Nackt und gackernd durch den Stadtpark

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Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~17 Minuten

Nehmen wir einmal an, ich möchte Sie hypnotisieren, ohne dass Sie es bemerken. Am besten, Sie kommen nicht einmal auf die Idee, dass jemand Sie hypnotisiert haben könnte. Im Idealfall würden Sie sogar im Brustton der Überzeugung ausrufen „MIIICH? Auf gar keinen Fall!“ oder „Ich bin gar nicht hypnotisierbar!“ Wie könnte ich Sie in aller Seelenruhe hypnotisieren und Sie wären dabei völlig ahnungslos?

Was soll ich Ihnen sagen: Wir alle werden jeden Tag hypnotisiert und die meisten haben davon nicht den leisesten Hauch eines Schimmers. Ein eklatanter Fehler in der öffentlichen Meinung über Hypnose ist dafür verantwortlich, dass sie es nicht wissen. Die Frage ist berechtigt, wer ein Interesse an diesem „Missverständnis“ haben könnte, das sich auf wundersame Weise so hartnäckig hält und partout keine Klärung findet.

Während meiner Ausbildung in Hypnotherapie haben meine Kollegen und ich uns über das falsche Image unserer Methode amüsiert. „Jaja, Du willst mit mir üben und ich laufe dann wieder nackt und gackernd wie ein Huhn durch den Stadtpark!“ oder „Ja, klar: Morgen kann ich in der Zeitung lesen, was Du mit mir in der Trance gemacht hast!“ oder „Ich habe meine neue Freundin hypnotisiert, damit sie mich toll findet. Wehe, wenn jemand mit den Fingern schnippt!“

Nichts davon entspricht der Wahrheit.

Hypnose ist nach der Definition des Grand Monsieur der Modernen Hypnotherapeuten, Gunther Schmidt, das Lenken der Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Ausschnitt der Wahrnehmung. Dieser Ausschnitt ist dann unsere Wirklichkeit, also der Teil der Realität, der auf uns wirkt. Das ist alles.

Im normalen Tagesgeschehen sind wir dauernd gezwungen, unsere (bewusste) Wahrnehmung auf einen kleinen Teil der unüberschaubaren Vielzahl von Sinneseindrücken zu reduzieren. Das machen wir unwillkürlich vollautomatisch.

Wenn wir unsere eigene Aufmerksamkeit lenken, kann man das als Selbsthypnose bezeichnen. Lenkt jemand anders unsere Aufmerksamkeit in eine bestimmte Reichung, dann versucht er, uns zu hypnotisieren.

Jedes Mal, wenn Ihre Aufmerksamkeit gezielt gefesselt wird, oder wenn Ihre Gedanken von irgendetwas absichtlich abgelenkt werden, erleben Sie eine Hypnose.

Meinen Sie immer noch, man könne Sie nicht hypnotisieren?

Viele Menschen denken, Hypnose sei das, was sie im Varieté als Show vorgeführt bekommen. Dort sortiert ein Künstler vorher, welcher Zuschauer besonders „suggestibel“ ist, wen er also am leichtesten beeinflussen kann. Die Beeinflussbarkeit steigert er dann noch mit bestimmten Induktionstechniken zu einem trance-artigen Bewusstseinszustand. Was wir dort häufiger sehen, ist eine sogenannte Schock-Induktion. Ein plötzlicher und unerwarteter Schreckmoment wird zur Vertiefung der Trance gezielt erzeugt. Solche Mittel würde ich in der Therapie niemals einsetzen. Wir erleben Schock-Induktionen allerdings täglich – wir müssen nur die Nachrichten einschalten.

Eine weitere Induktionstechnik ist das völlige Überladen des Verstands mit verwirrenden Inhalten. Das haben Sie sicher auch schon außerhalb einer therapeutischen Hypnose erlebt. Diese Form der Reizüberflutung führt irgendwann zum Abschalten des Verstandes. Wir gleiten in eine Art Halbschlaf. Unsere Gehirnwellen sind im Alpha-Frequenzbereich, daher nennt man den Zustand Alpha-Zustand: Hier haben wir Zugang zu unserem Unbewussten, und zwar in beide Richtungen. Wir können unserem Unbewussten Botschaften eingeben und Botschaften aus dem Unbewussten erhalten.

Diese Eigenschaften nutzt die Hypnotherapie. Der Patient sucht für sein Problem nach Lösungsmöglichkeiten, die im Alltagsbewusstsein nicht erreichbar sind. Oder er wünscht sich eine bestimmte Suggestion, um sein Problem unter Mitwirkung des Unbewussten zu lösen. Jede Suggestion ist natürlich vorher im Detail abgestimmt. Die Absicht ist transparent und für den Hypnotisierten nachvollziehbar. Sie entspricht seinem Willen. So ist die Arbeit mit dem Unbewussten ethisch einwandfrei.

