen Sie sich das Erlebnis eines Wannenbads nicht vermiesen, indem Sie sich damit grämen, wie viele Liter Wasser Sie gerade „verschwenden“. Auf das SCH können Sie getrost verzichten. Kein Tropfen ist verschwendet, wenn Sie das Bad genießen und es Ihrem Wohlgefühl dient. Wir sind viel zu sehr in schlechtem Gewissen gebadet durch all die Ideologien, mit denen man uns Schuldgefühle einflößt von früh bis spät.

Ein neue Haltung einnehmen

Gebieten Sie solche Gedanken Einhalt, z.B. mit einem großen roten STOP-Schild vor Ihrem geistigen Auge. Eine abwehrende Handgeste kann die Wirkung unterstützen.

Machen Sie sich die Konditionierung bewusst, die Sie durchlaufen haben: Wehe, wenn wir einfach nur etwas für unser Wohlbefinden tun, statt nützlich zu sein! „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Mit solchen selbstschädigenden Glaubenssätzen sind die meisten von uns aufgewachsen. Dabei liegt im baren Sein ohne nutzbringende Absicht ein großer Schatz.

Die grundlegenden Einfälle zu wichtigen Erfindungen kamen den Forschern nicht im Labor oder in der Werkstatt, sondern unter der Dusche oder in der Hängematte. Manchmal auch bei gedankenverlorenen Alltagstätigkeiten, z.B. beim Bügeln oder bei der Gartenarbeit.

In diesen Augenblicken bricht das Selbst sich Bahn und dringt mit seiner Schöpferkraft in unser Bewusstsein vor. Was dann als Erfindung in die Welt findet, entstammt den Tiefen unseres Seins.

Ergänzen Sie das STOP-Schild und die Handgeste um einen neuen Glaubenssatz, durch den Sie den alten ersetzen. Allgemein: „Wohlbefinden ist mein Geburtsrecht.“ oder „Auch im großen Schweren kann ich etwas kleines Leichtes finden.“ Oder konkret: „Ich übe mich in der Kunst des Nichtstuns.“

Darf ich das?

In der Psychotherapie hat es sich bewährt, wenn Menschen eine Erlaubnis erhalten, gut für sich zu sorgen. Im fortgeschrittenen Zustand erteilen sie sich die Erlaubnis selbst.

Sie können sich zu diesem Zweck eine Urkunde ausstellen, z.B. mit dem Text „Ich, (Name), erlaube mir hiermit feierlich, mich auszuruhen, wann immer mein Körper, meine Seele oder mein Geist eine Pause benötigt. Und auch wenn es gar nicht nötig ist, sondern einfach nur mein Wunsch, darf ich ruhen.“

Malen sie ein amtliches Siegel auf das Papier, spannen Sie es in einen schönen Rahmen und hängen Sie es auf – ganz praktisch oder als Visualisierungsübung.

Knifflige Probleme löse ich – ohne angestrengt darüber nachzudenken – häufig beim Spazierengehen bzw. auf dem Laufband. Verborgene Zusammenhänge werden mir beim Hören von Audio- und Videobeiträgen bewusst, die ich mir „faul im Bett oder auf der Couch liegend“ zu Gemüte führe.

Und woher stammt mein Strahlen während der Sprechstunde?

Das Geheimnis will ich hier gerne lüften: Ich habe mir angewöhnt, bei Bedarf ein paar Minuten fetzige Musik aufzulegen, bevor ich mich mit ganzem Herzen und aller Aufmerksamkeit dem nächsten Patienten widme. Und manchmal zapple ich dabei durch die Praxis – so wie es meinem ganz persönlichen Ausdruck der Lebensfreude entspricht.

Text: Petra Weiß
Foto: knipseline / PIXELIO

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

 

 

Sonnwend-Gedanken zur Spiritualität

Texter Schreibkunst Essayist

Seit vielen Jahren begleite ich Menschen auf dem Weg zu sich selbst. Die Anlässe sind vielgestaltig. Die einen kommen aus gesundheitlichen Gründen, die anderen aus beruflichen oder privaten. Wenn sie dann entdecken, dass sie zwar ganz konkrete Schwierigkeiten bewältigen wollen, aber im Grunde (nur) einen Auslöser für Ihre Selbst-Suche gebraucht haben, sind die meisten überrascht.

Wir sind auf einer Reise zu uns selbst, wenn Sie so wollen: auf einem spirituellen Pfad. Der Begriff ist landläufig verhunzt. Einige verwechseln Spiritualität mit Esoterik. Darüber, was Esoterik ist (übrigens gar nichts Schlimmes), und über die Unterschiede zur Spiritualität könnte ich jetzt eine eigene Abhandlung schreiben. Das führt hier zu weit.

Stattdessen will ich Ihnen eine klare Definition von Spiritualität geben, die den Begriff aus der Spinner-Ecke oder aus religiösen Vorstellungen herausholt:

Es geht um das Bewusstwerden darüber, dass unser Dasein einem geistigen (spirituellen) Prinzip folgt. Und um die Suche danach, was dieses Wesentliche in uns ist. Auf einer ganz grundsätzlichen Ebene stellen wir uns drei Fragen:

Wer bin ich?

