“Wir sind die Borg.”

Heilpraktiker Weinheim

„Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert. Widerstand ist zwecklos.“
Zitat aus STAR TREK, Serien Next Generation und Voyager, diverse Folgen

Früher wurden tiefe Weisheiten in Form von Märchen von Generation zu Generation weitergegeben. Die mündlichen Überlieferungen haben sich über die Jahrhunderte gehalten, weil grundlegende Muster des Menschseins, wiederkehrende innere und äußere Konflikte sowie mögliche Lösungen als Parabeln und Gleichnisse in den Erzählungen enthalten sind.

Die Gebrüder Grimm haben die Volksmärchen aufgeschrieben und gesammelt. Damit sind die Texte erfasst, dokumentiert und zentralisiert worden. Plötzlich gab es eine institutionelle „Hoheit“ über die Geschichten, die vorher Allgemeingut waren.

Mit jeder Rechtschreibreform, mit jedem Versuch, die Texte sprachlich oder inhaltlich dem Zeitgeist anzupassen, mit jedem Verbiegen des Ursprünglichen zugunsten der Political Correctness werden sie wertloser, weil der Leser immer schwieriger zur eigentlichen Bedeutung vordringt und kaum mehr am Kern der Botschaft andocken kann.

Heute werden Märchen in Umlauf gesetzt, die auf einer tiefen symbolischen Ebene die Weltsicht prägen, die das Bild der Allgemeinheit verzerren, was als „normal“ oder „üblich“ zu betrachten sei, und wie man mit Konflikten umzugehen habe. Viele davon kommen aus Hollywood. Moderne Märchen heißen Spielfilme oder Serien. Vordergründig dienen sie der Unterhaltung. Ich würde nicht behaupten, dass hinter jedem Blockbuster eine andere Absicht steckt, als damit kräftig Kasse zu machen. Tatsächlich kann sich aber niemand dem unterschwelligen oder offenkundigen Einfluss entziehen, durch den die Filme sein Welt- und Menschenbild formen.

Dass wir uns dessen bewusst werden, kann ein guter erster Schritt sein, zu einem natürlichen Empfinden für individuell passende Werte, Lebensweisen und Konfliktlösungen zurückzufinden. Meine Manipulationsspürnase schlägt Alarm, wenn in der Action oder in der Soap eine Ideologie verpackt ist, die moralisiert und damit spaltet. In der Folge verhindert das Moralisieren die Ausbildung einer echten Ethik. Statt uns unseren eigenen Werten bewusst zu werden und nach diesen Richtlinien zu leben, lassen wir uns von der Gemeinschaft sagen, was wir als gut oder böse einzusortieren haben.

Fragen Sie sich nach dem Anschauen einer Folge oder eines Films, welche Botschaft der Sender Ihnen vermitteln wollte. Wie wurden die Charaktere dargestellt? Welche Eigenschaften zeigten „die Guten“, welche „die Schlechten“? So erkennen Sie Ihr Erziehungsprogramm aus diesem Beitrag. TV-Produktionen, die mithilfe von Zwangsgebühren ins Leben finden, darf man auf ihren inhaltlichen Nährwert hin betrachten: die vorhersehbaren Storys, die seichten Dialoge, die Tränendrüsen-Drücker, die Echauffierer – was soll uns das alles bringen? Entspricht eine solche Produktion dem offiziellen Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens? Folgen da nur die Schauspieler dem Drehbuch oder auch die Zuschauer?

Serien, die ohne stattliche Bezuschussung über Jahrzehnte laufen, beherbergen möglicherweise Weltsichten, die direkt oder indirekt der gefühlten Wahrheit einer großen Anzahl von Zuschauern entsprechen. Vor diesem Hintergrund betrachte ich die STAR TREK Begeisterung. Millionen von Zuschauern verfolgen gespannt die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise und seiner Vorgänger oder Nachfolger. Spielfilme und Serien mit unzähligen Staffeln zeugen davon, dass dieses moderne Märchen viele Menschen berührt.

Kirk und Spok waren mir als Kind aus der Flimmerkiste bekannt. Ich habe wohl den einen oder anderen Kinofilm gesehen, konnte aber keinen rechten Gefallen an technikverliebtem Sience Fiction finden. Mit meinem Mann hielt vor ein paar Jahren das STAR TREK Universum Einzug in mein Wohnzimmer. Und nun begann ich, die (Ge-)Schichten hinter den Weltraumabenteuern zu entdecken. Mir ist früh aufgefallen, dass menschliche Eigenschaften auf andere Spezies übertragen und dort übertrieben dargestellt worden sind. Wie Karikaturen des facettenreichen Menschseins wirken auf mich die gefühlsunterdrückten Vulkanier, die profitgierigen Ferengees, die bis zur Paranoia misstrauischen Andorrianer, die gewaltverherrlichenden und dabei auf ihre Ehre pochenden Klingonen und die nach Perfektion strebenden Borg – eine Mischung aus Mensch und Maschine.

Mich erinnert das taktische Auslagern von Eigenschaften an Strategien aus der Psychotherapie. Bei der Reinkarnationstherapie beispielsweise können Patienten mit ein paar Jahrhunderten Abstand ihre weniger geschätzten Eigenschaften besser erkennen und leichter annehmen. Dadurch sind sie in der Lage, bewusst zu entscheiden, ob sie so bleiben oder sich verändern wollen. Vielleicht können wir Menschen unsere weniger geschätzten Eigenschaften besser erkennen und leichter annehmen, wenn wir sie an fremden Spezies vorgeführt bekommen.

Ich erlebe STAR TREK wie eine Ego-State-Aufstellung: Menschliche Eigenschaften werden getrennt voneinander betrachtet und miteinander in Interaktion gebracht – so wie wenn man verschiedene Seelenanteile aufstellt und zueinander in Bezug setzt. Innere Konflikte als Ursachen von Hindernissen werden dadurch sichtbar und Lösungen gefunden, die für alle Anteile akzeptabel sind.

Der Anteil, welcher den Gesamtorganismus in Bedrängnis bringt, hat dafür meist einen guten Grund, der gewürdigt werden will. Andernfalls wird er zum Saboteur aller Lösungsversuche. Ist seine Absicht hingegen bösartig und lebensfeindlich, braucht es ein entschlossenes und tatkräftiges Abgrenzen gegen den Feind.

Die lebensfeindliche Bösartigkeit wird in der Serie durch die Borg verkörpert. Sie überfallen fremde Spezies, um deren Technologie und Wissen zu erbeuten. Dafür fügen sie die Individuen gewaltsam in ihr Kollektiv ein. Sie „verbessern“ die Körper der „assimilierten“ Wesen mithilfe technischer Implantate. Als nummerierte Drohnen ist sodann ihr oberster Lebenszweck, dem Kollektiv zu dienen. Die einstigen Opfer werden zu Tätern und assimilieren ihrerseits fortan fremde Spezies.

Die Borg verlieren ihre Individualität, solange sie dem Gruppenbewusstsein angehören. Werden sie vom Kollektiv getrennt, erwacht ihre Erinnerung an ihre Einzigartigkeit wieder, was zu großer Verwirrung führen kann oder zur Entschlossenheit, wieder ein Individuum zu sein. Je jünger eine Drohne war als sie in das Kollektiv eingefügt wurde, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ohne die Anbindung an das Kollektiv in Panik gerät. Ohne die tausend Stimmen der Gruppe fühlt sie sich einsam und hat Angst. Aus dem kindlichen Bedürfnis nach Schutz wird sie die Versuche ihrer Mit-Drohnen notfalls mit Gewalt untergraben, selbstständige Individuen zu werden.

Na, kommt Ihnen da eine Parallele in den Sinn?

Aus psychologischer Sicht beschreibt die Folge 224 aus der Serie „Voyager“ die Auswirkungen einer nicht erfolgten Individualisierung auf das Unabhängigkeitsbestreben des Umfelds – und die vollkommen andere Vorgehensweise bei fortgeschrittenem Mentalisierungsprozess. Die Moral von der Geschicht:

Solange ich selbst panische Angst davor habe, unabhängig zu werden, unterminiere ich das Unabhängigkeitsbestreben meiner Mitmenschen. Habe ich entdeckt, was es bedeutet, ein Individuum mit eigenen Werten und Vorstellungen zu sein, das seine Einzigartigkeit weiterentwickelt und als solches in der Gruppe Rückhalt und Akzeptanz findet, kann ich vom Kollektivismus und seiner Gleichmacherei ablassen.

In der Folge trifft die ehemalige Drohne SEVEN OF NINE die Entscheidung, dass es besser ist, ein kurzes Leben als Individuum zu führen als den Rest seiner Tage in einem Kollektiv gefangen zu sein. Vielleicht ist Widerstand gegen den Kollektivierungs-Wahn ja doch nicht ganz zwecklos….

Mir geht es keinesfalls drum, eine aufrührerische Streitschrift zu verfassen, die womöglich wieder in eine Ideologie verführt. Neulich las ich einen Aufruf: „Steht endlich alle auf!“ Solche Aussagen halte ich für hochgradig übergriffig. Sie zeugen außerdem von einem beschränkten Bewusstseinsniveau. Jeder wird sich an seinem Punkt der Entwicklung weiter wandeln oder auch nicht. Das ist jedem einzelnen überlassen. Wir können uns gegenseitig bei Bedarf und auf Wunsch unterstützen. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine Weltsicht, die das Mitmachen aller erfordert, um ein Ziel zu erreichen, ist eine Ideologie. Ideologien leben von der Ab- und Ausgrenzung. Sie brauchen immer Außenstehende, die daran schuld sind, dass ihre Visionen der Zukunft sich nicht realisieren lassen. Denn an den Visionen selbst kann es nicht liegen. Sie werden nicht infrage gestellt. Ideologien haben insofern etwas Narzisstisches.

Gegenüber Ideologien bin ich besonders wachsam. Warum? Weil aus Ideologien Fanatismus entsteht, und zwar vor allem bei denjenigen, die dringend ein Kollektiv brauchen, weil sie noch nicht so weit sind, alleine zu stehen. Sie werden notfalls mit Gewalt die egal wie absurden Ideen Ihrer Gemeinschaft durchzusetzen suchen. Geht die Idee den Bach runter, verlieren sie ihre Ersatz-Identität und stehen plötzlich schutzlos da.

Das ist der Punkt, an dem der Einzelne Hilfe brauchen kann. Aber nicht wieder im kollektivistischen Sinne: „Du kannst nichts dafür, dass Du mitgemacht hast. Du warst ja im Kollektiv gefangen.“ Sondern in voller Verantwortung für jede Tat und für jede Unterlassung.

Weshalb ist das so wichtig, keine Schwamm-Drüber-Mentalität zu kultivieren?

Die Seele verlangt immer nach Ausgleich. Wenn ich mich schuldig gemacht habe, muss ich es wieder gut machen oder eine Strafe erhalten oder mich in Selbstvergebung üben. So funktioniert die menschliche Psyche. Andernfalls sühne ich unbewusst für meine Sünden. Dann entwickle ich psychosomatische Erkrankungen oder seelisch-geistige Störungen, die erstaunlich therapieresistent sein können. Das Bedürfnis zu sühnen wird wie die Nachwirkung eines Trauma über Generationen hinweg vererbt.

Falls Sie die Versuchung verlockend finden, sich im warmen Schoß eines Kollektivs einfach aufzulösen, keine eigene Identität und vielleicht sogar kein Geschlecht mehr zu haben, dann schauen Sie sich einfach mal ein paar alte Folgen STAR TREK an. Oh, natürlich ist das Science Fiction. Aber das Wesentliche der Botschaft wird Sie auf einer tiefenpsychologischen Ebene erreichen.

Prüfen Sie einmal, wie viel Borg, Klingone, Andorrianer, Ferengee oder Vulkanier in Ihnen steckt. Und hinterfragen Sie das Bild, welches die Menschen von ihrer eigenen Spezies in den Folgen und Teilen zeichnen.

Welche Werte sollen uns hier vermittelt werden? Und wie werden diese umgesetzt?

Was bedeutet Individualität in einer Gruppe, die ihre Mitglieder uniformiert, in der Privatsphäre nicht existiert und jeder nach Vorschrift und Hierarchie zu funktionieren hat?

Wie viel Doppelmoral verträgt eine Gesellschaft? Wollen wir so leben?

Text: Petra Weiß
Bild: Bernd Deschauer / PIXELIO

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen. Ihr neues Buch PERLENTAUCHER DER REDEKUNST wird voraussichtlich im Herbst 2022 geboren.

Seit Sommer 2020 gibt sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

 

 

Verfälschte Geschichte – kollektiv und individuell

Heilpraktiker Weinheim Schreibkunst

Entstand das Universum aus einem Urknall? Stammt der Mensch vom Affen ab? Sind die alten Göttersagen reine Phantasie?

Im Moment beschäftigen sich viele Menschen damit, die offizielle Geschichtsschreibung und die derzeit gültigen Paradigmen der Wissenschaft zu hinterfragen. Die Anziehungskraft dieser Themen scheint groß zu sein. Das Phänomen beobachte ich mit wachsendem Interesse aus psychologischer Sicht. Natürlich bin ich keine Historikerin oder Geschichtsforscherin und kann inhaltlich nichts zu solchen Fragen sagen. Aber in meiner Sprechstunde begegnen mir immer wieder Menschen, die herausgefunden haben, dass mit ihre Lebensgeschichte etwas Gravierendes nicht stimmt. Daher sind mir die tiefgreifenden Veränderungen bewusst, die solche Entdeckungen auslösen können.

Warum sollte es uns interessieren, woher die Menschheit kommt und wie sie die vergangenen 2.000 Jahre wirklich verbracht hat?

Vergangenheit als Teil der Identität

Vielleicht gewinnen Sie einen persönlichen Eindruck über die Bedeutung historischer Fakten mit Blick auf Ihre eigenen Ahnen. Es hat nämlich sehr wohl Einfluss auf das Heute, was wir über die Vergangenheit denken. Sie ist ein Teil unserer Identität. Durch sie wurde unsere Weltsicht geprägt, sie stellt gewissermaßen einen Filter dar, durch den wir unsere Erlebnisse wahrnehmen. Als Ergebnis entsteht aus unseren tatsächlichen Erlebnissen und dem Wahrnehmungsfilter in Verbindung mit unseren inneren Überzeugungen und Bewertungen unsere individuelle Wirklichkeit, also das Welt- und Menschenbild, das in unserem Leben wirkt.

Diese subjektive Wirklichkeit kann mit der Realität mehr oder weniger zu tun haben. Im Extremfall geraten wir in einen Wahn, der durch vernünftige Überlegungen und tatsächliche Beobachtungen nicht korrigierbar ist. So ein Wahn wird durch konsequent dem falschen Narrativ folgende Bewertungen von neuen Informationen mit viel Energie aufrecht erhalten.

Welchen Unterschied macht es in Ihrem Erleben, ob Ihr Opa ein Soldat im Ersten oder im Zweiten Weltkrieg gewesen ist und/oder ob er im Widerstand aktiv war? Welche Bewertung fließt ein, wenn Ihr Großvater auf der Deutschen oder auf der Französischen Seite gekämpft hat? Und wie ändert sich Ihr Empfinden, wenn Sie annehmen, dass er unter Todesdrohung gezwungen war, zur Waffe zu greifen, dass er nur sein Land verteidigen und seine Kinder beschützen wollte oder dass er der Propaganda auf den Leim gegangen ist und mit Begeisterung an die Front zog?

Natürlich haben wir keine Verantwortung für das Tun und Nicht-Tun unserer Vorfahren. Aber das Wissen darum macht etwas mit dem inneren Bild von unserer Familie. Wir identifizieren uns mit den Menschen, deren Gene wir in jeder Zelle unseres Körpers beheimaten, von denen das Leben zu uns geflossen ist, deren Erlebnisse ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern geprägt hat, die diese Erfahrungen ihrerseits an die nächste Generation weitergereicht haben und so weiter.

Späte Auswirkungen

Als systemische Familientherapeutin und Traumatherapeutin kann ich Ihnen versichern, dass traumatische Erfahrungen das Potential haben, sich über mehrere Generationen auszuwirken. Oft sind wir uns der Traumatisierungen gar nicht bewusst, weil sie sehr früh stattgefunden haben.

Wenn sie schwerwiegend genug waren, schützt das Unterbewusstsein die Patienten manchmal durch Vergessen. Dann haben sie kurze „Absencen“: Stunden oder Tage im totalen Blackout, an die sie sich einfach nicht erinnern. Oder sie entwickeln eine teilweise oder vollständige Amnesie, die sich über den Zeitraum mehrerer Jahre erstrecken kann.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit einer Hypnose im Sinne eines programmierten Gedächtnisverlusts. Halten Sie das für absurd? In Anbetracht von schätzungsweise einer Million Menschen in Deutschland, die als Kind sexuell missbraucht wurden, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering, dass Sie jemanden kennen, der mit einem derartigen Schicksal belastet ist.