Ethisch nicht vertretbar ist es, Hypnosetechniken ohne Auftrag des Betreffenden einzusetzen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Das ist im weitesten Sinne schwarze Magie oder moderner ausgedrückt eine hinterlistige Manipulation.

Sie wollen eigentlich einen Spielfilm sehen. Stattdessen werden Sie alle 15 Minuten von Werbespots überfallen. Ihre Aufmerksamkeit wird gelenkt und noch schlimmer, man versucht – meist sehr erfolgreich – bei Ihnen eine bestimmte Emotion auszulösen. Die Kopplung zwischen dieser Emotion und dem Produkt soll in Ihnen angelegt werden. Worte, Bilder, Musik – alles wirkt gemeinsam in diesem Sinne auf Ihr Unbewusstes ein. Ihr Bewusstsein ist nämlich noch mit dem Krimi von eben beschäftigt und versucht zu ergründen, wer der Täter ist. Die Bahn ist frei für Suggestionen. Plötzlich spüren Sie das Bedürfnis nach Abenteuer und holen sich gedankenverloren ein Bier aus der Kühlung. Voilà: Sie wurden programmiert.

Da Schock-Induktionen besonders wirkungsvoll sind, seien Sie vor allem achtsam, ob jemand Ihnen einen Schreck einjagen will und wenn ja, welche Informationen gleichzeitig oder direkt danach angeboten werden. Alles was Sie dann sehen oder hören, läuft am bewussten Verstandesdenken vorbei direkt ins Unbewusste und entfaltet dort seine Wirkung.

Mir ist solch ein billiger Trick als Gesprächstaktik bei einem Versicherungsmakler begegnet. Er wollte mir einen Vertragsabschluss schmackhaft machen und hat mir zu diesem Zweck eine Horrorgeschichte von einer angeblichen Bekannten erzählt. Ob es diese Frau wirklich gibt, weiß ich nicht. Geschweige denn, ob die Story stimmt. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, lassen sich Menschen manchmal Phantasien einfallen, die prinzipiell stimmen könnten. Hier war wenigstens klar, welche Absicht verfolgt wird: Der Mann wollte mir eine Versicherung verkaufen. Das ist sein Beruf. Was aber, wenn im Dunkeln liegt, wer uns beeinflussen will und in welche Richtung?

In den täglichen Nachrichten wird über Dinge berichtet, die potenziell Angst und Schrecken verbreiten. Gerne möchte ich davon ausgehen, dass unsere Nachrichtensender uns ausgewogen über das Weltgeschehen informieren wollen. Vielleicht verfolgen ein paar von ihnen stattdessen oder zusätzlich auch andere Ziele. Von ebendiesen Medien bekommen wir immer wieder gesagt, dass Propaganda nur von bösen Regierungen „der anderen Seite“ eingesetzt wird oder früher von den Nazis. Unsere Medien sind natürlich vollkommen frei von politischen Motiven.

Sie dürfen gerne bei dieser Meinung bleiben, wenn es Ihnen damit gut geht. Falls Sie sich schon einmal nach den Geldflüssen erkundigt haben, oder wenn Sie die Neutralität eines Senders oder einer Zeitung aus anderen Gründen anzweifeln, lade ich Sie zu einem kleinen Experiment im Selbstversuch ein:

Prüfen Sie doch einfach mal den Effekt, den Nachrichten aus verschiedenen Informationsquellen auf Sie haben. Wie ging es Ihnen vorher? Wie geht es Ihnen danach? Fühlen Sie sich klar und stabil oder schwach und verwirrt? Haben Sie Angst bekommen? Sind Sie empört? Betrifft der Gegenstand der Angst oder der Empörung Ihr persönliches Erleben? Haben Sie sich gerade einschüchtern oder aufhetzen lassen? Welche Botschaften wurde vordergründig, welche durch Farben, Töne und Formulierungen vermittelt? Passen die Inhalte des gesprochenen Wortes und der Bilder zusammen? Sind sie dem Thema angemessen? Fühlen Sie sich in irgendeiner Weise bedrängt?

Werden die immer gleichen Bilder oder gleichlautenden Formulierungen mantramäßig wiederholt und wiederholt und wiederholt? Auch das gehört zu einer guten Hypnose. Die Menschen glauben fast alles, wenn sie es oft genug hören. Das nennt man eine Gehirnwäsche.