Woher komme ich?

Wohin will ich?

So einfach ist Spiritualität aus meiner Sicht zu begreifen. Und aus meiner eigenen Erfahrung kann ich hinzufügen: Die Fragen zersplittern in tausend Teile, während man ihnen nachgeht. Jeder Splitter ist eine Facette des Ganzen und die Antworten führen alle zurück zum Kern.

Nehmen wir eine Frau, die trotz lebensbedrohlicher Erkrankung ihren wenig geliebten Beruf mit riesigem Energieaufwand vorantreibt, obwohl sie bereits wüsste, wohin ihr Herz sie trägt. Manche würden sagen: Sie hat ihre Lebensaufgabe oder ihren Seelenauftrag gefunden. Die Frage, wohin sie will, hat sie bereits zu einem Gutteil erforscht. Nun gilt es zu klären, was sie davon abhält, ihr Selbst auf die ihr gemäße Weise in die Welt zu bringen. Die Antworten werden vermutlich Fragmente zu den beiden anderen spirituellen Leitfragen sein. Für Ihren Bewusstseinsprozess spielt es keine Rolle, ob Sie herausfindet, warum sie krank geworden ist und wie sie gesund werden kann, oder warum sie den Schritt in die Selbstständigkeit nicht in der gebotenen Entschlossenheit wagt. Beide Fragestellungen werden letztlich zur selben Erkenntnis führen.

Die Erkenntnis allein bringt leider noch kein Heil. Schade.

Wir sind in der 3D-Welt, um unser Wesen zu verwirklichen. Sonst könnte unser Bewusstsein ja als pure Energie weiter – je nach Weltanschauung – durch den Äther, durchs All oder durch das Multiversum tollen und uns die ganzen Mühen hier ersparen.

Nehmen wir also an, unsere Seele hat sich einen Körper gesucht, der aus unserem Bewusstsein gebildet wurde, um durch ihn das Selbst in die Materie zu bringen. Das Umsetzen unserer Wesenskraft ist vonnöten. Das bezeichne ich als Transformation: Wir bringen das geistige Prinzip, aus dem wir entstanden sind, auf die Erde, einen winzigen und gleichsam für unsere Existenz und für die gesamte Menschheit bedeutenden – weil einzigartigen – Teil der Schöpfung.

Vielleicht ist das weit verbreitete Verlagen nach Perfektion nur ein Ausdruck der Sehnsucht nach der Ganzheit, zu der jeder einzelne gehört: Die Welt kann ohne Dich bestehen, aber dann ist sie nicht komplett. Um den Gedanken fortzuführen, könnte man sagen: Wenn jeder sein Selbst verwirklicht, ist die Schöpfung auf Erden vollständig. Mit einem solchen Bild vom Paradies kann ich etwas anfangen.

Wann ist jemand spirituell?

Immer wieder höre ich in diesem Zusammenhang das Wort „Meditation“. Finden Sie heraus, was für Sie Meditation bedeutet, wenn Sie das wollen. Oft hilft die Herkunft eines Wortes, die Bedeutung zu begreifen. In unbequemen Positionen regungslos auf einem Kissen zu sitzen, hat mit Meditation wenig zu tun. Dafür müssen wir den Körper ausblenden. Und genau das ist ja die Krux: Unser Bewusstsein IN dem Leib zu verankern und das Selbst in der realen Welt zu verwirklichen, ist gelebte Spiritualität. Wenn Sie dazu ein Meditationskissen verwenden und dabei Yoga-Kleidung tragen wollen – von mir aus. Notwendig ist das nicht. Yoga genießt meine volle Achtung. Die Indische Lehre vom Leben ist ein Weg, der in die Tiefe führen kann. Aber nicht nur als Freizeitbeschäftigung oder Leibesübung, sondern als innere Haltung und spirituelle Weltsicht.

Jeder Mensch ist ein seelisch-geistiges Wesen in einem physischen Leib, egal, ob ihm das bewusst ist oder nicht. Insofern ist jeder „spirituell“. Das Bewusstsein allerdings macht den entscheidenden Unterschied, ob wir unser Dasein als sinnerfüllt erleben. Wir haben die freie Wahl, worin wir unser Glück suchen wollen.

Was ist Glück?

Die Verwirrung entsteht, indem man uns weismacht, Glück sei der Genuss einer leckeren Torte oder ein Album voller Urlaubsfotos. Bezeichnen wir solche Momente lieber als Augenblicksglück. Sie haben ihren Zweck. Solche Genüsse bringen uns ganz ins Hier und Jetzt, weil die sinnliche Wahrnehmung durch Schmecken, Riechen, Sehen etc. das Bewusstsein im Leib verankert. Glück im Sinne von Erfüllung hingegen erleben wir, wenn unser Tun mit unserem Selbst in Einklang ist. Weil wir das Selbst durch die Handlung zur Wirksamkeit bringen – ver-wirk-lichen eben.