Die Gedächtnislücken sind für den Verstand kaum ertragbar. Daher werden sie irgendwie gefüllt. Man denkt sich etwas aus, das man womöglich selbst für wahr hält. Oder man bekommt ein Narrativ angeboten, das man annehmen kann. Leider kommt das Märchen häufig vom Täter und erzählt logischerweise nicht die wahre Tat, sondern irgendeinen Unsinn, der schlimmstenfalls das Opfer noch zusätzlich quält, weil er ihm Schuld zuschiebt und absichtlich Schamgefühle auslöst.

Wenn wir also ein schweres Trauma erlebt haben, besteht die Möglichkeit, dass wir über unsere Vergangenheit etwas Falsches denken, – und auch über uns. Schlimmstenfalls glauben wir, was uns der Täter eingeredet hat. In dem verschobenen Selbst- und Weltbild durch die falsche Geschichte liegt das eigentliche Problem.

Wir halten uns dann für schwach, dumm, schuldig, böse oder sonstwie verachtenswert. Deshalb ist es so wichtig herauszufinden, was wirklich geschehen ist. Erst wenn wir unsere eigene Geschichte richtigstellen, können wir falsche Schlüsse, die wir aus falschen Informationen gezogen haben, korrigieren. Ein solcher Prozess hat Risiken und Nebenwirkungen. Dadurch kann unser ganzes Glaubensgebilde ins Wanken geraten. Die Verunsicherung kann enorm sein und bedrohlich wirken. Aber die Chance auf eine bessere, weil selbst-bewusstere Zukunft, besteht.

Wenn das einstige Opfer zum Täter wird…

Schwierig wird es, wenn aus dem Opfer selbst ein Täter geworden ist. Das passiert leider, wenn die Abspaltungen in eine gefühllose Verantwortungslosigkeit geführt haben. Sich dieser Wahrheit zu öffnen, ist viel verlangt. Häufig erleben die Betroffenen eine Opfer-Täter-Umkehr und fühlen sich von ihrem Opfer bedroht wie damals von ihrem Peiniger. Sie glauben, wie wären im Recht. Nicht selten kommen noch Wahnideen hinzu, durch die Tat in irgendeiner Weise die Welt zu retten. Durch die Gewalt und Machtausübung ihrer Tat entlasten sie sich von den unverarbeiteten Ohnmachtsgefühlen und lenken sich gleichzeitig von den Spuren ihrer eigenen Traumata ab. Die Abspaltung von ihren Empfindungen kann man als Bewältigungsversuch werten. Sie spüren sich selbst nicht mehr und haben dadurch auch kein Mitgefühl mit denen, die sie quälen.

Durch die Tat ist der zuvor bereits traumatisierte Täter übrigens noch einmal traumatisiert. Je schwerer seine Psyche vorher geschädigt worden war, desto grausamer kann er später sein. Hat er Menschenleben auf dem Gewissen, wird er sich dem kaum stellen können und wenn, dann besteht die Gefahr einer Selbsttötung. Eine gesunde Selbstachtung wiederzufinden, ist unter den Schuldgefühlen nur schwerlich möglich.

Seien Sie sich dessen bewusst, dass Menschen, die andere umbringen, dem kaum ins Auge blicken können, ohne dass ihr Leben auf die eine oder andere Art endet. Zumindest die Freude am Leben ist bis auf weiteres dahin. Ermessen Sie daran der Grad der Verzweiflung, mit dem ein (mehrfacher oder Massen-)Mörder seine falsche Geschichte aufrecht erhalten muss.

Schutzbefohlene als Opfer

Genug zu den Tätern abgeschweift, kümmern wir uns wieder um die Opfer. Wenn die Tat in frühen Jahren passiert ist, sind mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Eltern in irgendeiner Weise darin verwickelt. Zumindest haben sie ihre Schutzfunktion nicht wahrgenommen. Manchmal haben sie weggesehen oder die Tat sogar billigend in Kauf genommen. Und erschreckend häufig, sind Mutter oder Vater oder beide (Mit-)Täter, wenn es um Gewalt an Kindern geht.

In diesem Fall ist eine innere Spaltung des Kindes die logische Folge. Sie können nicht gleichzeitig die Eltern, von denen sie existenziell abhängig sind, lieben und sie als grausame Täter anerkennen. Die Spaltung rettet sie vor dem Dilemma. Ein Teil der Psyche bleibt intakt und unterstützt bei Bedarf die Erkenntnisfindung. Ein anderer ist von der Realität völlig überfordert und blendet sie weg. Und ein dritter Anteil dient dem Überleben, indem er eine Pseudo-Realität erschafft.

Aus solchen Lebensgeschichten entsteht eine gefährliche „Täterblindheit“. Die als Baby, Kleinkind oder Kind Geschädigten erkennen später nicht, ob es jemand gut mit ihnen meint oder ihnen im Gegenteil Schaden zufügt. Sie sind offen für die absurdesten Narrative, um die Wahrheit nicht erkennen zu müssen, wenn jemand sie in eine Falle lockt. Insbesondere, wenn dieser jemand eigentlich eine Schutzfunktion ihnen gegenüber hätte. Ja, sie lassen sich sogar Schuldgefühle einreden, wenn sie nicht seinen – für jeden Außenstehenden offenkundig böswilligen – Anweisungen folgen.

Wer bin ich? Und was will ich wirklich?

Identitätsprobleme und Willensschwäche sind weitere Folgen frühkindlicher Traumatisierungen. Die Betroffenen wissen oft als Erwachsene nicht, wer sie sind und was sie wollen. Dadurch werden sie zusätzlich leichte Beute für weitere Täter, welche sie instinktiv aufspüren wie eine Raubkatze treffsicher und schnell ein verwundetes Beutetier in einer Herde ausmacht.

Aus dieser Anfälligkeit heraus führt nur der Erkenntnisprozess. Wir müssen wissen, was uns so geprägt hat, dass wir uns heute noch (unbewusst) als Opfer anbieten, damit die Qual endlich aufhört. Wir müssen vor allem herausfinden, wer wir sind, sonst kann uns jeder Verbrecher irgendetwas erzählen, wer wir angeblich wären. Wir brauchen Kontakt zu unserem eigenen Willen, damit wir nicht den Willen anderer erfüllen, ohne es zu bemerken. Dazu ist es notwendig, den eigenen Körper zu spüren. Seine Signale sind Hinweise, die zu unserem Selbst führen. Durch das Körperempfinden lernen wir, unsere Gefühle zuzuordnen und gewinnen neue Klarheit in unserem Denken.

Sich selbst ein guter Freund sein

Ein bewusstes Selbst findet ein ebensolches Gegenüber. Das heißt, dass wir auf diesem Weg auf lange Sicht beziehungsfähig werden. Zunächst ist es ein guter Schritt, uns selbst die Gesellschaft zu sein, wie wir uns wünschen. Wollen Sie einen Partner oder eine Gemeinschaft, die integer ist? Dann entwickeln Sie sich zu einem aufrichtigen Menschen. Prüfen Sie, welche Versprechungen Sie sich gegeben haben und erneuern Sie die Zusagen bewusst oder lösen Sie sich ausdrücklich davon. Und dann fangen Sie an, Ihre Versprechen einzulösen. Eins nach dem anderen.

Wenn die erlebten Traumata im Dunklen bleiben, werden wir nie verstehen, warum wir in bestimmten Situationen irrational, überschießend oder gar nicht reagieren. Wir kennen uns selbst nicht – Wie sollten wir dann die Welt begreifen wollen?

Das weit verbreitete Ansinnen, sich kritisch mit der Geschichte der Menschheit auseinandersetzen zu wollen, deute ich als kollektives Bedürfnis nach Befreiung von kollektiven Traumata. Ich kann mir vorstellen, dass wir als Menschheitsfamilie schwere Verletzungen erfahren haben, an die wir uns nur langsam und zögerlich erinnern. Möglicherweise gab es einen Kataklysmus, also eine weltumspannende Katastrophe, ob von Menschenhand absichtlich oder aus Versehen geschaffen oder als Naturereignis oder durch kosmische Einflüsse – wer weiß das schon?! Ich nicht.

Verdächtige Lücken

Mir erscheinen nur einige Geschichten gänzlich unplausibel. Und ich wundere mich, warum manches verdreht dargestellt und anderes verschwiegen wird. Das Verschweigen macht mich besonders hellhörig. Ich kenne solche Lücken in der Erzählung aus gruseligen Biografien. Bevor die Wahrheit ans Licht kommt, zeigt sich häufig erst einmal die Lüge. Beispielsweise in Form von (schlecht gefüllten) Lücken in der Story. Und dann kann es Jahre dauern, bis alles zutage tritt. Oder es geht ganz rasch. Mein Eindruck ist, dass die Offenbarungen sich in dem Tempo zeigen, wie es die jeweilige Seele verkraften kann. Manches bleibt auch für immer im Nebel.

Ich kann gut verstehen, warum die Leute sich eigene Erklärungen suchen, wenn sie die offiziellen einfach nicht (mehr) glauben können. Und ganz ehrlich: Da gibt es Lücken in Format des Grand Canyon. Warum wir diese früher nicht gesehen haben, mag mit der veränderten Zeitqualität zusammenhängen. Vielleicht sind wir jetzt an dem Punkt der Bewusstseinsentwicklung, an dem diese Entdeckungen eben fällig sind.

Wenn Sie den kollektiven Prozess unterstützen wollen, können Sie sich mit verborgenen Geheimnissen der Weltgeschichte befassen. Das birgt eine gewisse Faszination. Vielleicht haben Sie einen intuitiven Zugang zu solchen Themen. Wirklich wissen werden wir nie, was mit uns geschehen ist. Selbst wenn wir einen Zeitreisenden träfen, der Videos dabei hat, was eher unwahrscheinlich ist 🙂 könnten die Dokumente gefälscht sein.

Wir wissen nur verlässlich, was uns selbst widerfahren ist.

Jede Erzählung ist letztlich nur eine Geschichte, auch jeder schriftliche Bericht kann frei erfunden sein – damals, heute und in der ganzen Zwischenzeit. Damit Sie mit beiden Füßen auf der Erde bleiben, empfehle ich Ihnen ganz warm, dass Sie bei all den spannenden Geschichten Ihren eigenen Realitätsbezug pflegen und schulen.

Fangen Sie bei sich an.

Ergründen Sie IHRE Geschichte. Was ist wahr? Was ist fraglich? Und was eher unwahrscheinlich? Wie könnte es stattdessen auch (gewesen) sein?

Lernen Sie zu unterscheiden, was Ihre tatsächliche Wahrnehmung ist und was Interpretation. Differenzieren Sie ganz präzise nach Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken. Starten Sie im Jetzt bevor Sie sich früheren Ereignissen zuwenden.

Wie geht es Ihnen im Moment? Welche Körperempfindungen sind wahrnehmbar? Welche Emotionen fühlen Sie? Was für Gedanken kommen in Ihren Kopf?

Achten Sie auf Ihren Sprachgebrauch. Das ist wichtig, damit Sie Ihrer Wahrnehmung vertrauen (lernen). Zur Veranschaulichung habe ich Ihnen ein praktisches Beispiel mitgebracht:

Wenn Sie meinen „Ich fühle mich bedroht“ sei eine Emotion, bringt das Verwicklungen mit sich. Wenn Sie tatsächlich nicht bedroht SIND, werden Sie an „der Richtigkeit“ Ihrer Wahrnehmung zweifeln. Tatsächlich ist die Emotion möglicherweise „Angst“ oder „Wut“. Diese Wahrnehmungen sind zwar subjektiv, aber in jedem Fall richtig, egal ob die Angst oder Wut begründet ist oder nicht. Der Gedanke „Ich fühle mich bedroht“ ist genau das: ein Gedanke. Aus der Erfahrung empfehle ich zu ergänzen „Ich fühle mich WIE bedroht“ oder „…ALS WÄRE ICH GERADE bedroht“. Damit kann das Unterbewusstsein registrieren, dass Ihre Empfindung und die Zuordnung zu früheren Bedrohungen gewürdigt ist und dass jetzt keine reale Gefahr bestehen muss, um sich so zu fühlen.

Der Bullshit-Detektor

Mit solchen Übungen kommen Sie Ihrer eigenen Geschichte auf die Spur. Wir Menschen haben einen inneren Radar für Lügen und Halbwahrheiten. Sie können Ihre Wahrnehmung schulen und forschen, welche der Narrative in Ihrer persönlichen Geschichte Störgefühle erzeugen. Vielleicht lohnt es sich, einen genaueren Blick auf solche Erzählungen zu werfen.

Seien Sie insbesondere skeptisch, wenn eine Geschichte Ihnen offensichtlich Angst machen oder Sie in Empörung bringen soll. Auch die Grundbotschaft “Selber schuld” mit den damit verbundenen Gefühlen von Schuld und Scham darf Ihren Alarm auslösen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Sie gerade manipuliert werden sollen. Je besser Sie über derartige Manöver Bescheid wissen, desto leichter erkennen Sie den Versuch schon im Ansatz – in Ihrer eigenen Biografie, in den aktuellen Berichten und in den historischen Aufzeichnungen.

Text: Petra Weiß
Foto: kiripic / PIXELIO

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen. Ihr neues Buch PERLENTAUCHER DER REDEKUNST wird voraussichtlich im Herbst 2022 geboren.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

 

 

Vom Glück keine falsche Anerkennung zu ernten

Authentisch Selbstausdruck wahrhaftig

Unter Menschen ist es normal, dass wir uns gegenseitig Anerkennung spenden. Die Anerkennung drückt sich in wertschätzenden Worten aus, in Lob und Komplimenten, in Dankbarkeit und manchmal auch in symbolischen Auszeichnungen wie Orden, Prädikaten oder Titeln.

In dem Wort Anerkennung ist das „Erkennen“ enthalten. Wir können nur etwas oder jemanden anerkennen, das oder den wir erkannt haben. Was mag das sein? Bestenfalls erkennen wir den anderen in seiner Einzigartigkeit und wertschätzen diese. Das ist die Version für „Erleuchtete“. Im Alltag reicht es, wenn wir bestimmte Eigenschaften am anderen ausmachen.

Loben für Fortgeschrittene heißt nicht „Sie sind eine tolle Mitarbeiterin“, sondern „Sie haben die Quartalszahlen wieder sehr präzise und gleichzeitig übersichtlich dargestellt. Ich schätze Ihre Zuverlässigkeit, Ihre strukturierte Vorgehensweise und Ihren Blick fürs Wesentliche.“

Häufig erhalten wir aber Anerkennung für eine Leistung oder eine Tat. Und viele denken, dass das so sein müsste. Das ist ein Trugschluss, der uns sehr in die Irre führen kann und viele sinnlose Bemühungen nach sich zieht. Kaum etwas ist so aussichtslos und kräftezehrend wie der ständige Huzzle um Anerkennung für das Tun. Stattdessen sollten wir uns wünschen, für unser So-Sein wertgeschätzt zu werden. Sonst kann man uns durch Lob und Tadel beliebig lenken und für Zwecke einspannen, die wir sonst gar nicht unterstützen würden.

Das Thema begegnet mir immer wieder in der Sprechstunde. Daher will ich hier mit eine paar weit verbreiteten Missverständnissen aufräumen. Das Schwierigste zuerst: Wir haben keinen Anspruch auf Anerkennung. Wie sollten wir auch? Manche Menschen liegen auf einer derart abweichenden Wellenlänge zu der eigenen, dass wir nicht erwarten können, sie mögen uns erkennen geschweige denn anerkennen. Das hat viel mit der Unterschiedlichkeit von Eigenschaften und Fähigkeiten zu tun, aber auch mit verschiedenen Erfahrungen, Glaubensätzen und Wertesystemen.

Mit einem ausführlichen Beispiel aus meiner eigenen Biografie will ich Ihnen verdeutlichen, wie viel Leid falsche Vorstellungen von Anerkennung hervorbringen und welche andere Haltung hilfreich sein kann.

Autobiografisches Fallbeispiel

Als junge Frau war ich nach meiner kaufmännischen Ausbildung in einem großen Konzern als Sekretärin des Vertriebsleiters gelandet. Was nach einem perfekten Einstieg ins Berufsleben für eine 21-Jährige klang, entpuppte sich als Einöde. Ich langweilte mich zu Tode. Der Chef war selten da. Außer ein paar routinemäßigen Statistiken, die ich für ihn auswertete, und dem Sammeln von Telefonnotizen hatte ich kaum etwas zu tun.