Hollywood-Filme liefern reihenweise Beispiele für geschickt vermittelte Botschaften jenseits der bewussten Wahrnehmung. Keiner will Ihnen den Spaß am Kino vermiesen. Genießen Sie ruhig die Spannung und freuen Sie sich über die schauspielerische Leistung. Aber fragen Sie sich auch: Welches Narrativ wurde mir da angeboten? Welche Eindrücke abseits der für den Plot notwendigen Dramaturgie wurden vermittelt?

Wenn ich mir Stirb langsam anschaue, was denke ich danach über Mercedes-Fahrzeuge? Wenn Bruce Willis mit seiner G-Klasse über die Autodächer poltert und später mit einem PKW einen Helikopter abschießt? Just im Moment des grandiosen Triumphs über die Bösen.

Product Placement nennt man das indirekte Bewerben von Produkten während eines Unterhaltungsfilms. Das ist Hypnose pur. Durch die emotionale Aufladung während des Films wirkt Product Placement massiv im Unterbewusstsein. Der Hersteller entscheidet, welche Emotion beim Zuschauer mit seinem Produkt gekoppelt sein soll. „Mercedes = Triumph über das Böse“ – aus Marketing-Sicht ist das der Jackpot!

Dabei ist es sogar unwichtig, ob es die G-Klasse war, die den Hubschrauber trifft. Das Fahrzeug ist so lange und so intensiv im Blickpunkt, dass jeder andere Eindruck verblasst. Ich habe den Film bestimmt 10 Mal gesehen und könnte nicht sagen, aus welchem Auto John McLane springt. Aber die G-Klasse vergisst man nie.

Diese „versteckte“ Werbung ist noch relativ leicht erkennbar, wenn man darauf achtet. Erscheint es Ihnen abwegig zu spekulieren, ob wir noch andere Botschaften untergejubelt bekommen? In Serien, in Filmen, in Talkshows, in sogenannten Dokumentationen. Den „Spin“ können wir mehr oder weniger deutlich an der Tönung erkennen: Wie sollen wir über die Welt denken, wenn wir den Beitrag gesehen haben? Wie über gesellschaftliche Fragen, z.B. Geschlechterrollen? Wie über eine bestimmte Persönlichkeit?

Gesetzt der Fall, jemand wollte eine öffentliche Person in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Geplant sei ein Spielfilm über diesen Menschen und sein Tun. Beim Casting könnte man aus einer Vielzahl von Künstlern wählen, also beispielsweise zwischen einem Schauspieler, den alle als fürsorglichen Arzt einer Vorabendserie kennen, und einem Darsteller, der durch seine Rolle als psychopathischer Massenmörder in einem Blockbuster bekannt ist. Für wen würde man sich entscheiden? Und wie würde schon diese Auswahl unbewusst auf die Zuschauer wirken? So eine Besetzung ist reine Phantasie? Sie würden sich wundern. Um hier keine politische Diskussion vom Zaun zu brechen, werde ich mein Beispiel nicht benennen. Recherchieren Sie selbst, wenn Sie wissen wollen, wer hier angeblich aus Insider-Sicht bloßgestellt wurde.

Hollywood lenkt seit Jahrzehnten unsere Aufmerksamkeit und wir zahlen auch noch Eintritt dafür. Glauben Sie, Sie wüssten, was wirklich auf der Titanic geschehen ist, nur weil Sie den Film gesehen haben? Oder bei der Apollo 13 Mission? Ich sage nicht, dass hier gelogen wird. Ich sage nur, dass Sie von einem Film, der sich auf historische Ereignisse bezieht, keine objektive Darstellung wahrer Begebenheiten erwarten dürfen. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Drehbuchautoren sich spannende Dinge ausdenken. Das ist ihr Job. Sie werden dafür bezahlt. Aber verwechseln Sie niemals einen Spielfilm mit der Tagesschau.

In unserer multimedialen Zeit ist es kaum möglich, sich der allgegenwärtigen Hypnose zu entziehen. Das Bewusstsein für diese Vorgänge dient der wichtigen Erkenntnis, wo und in welcher Weise wir hypnotisiert werden. Eine Chance, trotzdem in der Selbstbestimmung zu bleiben, ist bewusst zu entscheiden, welchem Teil der Realität wir unsere Aufmerksamkeit schenken wollen. Diese Entscheidung ist wesentlich. Sie bringt uns aus der passiven Konsumhaltung ins aktive Gestalten unserer Gedanken- und Erlebniswelt.

