Gerade weil…

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Nun sind wir schon ziemlich fortgeschritten, was die Analyse der Taschenspielertricks angeht und haben einige Kapitel in Arthur Schopenhauers “Die Kunst Recht zu behalten” in der Serie “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” gemeinsam betrachtet.

Man sollte meinen, dass der wache Verstand die allzu platten Manipulationsversuche entdeckt, wenn man sich schon mit ganz ausgefeilten Techniken befasst hat. Leider ist das nicht immer so. Wenn der andere gar keine Chance hat, eine Debatte zu gewinnen, greift er manchmal zu ebenso verzweifelten wie aussichtsreichen Taktiken.

Jemand, der etwas von uns möchte, das dem gesunden Hausverstand oder der natürlichen Mitmenschlichkeit schon auf den ersten Blick eklatant widerspricht, hat eigentlich schlechte Karten. Er muss zu ganz fiesen Zaubertricks greifen.

An dieser Stelle sprechen wir über die Verkehrung eines stichhaltigen Arguments in sein genaues Gegenteil.

Es gibt Zwecke und Absichten, denen kaum jemand widersprechen würde, weil sie im allgemein anerkannten Wertesystem ganz weit oben stehen. Gesundheit, Sicherheit, Rücksichtnahme, Gemeinschaftssinn, etc. sind solche Werte. Gibt man vor, ehrenhafte Ziele zu verfolgen, hat man kein Risiko, für die Überzeugungen infrage gestellt zu werden und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dies vorgeblich ehrenhafte Handeln hingenommen wird, auch wenn es im Grunde schädlich oder sogar böse ist.

Man muss nur hinhören, auf welchem Wert der Gegner sein Hauptargument aufbaut und dreist behaupten, mit dem gegenteiligen Handeln genau diesem Zweck zu folgen.

Wir kehren zurück zum Esstisch und verfolgen die Debatte, in der die Mutter durch den Gesundheitsaspekt eigentlich ein wirklich gutes Argument auf ihrer Seite hat. Nehmen wir an, die Mutter sagt „Wenn Du Dich gesund ernähren möchtest, ist es wichtig, dass Du Spinat isst.“ würde der Zögling im Sinne der Verkehrung entgegnen „Gerade WEIL ich gesund sein und bleiben will, werde ich diesen Spinat nicht essen.“ und dann eine wortreiche Erklärung anfügen, z.B.: „Ich gehe davon aus, dass meine Abneigung gegen das Gemüse Ausdruck meiner inneren Weisheit ist, welche Nahrung mein Körper nicht gut verdauen kann.“ und so weiter und so fort.

Sie finden in der tagesaktuellen Presse einen bunten Reigen genau solcher Verdrehungen.

Seien Sie besonders wachsam, wenn man Ihnen etwas offenkundig Ungesundes als gesund, einen für jedermann ersichtlichen Zwang als Weg in die Freiheit oder das Ausgrenzen von Menschen als Akt der Solidarität verkaufen will.

Orwellsches Neusprech darf bei Ihnen alle Alarmglocken läuten lassen.

Nehmen wir an, ein Hersteller von Blei und Beton wollte Ihnen Schuhe verkaufen, mit denen Sie nur noch ganz schwer gehen können. Niemand würde diese Schuhe freiwillig anziehen. Es sei denn, man wendet den Trick der 180-Grad-Verdrehung an und behauptet frech, dass GENAU DIESE SCHUHE das Gehen verbessern, statt es zu behindern.

Pfiffige Marketing-Menschen würden die Schuhe als „gesunde Gehschutz-Sicherheitsschuhe“ betiteln. In der Werbung würde man sehen, wie wir durch das langsamere Gehen davor bewahrt werden, ungestüm eine Treppe hinabzustürzen, was unser aller Leben sicherer und gesünder macht. Wir könnten dann auch niemanden mehr umrennen, daher sei der Gehschutz ein Ausdruck von Solidarität. Nur mit den Gehschutz-Sicherheitsschuhen könne man sicher gehen. Menschen ohne Gehschutz-Schuhe wären eine Gefahr für die Allgemeinheit. Man müsse damit rechnen, dass sie überall stürzen. Das Risiko sei enorm, dass man ständig über einen Geschutz-Sicherheitsschuh-Verweigerer fällt und sich trotz des eigenen Gehschutzes ein Bein bricht.

Glauben Sie, das sei absurd? Ich auch. Trotzdem hören wir solche Argumente jeden Tag.

Die falsche Logik lösen Sie auf, indem Sie sich aus dem Glaubenssatz befreien, der Zweck heilige die Mittel. Das tut er nämlich nicht. So lange Sie das denken, kann man Ihnen jede noch so absurde Handlungsweise abverlangen, indem man einfach einen Ihrer Werte als angebliches Ziel in den Raum stellt. Sie tun dann sogar das glatte Gegenteil dessen, was tatsächlich Ihren Werten dienen würde.

Hören Sie nicht hin, wenn blumige Werbebotschaften Sie mit Ihren Werten locken wollen, sondern betrachten Sie mit offenen Augen, was tatsächlich passiert. Beobachten Sie ein Kind mit den „gesunden Gehschutz-Sicherheitsschuhen“. Ganz ehrlich: Wollen Sie, dass alle Kinder in Zukunft SO durch die Welt gehen? Klar, wenn sie dann sicherer sind? Wie sicher wäre es, wenn Kinder einfach GAR NICHT mehr laufen? Noch sicherer? Oder wenn sie gar nicht mehr atmen?

Vielleicht war der kategorische Imperativ als Richtschnur für unser Zusammenleben in der Gemeinschaft gar nicht so schlecht. Wenn Sie das wollen, legen Sie diesen Maßstab auch heute noch an: Kann Ihr momentanes Handeln zu jeder Zeit und in allen Zusammenhängen als vorbildlich gewertet werden? Nein, nicht Ihr Ziel. Ihr Handeln. 

Ihr Wertesystem darf ganz eigen sein und von meinem beliebig abweichen. Doch vielleicht können wir uns als Menschheitsfamilie auf EINEN gemeinsamen Wert einigen: das Leben an sich. Messen wir unser Tun an dem, was dem Leben dient, und fragen wir uns, ob das, was wir erleben, lebendiges Leben ist. Dann beantworten sich viele Fragen im Handumdrehen und andere etwas leichter.

Text und Bild: Petra Weiß

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

 

 

Vom Glück keine falsche Anerkennung zu ernten

Authentisch Selbstausdruck wahrhaftig

Unter Menschen ist es normal, dass wir uns gegenseitig Anerkennung spenden. Die Anerkennung drückt sich in wertschätzenden Worten aus, in Lob und Komplimenten, in Dankbarkeit und manchmal auch in symbolischen Auszeichnungen wie Orden, Prädikaten oder Titeln.

In dem Wort Anerkennung ist das „Erkennen“ enthalten. Wir können nur etwas oder jemanden anerkennen, das oder den wir erkannt haben. Was mag das sein? Bestenfalls erkennen wir den anderen in seiner Einzigartigkeit und wertschätzen diese. Das ist die Version für „Erleuchtete“. Im Alltag reicht es, wenn wir bestimmte Eigenschaften am anderen ausmachen.