Kennen Sie den Film „Matrix“? In Abwandlung der Worte des Orakels will ich Ihnen zurufen: Niemand kann Ihnen sagen, was Ihr Selbst ist oder wer Sie selbst sind. Das ist wie verliebt sein: Wenn Sie es sind, wissen Sie es einfach. Sie spüren es mit jeder Faser Ihrer Seele und mit jeder Zelle Ihres Körpers. Ihr Kompass schlägt aus. Es ist wie ein Einrasten zwischen der Seele, dem Geist und dem physischen Leib. Plötzlich fühlt sich etwas „rund“ oder „stimmig“ an. Ob der Verstand begreift, warum das so ist, braucht nicht im Vordergrund zu stehen. Sich forschend und mit offenem Herzen auf den Weg zu begeben, dient uns mehr, als regelhaft an Ritualen zu kleben. Gleichwohl manche Rituale sehr hilfreich sein können.

In der Stille zur Erkenntnis finden

Hier kommt ein aktueller Bezug ins Spiel: die Raunächte. Sie folgen mit drei Ruhetagen Abstand auf die Wintersonnwende. Ihre Anzahl ergibt sich rechnerisch aus der Differenz zwischen dem Mondjahr (12x rund 29,5 Tage entsprechend dem astronomischen Mondlauf) und dem Sonnenjahr: etwa 365 Tage pro Umrundung. Der Sage nach sind in dieser Zeit die Schleier zwischen der diesseitigen und der geistigen Welt durchlässiger als sonst. Wir haben es leichter, Zugang zu unserem geistigen Wesen zu finden. Von dort dürfen wir uns wahrhaftige Antworten auf unsere wesentlichen Lebensfragen erwarten.

Ob die Zeitqualität „zwischen den Jahren“ eine andere ist oder ob wir zu dieser Jahreszeit durch die Abläufe in der Natur bedingt zur Ruhe und damit zu uns selbst kommen, kann ich nicht sagen. Empfehlenswert ist es allemal, diese Zeit bewusst zu nutzen, um „zur Besinnung“ zu kommen. In alter Tradition kann man der Ahnen gedenken, Kerzen entzünden und räuchern – als Sinnbild für Transformationsprozesse. Manche schreiben Wünsche für die kommenden 12 Monate auf Zettel, die Sie dann dem Feuer übergeben. Wählen Sie frei, wozu Sie sich hingezogen fühlen.

Raunächte für Einsteiger sind wie ein Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Dieser kann Anregungen geben, sich darüber klar zu werden, was man eigentlich will. Raunächte für Fortgeschrittene lassen offen, ob das Selbst sich in Form von Träumen oder synchronistischen Erlebnissen (ein Muster scheint durch ganz verschiedene Lebensbereiche hindurch, ein Thema wiederholt sich) und Analogien äußern will. Die Deutung von Symbolen gibt dem Geistigen Raum und bringt uns auf ganz neue Ideen oder auf alte lange verschüttete Einfälle zurück. Das Lauschen nach innen fernab der Hektik unseres Alltags kann Überraschendes zutage bringen: Statt Antworten tauchen manchmal Fragen auf, die uns zu wertvollen Erkenntnissen führen. Meine Empfehlung: Seien Sie offen für das, was kommt.

Vertrauen

Ihr Selbst weiß ganz genau, welche Hinweise Sie jetzt benötigen, um den nächsten sinnvollen Schritt zu gehen. Beobachten Sie Ihre Eingebungen und scheinbare Zufälle, halten Sie beim Erwachen die Erinnerungen an Ihre Träume fest oder den ersten Gedanken im Halbschlaf. Bitte machen Sie keinen Leistungssport daraus. Je entspannter Sie bleiben, desto leichter fließt es durch Sie hindurch.

Möglicherweise gehören Sie zu den Menschen, die gerade bemerkt haben, dass größere Veränderungen in Ihrem Leben anstehen. Die kommende Zeit ist eine gute Gelegenheit, sich zu orientieren, und zwar am eigenen höheren Selbst, statt an irgendwelchen äußeren Merkmalen. Die Zeit der faulen Kompromisse ist vorbei. Jetzt geht es in Richtung Integrität, Aufrichtigkeit und Selbsttreue. Ein aufregendes Abenteuer, eine Heldenreise steht Ihnen bevor – oder Sie befinden sich bereits mittendrin.

Wenn Sie sich den Entwicklungen bewusst hingeben – und das heißt nicht aufgeben! -, statt sich an Widerständen abzukämpfen und Ihre Energie in Schattenkriegen zu versenken, landen Sie am Ende immer bei sich.

Beliebte Irrtümer

Viele – wenn nicht sogar die Mehrheit – der Menschen hechelt irgendwelchen Zielen hinterher, die gar nicht die eigenen sind. Sie haben keine wirklichen Herzensanliegen. Oder zumindest haben sie die ureigenen noch nicht entdeckt. Mit konventionellen Zielen kann man ein komplettes Leben beliebig verschwenden. Eines Tages geht der Deckel zu. Werden wir uns dann „im Jenseits“ oder „in der Anderswelt“ darüber freuen, dass wir beruflich so erfolgreich gewesen sind? Werden wir unser Leben zufrieden betrachten und sagen „Toll, dass ich meine Fenster immer so schön sauber hatte!“ oder „Ich war auf 15 Demos für Freiheit und Frieden“.