Einige Menschen genießen es wie ein Detektiv-Spiel, Manipulationsversuche aufzustöbern. Sie nehmen das Ganze sportlich und freuen Sich über jede neue Entdeckung. Für andere ist es gar nicht so einfach zu akzeptieren, dass sie hin und wieder einem professionellen Hypnotiseur auf den Leim gegangen sein könnten – ganz gleich ob er Versicherungsmakler, Nachrichtensprecher oder Spielfilm-Produzent ist. Wir alle haben gerne ein Gefühl der Kontrolle über unser Leben. Manche ziehen es deshalb vor, (unbemerkte) Manipulation aus den Möglichkeiten ihrer individuellen Wirklichkeit zu verbannen. Das dürfen sie natürlich. Damit spielen sie leider allen Betrügern direkt in die Hände. Das ist nämlich genau ihr Trick: Hypnose funktioniert deshalb so gut, weil wir glauben, dass es sie in unserem Leben nicht gibt. Weil wir ein völlig falsches Bild von ihr haben. Oder besser gesagt: hatten. Ihr Bild ist jetzt zurecht gerückt. „Welcome to the real world.“

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Zur Person

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Petra Weiß ist als Heilpraktikerin mit ihrer Praxis für Homöopathie, Ganzheitsmedizin und Psychotherapie (HeilprG) in Weinheim niedergelassen. Moderne Hypnotherapie nach Milton Erickson gehört zu ihrem facettenreichen Therapieangebot. Sie ist Fachjournalistin für das Ressort Medizin & Gesundheit und hat sie zahlreiche Beiträge in Zeitschriften sowie online veröffentlicht. Sie war als Fachlektorin an mehreren Patientenratgebern beteiligt. An dem Buch “Gesundheit gestalten mit den 4 Elementen” von Dr. Peter Vill hat sie als Co-Autorin mitgewirkt.

3 praktische Entscheidungshelfer

Bild zum Beitrag 3 praktische Entscheidungshelfer

Bericht von Petra Weiß. Lesedauer ~ 5 Minuten.
Rubrik: Mit Bachblüten Bewusstsein schaffen.

In Zeiten des Wandels ist es wichtig, individuell passende Entscheidungen zu treffen. Nun sind nicht alle Menschen von Natur aus gleich begabt darin. Und selbst die Entscheidungsfreudigen haben mit manchen Themen Ihre Schwierigkeiten. Je weitreichender die Konsequenzen einer Entscheidung desto quälender kann der Vorgang sein.

Der eine hätte zwar ein sicheres Bauchgefühl, vertraut ihm aber nicht, der andere findet an allen Möglichkeiten etwas Gutes und wankt hin und her, der nächste bringt keine Geduld auf und trifft eine voreilige Wahl. Für verschiedene Hemmnisse auf dem Weg zum stimmigen Beschluss gibt es Hilfe aus der Naturheilkunde. Nebenwirkungsfrei und kraftvoll unterstützen Bachblüten die Klarheit und Treffsicherheit der Auswahl. Ich habe eine kleine Entscheidungshelfer-Kunde für Sie zusammengestellt:

Cerato: der Eingebung vertrauen.

Sie wissen was Sie wollen und erkennen passende Möglichkeiten, wenn sie Ihnen begegnen. Doch Sie schrecken vor einer Bauchentscheidung zurück. Sie meinen, Sie bräuchten eine Bestätigung von außen für Ihre Wahl. Also sprechen Sie mit Freunden, Sie lesen Testberichte und Verbrauchertipps im Internet oder Sie befragen (vermeintliche) Fachleute, um sich rückzuversichern. Und damit beginnt das Malheur. Auf Ihrer Suche nach Bestätigung begegnen Ihnen natürlich auch abweichende Meinungen. Diese bringen Sie völlig aus dem Tritt. Am Ende verlieren Sie Ihr anfangs glasklares Wow-Gefühl und wissen nicht mehr, was Sie tun sollen. Cerato gibt Ihnen das Vertrauen in Ihre Eingebungen zurück.

Impatiens: Gemach, gemach!

Sie sind ein Mensch der Tat und übernehmen gerne die Verantwortung für Entscheidungen – lieber als zu warten, bis endlich jemand anders etwas tut. Zeit ist in Ihrem Erleben ein knappes Gut. Sie scharren praktisch schon mit den Hufen, während andere sich noch orientieren und Daten sammeln. Ad hoc Entscheidungen mögen manchmal zielführend sein, aber nicht immer. Es gibt Lebenslagen, da braucht man den Blick auf Einzelheiten, um sich ein vollständiges Bild machen zu können, oder es muss schlicht und einfach noch Zeit vergehen, bis alle Beteiligten bereit für die anstehende Veränderung sind. Impatiens hilft Ihnen, Ruhe zu bewahren und den rechten Zeitpunkt abzuwarten.