Loben für Fortgeschrittene heißt nicht „Sie sind eine tolle Mitarbeiterin“, sondern „Sie haben die Quartalszahlen wieder sehr präzise und gleichzeitig übersichtlich dargestellt. Ich schätze Ihre Zuverlässigkeit, Ihre strukturierte Vorgehensweise und Ihren Blick fürs Wesentliche.“

Häufig erhalten wir aber Anerkennung für eine Leistung oder eine Tat. Und viele denken, dass das so sein müsste. Das ist ein Trugschluss, der uns sehr in die Irre führen kann und viele sinnlose Bemühungen nach sich zieht. Kaum etwas ist so aussichtslos und kräftezehrend wie der ständige Huzzle um Anerkennung für das Tun. Stattdessen sollten wir uns wünschen, für unser So-Sein wertgeschätzt zu werden. Sonst kann man uns durch Lob und Tadel beliebig lenken und für Zwecke einspannen, die wir sonst gar nicht unterstützen würden.

Das Thema begegnet mir immer wieder in der Sprechstunde. Daher will ich hier mit eine paar weit verbreiteten Missverständnissen aufräumen. Das Schwierigste zuerst: Wir haben keinen Anspruch auf Anerkennung. Wie sollten wir auch? Manche Menschen liegen auf einer derart abweichenden Wellenlänge zu der eigenen, dass wir nicht erwarten können, sie mögen uns erkennen geschweige denn anerkennen. Das hat viel mit der Unterschiedlichkeit von Eigenschaften und Fähigkeiten zu tun, aber auch mit verschiedenen Erfahrungen, Glaubensätzen und Wertesystemen.

Mit einem ausführlichen Beispiel aus meiner eigenen Biografie will ich Ihnen verdeutlichen, wie viel Leid falsche Vorstellungen von Anerkennung hervorbringen und welche andere Haltung hilfreich sein kann.

Autobiografisches Fallbeispiel

Als junge Frau war ich nach meiner kaufmännischen Ausbildung in einem großen Konzern als Sekretärin des Vertriebsleiters gelandet. Was nach einem perfekten Einstieg ins Berufsleben für eine 21-Jährige klang, entpuppte sich als Einöde. Ich langweilte mich zu Tode. Der Chef war selten da. Außer ein paar routinemäßigen Statistiken, die ich für ihn auswertete, und dem Sammeln von Telefonnotizen hatte ich kaum etwas zu tun.

Den anderen Damen auf der Geschäftsleitungsetage schien die Ereignislosigkeit ihres Arbeitstags nichts auszumachen. Die meiste Zeit gingen sie ihren Hobbys oder Zweitberufen nach, hielten Schwätzchen und lackierten sich die Nägel. Ihre Haupttätigkeit war das Buchen, Stornieren und Umorganisieren der zahlreichen Dienstreisen ihrer Vorgesetzten sowie das Sortieren von Korrespondenz und Ablage. Wenn der Boss dann doch einmal vor Ort war, schwangen sie emsig den Telefonhörer und zitierten Abteilungsleiter und Stabsstellen-Chefs herbei. Mit ihrer (Un-)Tätigkeit verdienten sie aus meiner damaligen Sicht ein Vermögen. Dieser “Traumjob” war nichts für mich. Ich war jung und energiegeladen und brannte darauf, meinen Tag mit einer sinnvollen Beschäftigung auszufüllen.

Meine Zeit füllte ich mit einer berufsbegleitenden Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und hielt die Augen nach einer Wechselmöglichkeit offen. Nach einem Jahr fand ich eine Stelle als Direktionsassistentin in einem aufstrebenden Großunternehmen der IT-Branche mit internationalen Verbindungen. Der Chef war mir sympathisch, die Aufgaben waren wesentlich breiter gefächert und das Umfeld mit einem jungen engagierten Team wirkte deutlich lebendiger. Die Produktpalette bestand aus Homecomputern zum Discount-Preis. Unser gemeinsames Ziel war es, den technischen Fortschritt der 1990er Jahre für jedermann zugänglich zu machen. Damals schien uns das eine gute Idee zu sein. Gleichzeitig machte ich einen Gehaltssprung von 30 % und weiteren 10 % nach der Probezeit. Ich hatte allen Grund zu frohlocken.

Als ich meine überschäumende Freude mit meiner Familie teilen wollte, erlebte ich eine Überraschung: Statt mir begeistert zu dem Karriereschritt zu gratulieren, bekam ich mit entrüstetem Tonfall zu hören „Das hat es in unserer Familie noch nie gegeben, dass jemand den sicheren Arbeitsplatz in einem Konzern aufgibt!“ Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Anerkennung und Mitgefühl hätte ich mir gewünscht. Unverständnis und Verurteilung habe ich geerntet.

Zwar habe ich zwischenzeitlich verstanden, auf welchen Werten und Erfahrungen dieser Kommentar beruhte. Ich ziehe sogar in Betracht, dass eine gute Absicht vorhanden war. Verletzt hat der Ausspruch mich damals als junge Frau trotzdem und war lange prägend für meine eigene Bewertung meines beruflichen Tuns. Stets befand ich mich in einem Zwiespalt zwischen meinen eigenen Bedürfnissen und den (ausgesprochenen und unterschwelligen) Erwartungen aus dem Elternhaus.

Falsche Erwartungen werden enttäuscht

Die Erzählung ist wie eine Miniatur dessen, was Menschen allenthalben erleben, wenn sie mit der Erwartung von Anerkennung auf andere zugehen: Sie werden enttäuscht. Natürlich nicht immer. Es hängt von der gemeinsamen Wellenlänge, dem daraus entstehenden Verständnis und dem Maß an Mitgefühl ab, das jemand zu entwickeln in der Lage ist.

Die Enttäuschung ist zwangsläufig, wenn der andere uns nicht (er-)kennt , wenn er sich für unsere Sichtweise nicht interessiert oder für unseren Blickwinkel nicht offen ist, wenn er sein Weltbild und Wertesystem für das einzig richtige hält und wenn er außerdem kein Mitgefühl für unser Freude empfindet – das geht nämlich auch unabhängig vom Verständnis für die abweichende Position.

Mein berufliches Bestreben zielte nicht auf Sicherheit und möglichst lange Betriebszugehörigkeit, sondern auf Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung. Das hätte ich seinerzeit noch nicht so klar ausdrücken können. Ich merkte nur, dass ich in den unpassenden Situationen einfach nicht verweilen konnte. Ich wusste, dass ich noch etwas anderes wollte, auch wenn ich gar nicht genau sagen konnte, was das sein würde.

Auch der Folgejob hat mich nur kurz erfüllt. Rasch war ich darüber hinaus gewachsen und brauchte neue Tätigkeitsfelder, die ich zunächst als Personalreferentin, später als Projektmanagerin und letztlich in der Selbstständigkeit fand, wo sich meine Arbeit und mein Bewusstseinsstand parallel weiterentwickeln konnten. Die Entwicklung an sich ist für mich entscheidend. Umfelder, die mein inneres Wachstum behindern, dienen mir nicht. Und mehr als das: Ich halte sie nicht aus, ohne krank zu werden.

Dieses So-sein wurde nicht wahrgenommen. Dafür kann ich niemanden anklagen. Wenn jemand eine Rot-Grün-Schwäche hat, sieht er diese Farben einfach nicht. Lebenskonzepte sind wie Schwingungsmuster, für die der eine ein waches Auge hat und der andere gar keinen Blick. Oder er missdeutet sie.