Den anderen Damen auf der Geschäftsleitungsetage schien die Ereignislosigkeit ihres Arbeitstags nichts auszumachen. Die meiste Zeit gingen sie ihren Hobbys oder Zweitberufen nach, hielten Schwätzchen und lackierten sich die Nägel. Ihre Haupttätigkeit war das Buchen, Stornieren und Umorganisieren der zahlreichen Dienstreisen ihrer Vorgesetzten sowie das Sortieren von Korrespondenz und Ablage. Wenn der Boss dann doch einmal vor Ort war, schwangen sie emsig den Telefonhörer und zitierten Abteilungsleiter und Stabsstellen-Chefs herbei. Mit ihrer (Un-)Tätigkeit verdienten sie aus meiner damaligen Sicht ein Vermögen. Dieser “Traumjob” war nichts für mich. Ich war jung und energiegeladen und brannte darauf, meinen Tag mit einer sinnvollen Beschäftigung auszufüllen.

Meine Zeit füllte ich mit einer berufsbegleitenden Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und hielt die Augen nach einer Wechselmöglichkeit offen. Nach einem Jahr fand ich eine Stelle als Direktionsassistentin in einem aufstrebenden Großunternehmen der IT-Branche mit internationalen Verbindungen. Der Chef war mir sympathisch, die Aufgaben waren wesentlich breiter gefächert und das Umfeld mit einem jungen engagierten Team wirkte deutlich lebendiger. Die Produktpalette bestand aus Homecomputern zum Discount-Preis. Unser gemeinsames Ziel war es, den technischen Fortschritt der 1990er Jahre für jedermann zugänglich zu machen. Damals schien uns das eine gute Idee zu sein. Gleichzeitig machte ich einen Gehaltssprung von 30 % und weiteren 10 % nach der Probezeit. Ich hatte allen Grund zu frohlocken.

Als ich meine überschäumende Freude mit meiner Familie teilen wollte, erlebte ich eine Überraschung: Statt mir begeistert zu dem Karriereschritt zu gratulieren, bekam ich mit entrüstetem Tonfall zu hören „Das hat es in unserer Familie noch nie gegeben, dass jemand den sicheren Arbeitsplatz in einem Konzern aufgibt!“ Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Anerkennung und Mitgefühl hätte ich mir gewünscht. Unverständnis und Verurteilung habe ich geerntet.

Zwar habe ich zwischenzeitlich verstanden, auf welchen Werten und Erfahrungen dieser Kommentar beruhte. Ich ziehe sogar in Betracht, dass eine gute Absicht vorhanden war. Verletzt hat der Ausspruch mich damals als junge Frau trotzdem und war lange prägend für meine eigene Bewertung meines beruflichen Tuns. Stets befand ich mich in einem Zwiespalt zwischen meinen eigenen Bedürfnissen und den (ausgesprochenen und unterschwelligen) Erwartungen aus dem Elternhaus.

Falsche Erwartungen werden enttäuscht

Die Erzählung ist wie eine Miniatur dessen, was Menschen allenthalben erleben, wenn sie mit der Erwartung von Anerkennung auf andere zugehen: Sie werden enttäuscht. Natürlich nicht immer. Es hängt von der gemeinsamen Wellenlänge, dem daraus entstehenden Verständnis und dem Maß an Mitgefühl ab, das jemand zu entwickeln in der Lage ist.

Die Enttäuschung ist zwangsläufig, wenn der andere uns nicht (er-)kennt , wenn er sich für unsere Sichtweise nicht interessiert oder für unseren Blickwinkel nicht offen ist, wenn er sein Weltbild und Wertesystem für das einzig richtige hält und wenn er außerdem kein Mitgefühl für unser Freude empfindet – das geht nämlich auch unabhängig vom Verständnis für die abweichende Position.

Mein berufliches Bestreben zielte nicht auf Sicherheit und möglichst lange Betriebszugehörigkeit, sondern auf Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung. Das hätte ich seinerzeit noch nicht so klar ausdrücken können. Ich merkte nur, dass ich in den unpassenden Situationen einfach nicht verweilen konnte. Ich wusste, dass ich noch etwas anderes wollte, auch wenn ich gar nicht genau sagen konnte, was das sein würde.

Auch der Folgejob hat mich nur kurz erfüllt. Rasch war ich darüber hinaus gewachsen und brauchte neue Tätigkeitsfelder, die ich zunächst als Personalreferentin, später als Projektmanagerin und letztlich in der Selbstständigkeit fand, wo sich meine Arbeit und mein Bewusstseinsstand parallel weiterentwickeln konnten. Die Entwicklung an sich ist für mich entscheidend. Umfelder, die mein inneres Wachstum behindern, dienen mir nicht. Und mehr als das: Ich halte sie nicht aus, ohne krank zu werden.

Dieses So-sein wurde nicht wahrgenommen. Dafür kann ich niemanden anklagen. Wenn jemand eine Rot-Grün-Schwäche hat, sieht er diese Farben einfach nicht. Lebenskonzepte sind wie Schwingungsmuster, für die der eine ein waches Auge hat und der andere gar keinen Blick. Oder er missdeutet sie.

Was also hätte jemand anerkennen können?

Im Idealfall hätte er mich als einzigartiges Wesen gesehen, das einen ganz eigenen Weg einschlagen wird, bei dem es sich individuell entwickeln darf. Das ist natürlich viel verlangt.

Weil der Schritt für mich mit Angst verbunden war, die ich überwunden habe, hätte ich mir gewünscht, dass jemand meinen Mut bewundert, aus der sicheren Position heraus freiwillig ins kalte Wasser einer neuen Stelle zu springen – mit all den Unsicherheiten, die ein solcher Schritt mit sich bringt. Aus einem hierarchischen Weltbild heraus hätte er stolz sein können, dass ausgerechnet ich unter den vielen Kandidatinnen ausgewählt wurde, um diese wichtige Funktion für den Vorstandsvorsitzenden auszufüllen. Er hätte sich aus seinem Wertesystem heraus an meinem Fleiß erfreuen können, der es mir unmöglich machte, in dem lauen Job weiterhin vor mich hinzudümpeln.

Stattdessen hielt er mich in meinem jugendlichen Leichtsinn für unfähig, die Chance zu erkennen, die mir das Leben bot. Für vermessen zu denken, ich könne noch etwas Besseres haben oder sein. Und für undankbar. Das war das Schlimmste.

Seine Sichtweise scheint auf den ersten Blick etwas Wohlwollendes und vielleicht sogar Beschützendes haben zu können. Auf den zweiten scheint es mir an meinem eigentlichen Sosein vollkommen vorbei gesehen. Ja, mein Sosein wurde sogar um 180 Grad verdreht. Gerade WEIL ich die Chance erkannte, die mir das Leben bot, ergriff ich diese Gelegenheit. Dort machte ich viele wertvolle Erfahrungen, von denen ich heute noch gerne erzähle. Die Zeit hat mich menschlich und fachlich sehr bereichert. Und dafür bin ich dankbar. Seither habe ich mich immer weiterentwickelt. Dadurch waren meine beruflichen Aufgaben und Umfelder auch im steten Wandel. Mir geht es nicht darum, etwas Besseres zu haben oder zu sein, sondern den für mich passende Platz im (Berufs-)Leben zu finden. Und da bin ich jetzt.

Hätte ich mit aller Konsequenz um die Anerkennung dieser Person gerungen, hätte ich Physik studiert und mich beim Max-Planck-Institut für Kernforschung beworben. Was dann wohl aus mir geworden wäre? Eine mittelmäßige Wissenschaftlerin in einem frustrierenden Job. Wir werden nicht gut in dem, was uns nicht entspricht. Nur wenn wir unser Selbst in die Welt bringen, entfalten sich unsere einzigartigen Gaben und Talente zu etwas ganz besonderem.

Angenommen, die Qualität, mit der ich diese Position ausfülle, wäre dem Erwartungsanträger egal: Wie wäre es mir mit seinem Lob, seinem Stolz und seiner Wertschätzung wohl ergangen?

Wir stellen uns die Anerkennung immer so labend vor wie einen Zaubertrunk, ein Elixier, nach dem wir so lange gedürstet haben. Vermutlich wären die meisten von uns sehr enttäuscht von dem Resultat der Bemühungen in einem Fall wie oben beschrieben. Anerkennung für das, was uns nicht entspricht, berührt uns nicht, weil sie uns als Mensch gar nicht meint, sondern nur etwas, das wir vorgeben zu sein.

Das ist also auch keine Lösung.

Ein hoffnungsfroher Weg, wahrhaftige Wertschätzung zu erfahren, liegt darin, unser wahres Wesen zu leben. Wer uns darin anerkennt und erkennt, kennt uns wirklich. Seine Resonanz erquickt unser Herz, weil sie aufrichtig ist. Ja, wir sind gemeint, nicht irgendetwas, das wir getan haben, sondern unsere ureigene Art.

Ein guter erster Schritt ist es, dass wir uns selbst erkennen, unser wahres Wesen hinter all den Persönlichkeitsmerkmalen suchen, dessen Kern sich wie ein ganz bestimmter Unterton, eine Art definiertes Grundrauschen durch unsere komplette Existenz zieht. Daraus erfolgt die Anerkennung.

Ironischerweise ist die Kernforschung genau mein Metier geworden, aber anders als gedacht: Ich forsche nach dem Wesenskern von Menschen, zuvorderst natürlich nach meinem eigenen. Und genau das empfehle ich Ihnen auch.

Praktische Tipps

Sie dürfen mit einer leichten Aufgabe einsteigen: Finden Sie heraus, welche Ihrer starken Eigenarten Sie mögen und schreiben Sie sie auf. Spenden Sie sich selbst Anerkennung. Schicken Sie den kleinen Richter in Urlaub, den Sie in Ihrem Rucksack umhertragen, wenn er Ihnen mit dem Aufzählen von Ausnahmen auf den Zeiger geht und Ihnen vorwerfen will, dass Sie nicht perfekt sind. Schreiben Sie auf Ihre Anerkennungsliste, wenn Sie wollen: „Ich bin seit 52 Jahren nicht vollkommen und komme damit klar.“ Das nimmt den Druck raus.

Den inneren Perfektionisten können wir manchmal mit einer Skala überlisten. Statt sich zu fragen „Bin ich eher aufgeschlossen oder eher verbohrt?“ Könnten wir fragen „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie aufgeschlossen bin ich?“ Die Welt ist nicht nur schwarz-weiß.

Das Anerkennen des eigenen Selbst strahlt in die Welt und hat gleich eine ganze Reihe erfreulicher Folgen:

    • Wenn wir uns selbst anerkennen, verbiegen wir uns nicht mehr so sehr, um anderen zu gefallen, deren Anerkennung für das Ergebnis des Verbiegens uns ohnehin nicht dient.
    • Durch das Mehr an Authentizität geben wir uns Gelegenheit, Anerkennung von jenen, zu erhalten, die unser eigentliches So-Sein wertschätzen.
    • Niemand fühlt sich mehr unter Druck, uns Anerkennung zollen zu müssen, weil wir uns dieses Bedürfnis ja selbst erfüllen. Folglich erhalten wir nur noch aufrichtige Komplimente und echte Wertschätzung.
    • Wenn wir unser Wesen wahrhaftig in die Welt stellen, spart uns das viel Energie fürs Verbiegen. Unsere Aufmerksamkeit können wir anderen Dingen zuwenden.
    • Unser Blick für den Wesenskern wird geschärft, so dass wir auch bei anderen besser erkennen, wie sie im Grunde sind.
    • Ohne Stress können wir Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen uns und anderen bemerken und uns an ihnen erfreuen. Der ewige Konkurrenzkampf hört auf.

Verabschieden Sie sich ganz bewusst von dem Anspruch, es allen recht machen zu wollen. Lassen Sie ihr kindliches Bemühen los, Liebe durch Leistung erzwingen zu müssen. Die traurige Wahrheit ist: Solche “Liebe” ist keine. Diese Einsicht bedeutet den Verzicht auf Anerkennung.

Unterstützende Bewusstseinsübungen

Sprechen Sie den Satz für sich im stillen Kämmerlein, aber im Geiste an eine bestimmte Gruppe oder Person gerichtet aus „Ich verzichte bewusst auf Eure/Deine Anerkennung“. Üben Sie diesen Satz täglich bis er in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Bei Bedarf unterstützen Sie den Prozess durch ein Loslass-Ritual, eine Familienaufstellung oder ein naturheilkundliches Medikament. Die Bachblüte Larch beispielsweise stärkt das Selbstvertrauen. Man kann auch nach einem homöopathischen Konstitutionsmittel Ausschau halten. Und bestimmt gibt es noch viele andere Unterstützungen, die Sie für sich finden können.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie schon bald die befreiende Wirkung Ihres neuen Umgangs mit Ihrem Bedürfnis nach Anerkennung spüren werden.

Text: Petra Weiß
Foto: Patti1902 / PIXELIO

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Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

Warum wir (keine) Insekten essen sollten.

Heilpraktiker Weinheim Heuschrecke Insekten

Immer wieder liest man in der Presse, dass Menschen künftig ihren Eiweißbedarf aus dem Essen von Insekten decken sollen. Vielleicht möchten Sie einen Moment lang in sich hineinspüren, welche spontane Reaktion dieser Gedanke bei Ihnen auslöst.

In äußerster Not oder unter akuter Lebensgefahr würden die meisten von uns Krabbeltiere verspeisen. Kaum jemand spaziert aber durch den Wald, bückt sich kurz und vertilgt dann einen köstlichen Käfer, der gerade seinen Weg gekreuzt hat. Zumindest in Mitteleuropa und vielen anderen westlichen Ländern empfinden die Menschen Ekel, Abscheu oder Mitleid, wenn sie jemanden beobachten, der sich von Insekten ernährt. Diese Reaktionen scheinen tief in unserer Kultur verankert zu sein. Das hat natürlich Gründe.

Nun finden wir überall Berichte, die den Verzehr von Heuschrecken & Co. anpreisen. Diese Kostform soll den Welthunger und die Klimakatastrophe auf einmal lösen und gleichzeitig unserer Tierliebe Vorschub leisten, damit Säugetiere nicht unter Bedingungen gehalten werden müssen, die nicht artgerecht sind. Klingt doch erst mal gut und vernünftig, nicht wahr?

Wenn Sie immer noch glauben, was Ihnen die Spin Doctors, PR-Manager und Weltenraddreher als großen Vorteil für die Menschheit verkaufen wollen, haben Sie meine Serie „Manipulative Muster erkennen“ noch nicht gelesen. Sie können das nachholen. Oder Sie klicken einfach weiter zu einem anderen Blogbeitrag. Das Internet ist groß und bietet auch für Ihren Bewusstseinsstand das Passende. Alles Gute für Sie!

Eine 180-Grad-Lüge?

Sie sind noch da. Schön. Dann interessiert es Sie vielleicht, in welchen übergeordneten Zusammenhängen man diesen merkwürdigen Einfall betrachten kann.

Mir gibt es zu denken, dass man ausgerechnet Heuschrecken zur seligmachenden Patentlösung für all unsere Ernährungsprobleme hochstilisieren will. Welche Assoziationen haben Sie mit diesen Tieren? Sind Heuschrecken dafür bekannt, dass sie irgendetwas mit Hungersnöten zu tun haben? Wie ist der Zusammenhang aus Ihrer Erinnerung?

Im kollektiven Gedächtnis der Menschheit sind die Ereignisse aus der Vergangenheit noch immer lebendig. Sie werden gemäß dem theoretischen Modell von Morphogenetischen Feldern, das auf den Erkenntnissen des Harvard-Forschers Prof. Rupert Sheldrake beruht, in ein Informationsfeld eingespeist und bleiben dort abrufbar. Ob wir dort wohl die Verbindung „Heuschrecke“ und „genährt sein“ häufiger finden als „Heuschrecke“ und „Hungersnot“? Was meinen Sie? Und ganz nebenbei erwähnt: Woher stammt der „-schreck-“liche Anteil des Wortes vermutlich?

Ich glaube wir werden hier wie allenthalben in großem Stile verarscht. Ob jemand einmal wieder ungeheuerlichen Profit aus unserem guten Glauben schlagen will, ob die Elite aus Industrie, Finanz und Politik ihre Verachtung für das gemeine Volk zum Ausdruck bringt oder ob irgendeine apokalyptische Sekte die Weltherrschaft anstrebt, ist mir offen gesprochen egal. Was mich interessiert, ist das geistige Prinzip, was hinter der Idee steht.

Facettenreiche Blickwinkel

Um mir Anregungen für solche Betrachtungen zu holen, schaue ich gerne in meine Homöopathiebücher. Vielleicht haben Sie schon erfahren, dass man Symptome mit bestimmten Mitteln behandeln kann, die aus metallischen/mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Ursprungssubstanzen hergestellt worden sind. So gibt es auch Mittel aus Insekten. Diese kommen zum Einsatz, wenn der Patient entsprechende Beschwerden hat. Wir werden weiter unten noch näher darauf eingehen. Zunächst will ich verdeutlichen, dass das Ableiten von geistigen Prinzipien zur Arzneimittelwahl gar nicht ungewöhnlich ist.