Scleranthus: Wenn Auswahl zur Bürde wird.

Sie sind ein Mensch, der viel Verständnis hat. Sie können unterschiedliche Standpunkte einnehmen. Das ist eine gute Voraussetzung für Diplomatie. Der Entscheidungsfindung dient diese Eigenschaft nicht unbedingt. Sie haben Schwierigkeiten, wenn Sie sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden müssen. Es gibt gute Argumente für A, die Sie rundweg verstehen und annehmen können. Wenn dann B ins Spiel kommt, finden Sie ebenso gute Gründe, sich für diesen Weg zu entscheiden. Was jetzt beginnt, gleicht einem Pingpong-Spiel. Selbst wenn Sie sich irgendwann für A oder B entschieden haben, ist das Malheur noch nicht vorbei: Immer wieder kehren Sie gedanklich zur Alternative zurück und fragen sich, ob es nicht besser gewesen wäre, sich anders zu entscheiden. Scleranthus sorgt für eine klare Wahl ohne Reue.

Bachblüten sind frei von Nebenwirkungen und ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Der Apotheker füllt eine 30 ml Pipettenflasche mit 2/3 Wasser. 1/3 Alkohol macht die Mischung haltbar. Dann fügt er je 3 Tropfen der entsprechenden Blüte hinzu. Sie nehmen täglich 4 x 4 Tropfen direkt aus der Flasche in den Mund. Andere Vorgehensweisen beschreibe ich hier ausnahmsweise nicht. Der Beitrag wendet sich an Menschen mit Entscheidungsschwierigkeiten. Wir wollen ja nicht Gefahr laufen, dass Sie in der Auswahl steckenbleiben.

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Woher wissen wir, was wir wissen?

Essay von Petra Weiß. Lesedauer ~ 17 Minuten
Rubrik: Umdenken

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Individuelle Erfahrungen prägen ein Universum von subjektiver Wirklichkeit. Foto: Carsten Przygoda / pixelio.de

Viele Dinge erfahren wir im Laufe unseres Lebens. Wir nehmen etwas wahr: ein Bild, ein Geräusch, einen Geschmack, einen Duft, eine Bewegung oder eine Berührung. Diese Erfahrungen sind sinnliche Wahrnehmungen. Wir nehmen sie mit unseren Sinnen wahr. Sie erscheinen uns als objektive Wahrheiten. Sind sie das wirklich? Oder ist Objektivität in der Wahrnehmung eine Illusion?

Wenn zwei Menschen dasselbe Bild gezeigt bekommen, beschreiben sie es womöglich mit ähnlichen Worten. „Drei grüne Scheiben und ein rotes Rechteck“, sagt ein Betrachter. Ein anderer meint zu erkennen, hier seien „ein rotes Quadrat und drei grün gefüllte Kreise“. Im Wesentlichen scheinen die Wahrnehmungen übereinzustimmen. Die Zahlen sind identisch, die Formen zumindest ähnlich und die Farben werden gleich beschrieben. Woher wissen wir aber, dass ein anderer Mensch die Farbe Rot in gleicher Weise wahrnimmt wie wir selbst?

Wir alle haben gelernt, eine bestimmte Farbe als Rot zu bezeichnen. Ihre Frequenz ist physikalisch messbar, unsere Wahrnehmung von ihr kann identisch oder unterschiedlich sein. Dass Menschen Farben individuell wahrnehmen, wissen wir spätestens seit Bekanntwerden der Rot-Grün-Blindheit. Sie wird anhand eines einfachen Sehtests festgestellt. Bevor aber diese Menschen einen entsprechenden Test machen oder man die Frequenzen von Rot und Grün gemessen hat: Woher wussten die Betroffenen, dass sie Rot und Grün anders wahrnehmen als ihre Mitmenschen?

Und wenn umgekehrt 99 % aller Menschen eine Rot-Grün-Schwäche hätten, wie würden wir mit denjenigen umgehen, die Rot und Grün unterscheiden können? Hätten wir Angst vor ihrer „übersinnlichen“ Wahrnehmung? Würden wir sie als psychisch krank einstufen und versuchen, sie zu heilen?

Eine Erdbeere ist eine Erdbeere ist eine Erdbeere.

Manchen Sinneswahrnehmungen billigen wir eher zu, subjektiver Natur zu sein. Woher glauben wir zu wissen, dass ein anderer Mensch den Geschmack einer Erdbeere auf die gleiche Weise erlebt wie wir selbst? Vielleicht weil wir das Erlebnis mit denselben Worten beschreiben wie er, z.B. als „süß und fruchtig“. Was genau ein anderer Mensch erlebt, wenn er in eine Erdbeere beißt oder überhaupt etwas Süßes und Fruchtiges isst, können wir nicht wissen, auch wenn wir Zuckergehalt und Fruchtsäure exakt bestimmen können.