Was also hätte jemand anerkennen können?

Im Idealfall hätte er mich als einzigartiges Wesen gesehen, das einen ganz eigenen Weg einschlagen wird, bei dem es sich individuell entwickeln darf. Das ist natürlich viel verlangt.

Weil der Schritt für mich mit Angst verbunden war, die ich überwunden habe, hätte ich mir gewünscht, dass jemand meinen Mut bewundert, aus der sicheren Position heraus freiwillig ins kalte Wasser einer neuen Stelle zu springen – mit all den Unsicherheiten, die ein solcher Schritt mit sich bringt. Aus einem hierarchischen Weltbild heraus hätte er stolz sein können, dass ausgerechnet ich unter den vielen Kandidatinnen ausgewählt wurde, um diese wichtige Funktion für den Vorstandsvorsitzenden auszufüllen. Er hätte sich aus seinem Wertesystem heraus an meinem Fleiß erfreuen können, der es mir unmöglich machte, in dem lauen Job weiterhin vor mich hinzudümpeln.

Stattdessen hielt er mich in meinem jugendlichen Leichtsinn für unfähig, die Chance zu erkennen, die mir das Leben bot. Für vermessen zu denken, ich könne noch etwas Besseres haben oder sein. Und für undankbar. Das war das Schlimmste.

Seine Sichtweise scheint auf den ersten Blick etwas Wohlwollendes und vielleicht sogar Beschützendes haben zu können. Auf den zweiten scheint es mir an meinem eigentlichen Sosein vollkommen vorbei gesehen. Ja, mein Sosein wurde sogar um 180 Grad verdreht. Gerade WEIL ich die Chance erkannte, die mir das Leben bot, ergriff ich diese Gelegenheit. Dort machte ich viele wertvolle Erfahrungen, von denen ich heute noch gerne erzähle. Die Zeit hat mich menschlich und fachlich sehr bereichert. Und dafür bin ich dankbar. Seither habe ich mich immer weiterentwickelt. Dadurch waren meine beruflichen Aufgaben und Umfelder auch im steten Wandel. Mir geht es nicht darum, etwas Besseres zu haben oder zu sein, sondern den für mich passende Platz im (Berufs-)Leben zu finden. Und da bin ich jetzt.

Hätte ich mit aller Konsequenz um die Anerkennung dieser Person gerungen, hätte ich Physik studiert und mich beim Max-Planck-Institut für Kernforschung beworben. Was dann wohl aus mir geworden wäre? Eine mittelmäßige Wissenschaftlerin in einem frustrierenden Job. Wir werden nicht gut in dem, was uns nicht entspricht. Nur wenn wir unser Selbst in die Welt bringen, entfalten sich unsere einzigartigen Gaben und Talente zu etwas ganz besonderem.

Angenommen, die Qualität, mit der ich diese Position ausfülle, wäre dem Erwartungsanträger egal: Wie wäre es mir mit seinem Lob, seinem Stolz und seiner Wertschätzung wohl ergangen?

Wir stellen uns die Anerkennung immer so labend vor wie einen Zaubertrunk, ein Elixier, nach dem wir so lange gedürstet haben. Vermutlich wären die meisten von uns sehr enttäuscht von dem Resultat der Bemühungen in einem Fall wie oben beschrieben. Anerkennung für das, was uns nicht entspricht, berührt uns nicht, weil sie uns als Mensch gar nicht meint, sondern nur etwas, das wir vorgeben zu sein.

Das ist also auch keine Lösung.

Ein hoffnungsfroher Weg, wahrhaftige Wertschätzung zu erfahren, liegt darin, unser wahres Wesen zu leben. Wer uns darin anerkennt und erkennt, kennt uns wirklich. Seine Resonanz erquickt unser Herz, weil sie aufrichtig ist. Ja, wir sind gemeint, nicht irgendetwas, das wir getan haben, sondern unsere ureigene Art.

Ein guter erster Schritt ist es, dass wir uns selbst erkennen, unser wahres Wesen hinter all den Persönlichkeitsmerkmalen suchen, dessen Kern sich wie ein ganz bestimmter Unterton, eine Art definiertes Grundrauschen durch unsere komplette Existenz zieht. Daraus erfolgt die Anerkennung.

Ironischerweise ist die Kernforschung genau mein Metier geworden, aber anders als gedacht: Ich forsche nach dem Wesenskern von Menschen, zuvorderst natürlich nach meinem eigenen. Und genau das empfehle ich Ihnen auch.

Praktische Tipps

Sie dürfen mit einer leichten Aufgabe einsteigen: Finden Sie heraus, welche Ihrer starken Eigenarten Sie mögen und schreiben Sie sie auf. Spenden Sie sich selbst Anerkennung. Schicken Sie den kleinen Richter in Urlaub, den Sie in Ihrem Rucksack umhertragen, wenn er Ihnen mit dem Aufzählen von Ausnahmen auf den Zeiger geht und Ihnen vorwerfen will, dass Sie nicht perfekt sind. Schreiben Sie auf Ihre Anerkennungsliste, wenn Sie wollen: „Ich bin seit 52 Jahren nicht vollkommen und komme damit klar.“ Das nimmt den Druck raus.

Den inneren Perfektionisten können wir manchmal mit einer Skala überlisten. Statt sich zu fragen „Bin ich eher aufgeschlossen oder eher verbohrt?“ Könnten wir fragen „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie aufgeschlossen bin ich?“ Die Welt ist nicht nur schwarz-weiß.

Das Anerkennen des eigenen Selbst strahlt in die Welt und hat gleich eine ganze Reihe erfreulicher Folgen:

    • Wenn wir uns selbst anerkennen, verbiegen wir uns nicht mehr so sehr, um anderen zu gefallen, deren Anerkennung für das Ergebnis des Verbiegens uns ohnehin nicht dient.
    • Durch das Mehr an Authentizität geben wir uns Gelegenheit, Anerkennung von jenen, zu erhalten, die unser eigentliches So-Sein wertschätzen.
    • Niemand fühlt sich mehr unter Druck, uns Anerkennung zollen zu müssen, weil wir uns dieses Bedürfnis ja selbst erfüllen. Folglich erhalten wir nur noch aufrichtige Komplimente und echte Wertschätzung.
    • Wenn wir unser Wesen wahrhaftig in die Welt stellen, spart uns das viel Energie fürs Verbiegen. Unsere Aufmerksamkeit können wir anderen Dingen zuwenden.
    • Unser Blick für den Wesenskern wird geschärft, so dass wir auch bei anderen besser erkennen, wie sie im Grunde sind.
    • Ohne Stress können wir Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen uns und anderen bemerken und uns an ihnen erfreuen. Der ewige Konkurrenzkampf hört auf.

Verabschieden Sie sich ganz bewusst von dem Anspruch, es allen recht machen zu wollen. Lassen Sie ihr kindliches Bemühen los, Liebe durch Leistung erzwingen zu müssen. Die traurige Wahrheit ist: Solche “Liebe” ist keine. Diese Einsicht bedeutet den Verzicht auf Anerkennung.