Nun ja, wenn Ihre beruflichen, häuslichen oder politischen Ziele mit Ihrem Selbst in Übereinstimmung waren, schon.

Woran kann man erkennen, ob man gerade sein Selbst verwirklicht, oder ob man andere Ziele verfolgt, die einen in der Tiefe nicht berühren? Das ist manchmal gar nicht so leicht zu unterscheiden. Kindliche Sichtweisen verführen uns zu glauben, unser Bauchgefühl sei ein verlässlicher Hinweisgeber. Da muss ich Sie leider enttäuschen, zumindest die Erwachsenen unter Ihnen und diejenigen, die es werden wollen: Wir fühlen uns auch wohl, wenn wir für das Erfüllen von anderer Leute Anliegen Anerkennung oder Lob ernten oder einfach nur dabei sein dürfen. Das sind keine griffigen Anhaltspunkte.

Der Selbstausdruck zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben. Er betrifft alle Bereiche unabhängig von Zeit und Raum. Wenn Ihrem Wesen beispielsweise Aufrichtigkeit innewohnt, dann halten Sie diesen Wert für sich selbst ebenso hoch wie im Umgang mit anderen. Sie nehmen es mit der Wahrheit sehr genau – bei sich und bei den Menschen in Ihrem Umfeld, auch wenn sie Ihnen zuweilen Nachteile bringt. Sonntags über Integrität zu philosophieren und montags in einen Beruf zurück zu kehren, in dem Manipulation an der Tagesordnung ist, hat nichts mit Aufrichtigkeit zu tun, sondern mit Selbstbetrug. Den Widerspruch zu verleugnen, um so mehr.

Damit spreche ich kein Urteil über Menschen, die sich in besonderen Lebenslagen gezwungen sehen, zähnekrnischend gegen eine ihrer Überzeugungen zu handeln, weil ein unlösbarer Konflikt zwischen zwei Werten besteht. Ich weiß, dass man zuweilen vernünftig abwägen muss, welcher Wert gerade Vorrang hat. Das ist normal. Ich will nur sagen, dass das Selbst sich mit halbseidenen Umsetzungen nicht zufrieden gibt, wenn es sich um einen WESENTLICHEN Wert handelt, der also unserem wahren Wesen entspricht.

Oh, Sie dürfen natürlich widersprüchlich sein und egoistisch und schöne Werte vorgeben zu verfolgen. Wir sind alle nicht frei von weniger ruhmreichen Eigenschaften.

Wichtig ist nur, dass Ihnen BEWUSST ist, was Sie da tun. Dann können Sie die entscheidenden Fragen stellen: Warum tue ich das? Welche Beweggründe bringen mich dazu? Was ist mir wichtiger als die Konsequenz oder die Integrität?

Sich in dieser Weise den weniger glanzvollen Seiten der eigenen Persönlichkeit zuzuwenden, birgt wahre Schätze der Selbsterkenntnis. Denn dann wird das Selbst aus der Persönlichkeit herausgeschält, wie wenn ein Rodin seine Statue aus dem Marmor befreit. Das Kunstwerk war schon immer vorhanden, musste aber aus dem Stein gehauen werden, damit man es erkennen kann.

Mit dem Bild des Denkers entlasse ich Sie frohen Herzens in die Weihnachtsferien. Die längste Nacht ist vorbei. Das Licht bricht sich wieder Bahn und löst die Schatten allmählich auf – im Innen und im Außen.

Text: Petra Weiß
Foto: uschi dreiucker / pixelio.de

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Nur zum Besten

Praxis Lichtblick

Wenn ich mir Gedanken darüber mache, wohin die Menschheit gerade läuft, fallen mir Muster im Alltäglich auf, die sich auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen übertragen lassen. Darf ich Sie zu einer kleinen Analogie einladen?

Im Sommer hat mein Haus einen neuen Anstrich bekommen. Und viel mehr als das: Die Stätte meines Wirkens und Wohnens wurde meinem Stil angeglichen. Als klassisch-sinnlicher Typ mag ich es echt und harmonisch. Darum ist der Sandstein jetzt wieder sandsteinfarben und nicht mehr grau. Der schöne Bruchsteinsockel wurde von dem unpassenden Verputz befreit und restauriert. Briefkasten und Klingelknopf sind gegen geschmackvollere Varianten ausgetauscht worden. Das ehrwürdige Gebäude erfährt auf diese Weise eine Renaissance. Und zwar nicht, weil es eine kostbare Villa ist oder ein schickes Loft, sondern weil es genau das alte Bauernhäuschen ist, als das es 1891 erbaut wurde.

Verstehen Sie die Bedeutung, die diese Rückkehr zum Ursprung für mich hat? Meine Vorbesitzer hatten versucht, aus dem altmodischen Schätzchen eine moderne Doppelhaushälfte zu machen. Das zugemauerte Fenster in der Praxis und mein Badezimmer mit großen Kacheln in leuchtendem Orange zeugen noch von dem Gewaltakt. Das Fenster wird in den Weihnachtsferien „rückgebaut“. Fürs Bad liegen Ornament-Fliesen in Anthrazit und gebrochenem Weiß bereit. Schritt für Schritt kehrt der alte Charme zurück.