Auch andere Verfahren aus der Erfahrungsheilkunde bedienen sich solcher Betrachtungen. Sie nennen es nur anders.

In der Pflanzenheilkunde versteht man unter dem Begriff Signaturenlehre das Beobachten von Lebewesen, um aus der äußeren Erscheinung und dem Verhalten Erkenntnisse über ihre Einsatzmöglichkeiten in der Medizin zu gewinnen. Für pflanzliche Arzneien ist dieses Vorgehen in der Phytotherapie üblich. Werfen wir einen solchen Muster-Erkennungs-Blick auf die fragliche „Delikatesse“:

Insekten zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Körper eine deutliche Trennung verschiedener Bereiche aufweist: Der Kopf, der Brustbereich und oft auch das Hinterteil sind durch Einschnürungen klar voneinander abgegrenzt. Im übertragenen Sinne könnte man sagen: Das Denken, das Fühlen und das Handeln haben keine Verbindung.

Die anthroposophisch erweiterte Medizin hat eine Dreigliederung im Menschenbild verankert. Dort ersetzt man den Begriff des Handelns mit dem Wollen. Es ist im Bauchraum, dem sogenannten Stoffwechselpol, verortet und führt per Definition ins Handeln. Neudeutsch ausgedrückt sprechen wir von Integrität, wenn die drei Wesensglieder in Harmonie miteinander sind.

Bei philosophischen Betrachtungen stehen die drei Entscheidungszentren Kopf, Herz und Bauch für das Schöne, Wahre und Gute. Was sich für den Bauch gut anfühlt, erleben wir als angenehm (schön), was wahr ist, offenbar sich durch den Verstand, und das Herz bringt beide Instanzen zusammen, so dass im individuellen Sinne Gutes daraus hervorgehen kann.

In der Homöopathie wird Ähnliches mit Ähnlichem behandelt. Das ist das Grundprinzip dieser Heilkunst. Daher wundert es nicht, für welche Zustände ein Insekten-Mittel angezeigt ist: Das Fühlen und Denken des Patienten sind nicht in Einklang und seine Sexualität ist von beidem entkoppelt. Von Liebe spricht er nicht. Die Paarbeziehung dient seinen praktischen, materiellen oder sexuellen Bedürfnissen.

Aus psychologischer Sicht würde man die Entkopplung von Denken, Fühlen und/oder Körperempfinden als Dissoziation beschreiben. Der Patient hat Teile seines Erlebens voneinander abgespalten. Ein solcher Zustand kann chronisch werden und ist durchaus behandlungswürdig. Mitunter ist die Abspaltung eine Folge von Trauma. Die Betroffenen funktionieren häufig verblüffend gut im Alltag, sind möglicherweise sogar glasklar im Denken, aber nicht „bei sich“. Ein sinnvolles Behandlungsziel ist dann eine Re-Integration der dissoziierten Anteile.

Im Krankheitsbild von Psychopathen ist die Abspaltung von Emotionen dauerhaft. Das ist ein wichtiges Merkmal zur Diagnose. Sie haben von Geburt an kaum Zugriff auf ihre Gefühlswelt und können daher auch kein Mitgefühl für andere entwickeln. Mit Eiseskälte gehen sie über Leichen, ohne mit der Wimper zu zucken, lügen und betrügen, dass sich die Balken biegen, und entwickeln nicht das geringste schlechte Gewissen.

Aus einen spirituellen Blickwinkel betrachtet fehlt ihnen die Verbindung zu ihrem höheren Selbst, falls sie so etwas tatsächlich haben. Kein innerer Kompass sagt ihnen deutlich, was gut und was schlecht ist. Sie kennen keine Ethik, die aus den eigenen Werten erwächst, nur eine aufgesetzte Moral. Und diese biegt sich erfahrungsgemäß innerhalb der Grenzen des Nützlichen nach allen modischen Richtungen.

Laut Statistik soll es etwa 1 % Psychopathen in der Menschheit geben. Je länger ich darüber nachdenke, desto unwahrscheinlicher erscheint mir diese Aussage. Wie will man die Zahl denn ermittelt haben? Kaum jemand kommt in die Praxis und sagt „Hallo, ich bin ein Psychopath.“ Die Betroffenen wissen davon meist gar nichts und falls sie es ahnen, versuchen sie diese Tatsache zu verschleiern. Dass sie sich überhaupt in psychiatrische Therapie begeben, ist selten. Sie haben ja keinen Leidensdruck. Das ist verständlich. Vermutlich machen sie schon früh die Erfahrung, dass ihre Herzlosigkeit nicht gut ankommt. Daher verstellen sie sich und imitieren den Ausdruck emotionaler Regungen, den sie bei anderen studiert haben.

Kehren wir noch einmal zurück zur Signaturenlehre. Schauen wir uns das Verhalten von Insekten an, fällt noch ein Gesichtspunkt ins Auge: der Mangel an Individualität. Schwarmtiere erfüllen ihre Funktion in der Gruppe. Es gibt keinen persönlichen Gestaltungsspielraum und wenig Platz für das, was wir als Individualbeziehung oder gar als Liebe bezeichnen würden. Schlimmstenfalls wird der Sexualpartner nach der Paarung verspeist.

Will man die Empfehlung, breite Teile der Bevölkerung künftig mit Insekten zu ernähren, mit einem breiten Blick bewerten, braucht es noch ein kleines, aber bedeutsames Fizzelchen Information.

Homöopathische Mittel sind dafür bekannt, dass sie beim Gesunden genau diejenigen Beschwerden auslösen, die sie beim Kranken zu heilen vermögen. Und das gilt nicht nur für ihre arzneilich aufbereitete Form, sondern auch für die Ursubstanzen. So mancher hat sich schon durch den übermäßigen Konsum von Kamillentee Symptome zugezogen, die man im Homöopathiebuch unter Chamomilla nachlesen kann.

Völkerkundlich kann man festhalten, dass über viele Jahrhunderte hinweg in einigen Kulturen die Auffassung galt, dass man sich die Eigenschaften von Lebewesen aneignen kann, indem man sie isst. Indigene Völker glaubten, sich den Mut einer Wildkatze zueigen machen zu können, indem sie ein Löwenherz verzehrten. Noch heute zeugen asiatische Potenzmittel aus tierischen Geschlechtsteilen von solchem Glauben. Das ist nicht immer gut für die entsprechenden Tierarten. Und ich möchte ausdrücklich nicht dazu raten. Wenn ich mir aber die Erfahrungen von unfreiwilligen Arzneimittelprüfungen wie oben beschrieben vergegenwärtige, frage ich mich schon, was es mit uns macht, wenn wir Insekten essen.

Ernährungswissenschaftlich ist längst bekannt, dass Essen und Trinken weit mehr ist als die Zufuhr von Kalorien und Vitalstoffen. Wir nehmen Energie in unseren Körper auf. Der Forscher Prof. Pop hat schon vor Jahrzehnten nachgewiesen, dass Lebensmittel Biophotonen enthalten, und die Frage ist berechtigt, ob sie es sind, wovon wir satt werden und Protein, Kohlenhydrate oder Fett ihnen nur als Träger dienen.

Mir steht es nicht zu, Ihnen sagen zu wollen, wie Sie sich ernähren sollen. Es gibt schon viel zu viel Bevormundung in diesem Thema. Meine Absicht ist es, Ihr Bewusstsein dafür zu wecken, welche Beweggründe man Ihnen für Ihre Entscheidungen unterjubeln will. Ich möchte Ihr Augenmerk darauf lenken, dass es noch andere Sichtweisen gibt.

Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen, erst gar nicht von Leuten, die selbst keines haben. Ihre Verantwortung liegt nur in Ihrem Wirkungsbereich. Und der ist realistisch betrachtet recht begrenzt. An den großen Rädern drehen andere schon sehr lange in die falsche Richtung.

Daran sind Sie nicht schuld. Das müssen Sie sich nicht einreden lassen, um dann dank emotionaler Erpressung irgendwelchen Steuerungen auf den Leim gehen, die uns als Menschheit in unseren individuellen Entwicklungen und kollektiven Bewusstseinsprozessen ganz bestimmt nicht weiterbringen wollen.

Bleiben Sie mit sich verbunden. Sie spüren, was Ihnen dient und wo man Sie wortgewandt manipulieren will. Pflegen Sie bewusst die Verbindung zwischen Ihrem Denken, Fühlen und Handeln. Üben Sie sich in ihrer individuellen Integrität. Folgen Sie Ihren eigenen Werten und Überzeugungen mit dafür geeigneten Mitteln. Nicht nach unseren Instinkten reflexhaft zu reagieren, sondern aus dem Bewusstsein heraus zu agieren, macht uns als Menschen aus.

Text: Petra Weiß
Foto:  Marion / PIXELIO

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

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Das Leben lieben!

Schreibkunst Texter Schriftsteller

Im Rahmen meiner Videosprechstunde treffe ich regelmäßig einen Patienten, der seit Jahren unter wiederkehrenden Depressionen leidet. Nun hat er mich zum dritten Mal mit den Worten begrüßt: „Frau Weiß, Sie strahlen immer so.“ Und in der Tat, wenn ich mein Bild auf dem Video sehe, strahle ich wie der Broadway bei Nacht.

Warum ist das so?

Verkenne ich die Situation, die für den Patienten wirklich ernst ist? Nein, mir ist sehr bewusst, was er gerade durchmacht. Ich bin voller Mitgefühl und Verständnis. Das Wesen einer Depression ist mir durchaus vertraut. Auch ich habe solche Zeiten in meinem Leben gehabt.

Bin ich aus therapeutischer Überheblichkeit in Vorfreude auf den Triumph, weil ich diejenige sein werde, die dank meiner außergewöhnlichen Fähigkeiten diesen Menschen retten wird? Keineswegs. Die Fragilität der Situation ist mir klar. Wir arbeiten seit mehreren Jahren zusammen, die Hintergründe sind komplex, einfache Lösungen nicht zu erwarten.

Wie komme ich also dazu, mit strahlenden Augen in die Kamera zu lächeln?

Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich meine Arbeit liebe, erleichtert bin, dass ich mit der Technik unerwartet gut zurecht komme, und dass ich den Mann auf der Herzebene von Mensch zu Mensch wirklich mag.

Zum anderen ist diese Lebensfreude einfach in mir. Sie war immer da. Auch und gerade in besonders anspruchsvollen Lebensphasen bin ich tanzen gegangen – lange nachdem ich dem Disko-Alter eigentlich entwachsen war. Die einstudierten Schrittfolgen lagen mir nicht. Lieber zappelte ich stundenlang im „Freestyle“ über die Tanzfläche. Mein Körper bewegte sich ganz von allein zu den fetzigen Rhythmen und beschwingten Melodien.

Ich wurde gefragt, wo ich diesen Tanzstil erlernt hätte. Gar nicht. Ich habe ihn entwickelt. Oder besser: Er hat sich aus mir heraus von selbst entwickelt. Genauer: Aus meinem Selbst heraus hat er sich entwickelt. Diese Art des Tanzens ist also eine kreative Form des Selbst-Ausdrucks.

Im Auto lag immer ein Handtuch bereit, damit ich mich nicht verkühle, wenn ich schweißüberströmt und glücklich die Rückfahrt antrat. An diese Erinnerungen kann ich heute anknüpfen, wenn ich Gefahr laufe, dass mir die Lebensfreude abhanden kommt.

Der Beitrag des Einzelnen

Auch ich nehme wahr, dass die Welt sich in einem katastrophalen Zustand befindet. Wird sie dadurch besser, dass ich in einem Depressionsloch verschwinde? Glauben Sie mir: Meine Gemütsverfassung ist den dunklen Mächten in Politik, Wirtschaft und Hochfinanz herzlich egal. Dabei liegt in ihr ein kostbares Potenzial.

Im Sinne einer Schwingungserhöhung ist es eher dienlich, wenn ich gut für mich sorge. Wir speisen alle unsere Stimmungen und Gedanken in das Morphische Feld der Erde ein. Über das kollektive Bewusstsein wirkt jeder daran mit, wie sich die Menschheit entwickelt. Setzen wir den lebensfeindlichen Bestrebungen skrupelloser Geschäftemacher und Machtmenschen etwas entgegen: unsere Liebe zum Leben. Und verleihen wir ihr Ausdruck. Was wir dann versprühen ist Lebensfreude. Sie ist ansteckend.

Selbstausdruck ist immer individuell

Finden Sie einen Ausdruck, der Ihnen entspricht. Tanzen ist nicht jedermanns Sache. Wobei es nützlich sein kann, den lebendigen Leib zu spüren, um wieder mit der Lebensfreude in Kontakt zu kommen. Gerade bei depressiven Verstimmungen ist dieser Zusammenhang bekannt und gut belegt.

Weniger bewegungsfreudige Menschen spüren sich beim sinnlichen Genuss. Das kann ein Stück Kuchen sein oder ein heißes Bad, die Berührung eines lieben Menschen oder das Hören einer erbaulichen Musik.

Den Genuss genießen

Hören wir endlich auf, unsere schönsten Momente durch konventionelle Bewertungen zu zerstören. Solange Sie sich über die Kalorien oder den Fettanteil Gedanken machen, während Sie eine Donauwelle kosten, wird das nichts. Kaum hat man sich versehen, ist der Bissen am Gaumen vorbei, ohne dass man ihn wirklich bemerkt hat.

Lenken Sie stattdessen Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf den Geschmack, auf das Verändern der Beschaffenheit des Häppchens in Ihrem Mund, während Sie kauen. Kauen Sie ausgiebig bevor Sie schlucken. Freuen Sie sich an der Handwerkskunst des Bäckers, an der Tradition des Rezepts, an der Schönheit der Gestaltung, oder was auch immer für Sie ein wichtiger Wert ist, den der Kuchen erfüllt.

Lassen Sie sich das Erlebnis eines Wannenbads nicht vermiesen, indem Sie sich damit grämen, wie viele Liter Wasser Sie gerade „verschwenden“. Auf das SCH können Sie getrost verzichten. Kein Tropfen ist verschwendet, wenn Sie das Bad genießen und es Ihrem Wohlgefühl dient. Wir sind viel zu sehr in schlechtem Gewissen gebadet durch all die Ideologien, mit denen man uns Schuldgefühle einflößt von früh bis spät.

Ein neue Haltung einnehmen

Gebieten Sie solche Gedanken Einhalt, z.B. mit einem großen roten STOP-Schild vor Ihrem geistigen Auge. Eine abwehrende Handgeste kann die Wirkung unterstützen.

Machen Sie sich die Konditionierung bewusst, die Sie durchlaufen haben: Wehe, wenn wir einfach nur etwas für unser Wohlbefinden tun, statt nützlich zu sein! „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Mit solchen selbstschädigenden Glaubenssätzen sind die meisten von uns aufgewachsen. Dabei liegt im baren Sein ohne nutzbringende Absicht ein großer Schatz.

Die grundlegenden Einfälle zu wichtigen Erfindungen kamen den Forschern nicht im Labor oder in der Werkstatt, sondern unter der Dusche oder in der Hängematte. Manchmal auch bei gedankenverlorenen Alltagstätigkeiten, z.B. beim Bügeln oder bei der Gartenarbeit.

In diesen Augenblicken bricht das Selbst sich Bahn und dringt mit seiner Schöpferkraft in unser Bewusstsein vor. Was dann als Erfindung in die Welt findet, entstammt den Tiefen unseres Seins.

Ergänzen Sie das STOP-Schild und die Handgeste um einen neuen Glaubenssatz, durch den Sie den alten ersetzen. Allgemein: „Wohlbefinden ist mein Geburtsrecht.“ oder „Auch im großen Schweren kann ich etwas kleines Leichtes finden.“ Oder konkret: „Ich übe mich in der Kunst des Nichtstuns.“

Darf ich das?

In der Psychotherapie hat es sich bewährt, wenn Menschen eine Erlaubnis erhalten, gut für sich zu sorgen. Im fortgeschrittenen Zustand erteilen sie sich die Erlaubnis selbst.

Sie können sich zu diesem Zweck eine Urkunde ausstellen, z.B. mit dem Text „Ich, (Name), erlaube mir hiermit feierlich, mich auszuruhen, wann immer mein Körper, meine Seele oder mein Geist eine Pause benötigt. Und auch wenn es gar nicht nötig ist, sondern einfach nur mein Wunsch, darf ich ruhen.“

Malen sie ein amtliches Siegel auf das Papier, spannen Sie es in einen schönen Rahmen und hängen Sie es auf – ganz praktisch oder als Visualisierungsübung.

Knifflige Probleme löse ich – ohne angestrengt darüber nachzudenken – häufig beim Spazierengehen bzw. auf dem Laufband. Verborgene Zusammenhänge werden mir beim Hören von Audio- und Videobeiträgen bewusst, die ich mir „faul im Bett oder auf der Couch liegend“ zu Gemüte führe.