Wir geben ihm eine reife Aprikose und freuen uns, dass er auch diese als „süß und fruchtig“ beschreibt. Damit wissen wir, dass in seiner Wahrnehmung beide Früchte ähnliche Erfahrungen verursachen. Ob sie dieselben sind wie bei uns wissen wir immer noch nicht.

Aus diesen Betrachtungen gewinnen wir eine wichtige Erkenntnis: Ich kann nur wissen, wie süß und fruchtig für mich schmeckt und wie Rot für mich ausschaut. Das ist meine subjektive Wahrheit. Wir können vermuten, dass andere Menschen ähnliches erleben, wissen können wir das nicht. Ihre subjektive Wahrheit ist möglicherweise der unseren gleich, aber vielleicht ja auch ganz anders.

In fremde Köpfe blicken

Dank moderner Technologie können wir beobachten, welche Regionen im Gehirn aktiv sind, während ein Mensch in eine Frucht beißt – was er dabei erlebt, kann uns der Apparat nicht sagen. Vor lauter Begeisterung über den Fortschritt dürfen wir unsere Bescheidenheit nicht verlieren.

Den sokratischen Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, hielt ich lange Zeit für den Ausdruck von Demut eines antiken Philosophen. Erst spät habe ich verstanden, dass man die Aussage durchaus wörtlich nehmen darf: Wer glaubt, etwas zu wissen, befindet sich im Irrtum. Wer hingegen weiß, dass er nur glaubt, der ist weise.

Wir verwechseln häufig unsere subjektive Wahrheit mit objektivem Wissen. Wenn wir schon im als gesund eingestuften Zustand im Unklaren sind, ob unsere Wahrnehmungen denen der anderen entsprechen, wie schaut das bei Wahrnehmungen außerhalb der Norm aus?

Wahn und Illusion

Die Psychiatrie diagnostiziert eine Wahnwahrnehmung oder Illusion, wenn jemand etwas anderes mit seinen Sinnen zu erfassen glaubt als die meisten anderen Menschen, die sogenannten Gesunden. So als sei Wahrnehmung etwas Objektives. Dabei wissen wir längst, dass manche Menschen besondere Fähigkeiten haben, sozusagen das Gegenteil einer Rot-Grün-Schwäche.

Es gibt zum Beispiel Personen mit einem extrem feinen Gehör, die Töne oberhalb oder unterhalb des üblicherweise wahrgenommenen Frequenzspektrums hören können. Oder elektrosensible, die Spannungsschwankungen wahrnehmen. Nur weil ihre Fähigkeiten nicht der Allgemeinheit entsprechen, heißt das nicht, dass ihre Wahrnehmungen „falsch“ sind. Bei Strom und Ton können wir die Frequenzen messen und ein Gerät sagt uns, dass die Wahrnehmung eine nachvollziehbare ist, auch wenn sie der allgemeinen nicht entspricht. Da haben die Betreffenden aber Glück gehabt! Könnte man die physikalische Frequenzen nicht messen, würden sie vermutlich als Spinner verlacht.

Letztlich sind alle Annehmen, die wir treffen, Konstrukte unseres Verstandes, um die Welt zu begreifen. Menschen bedienen sich geistiger Konzepte, um sich zu orientieren, um sich sicher zu fühlen, um Entscheidungen zu treffen und manchmal auch, um danach zu handeln. Unsere Annahmen gleichen wir mit den Annahmen unserer Mitmenschen ab.

Glauben viele Menschen dasselbe, halten sie diesen Glauben für Wissen. Diese Verwechslung kann Folgen haben.

Wenn schon unsere direkten sinnlichen Wahrnehmungen weit weg von einer  Objektivität sind, wie kommen wir dann auf die Idee, komplexere Zusammenhänge verobjektivieren zu wollen und damit Wahrheit zu erzeugen, was wir Wissenschaft nennen?

Wie schafft man Wissen?

Gibt es so etwas überhaupt: eine objektive Wahrheit? Sind Menschen in der Lage, sie zu ergründen? Oder können wir uns ihr immer nur nähern? Und welche Disziplin sucht wahrhaftig nach ihr?