Anpassungen an den Zeitgeist, welche das Wesentliche nicht achten, zerstören die Harmonie. Es geht nicht darum, sich dem Fortschritt zu verweigern. Ich heize mit Gas und bin froh, dass überall fließend warmes Wasser läuft. Mein Anliegen ist es, das Wesen zu erkennen, wertzuschätzen und zu seiner Entfaltung zu verhelfen.

Was für so ein Haus gilt, trifft auch auf dem Menschen zu. Jeder von uns ist einzigartig. In seinem Wesenskern ist nichts grundsätzlich Falsches, das verbessert werden müsste. In jedem liegt ein Schatz mehr oder weniger verborgen. Diese Schätze zu heben, ist das große Abenteuer der Persönlichkeitsentwicklung. Modern könnte man von Potentialentfaltung sprechen. Ich verwende lieber Begriffe wie „Selbst-Erkenntnis“ und „Selbst-Treue“. Voraussetzung ist das Bewusstwerden unseres Selbst. Das „Selbst-Bewusstsein“ im Wortsinne.

Niemand muss seinen genetischen Code verbessern, um etwas anderes aus sich zu machen als das, was er von Natur aus ist. Die Schöpfung irrt nicht. Was für eine überhebliche Anmaßung meinem Empfinden nach in genetischen Experimenten liegt, kann ich gar nicht in Worte fassen. Der Entwicklungsstand unserer Ethik steht hinter den technischen Möglichkeiten leider weit zurück. Ich hoffe, dass sich das ändern wird, bevor wir die Menschheit im Machbarkeitswahn zugrunde gerichtet haben.

Die ungesunde Entwicklung zeichnet sich schon länger ab. Wir schnippeln am Leib herum, wie es uns beliebt, hier ein bisschen mehr Brust, dort ein bisschen weniger Nase. Welch Geistes Kind sind Schönheitsoperationen? Außer zum Wiederherstellen des Naturgegebenen z. B. nach einem Unfall. Hat Gott seinen Job nicht gut gemacht? Nicht gut genug? Wie wollen wir jemals mit unserem menschlichen Tun Zufriedenheit erlangen, wenn wir sogar die Natur verbessern müssen?

Glauben Sie, Schönheitsoperationen seien etwas für reiche Spinner? Das Anpassen von körperlichen Merkmalen an ein Ideal ist alltäglicher, als Ihnen vielleicht bewusst ist. Es ist vollkommen normal geworden, Kinder mit Zahnspangen zu quälen, damit sie später ein perfektes Lächeln zeigen können. Wie sehr ihnen das Lachen dabei vergeht, interessiert die geschäftstüchtigen Kieferorthopäden nicht an erster Stelle. Den besorgten Eltern erzählt man, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt, dass sein Kiefer zu schmal sei oder dass der Biss nicht dicht genug schließe. Die Behandlung wird als einziger Weg angepriesen, um dem Kind eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen. Wer will seinem Sprössling das Lebensglück verweigern? Also legt man 5.000 Euro und mehr auf den Tisch, um viele Monate der Zahnfleischentzündungen und gestörter Sprachentwicklung auf den Weg zu bringen.

Mir sind einige Patienten begegnete, deren Zähne sich nach der Tortur den Weg zurück in die ursprüngliche Form gesucht haben oder die mit der kompletten Statik Probleme haben, die immer wieder korrigiert werden müssen. An so einem Kiefer hängt nämlich ein ganzer Mensch. Die medizinischen Notwendigkeit oder die Nachhaltigkeit des Nutzens will ich hier aber nicht diskutieren. Dazu fehlt mir die zahnmedizinische Expertise. Mir geht es um die psychologische Auswirkung solcher Eingriffe.

Wir zeigen unseren Kleinsten schon früh, dass sie ungenügend sind. Ihr Körper muss gewaltsam zurechtgebogen werden. Dass sie dabei dauerhaft Schmerzen haben, müssen Sie ausblenden, um sich beispielsweise auf die Schule konzentrieren zu können. Auf diese Weise wird die Spaltung des Bewusstseins vom Körper kultiviert. Später wundern wir uns, warum wir uns nicht mehr spüren, warum wir beispielsweise unser Hunger- und Sättigungsgefühl nicht wahrnehmen oder gar nicht merken, dass wir durstig sind oder aufs Klo müssen und warum wir generell unsere eigenen Grenzen nicht beachten.

Dies ist kein Angriff auf einzelne Eltern oder Ärzte, die es gut gemeint haben. Es ist ein Hinweis auf merkwürdige Erscheinungen in unserer Gesellschaft, die für die meisten von uns normal geworden sind und nicht mehr hinterfragt werden.