Und woher stammt mein Strahlen während der Sprechstunde?

Das Geheimnis will ich hier gerne lüften: Ich habe mir angewöhnt, bei Bedarf ein paar Minuten fetzige Musik aufzulegen, bevor ich mich mit ganzem Herzen und aller Aufmerksamkeit dem nächsten Patienten widme. Und manchmal zapple ich dabei durch die Praxis – so wie es meinem ganz persönlichen Ausdruck der Lebensfreude entspricht.

Text: Petra Weiß
Foto: knipseline / PIXELIO

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Sonnwend-Gedanken zur Spiritualität

Texter Schreibkunst Essayist

Seit vielen Jahren begleite ich Menschen auf dem Weg zu sich selbst. Die Anlässe sind vielgestaltig. Die einen kommen aus gesundheitlichen Gründen, die anderen aus beruflichen oder privaten. Wenn sie dann entdecken, dass sie zwar ganz konkrete Schwierigkeiten bewältigen wollen, aber im Grunde (nur) einen Auslöser für Ihre Selbst-Suche gebraucht haben, sind die meisten überrascht.

Wir sind auf einer Reise zu uns selbst, wenn Sie so wollen: auf einem spirituellen Pfad. Der Begriff ist landläufig verhunzt. Einige verwechseln Spiritualität mit Esoterik. Darüber, was Esoterik ist (übrigens gar nichts Schlimmes), und über die Unterschiede zur Spiritualität könnte ich jetzt eine eigene Abhandlung schreiben. Das führt hier zu weit.

Stattdessen will ich Ihnen eine klare Definition von Spiritualität geben, die den Begriff aus der Spinner-Ecke oder aus religiösen Vorstellungen herausholt:

Es geht um das Bewusstwerden darüber, dass unser Dasein einem geistigen (spirituellen) Prinzip folgt. Und um die Suche danach, was dieses Wesentliche in uns ist. Auf einer ganz grundsätzlichen Ebene stellen wir uns drei Fragen:

Wer bin ich?

Woher komme ich?

Wohin will ich?

So einfach ist Spiritualität aus meiner Sicht zu begreifen. Und aus meiner eigenen Erfahrung kann ich hinzufügen: Die Fragen zersplittern in tausend Teile, während man ihnen nachgeht. Jeder Splitter ist eine Facette des Ganzen und die Antworten führen alle zurück zum Kern.

Nehmen wir eine Frau, die trotz lebensbedrohlicher Erkrankung ihren wenig geliebten Beruf mit riesigem Energieaufwand vorantreibt, obwohl sie bereits wüsste, wohin ihr Herz sie trägt. Manche würden sagen: Sie hat ihre Lebensaufgabe oder ihren Seelenauftrag gefunden. Die Frage, wohin sie will, hat sie bereits zu einem Gutteil erforscht. Nun gilt es zu klären, was sie davon abhält, ihr Selbst auf die ihr gemäße Weise in die Welt zu bringen. Die Antworten werden vermutlich Fragmente zu den beiden anderen spirituellen Leitfragen sein. Für Ihren Bewusstseinsprozess spielt es keine Rolle, ob Sie herausfindet, warum sie krank geworden ist und wie sie gesund werden kann, oder warum sie den Schritt in die Selbstständigkeit nicht in der gebotenen Entschlossenheit wagt. Beide Fragestellungen werden letztlich zur selben Erkenntnis führen.

Die Erkenntnis allein bringt leider noch kein Heil. Schade.

Wir sind in der 3D-Welt, um unser Wesen zu verwirklichen. Sonst könnte unser Bewusstsein ja als pure Energie weiter – je nach Weltanschauung – durch den Äther, durchs All oder durch das Multiversum tollen und uns die ganzen Mühen hier ersparen.

Nehmen wir also an, unsere Seele hat sich einen Körper gesucht, der aus unserem Bewusstsein gebildet wurde, um durch ihn das Selbst in die Materie zu bringen. Das Umsetzen unserer Wesenskraft ist vonnöten. Das bezeichne ich als Transformation: Wir bringen das geistige Prinzip, aus dem wir entstanden sind, auf die Erde, einen winzigen und gleichsam für unsere Existenz und für die gesamte Menschheit bedeutenden – weil einzigartigen – Teil der Schöpfung.

Vielleicht ist das weit verbreitete Verlagen nach Perfektion nur ein Ausdruck der Sehnsucht nach der Ganzheit, zu der jeder einzelne gehört: Die Welt kann ohne Dich bestehen, aber dann ist sie nicht komplett. Um den Gedanken fortzuführen, könnte man sagen: Wenn jeder sein Selbst verwirklicht, ist die Schöpfung auf Erden vollständig. Mit einem solchen Bild vom Paradies kann ich etwas anfangen.

Wann ist jemand spirituell?

Immer wieder höre ich in diesem Zusammenhang das Wort „Meditation“. Finden Sie heraus, was für Sie Meditation bedeutet, wenn Sie das wollen. Oft hilft die Herkunft eines Wortes, die Bedeutung zu begreifen. In unbequemen Positionen regungslos auf einem Kissen zu sitzen, hat mit Meditation wenig zu tun. Dafür müssen wir den Körper ausblenden. Und genau das ist ja die Krux: Unser Bewusstsein IN dem Leib zu verankern und das Selbst in der realen Welt zu verwirklichen, ist gelebte Spiritualität. Wenn Sie dazu ein Meditationskissen verwenden und dabei Yoga-Kleidung tragen wollen – von mir aus. Notwendig ist das nicht. Yoga genießt meine volle Achtung. Die Indische Lehre vom Leben ist ein Weg, der in die Tiefe führen kann. Aber nicht nur als Freizeitbeschäftigung oder Leibesübung, sondern als innere Haltung und spirituelle Weltsicht.

Jeder Mensch ist ein seelisch-geistiges Wesen in einem physischen Leib, egal, ob ihm das bewusst ist oder nicht. Insofern ist jeder „spirituell“. Das Bewusstsein allerdings macht den entscheidenden Unterschied, ob wir unser Dasein als sinnerfüllt erleben. Wir haben die freie Wahl, worin wir unser Glück suchen wollen.

Was ist Glück?

Die Verwirrung entsteht, indem man uns weismacht, Glück sei der Genuss einer leckeren Torte oder ein Album voller Urlaubsfotos. Bezeichnen wir solche Momente lieber als Augenblicksglück. Sie haben ihren Zweck. Solche Genüsse bringen uns ganz ins Hier und Jetzt, weil die sinnliche Wahrnehmung durch Schmecken, Riechen, Sehen etc. das Bewusstsein im Leib verankert. Glück im Sinne von Erfüllung hingegen erleben wir, wenn unser Tun mit unserem Selbst in Einklang ist. Weil wir das Selbst durch die Handlung zur Wirksamkeit bringen – ver-wirk-lichen eben.

Kennen Sie den Film „Matrix“? In Abwandlung der Worte des Orakels will ich Ihnen zurufen: Niemand kann Ihnen sagen, was Ihr Selbst ist oder wer Sie selbst sind. Das ist wie verliebt sein: Wenn Sie es sind, wissen Sie es einfach. Sie spüren es mit jeder Faser Ihrer Seele und mit jeder Zelle Ihres Körpers. Ihr Kompass schlägt aus. Es ist wie ein Einrasten zwischen der Seele, dem Geist und dem physischen Leib. Plötzlich fühlt sich etwas „rund“ oder „stimmig“ an. Ob der Verstand begreift, warum das so ist, braucht nicht im Vordergrund zu stehen. Sich forschend und mit offenem Herzen auf den Weg zu begeben, dient uns mehr, als regelhaft an Ritualen zu kleben. Gleichwohl manche Rituale sehr hilfreich sein können.

In der Stille zur Erkenntnis finden

Hier kommt ein aktueller Bezug ins Spiel: die Raunächte. Sie folgen mit drei Ruhetagen Abstand auf die Wintersonnwende. Ihre Anzahl ergibt sich rechnerisch aus der Differenz zwischen dem Mondjahr (12x rund 29,5 Tage entsprechend dem astronomischen Mondlauf) und dem Sonnenjahr: etwa 365 Tage pro Umrundung. Der Sage nach sind in dieser Zeit die Schleier zwischen der diesseitigen und der geistigen Welt durchlässiger als sonst. Wir haben es leichter, Zugang zu unserem geistigen Wesen zu finden. Von dort dürfen wir uns wahrhaftige Antworten auf unsere wesentlichen Lebensfragen erwarten.

Ob die Zeitqualität „zwischen den Jahren“ eine andere ist oder ob wir zu dieser Jahreszeit durch die Abläufe in der Natur bedingt zur Ruhe und damit zu uns selbst kommen, kann ich nicht sagen. Empfehlenswert ist es allemal, diese Zeit bewusst zu nutzen, um „zur Besinnung“ zu kommen. In alter Tradition kann man der Ahnen gedenken, Kerzen entzünden und räuchern – als Sinnbild für Transformationsprozesse. Manche schreiben Wünsche für die kommenden 12 Monate auf Zettel, die Sie dann dem Feuer übergeben. Wählen Sie frei, wozu Sie sich hingezogen fühlen.

Raunächte für Einsteiger sind wie ein Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Dieser kann Anregungen geben, sich darüber klar zu werden, was man eigentlich will. Raunächte für Fortgeschrittene lassen offen, ob das Selbst sich in Form von Träumen oder synchronistischen Erlebnissen (ein Muster scheint durch ganz verschiedene Lebensbereiche hindurch, ein Thema wiederholt sich) und Analogien äußern will. Die Deutung von Symbolen gibt dem Geistigen Raum und bringt uns auf ganz neue Ideen oder auf alte lange verschüttete Einfälle zurück. Das Lauschen nach innen fernab der Hektik unseres Alltags kann Überraschendes zutage bringen: Statt Antworten tauchen manchmal Fragen auf, die uns zu wertvollen Erkenntnissen führen. Meine Empfehlung: Seien Sie offen für das, was kommt.

Vertrauen

Ihr Selbst weiß ganz genau, welche Hinweise Sie jetzt benötigen, um den nächsten sinnvollen Schritt zu gehen. Beobachten Sie Ihre Eingebungen und scheinbare Zufälle, halten Sie beim Erwachen die Erinnerungen an Ihre Träume fest oder den ersten Gedanken im Halbschlaf. Bitte machen Sie keinen Leistungssport daraus. Je entspannter Sie bleiben, desto leichter fließt es durch Sie hindurch.

Möglicherweise gehören Sie zu den Menschen, die gerade bemerkt haben, dass größere Veränderungen in Ihrem Leben anstehen. Die kommende Zeit ist eine gute Gelegenheit, sich zu orientieren, und zwar am eigenen höheren Selbst, statt an irgendwelchen äußeren Merkmalen. Die Zeit der faulen Kompromisse ist vorbei. Jetzt geht es in Richtung Integrität, Aufrichtigkeit und Selbsttreue. Ein aufregendes Abenteuer, eine Heldenreise steht Ihnen bevor – oder Sie befinden sich bereits mittendrin.

Wenn Sie sich den Entwicklungen bewusst hingeben – und das heißt nicht aufgeben! -, statt sich an Widerständen abzukämpfen und Ihre Energie in Schattenkriegen zu versenken, landen Sie am Ende immer bei sich.

Beliebte Irrtümer

Viele – wenn nicht sogar die Mehrheit – der Menschen hechelt irgendwelchen Zielen hinterher, die gar nicht die eigenen sind. Sie haben keine wirklichen Herzensanliegen. Oder zumindest haben sie die ureigenen noch nicht entdeckt. Mit konventionellen Zielen kann man ein komplettes Leben beliebig verschwenden. Eines Tages geht der Deckel zu. Werden wir uns dann „im Jenseits“ oder „in der Anderswelt“ darüber freuen, dass wir beruflich so erfolgreich gewesen sind? Werden wir unser Leben zufrieden betrachten und sagen „Toll, dass ich meine Fenster immer so schön sauber hatte!“ oder „Ich war auf 15 Demos für Freiheit und Frieden“.

Nun ja, wenn Ihre beruflichen, häuslichen oder politischen Ziele mit Ihrem Selbst in Übereinstimmung waren, schon.

Woran kann man erkennen, ob man gerade sein Selbst verwirklicht, oder ob man andere Ziele verfolgt, die einen in der Tiefe nicht berühren? Das ist manchmal gar nicht so leicht zu unterscheiden. Kindliche Sichtweisen verführen uns zu glauben, unser Bauchgefühl sei ein verlässlicher Hinweisgeber. Da muss ich Sie leider enttäuschen, zumindest die Erwachsenen unter Ihnen und diejenigen, die es werden wollen: Wir fühlen uns auch wohl, wenn wir für das Erfüllen von anderer Leute Anliegen Anerkennung oder Lob ernten oder einfach nur dabei sein dürfen. Das sind keine griffigen Anhaltspunkte.

Der Selbstausdruck zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben. Er betrifft alle Bereiche unabhängig von Zeit und Raum. Wenn Ihrem Wesen beispielsweise Aufrichtigkeit innewohnt, dann halten Sie diesen Wert für sich selbst ebenso hoch wie im Umgang mit anderen. Sie nehmen es mit der Wahrheit sehr genau – bei sich und bei den Menschen in Ihrem Umfeld, auch wenn sie Ihnen zuweilen Nachteile bringt. Sonntags über Integrität zu philosophieren und montags in einen Beruf zurück zu kehren, in dem Manipulation an der Tagesordnung ist, hat nichts mit Aufrichtigkeit zu tun, sondern mit Selbstbetrug. Den Widerspruch zu verleugnen, um so mehr.

Damit spreche ich kein Urteil über Menschen, die sich in besonderen Lebenslagen gezwungen sehen, zähnekrnischend gegen eine ihrer Überzeugungen zu handeln, weil ein unlösbarer Konflikt zwischen zwei Werten besteht. Ich weiß, dass man zuweilen vernünftig abwägen muss, welcher Wert gerade Vorrang hat. Das ist normal. Ich will nur sagen, dass das Selbst sich mit halbseidenen Umsetzungen nicht zufrieden gibt, wenn es sich um einen WESENTLICHEN Wert handelt, der also unserem wahren Wesen entspricht.

Oh, Sie dürfen natürlich widersprüchlich sein und egoistisch und schöne Werte vorgeben zu verfolgen. Wir sind alle nicht frei von weniger ruhmreichen Eigenschaften.

Wichtig ist nur, dass Ihnen BEWUSST ist, was Sie da tun. Dann können Sie die entscheidenden Fragen stellen: Warum tue ich das? Welche Beweggründe bringen mich dazu? Was ist mir wichtiger als die Konsequenz oder die Integrität?

Sich in dieser Weise den weniger glanzvollen Seiten der eigenen Persönlichkeit zuzuwenden, birgt wahre Schätze der Selbsterkenntnis. Denn dann wird das Selbst aus der Persönlichkeit herausgeschält, wie wenn ein Rodin seine Statue aus dem Marmor befreit. Das Kunstwerk war schon immer vorhanden, musste aber aus dem Stein gehauen werden, damit man es erkennen kann.

Mit dem Bild des Denkers entlasse ich Sie frohen Herzens in die Weihnachtsferien. Die längste Nacht ist vorbei. Das Licht bricht sich wieder Bahn und löst die Schatten allmählich auf – im Innen und im Außen.

Text: Petra Weiß
Foto: uschi dreiucker / pixelio.de

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Hochsensibel, traumatisiert oder medial begabt?

Schreibkunst, Texter, Journalist, Bewusstsein, Psychologie

In den letzten Monaten werde ich häufiger gefragt, ob ich denke, dass Menschen mit besonderen Fähigkeiten seltene Ausnahmen sind oder ob eine solche Gabe in jedem von uns steckt. Mein Blick auf dieses Thema wird beeinflusst durch mein Dasein mit Eigenschaften, auf die ich weiter unten noch eingehen werde.

Um meine Weltsicht vorweg zu nehmen: Ich glaube, dass wir alle von Grund auf in hohem Maß sensibel waren. Heute geht man von ca. 15 % „Hochsensiblen“ in der Bevölkerung aus. Es ist eine Seltenheit geworden, dass Menschen über eine feinsinnige Wahrnehmung verfügen. In unserer zivilisierten Gesellschaft wird diese Eigenschaft von Kindesbein an unterdrückt. Ob das mit Absicht geschieht oder aus Versehen, darüber will ich hier nicht spekulieren.

Auf vorgeburtliche Traumatisierungen und die Umstände der Geburt selbst, werde ich ebenfalls nicht näher eingehen. Das wäre ein weites Feld und bedarf einer eigenen Beleuchtung. Für diesen Beitrag starte ich an dem Punkt des ersten Atemzugs. Als Heilpraktikerin und psychologische Beraterin will ich die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit medizinischer Maßnahmen im Kreißsaal nicht beurteilen. Mir geht es darum, wie sich bestimmte Verfahrensweisen auf die Psyche und auf das Nervensystem auswirken.