„Die Naturwissenschaften!“, werden Sie vielleicht vermuten. Nun ja, hier werden Beobachtungen gemacht, die Fragen aufwerfen. Als mögliche Antwort stellt man eine These auf, die man versucht zu beweisen. Also findet man ein Argument, das für diese These spricht, und nennt das einen Beweis. Auch die Anti-These wird aufgestellt und in gleicher Weise beleuchtet. Am Ende wird aus der Gesamtschau eine Synthese gebildet. Wollen wir das Resultat dieser Abläufe als objektives Wissen bezeichnen? Wenn schon die anfängliche Beobachtung etwas Subjektives ist, von der Fragestellung und den entwickelten Thesen ganz zu schweigen.

Wie gehen wir als Menschheitsfamilie mit den Wahrheiten um, die uns unsere Wissenschaft beschert? Wozu dienen ihre Erkenntnisse, wenn sie keinen Einfluss auf unsere Leben haben?

Sensationelle Erkenntnisse ohne Auswirkung

Die Quantenphysik hat schon vor Jahrzehnten bewiesen, dass der Beobachter das Experiment beeinflusst, und damit eigentlich die bisher angenommene Objektivität wissenschaftlicher Experimente wissenschaftlich widerlegt. Die Erkenntnis dringt nicht in die Köpfe der Menschen vor: Es gibt keine Objektivität – weder im Labor noch im richtigen Leben.

Und noch etwas hat die Quantenphysik festgestellt: ein und derselbe Partikel kann sowohl Teilchen als auch Welle sein und sich auch noch an zwei Orten gleichzeitig befinden. Wird Ihnen schwindelig? Nein? Dann haben Sie die Tragweite dieser wissenschaftlich belegten Tatsache noch nicht begriffen: Unsere physische Welt, wie wir sie erleben, kann so und auch ganz anders sein.

Um noch das Sahnehäubchen draufzusetzen, könnte man an dieser Stelle eine weitere sensationelle Erkenntnis aus der Quantenphysik erwähnen: Zwei Teilchen desselben Ursprungs bleiben miteinander in Verbindung, auch wenn man sie räumlich voneinander trennt. Materie ist auf der Quantenebene miteinander verbunden!!!

Und was machen wir? Wir leben unser Leben weiter in den Ansichten der alten Physik, ohne von den neuen Erkenntnissen zu profitieren.

Sinnvolle Einsichten

Wenn Materie gleichzeitig mehrere Varianten von räumlichen Positionen und Zuständen einnehmen kann, ist unser 3-D-Modell der Realität überholt. Und in der Tat sprechen Experten von weit mehr als den bekannten 3 oder 4 (incl.Zeit) Dimensionen. Dann ist Materie nicht das, wofür wir sie bisher gehalten haben.

Und wenn ein Beobachter als Faktor in sein Experiment einfließt, dann ist das ein klarer Hinweis darauf, dass Bewusstsein Materie beeinflusst. Wir dürfen also hoffnungsfroh sein, zumindest unseren eigenen Körper durch unser Bewusstsein beeinflussen zu können. Von diesem Maß an Selbstwirksamkeit sollte jeder Mensch Kenntnis erhalten, entsprechende Fähigkeiten sollten erforscht und geschult werden.

Wo erfahren wir davon? Welche Veränderungen finden wir im Lehrplan der Schulen und Universitäten seit diesen umwälzenden Forschungsergebnissen? Und wer nutzt diese spektakuläre Erkenntnis zum Wohle der Menschheit?

Wenig genutztes Potenzial

In den 1980er Jahren kam die sogenannte Psychosomatik in Mode und erreichte sogar die Schulmedizin. Die Beteiligung psychischer Ursachen wurde für ein paar auserwählte Krankheiten offiziell anerkannt. Heute forscht die Psychoneuroimmunologie an den generellen Wechselwirkungen zwischen der Psyche und dem Nervensystem, der Abwehr sowie den Hormonen. Hier gibt es bereits beeindruckende Untersuchungen, die darauf hinweisen, wie wichtig ein guter Gemütszustand für die körperliche Gesundheit ist.

Hören Sie davon täglich in den Medien? Legt man Ihnen Yoga oder Entspannungstechniken ans Herz und ruft jemand Sie dazu auf, Ihre Traumata zu bearbeiten, wenn Sie gesund bleiben oder werden wollen? Ist Ihnen bewusst, wie schädlich Angst für Ihr Immunsystem ist?

Da sind wir wieder bei unserer Wahrnehmung und der Frage nach der Wahrheit. Nur wenn wir uns Gelegenheit geben, den Einfluss unseres Seelenlebens auf unser körperliches Wohlbefinden zu erfahren, wird die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche erlebte Realität. Sonst glauben wir, was wir oft genug und von vielen Seiten hören und halten das auch noch für objektives Wissen: Die alleinige Herrschaft über unser aller Gesundheit liegt anscheinend bei den medizinischen Fachleuten.