Mir hat es fast das Herz gebrochen, einen Neunjährigen dabei zu erleben, wie er sich verzweifelt bemüht, mit dem Metall und Plastik im Mund zu sprechen. Genau zu der Zeit, wenn in der Entwicklung die Vernunft erwacht und die Begriffsbildung den Bewusstseinsprozess unterstützt, verdammt man die kleinen Menschen dazu, Unverständliches zu nuscheln. Und das soll zu ihrem Besten sein? Ehrlich?

Viele von uns haben jegliches gesundes Empfinden für das eigene Wohl und damit auch für das Wohl unserer Kinder verloren. Statt auf unseren Körper hören wir auf Autoritäten, die uns sagen, was wir zu ertragen haben. Weil wir uns nicht mehr spüren, kann man uns vorzüglich beeinflussen. Wenn etwas ansprechend klingt, werden wir es glauben. Wir prüfen Worte nicht mehr an der Realität. Würden wir Aussagen über einen Sachverhalt an der Wirklichkeit, also an der Wirkung des Tatsächlichen auf unser Erleben, messen, würde uns bewusst, wie absurd manch Wohlklingendes in Wahrheit ist. Uns kann man alles erzählen. Es muss sich nur gut anhören.

Der Weg zurück in ein gesundes Leben beginnt bei der Verbindung zwischen Körper und Bewusstsein. Das ist die erste Spaltung, die wir überwinden müssen, bevor wir uns über weitere Spaltungen Gedanken machen. Deshalb sind Übungen so kostbar, die Bewusstsein in die Materie, in diesem Fall in den Leib, bringen und so die Verbindung stärken. Solche Übungen können sich auch auf ganz praktische Dinge beziehen, wie beispielsweise eine Renovierung.

Ich komme also zurück zu dem Haus. Kaum haben mein Mann und ich begonnen, unser Bewusstsein als gestalterische Kraft in das Gebäude zu bringen, werden rings um uns Veränderungen sichtbar. Drei Häuser in der Nachbarschaft (von insgesamt 17 Häusern in dieser Straße!) haben gerade den Besitzer gewechselt, ein weiterer Wechsel ist in Vorbereitung. Jede einzelne ist eine Veränderung zum Besseren. Mir kommt es vor, als hätten wir eine weiträumige Bewegung angestoßen.

Die Dunkelheit in meinem Hof ist durch den weißen Anstrich gelichtet und zeitgleich wurde auf dem benachbarten Grundstück der Nadelbaum gefällt, so dass alle Schatten wichen. Eine überschattete Nachbarschaft löst sich durch Eigenbedarf des neuen Besitzers ebenso in Wohlgefallen auf. Mit den bevorstehenden Umbaumaßnahmen wird die junge Familie mehr Leichtigkeit und Lebendigkeit in das Haus bringen. Der Feng-Shui-Berater würde frohlocken. Drei angrenzende Grundstücke – eine Bewegung zum Licht. Die neuen Eigentümer eines anderen Anwesens in unserer Straße teilen unsere Freude am Ursprünglichen und gaben ihre Pläne zur „Retro-Renovierung“ bekannt. In dem Haus wohnten vorher Leute, die niemals jemanden gegrüßt hatten. Jetzt war die ganze Nachbarschaft bei den „Neuen“ schon zu Brezeln und Sekt im Hof eingeladen.

Wenn so ein energetischer Stein einmal ins Rollen geraten ist, zieht er Entwicklungen nach sich, die man nicht zu hoffen gewagt hätte. Und alles begann mit unserer Fassade und der Besinnung auf das wahre Wesen eines Hauses.

Wenn wir das Bild übertragen wollen, besinnen wir uns auf das Wesentliche in uns. Fangen wir an, uns in diese Richtung zu entwickeln, unsere Einzigartigkeit herauszuarbeiten und unser Eigentliches in die Welt zu stellen. Dann ziehen wir damit andere Menschen an, die sich ebenfalls in Richtung Authentizität entwickeln (wollen). Und alle inspirieren und unterstützen sich gegenseitig.

Ihr Ansatz muss nicht so aufwändig sein. Halten Sie Ausschau nach dem Lebensbereich, den Sie mit Freude und Elan neu gestalten wollen. Orientieren Sie sich an Ihrem persönlichen Stil, nicht am Zeitgeist und erst gar nicht an den Erwartungen oder Vorstellungen anderer. Und dann: Legen Sie los. Ihre inneren Entwicklungen wollen sich im Außen zeigen. Ihr wahres Wesen drängt nach Verwirklichung. Dieses Äußern wiederum beflügelt die inneren Veränderungen, und so weiter.

Text und Foto: Petra Weiß

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Der Second Hand Shop in uns

Texter, Schriftsteller, Essayist

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich hobbymäßig mit Mode. Wer meinen Veröffentlichungen folgt, hat schon Anklänge davon gefunden. Gerade ist mir klar geworden, warum ich vor allem Schätzchen aus zweiter Hand so anziehend finde.

Man könnte meinen, dieses Steckenpferd drehte sich um Schnäppchenjagd, um Nachhaltigkeit oder darum, das Besondere zu entdecken. Mag sein, dass all das eine Rolle spielt. Aber im Grunde geht es mir auch bei meinen privaten Interessen um Selbstausdruck und Wertschätzung.