Unterstützende Bewusstseinsübungen

Sprechen Sie den Satz für sich im stillen Kämmerlein, aber im Geiste an eine bestimmte Gruppe oder Person gerichtet aus „Ich verzichte bewusst auf Eure/Deine Anerkennung“. Üben Sie diesen Satz täglich bis er in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Bei Bedarf unterstützen Sie den Prozess durch ein Loslass-Ritual, eine Familienaufstellung oder ein naturheilkundliches Medikament. Die Bachblüte Larch beispielsweise stärkt das Selbstvertrauen. Man kann auch nach einem homöopathischen Konstitutionsmittel Ausschau halten. Und bestimmt gibt es noch viele andere Unterstützungen, die Sie für sich finden können.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie schon bald die befreiende Wirkung Ihres neuen Umgangs mit Ihrem Bedürfnis nach Anerkennung spüren werden.

Text: Petra Weiß
Foto: Patti1902 / PIXELIO

Danke schön

Herzlichen Dank an alle Leser, die meine freiberufliche Tätigkeit durch einen Energieausgleich würdigen. Ich liebe die Arbeit an Texten. Mir macht es Freude, mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen zu teilen. Gleichzeitig habe auch ich alltägliche Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf und etwas Sojasahne im Kühlschrank. Daher bitte ich Sie, freiwillig einen angemessenen Energieausgleich zu leisten:

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

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Die wandelnde Litfaßsäule

Heilpraktiker Weinheim Psychotherapie Praxis Lichtblick

Bei meiner Beschäftigung mit Mode ist mir schon früher aufgefallen, dass es einen Trend gibt, Menschen in Reklametafeln zu verwandeln. Manchmal dezent, manchmal übergroß prangt an ihren Kleidern das Logo des Herstellers.

Warum laufen wir freiwillig Werbung für einen Designer oder sein Unternehmen – und zahlen dafür auch noch Geld? Wie trägt diese Angewohnheit zum Schaffen falscher Identitäten bei? Und warum ist das für uns als Gesellschaft eine ungute Entwicklung? Das Phänomen beleuchte ich heute aus sozial-psychologischer Sicht.

„Kleider machen Leute“. Das Sprichwort verdeutlicht, dass unsere äußere Hülle entscheidend dazu beiträgt, wie wir von unseren Mitmenschen wahrgenommen werden. Gemeint ist in diesem Fall die Zuordnung zu einer gesellschaftlichen Schicht. Traditionell gab es bestimmte Materialien, die sich nur wohlhabende Menschen leisten konnten. Knöpfe aus Metall oder Perlmutt kennzeichnen beispielsweise von alters her hochwertige Kleidungsstücke. Als „feines Tuch“ bezeichnete man edle Stoffe. Felle und Häute wurden einst zu Lederwaren oder wärmenden Pelzbesätzen und Mänteln verarbeitet, je seltener und exotischer das Tier desto luxuriöser. Die hohe Schneiderkunst zeigte sich in einer makellosen Verarbeitung und in einer perfekten Passform. All diese Merkmale ließen erahnen, wie kostspielig ein Kleidungsstück war.

Noch immer dient die Bekleidung als Hinweis, welcher „Kaste“ jemand angehört – doch ganz anders als früher. Durch die überwiegend maschinelle Verarbeitung und den Einsatz von Kunstfasern und Kunststoffen ist nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar, in welcher Preisklasse sich ein Hemd oder eine Jacke bewegt. Risse und Löcher gelten heutzutage nicht mehr als kaputt, sondern als modisches Dekor. Aus dem mängelfreien Zustand einer Freizeithose oder Jeansjacke lässt sich also nicht mehr ableiten, wie gut das Ausgangsmaterial war und ob die Verarbeitung einwandfrei gewesen ist. Am ehesten bei Schuhen sehen wir durch die Veränderung der Oberfläche mit der Zeit, ob das Material und die Konstruktion formstabil sind oder nicht.

Wer Wert darauf legt, als modebewusster Besserverdiener eingestuft zu werden, wird zu aller erst in sein Schuhwerk investieren, als zweites in einen erstklassigen Mantel und danach in die Handwerkskunst eines Schneiders, der jedes neue Teil bei Bedarf den individuellen Körperproportionen anpasst. Das geübte Auge erkennt die Qualität beim aufmerksamen Betrachten der Details.

Entwicklungen hin zur Markenspießerei

Alternativ zeigt man den gesellschaftlichen Status durch das Zurschaustellen hochpreisige Markenbekleidung und -accessoires.

Schon in den 1980er Jahren wurde es modern, Marken zu tragen, die auf den ersten Blick als solche erkennbar waren. In meiner Generation träumte man als Jugendlicher von knöchelhohen Turnschuhen mit drei Streifen. Je nach Neigung wollte man sich elegant zeigen (Popper) oder rockig (Punk) oder avantgardistisch (Waver). Und für jede modische Ausrichtung gab es bevorzugte Hersteller. Wer sich auskannte, sah an einer kleinen Kennzeichnung, woher das Teil entstammte und konnte damit auch den gesellschaftlichen Status des Trägers bestimmen.

In den 1990ern tauchten dann zuerst Lederwaren auf, die über und über mit einem Logo bedruckt waren. Handtaschen und Portemonnaies mit zentimetergroßen Buchstaben übersät kann eigentlich niemand als schön empfinden. Aber sie wurden gekauft. Warum? Jedem Modekundigen war sofort klar: Das Teil war sündhaft teuer gewesen. Und genau darum ging es.

Nach der Jahrhundertwende prangten überall unübersehbar Logos auf Textilien und Accessoires, gestickt, bedruckt oder in Form von Schnallen und anderen „dekorativen“ Elementen. Mit dem Hersteller verband man nicht nur eine bestimmte Preisklasse, sondern ein Image: cool, verführerisch, entspannt, sportlich, naturbezogen, aufs Wesentliche reduziert und so weiter und so fort.

Vom Produktvorteil zum Wunsch-Image

Die Öffentlichkeitsarbeit im Marketing der Modekonzerne lief auf Hochtouren. Nicht mehr die Schönheit, Funktionalität oder Langlebigkeit eines Kleidungsstücks stand im Mittelpunkt, sondern wie sich ihr Träger damit fühlen sollte. Hier begann die Manipulation der Käufer in einer neuen Dimension Raum zu greifen.

Man lockte die Aufmerksamkeit bei der Kaufentscheidung schon seit den 1950er Jahren gezielt weg vom Produkt und hin zu emotionalen Bedürfnissen. Durch den Logo-Wahn seit den 2000er Jahren war für jedermann sofort ersichtlich, welche Werte seinem Gegenüber wichtig waren. Durch den Erwerb eines T-Shirts oder einer Hose hatte man nicht nur ein Kleidungsstück mehr, sondern man gehörte zu einer bestimmten Gruppe.

Diese Gruppenzugehörigkeit wurde durch die Verknüpfung mit den Werten aus dem Image der Marke und dem eigenen Bekleidungsstück ein Teil der Identität. Solche Ersatz-Identitäten sind weit verbreitet und gefährlich. Wir verlieren den Blick auf unser Wesentliches, während wir uns auf das Gruppen-Image konzentrieren. Was zu dem Kollektiv nicht passt, wird unterdrückt, um die Zugehörigkeit nicht zu riskieren. So bremst man den eigenen Bewusstseinsprozess und macht sich abhängig.Schlimmstenfalls bleiben wir bei einem Mentalisierungsgrad stecken, der unsere gesunde und altersgemäße Idividualisierung verunmöglicht.