Vorsichtsmaßnahmen mit Nachwirkungen

Direkt nach der Niederkunft tropft man den Babys Vitamin K in den Mund. Die allererste Geschmackswahrnehmung ist grässlich bitter. Das Vitamin dient der Gerinnung. Nur für den Fall, dass es beim Geburtsvorgang eine Gehirnblutung gegeben haben sollte. Jedes Kind bekommt sogleich eine brennende Flüssigkeit ins Auge: Falls Mutti einen Tripper hat und die Erreger bei der Passage des Geburtskanals auf das Kind übertragen worden sein sollten. Und dann rammt uns jemand eine Lanzette in die zarte Ferse, um Blut abzunehmen. Sofort muss geprüft werden, ob ein Wachstumshormon fehlt.

All das geschieht, während das Nervensystem der Mutter und des Kindes durch die vorangegangene Geburt bereits aufs Äußerste angespannt sind und dringend Erholung bräuchten. Die Wahrscheinlichkeit einer Posttraumatischen Belastungsstörung steigt, wenn man das Trauma genau dort platziert, wo nach einer belastenden Erfahrung eigentlich ein Aufatmen erfolgt. Jeder gute Folterknecht der Geheimdienste weiß das. Und wenn Sie einmal einen Spionagefilm gesehen haben, wissen Sie das auch. Auf diese Weise werden neue Erdenbürger im Krankenhaus willkommen geheißen.

Ich habe Eltern in der Sprechstunde erlebt, die ausdrücklich mit der Klinik vereinbart hatten, das Procedere zu unterlassen oder auf etwas später zu verschieben. Ihre Sprösslinge wurden trotzdem der „Behandlung“ unterzogen. So startet ihr Leben mit einem Wortbruch, einer Körperverletzung und der fassungslosen Ohnmacht ihrer Eltern. Auch als Nicht-Mutter kann ich nachvollziehen, warum sich werdende Eltern für ein Geburtshaus oder die durch eine erfahrene Hebamme begleitete Hausgeburt entscheiden.

Die Anfechtungen, denen ausgerechnet Hebammen ausgesetzt sind, erscheinen in der Sache fragwürdig. Mag es beim Verbannen des Berufsstandes aus den Kreißsäälen darum gehen, bei dem „Begrüßungsritual“ nicht gestört zu werden durch ihre Empathie und Expertise? Die Damen schreiten ein, wenn Schulmediziner ihr Standard-Verfahren an den Bedürfnissen von Mutter und Kind vorbei durchziehen wollen. Sie mögen einwenden, dass es für die Vorgehensweisen gute Gründe gibt. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

In meiner Generation war es noch üblich, das Neugeborene mit einem „Klaps“ auf den Po zum Schreien zu bringen. Warum? Es erschien den Gynäkologen in den 1970er Jahren notwendig, damit die Kinder ihren ersten Atemzug nehmen. Merkwürdig, dass seit Jahrzehnten kleine Menschen wieder anfangen zu atmen, ohne dass man sie schlägt. Heute erscheint uns das Vorgehen herzlos, damals war es gängige Praxis und wurde einfach nicht hinterfragt. Wenn der Doktor sagt, das muss so sein, dann muss es so sein.

Unbemerkte Abspaltung

Unser Nervensystem schützt sich bei Überforderung unter anderem durch Dissoziieren. Wir schalten die Empfindung ab, indem wir unsere bewusste Wahrnehmung vom Körper trennen. Im späteren Jahren ist dieser Überlebensmechanismus ganz offenkundig zu beobachten. Warum sollte er bei Babys nicht ebenso zum Einsatz kommen? Dann würde mit den ersten Minuten auf Erden der Grundstein für eine lebenslange Abspaltung zwischen Körper und Bewusstsein erfolgen – von denen der Betreffende nicht die geringste Ahnung hat. Er kennt sich ja nicht anders. In diesem Zustand kann man für sich und andere durchaus vollkommen unauffällig erscheinen.

Über introvertierte Menschen ist mittlerweile durch das Messen ihrer Nervenimpulse bekannt, dass sie nach außen hin sehr still wirken, während in ihnen alles in Aufruhr ist. Sie sind mit dem Verarbeiten ihrer Sinneseindrücke beschäftigt. Ob es diesen Menschen dient, sie als „hochsensibel“ einzustufen, kann ich nicht sagen. In der Praxis zeigen sie sich häufig durch die „Diagnose“ beruhigt. Sie haben erst einmal ein Etikett, das ihnen (scheinbar) Sicherheit gibt: „Aha, deshalb bin ich so. Ich bin eben anders.“

Ist das so? Vielleicht ist es genau umgekehrt! Lassen Sie uns einmal eine Überlegung zusammen durchspielen:

hochsensibel = normal?

Ich wage die These, dass wir alle hochsensibel sind – bevor unser Nervensystem durch äußere Umstände ins Abstumpfen gezwungen wird. Wie ich darauf komme? Viele der „Besonderheiten“ von Hochsensiblen gleichen den Auswirkungen von Trauma, zumindest denen, die als behandlungsbdürftig eingestuft werden: Die Betroffenen haben geschärfte Sinne, deshalb reagieren sie empfindlich auf grelles Licht, laute Geräusche, manche auch auf Aromen oder Berührung. Sie sind rasch in Habachtstellung zu bringen. Daher brauchen sie immer wieder Zeiten der Ruhe, um ihre Nerven zu regulieren. Alle Plötzlichkeiten können Stress verursachen.

Den Hochsensiblen rät man, ihr Leben so zu gestalten, dass sie ihr Nervensystem nicht überlasten. Ein „normaler“ Vollzeitjob kann bereits viel zu viel sein. Sich gegen Reizüberflutung abzuschirmen ist das A und O. Eine große Anzahl von Menschen in ihrer Umgebung, z.B. bei einem Konzert, in der U-Bahn oder in der Innenstadt, ertragen sie je nach Tagesform mal besser, mal weniger gut und manche gar nicht.

Sollte nicht jeder Mensch gut für sich sorgen und sich vor Lebensumständen schützen, die ihm nicht wohltun? Wer legt denn fest, dass wir 40 Stunden die Woche in einem Großraumbüro inmitten von Menschen, die uns nur nur teilweise wohlgesonnen sind, bei LED-Beleuchtung mit fortwährenden Arbeitsunterbrechungen durch Telefon und Mails nervlich verkraften müssen? Warum nicht 80 Stunden? Oder 20? An wessen Bedürfnissen orientiert sich das Übliche?

Je länger ich darüber nachdenke, desto drängender wird für mich die Frage, was eigentlich normal ist oder wäre: Sind die Hochsensiblen möglicherweise jene, bei denen trotz Trauma eine gesunde Reaktion auf unsere leider gar nicht menschgemäßen Lebensbedingungen geblieben ist? Sind die „Normalen“ von Grund auf so traumatisiert, dass sie dank der Abspaltung in der Regel gut funktionieren, aber gar nicht bei sich sind?

Haben deshalb so wenige Kontakt zu ihrer Intuition, zu ihren Körperempfindungen und zum „morphogenetischen Feld“ oder wenn Sie so wollen: zur geistigen Welt? Laufen sie daher im Hamsterrad bis sie umfallen und denken sich nichts dabei? Gehorchen sie aufgrund einer Traumatisierung blind irgendwelchen Regeln, deren Sinnhaftigkeit sie nicht einmal auf die Idee kommen infragezustellen? Dissoziierten Menschen könnte man im Extremfall sogar das Atmen verbieten und sie würden sich bemühen, der Anordnung zu folgen.

Jede Absurdität ist denkbar. Wenn ein Trauma reaktiviert ist, z.B. durch Angst, verliert der gesunde Menschenverstand an Bedeutung für das Handeln. Informationen werden aufgrund der Stresshormone, die den Körper fluten, nicht korrekt verarbeitet, Verdrehungen von Sachlagen dringen nicht ins Bewusstsein vor. Entscheidungen werden bis ins Groteske irrational, ohne dass die Betreffenden sich dessen gewahr sind.

In diesem Zustand schauen wir uns um, wie die anderen sich verhalten, und passen uns an, statt eigene Entscheidungen zu treffen. In der Natur ist das auch gut so, denn instinkthaftes Verhalten bei vielen liegt in der Regel richtig, wenn alle in ähnlicher Weise reagieren. Daher spricht man von Schwarmintelligenz. Was aber, wenn der ganze Schwarm traumatisiert ist? Und deshalb beliebig gelenkt werden kann?

Nun kann man zu Recht sagen, ich sei Traumatherapeutin und wer einen Hammer habe, für den schaue jedes Problem eben wie ein Nagel aus. Das stimmt natürlich. Könnte es trotzdem sein, dass das Problem tatsächlich ein Nagel ist? Und deshalb von Menschen mit Schraubendrehern und Zangen weder erkannt noch eingestuft oder gar gelöst werden kann?

Durchaus erwünschte Ansteckung

Die Neurowissenschaft meint, dass Spiegelneuronen uns dabei unterstützen, die Emotionen eines anderen Menschen in uns wahrzunehmen. Ob es bestimmte Nerven sind, die uns dazu befähigen, oder ob wir die Information aus dem Energiefeld abgreifen: Das Phänomen scheint ziemlich alltäglich zu sein. Es ist beispielsweise auch aus der Tierwelt bekannt. Mit der „Ansteckung“ von Nervensystemen arbeite ich jeden Tag.

In der Körperorientierten Psychotherapie gehen wir davon aus, dass die Übertragung des Erregungsgrades von Mensch zu Mensch vollkommen normal ist. Emotionale Regungen und Körperempfindungen des anderen können wir ebenfalls spüren. Manchmal empfange ich bei der Arbeit Worte oder Bilder von meinem Gegenüber. Für mich ist das nichts Besonderes. Ich denke, das könnte grundsätzlich jeder, der sich selbst wahrnimmt. Selten allerdings spricht man die Wahrnehmungen an, so dass die Übertragungen meist verborgen bleiben.

Wenn meine These stimmt, dann kommen nur diejenigen der Traumatisierten in Behandlung, die sich ihres Zustandes bewusst werden. Sie bemerken, dass etwas anders ist als es sein sollte. Manchmal werden sie durch das Nicht-Funktionieren ihres Alltags, ihres Berufs oder ihrer Beziehungen in die Therapie geführt. Traumapatienten sind möglicherweise solche, die aufgrund glücklicher Umstände nicht ganz so stark von sich getrennt wurden, die nicht vollständig von ihrer Körperwarhnehmung und von ihren Emotionen abgespalten sind. Sie lernen, ihre Nerven selbst zu regulieren, schützen sich vor Reizüberflutungen und handhaben ihre Emotionen, ohne ihnen ausgeliefert zu sein. Ein erschreckend großer Teil der Menschen zieht als dissoziierter Schwarm seine Kreise.

Wie groß der Anteil ist, weiß keiner.

Es gibt Menschen, die auf wundersame Weise bei sich sind und gut für sich sorgen, während sie gesunde Beziehungen unter lebensfördernden Bedingungen pflegen. Die selbstbestimmt und frei leben und sich gleichsam in Gruppen einfügen, welche die Einzigartigkeit des Individuums anerkennen. Sie begegnen mir manchmal. Von ihnen höre ich oft, dass sie sich als Außenseiter fühlen. Das ist schade. Denn es gibt viel mehr von uns als wir denken.

Unsere eigene Introversion, unsere Furcht vor Verletzung unserer Zartheit, unsere Erfahrungen in einer empathielosen Welt, die Gehirnwäsche, die uns als Ausnahmefälle darstellt oder als Sonderlinge brandmarkt, hindern uns am Austausch.

Narzissten und Hochsensible unterscheiden

Zuweilen laufen wir einem angeblich hochsensiblen Kameraden in die Arme, der in Wahrheit nur ein besonders empfindlicher Narzisst ist. Diese Fehldiagnose treffen die Betroffenen meist selbst. Sie erleben ihre Empfindsamkeit als übertrieben und bemerken nicht, dass sie nur auf sich bezogen ist, nicht auf ihr Umfeld.

Das Mitgefühl für andere unterscheidet den Narzissten vom Hochsensiblen. Während Narzissten vor allem um sich kreisen, haben Hochsensible ein Gespür dafür, was der andere braucht und wie es ihm geht. Verletzen sie aus Versehen ihr Gegenüber, bereitet ihnen das durch ihre feine Wahrnehmung selbst Schmerzen.

Ob Sie es mit einem Hochsensiblen oder mit einem Narzissten zu tun haben, finden das ganz schnell heraus, wenn sie dem Menschen eine Grenze setzen. Der Hochsensible hat ein schlechtes Gewissen, dass er die Grenze nicht gleich erspürt hat und entschuldigt sich reuevoll. Der Narzisst ist beleidigt und gekränkt. Er verhält sich abweisend.

Bitte verzeihen Sie mir meine überzeichnete und grob vereinfachte Darstellung. Sie dient dazu, dass sie „in freier Wildbahn“ beide Eigenarten trotz der Gemeinsamkeiten gut unterscheiden können.

Mediale Eigenschaften praktisch nutzen

Nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Können wir besondere Eigenschaften erwerben oder werden sie uns in die Wiege gelegt? Sowohl als auch, würde ich sagen. Wir können vielleicht nicht alles, aber viel mehr als wir wissen oder glauben.

Und die Begabungen sind ganz unterschiedlich ausgeprägt. Eine ehemalige Patientin von mir hört Frequenzen, die nur sehr wenige Menschen wahrnehmen können. Anfangs war sie nicht sicher, ob sie unter einer Gehörstörung oder gar unter Wahnwahrnehmungen leidet. Sie hat dieses “Problem” durch die Behandlung nicht verloren, sondern begreift ihre Begabung heute als das, was sie ist, und geht daher anders mit ihr um. Unterstützt wurde die resolute junge Frau von weiteren Betroffenen, mit denen sie sich verbunden hat. 

Es steht uns als Gesellschaft nicht zu, Menschen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten auszugrenzen oder ihre Gabe als Spinnerei abzutun. Im Gegenteil könnten wir uns darum bemühen herauszufinden, welche besonderen Eigenschaften jeder Einzelne mitgebracht hat.

Indem wir unser Nervensystems entlasten, schaffen wir eine körperliche Grundlage dafür, die Eigenschaften, welche wir durch Trauma verloren haben bzw. die verschüttet worden sind, wiederzuentdecken. Manchen hilft das Meditieren, andere machen Achtsamkeitsübungen oder praktizieren eine asiatische Bewegungskunst. Es gibt viele Wege, zurück zu sich zu finden.

Hört man den „medial Begabten“ zu, ist man oft verwundert über die Einfachheit ihrer Technik. Die meisten behalten schön für sich, wie sie ihre Anbindung „nach oben“ bewerkstelligen. Mich macht derartige Geheimniskrämerei immer skeptisch. Es würde mich nicht wundern, wenn so manche mysteriöse Methode verhältnismäßig leicht zu erlernen wäre.

Letztlich befragt jeder kinesiologische Test das Unterbewusstsein, die Körperintelligenz oder meinetwegen das “morphische Feld”. Meiner Ansicht nach gehört eine einfache Variante davon (der Schwanktest) an alle Schulen – verbunden mit Informationen zum Formulieren der passenden Fragen und Überlegungen zur Ethik des Testens in Eigenregie.

Vielleicht achten Sie fürs Erste einmal auf Dinge, die „aus Versehen“ passieren. „Aus Vorsehung“ wäre möglicherweise eine passendere Formulierung: Etwas in mir kann vorher sehen, was für mich gut und richtig ist.

Haben Sie eine Ausfahrt oder einen Termin verpasst? Gab es ein „Missverständnis“? Können Sie ein Video partout nicht aufrufen? Vertippen Sie sich immer wieder beim Schreiben an derselben Stelle? Geht Ihnen eine Datei verloren oder vergessen Sie, etwas abzuspeichern? Ziehen Sie in Betracht, dass Ihr Unterbewusstsein wissen könnte, was es tut – auch wenn das Ergebnis Ihrem Willen entgegenläuft. Was weiß schon unser Wille?!

Wozu die individuelle Begabung taugt

Der Mann, welche mich zuletzt nach der Erlernbarkeit von besonderen Fähigkeiten gefragt hatte, kann übrigens Elektrizität spüren, die durch Stromleitungen läuft. Wozu das Beispiel dienen soll? Lassen Sie sich bloß nicht als Spinner oder als krank abstempeln, wenn Sie außergewöhnliche Wahrnehmungen haben. Kultivieren Sie diese Eigenheiten und nutzen Sie Ihre Gabe praktisch für sich und andere.