Anlass für diesen Beitrag ist die Aktion einer Modebloggerin. Sie hat Ihre Kolleginnen ermutigt, in ihren eigenen Kleiderschränken 2nd Hand shoppen zu gehen. Wie soll man sich das vorstellen?

Die stilbewussten Damen fischen aus Koffern und Kisten, von Regalen und Kleiderstangen sogenannte Schrankhüter. Das sind Teile, die man zwar schon ewig nicht mehr trägt, von denen man sich aber dennoch nicht trennen kann. Vielleicht kennen Sie so etwas. Das Auffinden von Ungetragenem ist an sich noch nichts Aufregendes. Berichtenswert finde ich, dass der Auftrag lautete, diese Stücke in zeitgemäße und tragbare Outfits zu integrieren.

Ich denke in Analogien und betrachte solche Dinge immer auf der psychologischen Ebene. Worum geht es hier im übertragenen Sinne? Teile, die zu uns gehören, aber nicht genutzt werden, betten wir sinnvoll ein, damit sie uns dienen können. Das erinnert mich an abgespaltene Persönlichkeitsanteile, die integriert werden wollen. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Spaltung im Außen, in unserer Gesellschaft, nur überwinden, wenn jeder von uns seine innere Spaltung bewusst angeht. Daher hat mich der Ansatz sehr berührt.

Was einmal für wert befunden wurde, zu uns zu gehören, darf einen Platz haben. Das Vorhandene mit ein paar Tricks gut unterzubringen, macht mehr Mühe, als es durch etwas Neues zu ersetzen. Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Nimmt man die genannte Analogie, geht es hier um einen Weg in die Selbst-Wertschätzung.

Natürlich kann bei der Aktion auch herauskommen, dass ein Teil nie wirklich passend war, sondern wir einer Mode nachgelaufen sind. Das wäre auch eine hilfreiche Erkenntnis. Dann verabschieden wir uns mit Dank und Wertschätzung. Schließlich hat uns das Teil jetzt gezeigt, wie wir nicht sind. Diese Einsicht ist kostbar. Wir werfen es nicht in den Müll. Vielleicht bieten wir es im Freundeskreis an oder bringen es in einen Second-Hand-Laden.

Machen Sie sich doch einmal auf die Suche nach solchen Kleidungsstücken in Ihrer Garderobe. Während Sie ausprobieren, wie Sie ein altes Teil in ein schickes Ensemble einbetten, regt das Ihr Unterbewusstsein dazu an, Seelenanteile wieder in die Ganzheit Ihrer Persönlichkeit einzubinden, die bisher ein Schattendasein führten. Weniggetragenes kann andererseits auch ein klares Nein in uns hervorrufen und dient so der inneren Abgrenzung gegen Unpassendes. Wir haben weder Leistungsanspruch noch Zeitdruck. Beginnen Sie mit einer einfachen Übung, nicht mit dem Meisterstück. Starten Sie mit einem Tüchlein oder einer Krawatte, nicht mit dem Hochzeitskleid oder der Ledertasche aus Studienzeiten oder mit der Taschenuhr aus dem Erbe ihres Onkels. Dann erleben Sie auf spielerische Weise einen Vorgang der Unterscheidung zwischen „gehört zu mir“ und „gehört nicht (mehr) zu mir“.

Dass Persönlichkeitsanteile in den Hintergrund getreten sind, kann vielerlei Gründe haben. Oft wird uns eine Eigenschaft als Kind aberzogen, weil sie unbequem für die Erwachsenen ist oder weil Eltern glauben, sie würde später Probleme mit sich bringen. Entdeckerfreude, Bewegungsdrang oder Willensstärke sind beispielsweise solche Eigenheiten. Neugierde gehört ebenfalls zum gesunden Kindsein. Hartnäckiges Hinterfragen hat schon so manches Elternteil genervt. „Warum, warum, warum?“, kann einem zugegebenermaßen den letzten Nerv rauben. Das Gegenteil ist aber in seinen Folgen auch nicht erstrebenswert: Was passiert, wenn wir die Gegebenheiten nicht mehr hinterfragen, sehen wir allerorts.

Besonderheiten, die in unserer Kindheit unerwünscht waren, können uns im Erwachsenenalter durchaus dienen. Kleidung kann ein Wegweiser zu den verschütteten Eigenarten sein. Daher lohnt sich ein Blick in die Entwicklung unserer Garderobe zuweilen. Haben Sie noch Kinderbilder im Zugriff? Betrachten Sie Ihre Kleider von damals. Finden Sie alte Vorlieben wieder – Farben, Schnitte, Muster, Stoffe? Wann haben Sie aufgehört, solche Sachen zu tragen? Oder gibt es sie noch?

Warum sollten Sie sich mit Ihrer „zweiten Haut“ befassen?