Ersatz-Identitäten schaffen rivalisierende oder gar feindliche Lager. Es entsteht immer eine Wir-und-Die Abgrenzung gegenüber Außenstehenden. Wenn diese Spaltung auch noch emotional aufgeladen ist, wird der Grundstein für tiefe Risse in der Gesellschaft gelegt.

Mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein der Käufer wuchs deren Ansprechbarkeit für Verkaufsargumente jenseits von Preis und Qualität. Immer öfter wurden die Käufer als Wertegemeinschaft definiert, deren Ansprüche an Politcal Correctness erst gefördert und dann bedient wurden. Der Ersatz-Identität des Käufers einer bestimmten Marke wurde nun auch noch ein moralischer Aspekt hinzugefügt. Dieser Kunstgriff macht das Verkaufskonzept zum Selbstläufer, weil es auf einer verlässlichen psychologischen Dynamik fußt. Die Erkenntnisse der psychologischen Forschung wurden zur Verkaufsförderung missbraucht.

Dabei machen sich die Verkaufsstrategen etwas sehr Ursprüngliches zunutze: Ein guter Mensch sein zu wollen, gehört zu unserer Grundausstattung. Daher verkauften erst Umweltschutz, dann Fairtrade und letztlich Nachhaltigkeit besonders gut. Mit der Ausrichtung des Bewusstseins auf Produktionsbedingungen im Ausland wurde es zum Politikum, welche Marken man trug. Niemand will, dass für seinen Wohlstand in fremden Ländern Arbeiter ausgebeutet werden – obwohl genau das mindestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts auf der ganzen Welt geschieht.

Die “Spin Doctors” der öffentlichen Meinung mussten dafür sorgen, dass der lukrative Mode-Kolonialismus nicht dem wachsenden Bewusstsein für internationale Gerechtigkeit und den sich rasant verbreitenden technischen Möglichkeiten des Einblicks in fremde Kulturkreise zum Opfer fiel. Natürlich lag niemandem daran, die Produktion zu verteuern, gleichzeitig konnten sich weder die Hersteller noch deren Konsumenten das Image des Ausbeuters mehr leisten. Was sollte man also tun?

Der Trick mit den Zertifikaten

Wie in vielen anderen Konsumbereichen richteten Interessengemeinschaften Zertifizierungen ein, damit der Käufer mit gutem Gewissen Geld ausgibt. Jemand hat für ihn geprüft, ob in Indien Kinder gearbeitet haben oder ob die Familie in Vietnam angemessen entlohnt wurde, ob die Arbeiterinnen in Bangladesch unter menschenwürdigen Bedingungen genäht haben und so weiter. Möglicherweise sind einige dieser Zertifikate aussagekräftig und verlässlich. Das schließe ich nicht aus. Darauf wetten würde ich nicht.

Haben Sie jemals recherchiert, wie die Zertifizierungen zustande kommen, wer die Geldgeber der angeblich unabhängigen Institutionen sind und nach welchen Kriterien die Zertifikate vergeben werden? Ich will nicht in Abrede stellen, dass reinherzige Mitarbeiter an solchen Projekten beteiligt sind, denen es aufrichtig um das Wohl der Allgemeinheit oder um mehr Gerechtigkeit in der Welt geht. Aber es würde mich sehr wundern, wenn ausgerechnet in der Modebranche keine skrupellosen Geschäftemacher vor allem auf ihr eigenes Wohl bedacht sind und andere für ihre Zwecke missbrauchen. Wer weiß das schon?

Es gibt Journalisten, die undercover in den Billiglohnländern ermittelt haben, wie es sich mit den vollmundigen Versprechen der Modehersteller und mit der Rechtmäßigkeit von Zertifikaten in Wirklichkeit verhält. Ihre Beiträge verblassen weitgehend unbeachtet. Wir wollen es einfach nicht wissen, wenn wir andere ausbeuten, damit wir Geld sparen und uns etwas Schönes kaufen können.

Mal ganz ehrlich: Wie soll es denn fair sein, dass ein Produkt auf einem anderen Kontinent hergestellt, um die halbe Welt geschippert und hier noch billig oder zu einem bezahlbaren Preis angeboten werden kann? Das sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass hier Augenwischerei in Sachen Gerechtigkeit betrieben wird.

Doch ein wohlklingendes Prädikat reicht für die meisten von uns. Damit besänftigen wir unsere Gewissensbisse, wenn wir billig im Ausland Produziertes preisgünstig – oder noch schlimmer wie bei einigen Designer-Marken – teuer kaufen und präsentieren uns der Welt als Gutmenschen.

Ideologie trifft Realität

Ich persönlich glaube nicht, dass wir in der Lage sind, alle ethischen Gesichtspunkte der von uns erworbenen Produkte wirklich beurteilen zu können. Klar, wenn man selbst Zeit, Geld und Energie in Recherchen vor Ort investieren kann, geht man den Dingen auf den Grund. Die meisten von uns haben allerdings andere Hobbys.

Wir können nicht wissen, was wirklich in Indien, China und Bangladesch geschieht. Und mit dieser Ungewissheit müssen wir leben, wenn wir Produkte aus fernen Ländern kaufen. Das nimmt uns auch das bezahlte Expertengremium nicht ab.

Zurück zu den psychologischen Folgen der Gruppenzugehörigkeit: Mode als Heilsbringer der internationalen Gerechtigkeit zu betrachten, spaltet die Menschen in gute und schlechte. Darauf will ich mit meinen Ausführungen hinaus.

Wer nachhaltig kauft ist gut, die anderen sind ignorante Egoisten. Dieser Moralismus fühlt sich für die Guten gut an. Sie können sich erhaben fühlen, moralisch überlegen und auf die anderen herabblicken. Für dieses Gefühl geben sie ihr Geld aus. Ja, möglicherweise denken Sie sogar, mit ihrem Konsum ein gutes Werk an einer armen Familie am anderen Ende der Welt getan zu haben. Dann ist der Kauf vom Erfüllen eines persönlichen Bedarfs zu einem großherzigen Akt der Nächstenliebe mutiert.

Wir werden ausgenommen und fühlen uns gut dabei. Das ist die hohe Kunst der Manipulation. Sie müssen sich nicht schämen, wenn Sie dieser süßen Verführung schon einmal erlegen sind. Aber sie zu erkennen und sich der Versuchung bewusst zu werden ist notwendig, um den inneren und äußeren Moralisten das Handwerk zu legen.

Folgen für den Einzelnen und für die Gesellschaft

Kaufentscheidungen in moralische oder amoralische Handlungen zu unterteilen, misst ihnen eine Bedeutung bei, der im Alltag niemand gerecht werden kann. Es ist nahezu unmöglich, im Sinne dieser überzogenen Ansprüche alles richtig zu machen. Folglich haben wir ganz sicher in irgendeinem Beschluss eines der neuen „10 Geboten der Moral-Religion“ mit dem Namen „Political Correctness“ verletzt.

Wir laufen mit noch mehr schlechtem Gewissen umher als ohnehin schon. Immerzu müssen wir uns schuldig fühlen: die Erbschuld, die Kollektivschuld, die Sippenschuld, die individuelle Schuld. Gerade in Deutschland leben wir mit einem Schuldkult, den wir von frühester Jugend an eingeredet bekommen. Und da diese eingeimpften Schuldgefühle nicht aufgrund einer tatsächlichen Schuld entstanden sind, können wir uns davon auch nicht befreien, indem wir uns mit unseren Taten selbstkritisch auseinandersetzen, für unser Handeln Verantwortung übernehmen, für unsere Beweggründe und Absichten Verständnis entwickeln und uns letztlich auf diesem Weg selbst vergeben.