Meiner Weltanschauung nach haben Sie alles, was Sie brauchen, um Ihr Leben so zu gestalten, dass Ihr Selbst hier Verwirklichung findet. Das ist Ihre Lebensaufgabe. Nicht mehr und nicht weniger. Lassen Sie sich durch mutwillige oder versehentliche Traumatisierungen nicht davon abhalten, ein in diesem Sinne erfülltes Leben zu führen. Dafür ist es nie zu spät.

Text: Petra Weiß
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Gelobt, geschworen, gebrochen.

Redaktion, Texter, Schriftsteller, Ghostwriter, Lektor

Jedes Versprechen schafft eine energetische Verbindung. Der Versprechen-Gebende bindet sich mit dem Versprechen an den Annehmenden und umgekehrt. Wird das Versprechen eingelöst, verschwindet diese Ebene der Verbindung zwischen den Beteiligten und befreit beide von dem Pakt.

Kann ein Versprechen nicht eingelöst werden, braucht es das Eingeständnis dieses Nichteinlösens, um die Verbindung zu kappen. Sonst bleibt etwas Unausgesprochenes offen. Ein Versprechen nicht einzulösen und so zu tun als sei nichts gewesen, bewirkt das Erleben von Betrug. Kommt der Betrug dem Betrogenen ins Bewusstsein, ist diese Beziehung zu Ende, sogar wenn sie rein äußerlich fortzubestehen scheint.

Vielleicht kennen Sie solche Verstrickungen in Zusammenhang mit „Schulden“. Wenn Ihnen jemand etwas schuldig bleibt, dann muss dieser Umstand geklärt werden, damit beide wieder frei sind von dem „Vertrag“. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Klärung und Lösung:

Der Schuldner findet einen anderen Ausgleich, den der Gläubiger annehmen kann. Das ist der Ausgleich im Guten. Oder der Gläubiger verübt seinerseits einen Betrug an dem Schuldner. Das ist der Ausgleich im Schlechten. Geht er ein bisschen über das Maß des ersten Betrugs hinaus, eskaliert die Situation, weil dann erneut ein Ausgleich provoziert wird und so weiter. Ist der zweite Betrug etwas kleiner als der erste, kann damit die Verbindung gelöst sein.

Wenn gar kein Ausgleich möglich ist, muss der Gläubiger auf das Versprochene bewusst verzichten. Das nennt man Vergebung. Sie befreit den Gläubiger. Sein Verzicht muss vom Schuldner anerkannt werden. Das befreit den Schuldner.

Wie immer möchte ich Ihr Augenmerk auf die Worte lenken. In diesem Fall leiten sich einige Begriffe aus konkreten Handlungen ab, die bestimmte Auswirkungen haben.

Es macht einen Unterschied, ob Sie etwas (nur) zusagen oder ob Sie es versprechen. Und ob eine bedeutungsvolle Geste die Worte begleitet. Nicht ohne Grund wirken Formulierungen wie „ich gebe Dir mein Wort darauf“ vertrauensfördernd. Früher wurden Verträge zwar nur mündlich vereinbart, aber mit einem Handschlag „besiegelt“. Die Vereinbarung galt. Mit dem Reichen der Hände verbinden wir unsere Herzenergie mit dem anderen. Sie strömt aus der Mitte der Handflächen. Daher werden die Handflächen in vielen Religionen aneinandergelegt, wenn man eine „höhere Macht“ anruft.

Symbolisch steht das Herz für den Ausgleich unserer feurigen Begehrlichkeiten, die im Bauchraum verortet werden, und den kühlen Überlegungen im Kopfbereich. Wenn sich etwas durch Lustgewinn angenehm anfühlt oder kraft unserer Gedanken als vernünftig erscheint, muss es noch lange nicht als gut bewertet werden. Für diese Einordnung ist das Herz zuständig, daher sind Herzensentscheidungen so kostbar. Sie blenden Instinkt und Intellekt nicht aus, sondern integrieren beide. So verbindet sich das Schöne (Bauchgefühl) mit dem Wahren (Verstandesleistung) und dem Guten (Abwägung der Übereinstimmung mit den eigenen Werten).

„Besiegeln“ ist in diesem Zusammenhang ein aufschlussreicher Begriff. Das Siegel dient beim schriftlichen Vertrag als Zeichen, dass sein Inhalt so bleibt wie er ist. Daher spricht man auch von einem Vertrags“abschluss“. Das Siegel beschließt einen Vertrag. Nach dem Besiegeln darf in dem Dokument nichts mehr verändert werden. Der Abdruck des Siegels im Siegelwachs soll das sicherstellen und gibt dem Vertrag damit eine Qualität von Bleibendem und Echtheit.

Manchmal wird ein Versprechen zu einem Schwur geadelt. Dann hat es eine andere Verbindlichkeit. Mit dem Wort ist oft ein Ritual verbunden. Beispielsweise wird eine Hand zum Schwur erhoben. Als Wirkkraftverstärker wird manchmal auf ein wichtiges Schriftstück geschworen (Bibel, Verfassung, etc). Oder man schwört bei etwas, das einem wertvoll ist, z.B. „beim Leben meiner Kinder“. Damit soll der Inhalt des Schwurs glaubwürdiger erscheinen. So als wäre das Leben der Kinder eine Art „Einsatz“, der auf dem Spiel stünde, falls der Schwur gebrochen würde. Mit solcherlei Aussagen sollte man nicht allzu leichtfertig umgehen. Sie bewirken etwas auf der energetischen Ebene, oder wenn Sie so wollen: in der geistigen Welt.

Wenn jemand auf die Bibel schwört, der ein gläubiger Christ ist, dann bedeutet ihm dieser Schwur etwas und man darf seine Beteuerungen für bare Münze nehmen. Schwört ein Atheist auf dasselbe Buch, dann legt er nur eine Hand auf einen Gegenstand. Wesentlich ist, was der Schwörende mit dem Dokument, auf das er schwört, verbindet. In vielen Ländern schwören Regierungschefs auf die Verfassung. Ich kann nur jedem raten, sich die Inhalte solcher Schwüre aufmerksam durchzulesen oder anzuhören und dann die Realität mit dem Versprechen zu vergleichen. Dann wissen Sie welche Wertigkeit das jeweilige Dokument für den Staatsmann oder die Staatsmännin hat.

Eine besondere Form des Schwurs ist der Eid. Sie kennen das vielleicht aus Gerichtserfahrungen: Wer unter Eid etwas Falsches aussagt, wird härter bestraft als ohne den Eid. Der Eid hat oft einen amtlichen Anstrich. Beamte leisten einen Amtseid, Soldaten einen Fahneneid.

In der Bundesrepublik Deutschland hängt der Grad des feierlichen Treueversprechens gegenüber Staat und Volk vom Status des Soldaten ab. Wehrdienstler geloben, Berufssoldaten schwören. Zweitere ergänzen ihren Schwur noch mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“. Andersgläubige dürfen zwar unter Umständen einen für sie passenderen Text sprechen, aber sie müssen es nicht. Christen sind also durch den Schwur stark gebunden, weil er mit ihrem Glauben gekoppelt ist – Atheisten, Nihilisten, Anhänger einer Naturreligion oder eines Vielgötterglaubens sowie Teufelsanbeter bindet der Schwur genaugenommen gar nicht. Aha.

Wichtige öffentliche Ämter beinhalten beim Prozedere der Einsetzung eines Beamten einen Diensteid, vom Bundesminister über den Bundespräsidenten bis zum Richter am Bundesverfassungsgericht. Die Texte bei der Vereidigung unterscheiden sich je nach Art des Amtes. In einem Punkt sind sie alle gleich: Zum Schluss darf man die Formulierung „So wahr mir Gott helfe“ verwenden Unsere amtierende Kanzlerin hat diesen Satz bei ihrer Amtseinführung ebenfalls gesprochen. Sofern sie sich als Mensch versteht, dem von Gott geholfen wird, ist ihr Versprechen, den Nutzen des deutschen Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden, dem Wortlaut nach als wahr zu werten, dann ist der Schwur rechtlich sowie energetisch bindend.

Lassen Sie diese Erkenntnis einmal auf sich einwirken.

Wer heute gar nicht mehr vereidigt wird, ist die Ärzteschaft. Viele Menschen gehen davon aus, dass der bekannte Hippokratische Eid von allen Medizinern geschworen wird. Da muss ich Sie leider enttäuschen. Das war einmal. Ärzte bekennen sich zu einer Berufsordnung, die Einzelheiten ärztlicher Ethik benennt und sich an die Genfer Deklaration anlehnt. Den aktuellen Wortlaut finden Sie bei Bedarf im Netz. Er wird alle paar Jahre geändert und ist nicht rechtswirksam. Ein verbindlicher Schwur wird gar nicht geleistet. Dennoch fühlen sich viele Ärzte den hippokratischen Prinzipien aus ihrer eigenen Ethik heraus verbunden. Das dürfen sie, aber sie müssen es nicht.

Die Berufsethik der Journalisten, also was in dem Berufsstand der schreibenden Zunft als „sittlich einwandfrei“ oder „moralisch“ gilt, ist im “Pressekodex” geregelt. Er wird an Journalistenschulen gelehrt, ist aber nicht rechtsverbindlich. Zwar hat eine Meldestelle den Auftrag, Verfehlungen zu überprüfen, dennoch halten sich manche Journalisten an die Grundsätze, andere offenkundig nicht. Es gibt keinen Schwur oder ähnliches. Das hätte uns jetzt auch gewundert.

Sie sehen, wir können uns im Außen auf wenig verlassen, nicht einmal, wenn uns jemand etwas geschworen hat. Versprechen, deren Einlösung nicht gewollt ist, nützen niemandem. Es gibt immer Mittel und Wege, sich aus den Verpflichtungen herauszuwinden.

Wie gehen wir also damit um?

Die Versuchung ist riesengroß, das allgegenwärtige Thema der leeren Versprechungen durch Empörung und Wut zu beantworten. Rein emotionale Reaktionen sind zwar berechtigt, bringen Sie aber nicht weiter. Werden Sie sich des Verlusts bewusst. Sie haben eine Beziehung verloren, vielleicht auch eine Illusion, in welchem Verhältnis jemand zu Ihnen stand, und womöglich ist sogar Ihr Weltbild ins Wanken geraten. Hier will etwas betrauert werden.

Falls Sie aus der soeben durch einen Betrug beendeten Beziehung noch etwas Neues gestalten wollen, wird viel Energie vonnöten sein. Und der andere muss sein Nichterfüllen eines Versprechens mit der gebührenden Reue eingestehen. Beobachten Sie genau, wie er damit umgeht: Kann er sein Verhalten schlüssig erklären? Tut es ihm wirklich leid? Übernimmt er die Verantwortung? Dann gehen Sie ins Mitgefühl und finden Sie gemeinsame eine gute Lösung. Oder schiebt er Gründe vor, die Dritte zu Schuldigen machen sollen? Lassen Sie ab von unrettbaren Verbindungen.

Geben Sie die Beteiligten frei, indem Sie entweder klar formulieren, wie etwas im Guten wiedergutgemacht werden soll, indem Sie selbst einen kleinen Ausgleich im Schlechten vollziehen oder indem Sie vergeben – was eine Übung für Fortgeschrittene ist. 

Nehmen Sie diese äußeren Umstände zum Anlass, Ihren eigenen Umgang mit Versprechen gründlich unter die Lupe zu nehmen. Werden Sie sich dabei Ihrer selbst bewusst. Und bleiben Sie bitte gnädig. Sie müssen nicht alles perfekt machen. Sie dürfen ein Mensch sein.

Wir starten – wie immer – bei uns selbst: Bevor Sie andere an deren Versprechen erinnern, blicken Sie in sich hinein und klären Sie auch schmerzhafte Brüche. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür. Geben Sie nur Versprechen ab, die Sie wirklich einlösen wollen und voraussichtlich auch können. Schränken Sie Ihre Zusagen nachvollziehbar ein, falls es notwendig ist. Stehen Sie zu dem, was Sie gesagt haben – auch ohne Schwur oder Eid.

Zu etwas zu stehen, kann manchmal bedeuten, ein Versprechen zurücknehmen oder brechen zu müssen. Falls das der Fall sein sollte, vermitteln wir das nicht en passant, sondern ganz bewusst mit viel Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen. Unsere Glaubwürdigkeit und die Beziehung zu einem Menschen stehen auf dem Spiel.

Wie gehen wir  mit den Versprechen um, die wir uns selbst gegeben haben? Werden Sie sich Ihrer inneren Abmachungen gewahr, prüfen Sie, ob diese noch von Bestand sind, ob sie eingelöst werden wollen oder einer Änderung bedürfen. Nehmen Sie sich dafür Zeit für das Beantworten solcher Fragen, statt Ihre Lebensenergie auf gelenkte Empörung zu verschwenden. Die Übung dient Ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Ihrem inneren Wachstum:

Was haben Sie sich selbst gegenüber geschworen oder feierlich gelobt? Welche Versprechen haben Sie bereits eingelöst? Welche sind noch offen? Von welchen Versprechen müssen Sie Abstand nehmen? Wie wollen Sie den dabei entstandenen Verlust wieder gut machen? Treffen Sie mit sich darüber eine verbindliche Vereinbarung, die realistisch betrachtet einzuhalten sein wird.

Durch gelebte Selbst-Treue erfahren wir Halt und Stabilität. Sie fördert unsere Selbst-Achtung. In einer Welt, in der im Außen die Sicherheit bröckelt, brauchen wir zunehmend die Sicherheit in uns. Ihre Basis ist die Wahrhaftigkeit: Folgen Sie Ihren Überzeugungen.

Text: Petra Weiß
Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

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Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Nur zum Besten

Praxis Lichtblick

Wenn ich mir Gedanken darüber mache, wohin die Menschheit gerade läuft, fallen mir Muster im Alltäglich auf, die sich auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen übertragen lassen. Darf ich Sie zu einer kleinen Analogie einladen?

Im Sommer hat mein Haus einen neuen Anstrich bekommen. Und viel mehr als das: Die Stätte meines Wirkens und Wohnens wurde meinem Stil angeglichen. Als klassisch-sinnlicher Typ mag ich es echt und harmonisch. Darum ist der Sandstein jetzt wieder sandsteinfarben und nicht mehr grau. Der schöne Bruchsteinsockel wurde von dem unpassenden Verputz befreit und restauriert. Briefkasten und Klingelknopf sind gegen geschmackvollere Varianten ausgetauscht worden. Das ehrwürdige Gebäude erfährt auf diese Weise eine Renaissance. Und zwar nicht, weil es eine kostbare Villa ist oder ein schickes Loft, sondern weil es genau das alte Bauernhäuschen ist, als das es 1891 erbaut wurde.

Verstehen Sie die Bedeutung, die diese Rückkehr zum Ursprung für mich hat? Meine Vorbesitzer hatten versucht, aus dem altmodischen Schätzchen eine moderne Doppelhaushälfte zu machen. Das zugemauerte Fenster in der Praxis und mein Badezimmer mit großen Kacheln in leuchtendem Orange zeugen noch von dem Gewaltakt. Das Fenster wird in den Weihnachtsferien „rückgebaut“. Fürs Bad liegen Ornament-Fliesen in Anthrazit und gebrochenem Weiß bereit. Schritt für Schritt kehrt der alte Charme zurück.

Anpassungen an den Zeitgeist, welche das Wesentliche nicht achten, zerstören die Harmonie. Es geht nicht darum, sich dem Fortschritt zu verweigern. Ich heize mit Gas und bin froh, dass überall fließend warmes Wasser läuft. Mein Anliegen ist es, das Wesen zu erkennen, wertzuschätzen und zu seiner Entfaltung zu verhelfen.

Was für so ein Haus gilt, trifft auch auf dem Menschen zu. Jeder von uns ist einzigartig. In seinem Wesenskern ist nichts grundsätzlich Falsches, das verbessert werden müsste. In jedem liegt ein Schatz mehr oder weniger verborgen. Diese Schätze zu heben, ist das große Abenteuer der Persönlichkeitsentwicklung. Modern könnte man von Potentialentfaltung sprechen. Ich verwende lieber Begriffe wie „Selbst-Erkenntnis“ und „Selbst-Treue“. Voraussetzung ist das Bewusstwerden unseres Selbst. Das „Selbst-Bewusstsein“ im Wortsinne.

Niemand muss seinen genetischen Code verbessern, um etwas anderes aus sich zu machen als das, was er von Natur aus ist. Die Schöpfung irrt nicht. Was für eine überhebliche Anmaßung meinem Empfinden nach in genetischen Experimenten liegt, kann ich gar nicht in Worte fassen. Der Entwicklungsstand unserer Ethik steht hinter den technischen Möglichkeiten leider weit zurück. Ich hoffe, dass sich das ändern wird, bevor wir die Menschheit im Machbarkeitswahn zugrunde gerichtet haben.