Nur sie wissen, wie wir gesund bleiben oder werden können. Sie dürfen uns folglich vorschreiben, was wir wie und wann essen sollen, wie oft und in welcher Weise wir uns bewegen sollen und so weiter. Schließlich gibt es wissenschaftliche Studien! Es wird Zeit, dass wir alle uns über das Wesen von Studien bewusst werden und sie ihren falschen Heiligenschein der Objektivität verlieren.

Verzerrte Wahrheit mit Nachkommastellen

Wer sich ausführlich mit Statistik befasst, dem wird irgendwann klar: Studien beweisen, was auch immer der Studiendesigner beweisen will. Man muss die Kriterien für die Gruppen nur geschickt auswählen oder die Daten in einen entsprechenden Rahmen setzen. Zahlen haben das Image von harten Fakten, daher eignen sie sich am Besten dazu, Menschen etwas glauben zu machen, insbesondere, wenn man sie mit Balken- oder Tortendiagrammen grafisch aufbereitet. Damit erzeugt man die scheinbar objektive Wahrnehmung eines Sachverhalts: geometrische Formen und Farben. Erinnern Sie sich an unser Anfangsbeispiel?

Wer prüft schon im Detail, ob ein Studiendesign dazu geeignet ist, das herauszufinden, was ihr Ergebnis angeblich belegt? Machen Sie das doch mal zum Spaß in einem Fachbereich, mit dem Sie sich wirklich gut auskennen. Und dann seien Sie sich gewiss, dass solche Zahlentricksereien allgegenwärtig sind.

Wenn unser gesamtes Weltbild auf einer Objektivität fußt, die es gar nicht gibt, wie können wir dann herausfinden, was wirklich wahr ist?

Zunächst einmal müssen wir begreifen, dass wir keine Sicherheit durch äußere Impulse erlangen werden. Das ist hart für unsere Dauerangst-geplagte und daher auf Sicherheit getrimmte Gesellschaft. Warum sind wir so abhängig von der Sicherheit, die uns irgendjemand im Außen anbietet? Weil wir verlernt haben, Sicherheit in uns zu suchen und zu finden. Niemand kann Ihnen sagen, was Ihre subjektive Wahrheit ist. Sie müssen sie selbst erfahren.

Wahrnehmen statt Denken

Woher wissen Sie, dass etwas wahr ist? Sie haben es mit eigenen Sinnen wahrgenommen. So wird es zu ihrer subjektiven Wahrheit. Oft bekommen Sie aber etwas aus zweiter oder dritter Hand vermittelt. Wie prüfen Sie den Wahrheitsgehalt solcher Botschaften? Wann halten Sie eine Information für vertrauenswürdig? Hat der Überbringer selbst eine Erfahrung gemacht, von der er erzählt? Oder berichtet er von etwas, das auch er irgendwo gehört oder gelesen hat?

Wir halten Informationen für wahr, wenn sie in unser bisheriges Weltbild passen und wenn wir dieselbe Aussage mehrfach aus verschiedenen Quellen hören. Dann denken wir, etwas zu wissen. Und haben wir uns erst einmal dafür entschieden, etwas zu glauben, haben gegenteilige Informationen kaum mehr Zugang zu unserem Kopf.

Haben Sie Ihr eigenes Wissen jemals hinterfragt? Ich empfehle Ihnen, in den nächsten Tagen immer wieder ein inneres Stopp-Schild zu setzen und sich zu fragen „Woher WEISS ich das?“. Vielleicht fällt Ihnen dann in dem ein oder anderen Zusammenhang auf, dass sie verschiedenen „Glaubensgemeinschaften“ angehören. Das ist vollkommen in Ordnung, solange Sie sich dessen bewusst sind oder werden. Aber bitte halten Sie Ihren Glauben nicht für eine objektive Wahrheit.

Wirklichkeit ist der Teil der Realität, der wirkt, das ist Ihre subjektive Wahrheit. Es kann dienlich sein, wenn Sie das Denken hin und wieder zugunsten direkter Wahrnehmung hintenanstellen. Gehen Sie in die Natur, riechen Sie an einer Blume, erfreuen Sie sich an ihrer Schönheit, spüren Sie den Boden unter Ihren Füßen, genießen Sie das Aroma einer Erdbeere und geben Sie jemanden einen Kuss. Damit sind Sie nicht in irgendeiner Objektivität. Und das macht gar nichts. Ihre Subjektivität ist für Ihr Leben wesentlich.