Wir bleiben auf Vergebung von außen angewiesen. Und die ist wie schon in grauer Vorzeit käuflich. Mich erinnert das Ganze an die guten alten Ablasszahlungen an die katholischen Kirche. Die Institution legt die Regeln fest, an die sich kaum ein Mensch mit normalen Bedürfnissen ständig halten kann, produziert auf diese Weise „Sünder“, um sie dann zu bestrafen und daraus Gewinn zu erzielen.

Sie zahlen etwas, um Ihr Gewissen zu beruhigen. Das ist der ganze Schwindel. Niemand kann Ihr Gewissen be- oder entlasten außer Sie selbst. Sie sind die einzige Instanz in Ihrem Leben, die für Ihre tatsächliche Schuld Sühne übt oder sich vergibt. Kein Gott, keine Kirche und erst recht nicht irgendeine Zertifizierungseinrichtung hat die Macht, über Ihr Gewissen zu bestimmen. Machen Sie sich frei von solchen verdrehten Vorstellungen. Entmachten Sie die scheinheiligen Wächter über die Moral und finden Sie Ihre eigenen Maßstäbe und Wertvorstellungen. Und dann handeln Sie danach.

Wenn Sie das Prinzip einmal verstanden haben, ist der Manipulationszauber vorbei. Dann sind Sie immun gegen die Sucht, sich von eingeredeten Schuldgefühlen reinwaschen zu müssen, sich als Gutmensch darstellen zu wollen, um nur ja kein schlechter Mensch zu sein. Sie müssen auch nicht mehr Ihre Mitmenschen in solche Kategorien einsortieren und dadurch eine unnötige Spaltung zwischen Weißwestenträgern und Sündern unterstützen.

Eine gesunde Haltung finden

Wir alle haben schon einmal etwas falsch oder nicht perfekt richtig gemacht. Genau genommen passiert das jeden Tag bei den meisten von uns. Und das dürfen wir. Es gehört zu unserem ganz normalen Leben als Mensch dazu. Wir machen Erfahrungen und lernen daraus.

Lassen Sie sich nicht anderer Leute Schuld aufbrummen, damit findige Geschäftemacher Ihnen Ihr gutes Geld abknöpfen können. Eine kleine Machtelite beutet den ganzen Planeten aus, und zwar schon seit sehr langer Zeit. Dafür sind Sie nicht verantwortlich. Lassen Sie sich bloß nicht erzählen, Sie müssten deren Verfehlungen ausgleichen, während gedeckt durch diese (Un-)Logik der ganze Kolonialismus einfach weitergeht.

Ich widerstehe hier dem Impuls, Ihnen Tipps zu geben, wie Sie es „richtig“ machen können. Sie werden selbst darauf kommen. Mir ist es wichtig, dass Sie Ihr schlechtes Gewissen verlieren, das man Ihnen Tag für Tag absichtlich aufdrückt. Übernehmen Sie stattdessen die Verantwortung für Ihre eigenen Taten und unterlassenen Handlungen. Das ist für die Mehrzahl der Menschen schon genug.

Mein Wunsch wäre, dass Sie dann sehen, wo Sie in Wort und Tat in Ihrem Umfeld nachvollziehbar und direkt etwas Gutes tun können. Ohne, dass man Ihnen einen Orden in Form eines bestimmten Modelabels dafür an die Brust heftet. Vielleicht sogar gänzlich unbemerkt von der Welt. Einfach so.

Text: Petra Weiß
Foto: Bärbel Gast / PIXELIO

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

Nach dem Betrug

Schriftsteller, Texter, Editor, Bewusstsein

Viele von uns haben dienstlich oder privat schon einmal einen Betrug miterlebt: Menschen gehen manchmal fremd, 10 % der eingetragenen Vaterschaften entsprechen nicht den Tatsachen, Steuern werden hinterzogen, Versicherungsbetrug ist ein Volkssport, Gebrauchtwagen und Häuser werden unter falschen Vorzeichen verkauft und so weiter.

Häufig bleibt die Tat unentdeckt. Wenn sie aber ans Tageslicht kommt, ist das Vertrauen gebrochen. Es braucht Zeit und anderes, um die Beziehung zu retten. Manchmal ist das auch nicht möglich. Schauen wir uns an, wie es nach dem Betrug weitergehen kann.

Warum Betrug unsichtbar bleibt

Betrug entsteht nur durch ein getarntes Verbrechen. Durch Lügen und Verschleierung der wahren Umstände wird die Tat vor Entdeckung abgeschirmt. Der Betrogene wurde also erfolgreich hinters Licht geführt, sonst kommt es gar nicht erst zum Betrug.

Wenn also ein Betrug enden soll, muss entweder der Täter den Vorgang aufdecken oder das Opfer muss sich der Tat bewusst werden. Selten wird der Täter freiwillig damit herausrücken, was er verbrochen hat. Das leuchtet ein. Warum aber sehen wir als Betroffene einen Betrug einfach nicht, während er unbeteiligten Beobachtern direkt ins Gesicht springt?

In unserem Unterbewusstsein haben wir eine ganze Reihe von Schutzvorrichtungen, die das verhindern. Allen voran das Ego, welches bei allen von uns mit unterschiedlicher Gewichtung auch narzisstische Anteile aufweist. Sie sorgen dafür, dass unser Selbstbild nicht unter der Last einer unliebsamen Erkenntnis über die eigene Unzulänglichkeit zusammenbricht.

Müssen wir uns eingestehen, betrogen worden zu sein, kommen zu dem entstandenen Schaden durch das Verbrechen noch die Verletzung durch die Lüge und die Scham, das Treiben nicht (früher) durchschaut zu haben. Und manchmal schlimmer noch: die eigenen Bedenken oder die Hinweise von wohlmeinenden Dritten in den Wind geschlagen zu haben. Ja, möglicherweise hat man die Hinweisgeber sogar beschimpft oder verhöhnt und sich dadurch genau an denen schuldig gemacht, die es gut gemeint haben. Solches Unrecht lastet schwer auf dem Gewissen.

Aus diesen Gründen ist das Eingeständnis eines Betrugs für das Opfer harter Tobak. Die Profis unter den Tätern wissen das genau und auch Hobby-Betrüger spüren instinktiv, dass sie dadurch geschützt sind. Sie surfen gewissermaßen im Windschatten von unbewussten Psychodynamiken und seelischen Bewältigungsstrategien. Psychologisches Wissen gegen die Menschen zu benutzen, ist zwar verwerflich, aber effektiv.

Gnädig sein und kühlen Kopf bewahren

Kommt der Betrug endlich auf den Tisch, ist es dringend geboten, Gnade walten zu lassen – zunächst mit sich selbst:

Als ehrenwerter Bürger sind Sie einem professionellen Trickbetrüger einfach nicht gewachsen. Genauso wenig durchblicken Sie als aufrechter Mensch die Nebel eines notorischen Lügners. Und hat Sie jemand nur ausnahmsweise angeschwindelt, muss sein Leidensdruck so groß gewesen sein, dass er reichlich Motivation hatte, sein Geheimnis sorgsam zu bewahren. All dem stand nichts entgegen außer Ihre Gutgläubigkeit. Darüber müssen Sie sich nicht grämen. Das spricht für Sie und Ihr bisher scheinbar recht betrugsfrei verlaufenes Leben. Glückwunsch! In Zukunft können Sie vorsichtiger sein.