Lösungen für Alltagsprobleme zu finden, führt zu einem Erleben der eigenen Fähigkeit und Begabung, mit Herausforderungen umzugehen. Das kann man natürlich auf allen möglichen Gebieten üben. Manche stellen sich gerne handwerklichen Aufgaben. Wer schon einmal ein Haus renoviert, ein Möbelstück restauriert oder so etwas selbst gebaut hat, weiß wovon ich spreche. Dabei werden auf ganz natürliche Weise unsere Fähigkeiten geschult, Entscheidungen zu treffen, mit Unerwartetem umzugehen, Niederlagen zu verkraften, sich den Gegebenheiten anzupassen, über Umwege zum Ziel zu gelangen und vieles mehr. Kleidung als Interessengebiet für solche Übungen ist im Wortsinne naheliegend. Wir alle haben damit täglich zu tun.

Also zurück in die Ankleide: Die Wertschätzung für vergessene Hüte, Hosen oder Hemden in den dunklen Gefilden des Schranks, dient unserer Achtung vor den unbeleuchteten Ecken unserer Seele. Vielleicht müssen wir sie gar nicht leugnen oder ausgrenzen. Möglicherweise lassen sie sich heute in unser Leben viel gewinnbringender einbinden, als wir denken. Probieren Sie es aus.

Während Sie Ihren abgeliebten Poncho betrachten, fragen Sie sich: „Womit verbinde ich dieses Kleidungsstück?“, „Was bedeutet es mir?“. Vielleicht fallen Ihnen bestimmte Ereignisse ein, zu denen Sie den Fummel vor 20 Jahren getragen haben. Welche Gefühle rufen diese Erinnerungen hervor? Gibt es da noch etwas zu befrieden? Oder wollen Sie im Gegenteil, die Zeit an der Stelle anhalten, weil sie so schön war? Nehmen Sie sich für diese Fragen Zeit.

Solche inneren Betrachtungen führen zu mehr Verständnis, wenn man sie aufrichtig anstellt. Dann erklären sich die Gründe, die Schrankleiche nicht zu tragen, ebenso schlüssig wie das Nicht-Loslassen derselbigen.

Eine alte Motorrad-Jacke ist möglicherweise schon seit 10 Jahren zu eng, um sie zu schließen. Und seit 5 Jahren hat man keine Runden auf zwei Rädern mehr gedreht. Warum bleibt sie ungenutzt im Schrank? Hat das gute Stück die Freiheit konserviert, die mir einst beim Biken zuteil wurde? Vielleicht lasse ich die Jacke einfach offen, ich brauche mich ja beim Stadtbummel oder in der Kneipe nicht vor dem Fahrtwind zu schützen. Wenn man will, findet man Möglichkeiten. Sogar bürofein kann ich die Lederjacke kombinieren, z.B. mit Bleistiftrock und Bluse. Biker-Look und Romantik? Geht auch: Man kann die Jacke zum Blumenkleid tragen, wenn man der Blümchen-Typ ist und ein Rocker-Gen besitzt. Ein gekonnter Stilmix macht das Outfit spannend – vorausgesetzt, man hat beide Stilanteile in der eigenen Persönlichkeit. Dann dient er dem authentischen Selbstausdruck. Sonst wirkt das eher albern. Hier ist die Frage, ob der jeweilige Stil wirklich zu mir gehört, wesentlich.

Das Leo-Kleid im Allover-Print trage ich niemals, weil es meinem klassisch-sinnlichen Stil nicht entspricht. Wenn ich solche Teile trotzdem immer wieder kaufe, kann das ein Hinweis darauf sein, dass etwas in mir wilder ist, als ich gemeinhin zu erkennen gebe. War ich als Kind eine unerschrockene Wikingerin, der kein Baum zu hoch war? Bin ich mit 10 aus dem Kirschbaum gefallen, habe mir die Schneidezähne ausgeschlagen und einen gehörigen Schreck erlebt, so dass ich fortan meine Abenteuerlust gemäßigt habe? Vielleicht kann ich diese wilde Seite in einer altersgemäßen Weise wiederbeleben. Man muss ja nicht gleich auf Bäume klettern. Eine winzige Dosis Animalprint als Applikation am Schuh oder als dezentes Tuch an der Handtasche setzen vielleicht den letzten Mosaikstein für ein rundes Bild, das alle Facetten der Persönlichkeit zeigt.

Wenn ich eine höhere Dosis Tierisches vertrage, kann ich die Wildkatze durch einen Blazer zähmen und mithilfe von Perlenschmuck veredeln, so dass sie für den klassischen Stiltyp (er-)tragbar wird. Andere Stiltypen würden dem Raubtier mit einer lässigen Jeansjacke und einfachen Turnschuhen eine gute Portion Bodenständigkeit verleihen.

Verstehen Sie das Prinzip?

Was uns gestern lieb und teuer war, darf bleiben und wird dem heutigen Stand der Entwicklung angemessen integriert. So erfährt es eine Würdigung, die sich weit über die Auswahl und den Einsatz unserer Kleidung hinaus erstreckt.

Ich wünsche uns allen, dass wir das Eigene wieder mehr zu schätzen lernen und es geschmeidig in unser Selbstbild einfügen, um unsere Einzigartigkeit angemessen in die Welt zu bringen.

Viel Freude bei Ihren Versuchen, mit Kleidung oder anderen kreativen Ansätzen gestalterisch ihren authentischen Selbstausdruck zu finden.

Text: Petra Weiß
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.