Die ungesunde Entwicklung zeichnet sich schon länger ab. Wir schnippeln am Leib herum, wie es uns beliebt, hier ein bisschen mehr Brust, dort ein bisschen weniger Nase. Welch Geistes Kind sind Schönheitsoperationen? Außer zum Wiederherstellen des Naturgegebenen z. B. nach einem Unfall. Hat Gott seinen Job nicht gut gemacht? Nicht gut genug? Wie wollen wir jemals mit unserem menschlichen Tun Zufriedenheit erlangen, wenn wir sogar die Natur verbessern müssen?

Glauben Sie, Schönheitsoperationen seien etwas für reiche Spinner? Das Anpassen von körperlichen Merkmalen an ein Ideal ist alltäglicher, als Ihnen vielleicht bewusst ist. Es ist vollkommen normal geworden, Kinder mit Zahnspangen zu quälen, damit sie später ein perfektes Lächeln zeigen können. Wie sehr ihnen das Lachen dabei vergeht, interessiert die geschäftstüchtigen Kieferorthopäden nicht an erster Stelle. Den besorgten Eltern erzählt man, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt, dass sein Kiefer zu schmal sei oder dass der Biss nicht dicht genug schließe. Die Behandlung wird als einziger Weg angepriesen, um dem Kind eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen. Wer will seinem Sprössling das Lebensglück verweigern? Also legt man 5.000 Euro und mehr auf den Tisch, um viele Monate der Zahnfleischentzündungen und gestörter Sprachentwicklung auf den Weg zu bringen.

Mir sind einige Patienten begegnete, deren Zähne sich nach der Tortur den Weg zurück in die ursprüngliche Form gesucht haben oder die mit der kompletten Statik Probleme haben, die immer wieder korrigiert werden müssen. An so einem Kiefer hängt nämlich ein ganzer Mensch. Die medizinischen Notwendigkeit oder die Nachhaltigkeit des Nutzens will ich hier aber nicht diskutieren. Dazu fehlt mir die zahnmedizinische Expertise. Mir geht es um die psychologische Auswirkung solcher Eingriffe.

Wir zeigen unseren Kleinsten schon früh, dass sie ungenügend sind. Ihr Körper muss gewaltsam zurechtgebogen werden. Dass sie dabei dauerhaft Schmerzen haben, müssen Sie ausblenden, um sich beispielsweise auf die Schule konzentrieren zu können. Auf diese Weise wird die Spaltung des Bewusstseins vom Körper kultiviert. Später wundern wir uns, warum wir uns nicht mehr spüren, warum wir beispielsweise unser Hunger- und Sättigungsgefühl nicht wahrnehmen oder gar nicht merken, dass wir durstig sind oder aufs Klo müssen und warum wir generell unsere eigenen Grenzen nicht beachten.

Dies ist kein Angriff auf einzelne Eltern oder Ärzte, die es gut gemeint haben. Es ist ein Hinweis auf merkwürdige Erscheinungen in unserer Gesellschaft, die für die meisten von uns normal geworden sind und nicht mehr hinterfragt werden.

Mir hat es fast das Herz gebrochen, einen Neunjährigen dabei zu erleben, wie er sich verzweifelt bemüht, mit dem Metall und Plastik im Mund zu sprechen. Genau zu der Zeit, wenn in der Entwicklung die Vernunft erwacht und die Begriffsbildung den Bewusstseinsprozess unterstützt, verdammt man die kleinen Menschen dazu, Unverständliches zu nuscheln. Und das soll zu ihrem Besten sein? Ehrlich?

Viele von uns haben jegliches gesundes Empfinden für das eigene Wohl und damit auch für das Wohl unserer Kinder verloren. Statt auf unseren Körper hören wir auf Autoritäten, die uns sagen, was wir zu ertragen haben. Weil wir uns nicht mehr spüren, kann man uns vorzüglich beeinflussen. Wenn etwas ansprechend klingt, werden wir es glauben. Wir prüfen Worte nicht mehr an der Realität. Würden wir Aussagen über einen Sachverhalt an der Wirklichkeit, also an der Wirkung des Tatsächlichen auf unser Erleben, messen, würde uns bewusst, wie absurd manch Wohlklingendes in Wahrheit ist. Uns kann man alles erzählen. Es muss sich nur gut anhören.

Der Weg zurück in ein gesundes Leben beginnt bei der Verbindung zwischen Körper und Bewusstsein. Das ist die erste Spaltung, die wir überwinden müssen, bevor wir uns über weitere Spaltungen Gedanken machen. Deshalb sind Übungen so kostbar, die Bewusstsein in die Materie, in diesem Fall in den Leib, bringen und so die Verbindung stärken. Solche Übungen können sich auch auf ganz praktische Dinge beziehen, wie beispielsweise eine Renovierung.

Ich komme also zurück zu dem Haus. Kaum haben mein Mann und ich begonnen, unser Bewusstsein als gestalterische Kraft in das Gebäude zu bringen, werden rings um uns Veränderungen sichtbar. Drei Häuser in der Nachbarschaft (von insgesamt 17 Häusern in dieser Straße!) haben gerade den Besitzer gewechselt, ein weiterer Wechsel ist in Vorbereitung. Jede einzelne ist eine Veränderung zum Besseren. Mir kommt es vor, als hätten wir eine weiträumige Bewegung angestoßen.

Die Dunkelheit in meinem Hof ist durch den weißen Anstrich gelichtet und zeitgleich wurde auf dem benachbarten Grundstück der Nadelbaum gefällt, so dass alle Schatten wichen. Eine überschattete Nachbarschaft löst sich durch Eigenbedarf des neuen Besitzers ebenso in Wohlgefallen auf. Mit den bevorstehenden Umbaumaßnahmen wird die junge Familie mehr Leichtigkeit und Lebendigkeit in das Haus bringen. Der Feng-Shui-Berater würde frohlocken. Drei angrenzende Grundstücke – eine Bewegung zum Licht. Die neuen Eigentümer eines anderen Anwesens in unserer Straße teilen unsere Freude am Ursprünglichen und gaben ihre Pläne zur „Retro-Renovierung“ bekannt. In dem Haus wohnten vorher Leute, die niemals jemanden gegrüßt hatten. Jetzt war die ganze Nachbarschaft bei den „Neuen“ schon zu Brezeln und Sekt im Hof eingeladen.

Wenn so ein energetischer Stein einmal ins Rollen geraten ist, zieht er Entwicklungen nach sich, die man nicht zu hoffen gewagt hätte. Und alles begann mit unserer Fassade und der Besinnung auf das wahre Wesen eines Hauses.

Wenn wir das Bild übertragen wollen, besinnen wir uns auf das Wesentliche in uns. Fangen wir an, uns in diese Richtung zu entwickeln, unsere Einzigartigkeit herauszuarbeiten und unser Eigentliches in die Welt zu stellen. Dann ziehen wir damit andere Menschen an, die sich ebenfalls in Richtung Authentizität entwickeln (wollen). Und alle inspirieren und unterstützen sich gegenseitig.

Ihr Ansatz muss nicht so aufwändig sein. Halten Sie Ausschau nach dem Lebensbereich, den Sie mit Freude und Elan neu gestalten wollen. Orientieren Sie sich an Ihrem persönlichen Stil, nicht am Zeitgeist und erst gar nicht an den Erwartungen oder Vorstellungen anderer. Und dann: Legen Sie los. Ihre inneren Entwicklungen wollen sich im Außen zeigen. Ihr wahres Wesen drängt nach Verwirklichung. Dieses Äußern wiederum beflügelt die inneren Veränderungen, und so weiter.

Text und Foto: Petra Weiß

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

 

Die Spinne in der Yucca-Palme. Moderne Märchen für Erwachsene

Vielleicht erinnern Sie sich an die 1980er Jahre. Damals kamen schaurige Geschichten in Mode, die unsere Urängste angesprochen haben und für Gänsehaut am Lagerfeuer sorgten. Eine solche Mär war die Vogelspinne, die je nach Lesart entweder in einer Palme oder in einer Bananenstaude ins heimische Wohnzimmer fand und dort zunächst unentdeckt blieb.

Die Botschaft solcher Gruselgeschichten lautet: “Überall lauert Gefahr. Selbst dort, wo Du Dich sicher fühlst.” Auch wenn ich einer Erzählkunst mit überraschenden Wendungen im Sinne ihres Unterhaltungswertes einiges abgewinnen kann, sehe ich die Dramaturgie aus meiner psychologischen Warte mit wachsamem Blick. Und ich erkenne das Muster heute rings um mich her wieder.

Als Traumatherapeutin weiß ich, dass Gefahren unsere ganze Aufmerksamkeit binden. Darauf haben wir keinen Einfluss. Das hat die Natur für unser Überleben so eingerichtet. Ob es tatsächlich eine Bedrohung gibt, oder ob wir uns nur an ihrem Schauer ergötzen, spielt für das Nervensystem und für die Ausschüttung von Stresshormonen keine Rolle. Auf die biochemischen Auswirkungen bin ich an anderer Stelle bereits eingegangen. Hier will ich mich weiteren Gesichtspunkten widmen.

Narrative lenken unser Bewusstsein. Dafür können wir uns entscheiden. Wir können unser Bewusstsein aber auch auf ganz andere Gedankeninhalte richten. Das liegt in unserer Macht. Wem wir zuhören, was wir lesen, mit welchen Gedanken wir uns im Weiteren auseinandersetzen, ist unsere freie Wahl. Wenn unser Trauma aber erst einmal getriggert ist, kostet es uns viel mehr Energie und Achtsamkeit, um uns aus dem Strudel von Emotionen, Körperempfindungen und Gedanken wieder zu befreien. Manchmal bleiben wir dann im Alarmzustand von einem Angst-Kick bis zum nächsten und kommen gar nicht mehr zur Ruhe.

Wir können uns in ein Trauma regelrecht hineinschrauben. Aber wir müssen das nicht. Wenn wir stattdessen in einem Zustand der Stärke bleiben wollen, wenden wir uns stärkenden Inhalten zu. Das ist für jeden etwas anderes. Der eine schöpft Kraft aus seiner Arbeit, der andere aus seiner Familie, aus seinem Sport oder aus der Natur. Viele wenden sich in harten Zeiten einer Glaubensgemeinschaft zu, auch wenn wir diese nicht als religiös im Wortsinne bezeichnen würden. Sie glauben an etwas oder an jemanden, um Sicherheit und Halt zu gewinnen. Ich freue mich für jeden, bei dem das auf Dauer wirklich funktioniert.

Sich aus weiteren Geschichten mit Hoffnung zu speisen, hat Risiken und Nebenwirkungen. Sie können nämlich zutreffen oder auch nicht. Aus Erfahrung kann ich Ihnen raten, die tatsächlichen Zustände dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Sich in eine wunderbare Welt hineinzuträumen, mag zwar aus einem esoterischen Blickwinkel hilfreich sein. Und ich schließe gar nicht aus, dass wir so eine Schwingungserhöhung für den Planeten erzeugen. Mein Handwerk ist aber nicht die Esoterik, sondern die Psychologie. Und als Fachfrau für das Nervensystem muss ich Ihnen sagen, dass es wichtig ist, mit beiden Beinen auf der Erde zu bleiben. Spannen wir unser Nervensystem durch positives Denken zu sehr in die Friede-Freude-Eierkuchen-Perspektive, dann wird es vollautomatisch zurück schnalzen, wie ein überdehnter Gummi. Autsch, das tut weh.

Besonders ängstliche Menschen sind anfällig für Heilsbringer, Orakel und magische Kalenderdaten. Was ihnen zunächst Entspannung beschert, dient ihnen langfristig oft leider gar nicht. Wenn nämlich das Datum verstreicht, ohne dass das erhoffte goldene Zeitalter nun endlich angebrochen ist. Wenn der Retter sich als ganz normaler Mensch mit eigenen Interessen entpuppt oder wenn das Orakel mit seiner Prophezeiung mal wieder daneben lag. Diese Enttäuschungen sind um so schwerer zu verkraften, je ausschließlicher sich unsere Zuversicht darauf stützte. Wir brauchen also eine Zuversicht, die sich aus unserem Erleben speist und nicht nur aus weiteren Storys.

Beziehen Sie sich in ihren berechtigten Bedürfnis, einen hoffnungsfrohen Glauben zu pflegen, auf reale Erfahrungen mit echten Menschen und eigene spirituelle Erlebnisse. Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Körper. Spüren sie aufmerksam in sich hinein. Nehmen Sie ihre Empfindungen wahr und benennen Sie diese. Verweilen Sie nicht bei unangenehmen Gefühlen, aber verdrängen Sie sie auch nicht. Bleiben Sie in der Haltung eines aufmerksamen Beobachters.

Gruselgeschichten liefern einen Schein-Grund, warum wir uns als ängstlich erleben (dürfen). Dieser Kunstgriff des Unbewussten ist genauso verständlich wie bedenklich. Wenn wir nämlich unsere tatsächlichen Risiken zur Seite schieben und unsere Angst auf etwas ganz anderes richten, bleibt die eigentliche Bedrohung unbeantwortet. Sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen gegen konkrete Risiken zu ergreifen, ist uns dann nicht möglich. Wir sind gefangen in einem Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins. Stattdessen müssen wir in unsere Handlungsfähigkeit zurückfinden, um gut für uns zu sorgen.

In diesen Tagen erleben fast alle Menschen reale Gefahren, derer sie sich mehr oder weniger bewusst sind. Sie haben echte und eingebildete Ängste. Und je mehr wir in Angst sind, desto weiter entfernen wir uns von unserem gesunden Körperempfinden, von unserer klaren Wahrnehmung des Tatsächlichen und von einer Unterscheidungsfähigkeit zwischen theoretischer Möglichkeit und praktischer Wahrscheinlichkeit.

Meine Empfehlung ist eindeutig: Kommen Sie zu sich und beruhigen Sie sich. Sie haben bestimmte Methoden, Ihr Nervensystem zur Ruhe zu bringen. Wenden Sie diese jetzt vermehrt an. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob Sie sich durch Ablenkung beruhigen oder durch Kontakt oder durch naturheilkundliche Mittel wie Bachblüten oder Jin Shin Jyutsu. Sie wissen, was Ihnen dient. Ansonsten lassen Sie sich fachkundig unterstützen.

Bei konkreten Ängsten können Sachinformationen manchmal hilfreich sein. Zahlen, die ein Risiko differenziert darstellen und Ihnen verdeutlichen, wie gering die Gefahr tatsächlich ist, sind dienlich. Finden Sie heraus, wie stark Sie in Wirklichkeit von einer Krankheit, von den Nebenwirkungen einer Therapie, vom Verlust Ihres Arbeitsplatzes oder von Lebensmittelknappheit bedroht sind. Treffen Sie bei Bedarf vernünftige Vorsichtsmaßnahmen, aber beißen Sie sich nicht an einer Fixierung fest, die von nun an Ihr ganzes Leben bestimmt.

Entwickeln Sie einen realistischen Plan B. Immer wieder zeigt sich, dass Plan B bei genauer Betrachtung sogar attraktiver ist als der ursprüngliche Plan. Manchmal sind wir gezwungen, endlich zu tun und zu entscheiden, was sich schon länger als fällig angebahnt hat und noch nicht in die Tat umgesetzt werden konnte. Nehmen Sie Ihr Schicksal im Rahmen Ihrer Möglichkeiten in die Hand, statt auf einen Messias zu warten.

Wenn jeder von uns durch aufrichtiges Handeln seine eigenen Werte in die Welt bringt, gehen wir gemeinsam in eine bessere Zukunft, die weder eine Revolution noch einen Polsprung des Magnetfelds braucht. Warten Sie nicht auf Veränderungen im außen. Forschen Sie in sich, welche Richtung Ihre eigene Entwicklung nehmen soll und gehen Sie beherzt Ihren Weg. Suchen Sie sich passende Weggefährten und ziehen Sie los.

Klingt das gut, aber es fehlt Ihnen der Mut? Auch damit sind Sie nicht allein. Viele meinen, mutig zu sein bedeute, keine Angst zu haben. Das Gegenteil ist der Fall. Menschen ohne Angst sind psychopathisch, nicht mutig. Mut setzt Angst voraus, die man überwindet. Man tut etwas MIT der Angst. Doch, das geht. Wir müssen allerdings genau hinsehen. Sie werden feststellen, dass viele Ängste kleiner werden, wenn wir uns ihnen stellen.

Stellen Sie sich Ihrer Angst vor dem Tod. Denn darum geht es in letzter Konsequenz bei fast allen Ängsten. Das schlimmste was passieren kann, ist das Sie sterben. „Na, und?“ möchte ich Ihnen ein wenig fatalistisch zurufen. Das wird sowieso eines Tages geschehen. Ganz sicher. 100 %. Finden Sie vor diesem Hintergrund und in diesem Zusammenhang einen Glauben, der Ihnen dient, das Leben zu leben. Ihr Leben.

Text: Petra Weiß
Foto: Daniel Bleyenberg / pixelio.de

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.