Aus therapeutischer Sicht ist es wertvoll, sich vor Augen zu führen, an welcher Stelle es Hinweise gegeben hat, auch dann und gerade wenn Sie sie nicht weiter beachtet haben. Hinweise gab es fast immer. Vielleicht erinnern Sie sich an die konkrete Situation. Wie ist es Ihnen damals ergangen? Wie haben Sie sich gefühlt? Welche Gedanken und Vermutungen kamen in Ihnen hoch? Wie haben Sie sich beruhigt? Blieb dennoch ein Störgefühl bestehen? Spüren Sie jetzt eine körperliche Reaktion, während Sie über diese Fragen nachdenken? Nehmen Sie diese als Marker.

Im nächsten Schritt werden Sie sich darüber klar, warum Sie die inneren Einwände oder Warnungen von außen vom Tisch gewischt haben. Hier liegt ein Schatz für Ihre Persönlichkeitsentwicklung verborgen. Statt sich in Selbstmitleid zu wälzen oder in Schuldgefühlen zu vergehen, können Sie an dieser Stelle etwas Sinnvolles für Ihren Bewusstseinsprozess tun. Wenn Sie das Warum verstanden haben, sind Sie für künftige Honigtöpfe dieser Art nicht so empfänglich.

Indem Sie Ihren Anteil am Geschehen sehen, kommen Sie aus der passiven Opferhaltung heraus. „Ja, ich habe mich verführen lassen, weil….“ ist kraftvoller als das Mimimi: „So etwas passiert immer nur mir.“

Belastete Beziehungen kitten – zu sich und zu anderen

Außerdem können Sie sich mit den Früchten Ihrer Selbsterkenntnis den verprellten Helfern erklären, um die Beziehung zu retten, falls das Ihr Wunsch ist. Haben Sie keine Angst: Menschen haben mehr Verständnis und Mitgefühl als man denkt – sogar für diejenigen, die weniger davon haben. Trauen Sie sich, den ersten Schritt zu machen. Was haben Sie schon zu verlieren?!

Ihre Erkenntnisse dürfen Zeit brauchen. Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck. Die Situation ist für Sie schon schwer genug. Ihr Selbstbild ist in Gefahr. Machen Sie sich bewusst, dass nur die Illusion, die Sie von sich hatten, zerbricht, nicht aber Ihr wahres Selbst. Dieses ist „unkaputtbar“, Ihr Wesenskern bleibt in seiner Reinheit unberührt von all den Höhen und Tiefen Ihrer Erlebnisse in der 3D-Welt. Sie werden diese Krise überstehen, so wie Sie schon viele andere heikle Situationen überlebt haben. Und bestenfalls werden Sie gestärkt daraus hervorgehen.

Wenn später bei einem neuen Verdacht, Ihr frisch eingerichteter Betrugsalarm anspringt, fragen Sie sich, was die Übereinstimmungen mit der vorherigen Situation sind und was die Unterschiede. Prüfen Sie vor allem, ob jemand mit einem altbekannten Lockmittel winkt. Je besser Sie Ihre üblichen Verführungen erkennen, desto leichter können Sie ihnen widerstehen. Und auch dann wird es noch anstrengend, sich abzugrenzen.

Verlockungen erkennen und widerstehen

Meist lockt man uns mit einem emotionalen Versprechen, das von dem angebotenen Umstand oder Ding ohnehin nicht erfüllt werden kann. Finden Sie heraus, welche Ihre unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte sind. Fangen Sie damit an, sich Ihre berechtigten Bedürfnisse selbst zu erfüllen oder gezielt nach der Erfüllung echter Bedürfnisse zu suchen, nicht nach einem billigen Ersatz.

Kompensation mündet immer in Gier, weil das eigentliche Begehren ja nicht gestillt wird. Wenn man nicht einsieht, dass der Weg falsch ist, will man immer mehr und mehr und mehr – und wird nicht satt. Machen Sie sich das bewusst. Es kann schmerzhaft sein, den Verlust anzuerkennen, wenn wir etwas Wichtiges entbehren müssen, das uns als Menschen eigentlich zusteht, z.B. Freundschaft oder Fülle.

Das kann eine gute Gelegenheit sein, unsere Vorstellungen über die Quellen unserer Bedürfniserfüllung richtig zu rücken. Ein beliebtes Beispiel ist unser Bedürfnis nach Sicherheit. Wir versuchen es uns mit allerlei Materiellem zu stillen. Gelingt das? Wenn wir kein Dach über dem Kopf haben, kann ein bisschen Wohlstand tatsächlich ein Mehr an Sicherheit mit sich bringen. Ab einem bestimmten Grad der Finanzkraft dient uns noch mehr allerdings gar nicht, um unser Sicherheitsgefühl weiter zu stärken.

Die Lösung liegt wie so oft nicht im Außen, sondern in uns. Sicherheit und Stabilität erleben wir, wenn wir uns auf uns selbst verlassen können, wenn wir nach unseren eigenen Werten leben, nach unseren Worten handeln und die Versprechen, die wir uns selbst gegeben haben, nicht bei aufkommendem Sturm gleich über Bord werfen. Gelebte Integrität erhöht zudem unsere Selbstachtung und diese wiederum unterstützt uns dabei, uns weiterhin treu zu bleiben. Das ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Und wenn Sie in der Rolle des Helfers waren..

Die abgelehnten Helfer können übrigens im Rahmen der Betrugserkenntnis ihrer Freunde eine wichtige Einsicht gewinnen: Niemandem dient es, dass sie Recht gehabt haben. Bemerkungen wie „Das habe ich Dir doch gleich gesagt!“ oder „Warum hast Du nicht früher auf mich gehört?“ sind jetzt vollkommen entbehrlich. Verzichten Sie auf den Triumph. Er ist hier nicht angebracht. Werten Sie sich nicht auf, indem Sie den anderen abwerten. Er hat genug Kummer zu verkraften. Wenn Sie ihn ohne Vorwurf oder Schadenfreude fragen, was er jetzt von Ihnen braucht, beweisen Sie wahre Größe.

Später einmal können Sie ihm sagen, wie es Ihnen damit gegangen ist, nicht ernst genommen zu werden oder hilflos mit ansehen zu müssen, wie er in sein Unglück rennt. Das gehört zur Aufarbeitung der Verletzungen. Darauf haben Sie einen berechtigten Anspruch, wenn die Zeit gekommen ist und der andere wieder Energie frei hat.

Falls Ihnen das schwerfällt, betrachten Sie zunächst Ihre eigenen Schwächen bitte mit etwas mehr Verständnis und Mitgefühl. Auch die (vermeintlichen und tatsächlichen) Fehler, die Sie als jüngerer Mensch einmal hatten, brauchen vielleicht ein wenig Gnade bevor Sie gnädiger mit anderen umgehen können. Selbstvergebung ist oft ein guter Weg. Das ist ein ganz eigenes Kapitel, zu dem wir in einem späteren Beitrag noch kommen.

Wir alle werden, nachdem die Wahrheit ans Licht gefunden hat, viel zu verzeihen haben: uns selbst und den anderen. Um der Dynamik von Schuld und Sühne zu entkommen, müssen wir uns der Verantwortung stellen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als eine Antwort zu haben auf die Frage, warum wir uns so und nicht anders verhalten haben. Wir tun gut daran, unseren eigenen Werten zu folgen. Dann fällt es leichter, sich für sein Tun und Lassen zu rechtfertigen. Nicht vor der Welt, sondern vor uns selbst.

Text: Petra Weiß
Foto: S. Hofschlaeger / PIXELIO

Danke schön

Herzlichen Dank an alle Leser, die meine freiberufliche Tätigkeit durch einen Energieausgleich würdigen. Ich liebe die Arbeit an Texten. Mir macht es Freude, mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen zu teilen. Gleichzeitig habe auch ich alltägliche Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf und etwas Sojasahne im Kühlschrank. Daher bitte ich Sie, freiwillig einen angemessenen Energieausgleich zu leisten:

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

 

Die 180-Grad-Lüge

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Beim Lügen gibt es wie bei allen anderen Kunstformen Hobby-Akrobaten und Voll-Profis. Eine Schwindelei in die Welt zu setzen, ist gar nicht so schwer. Man muss einfach nur die Unwahrheit sagen. Weitaus kniffliger ist es, eine Lüge dauerhaft am Leben zu erhalten. Sich immer wieder an den falschen Inhalt zu erinnern, vielleicht noch nach vielen Jahren, ist anstrengend und riskant.

Während wir tatsächlich Erlebtes unter Hypnose noch nach Jahrzehnten aus dem Unterbewusstsein detailgenau hervorholen können, verschwimmen die Einzelheiten einer erdachten Geschichte mit der Zeit. Dann sind es die klitzekleinen Ungereimtheiten, die den aufmerksamen Beobachter aufhorchen lassen. Wenn wir nicht wollen, dass der ganze Schwindel früher oder später auffliegt, gibt es zwei grundverschiedene Vorgehensweisen, die ich in diesem Beitrag für Sie beleuchten will:

Befassen wir uns zuerst mit dem Münchhausen-Trick für Einsteiger: Immer so nah wie möglich an der Wahrheit bleiben. Warum diese Taktik gut funktioniert, liegt auf der Hand. Wenn wir eine Lüge in eine ansonsten wahre Geschichte verpacken, sind zahlreiche Tatsachen in der Erzählung konkret und nachprüfbar. Das ist für den Lügner entspannt und für den Belogenen vertrauenerweckend.

Nehmen wir an, Sie wollten Ihren Lebenspartner betrügen. (Das machen Sie natürlich nicht, es ist ja nur ein Beispiel zu Veranschaulichung!) Sie wollten sich mit Ihrer Liebschaft treffen, ohne dass Ihr Ausflug bemerkt wird. Reisen Sie bei Nacht und Nebel an einen unbekannten Ort und behaupten, dass Sie die ganze Zeit über zu Hause gewesen sind? Nein, das wäre viel zu gefährlich.

Jemand könnte bemerkt haben, dass Ihre Reisetasche fehlt, ein Bahnticket finden, einen Blick auf Ihre Kreditkartenabrechnung erhaschen, unterwegs oder vor Ort könnten Sie Menschen treffen, die sich später an Sie erinnern. Man glaubt nicht, welch schrägen Humor der Zufall manchmal hat. Mir ist am Flughafen in Ägypten schon einmal eine frühere Arbeitskollegin unverhofft begegnet. Solche Ereignisse sind unwahrscheinlich – aber nicht unmöglich. Schlimmstenfalls könnten Sie unterwegs mit dem Auto liegenbleiben und müssten den Abschleppdienst rufen – dabei wollten Sie selbst gerade jemanden abschleppen. Ironie des Schicksals.

Aus all diesen Gründen bleibt der ungeübte Märchenerzähler nah am Tatsächlichen. Er wird offen zugeben, wohin er fährt. Die komplette Reise kann ihm damit nicht mehr zum Fallstrick werden. Am besten, er hat für seine Abwesenheit einen unverfänglichen Anlass: ein sportliches Ereignis, eine dienstliche Besprechung, das Treffen mit alten Freunden oder irgendeine Erledigung, die dort vor Ort passieren muss. Und danach schleicht er sich auf leisen Sohlen in die Liebeslaube.

Bei seiner Rückkehr hat er allerhand zu berichten. Er kann abendfüllend über seine Erlebnisse reden und muss nur einen Teil davon auslassen. Heikel sind lediglich die zeitlichen Übergänge. An diesen Punkten bleibt er unkonkret, man könnte sagen, er verwendet einen Weichzeichner an der Schnittstelle zwischen Wahrheit und Lüge. Genau dort kommen Merkwürdigkeiten ins Spiel.

Ich bin den wenigen Männern dankbar, die mir Gelegenheit gaben, ihre Mogeleien aus der Nähe zu studieren. Diese kurzen Beziehungen waren sehr lehrreich für mich. Wenn ich jetzt aus dem Nähkästchen plaudere, treffe ich meine Aussagen naturgemäß aus meinem weiblichen Blickwinkel. Das soll aber niemanden diskriminieren. Mit Gewissheit kann ich sagen, dass Frauen ebenso liebestoll werden können wie die Herren der Schöpfung.

Eine beeindruckende Schnittstellen-Lüge erlebte ich einmal mit einem notorischen Fremdgänger, der mich vom Hotelflur aus anrief – angeblich auf dem Weg in sein eigenes Quartier. Heute kann ich darüber lachen, welch unverfrorene Offenkundigkeit sein Betrug hatte. Fast so als hätte er es geradezu darauf angelegt, entdeckt zu werden. Darüber könnte man jetzt beliebig psychologisieren. Ich widerstehe der Versuchung, dem Seitenstrang der Erzählung zu folgen.

Solche Seitenstränge finden wir zuhauf in den Berichten von Lügenbaronen. Sie sollen die Aufmerksamkeit auf weniger glitschige Wegstrecken der Story leiten. Der Anteil der Lüge an der Gesamtgeschichte soll möglichst klein gehalten werden, deshalb wird der Rest größtmöglich aufgeblasen. Die Falschaussage wird dabei gewissermaßen verwässert. In 97 % Wahrheit gehen 3 % Lüge mit etwas Glück einfach unter.

An dieser Stelle will ich einen Einwurf machen: Bitte unterstellen Sie Ihrem Liebsten nicht, dass er sich anderweitig vergnügt, nur weil er gerne ausschweifend erzählt. Mir geht es nicht darum, dass Sie zum paranoiden Lügen-Sucher werden. Ein gesundes Vertrauen ist eine wichtige Grundlage für das Miteinander in einer Liebesbeziehung. Aber lassen Sie sich auch nicht schwindelig schwätzen, wenn Ihr Bullshit-Detektor auf Rot steht und alle Warnssirenen in Ihrem Kopf heulen, während sich Ihr Magen zusammenkrampft.

Von Natur aus haben Menschen ein Gespür dafür, ob sie belogen werden. Es ist Teil unserer angeborenen Freund-Feind-Erkennung. Feine Nuancen in der Mimik, Gestik, Stimmlage etc. nehmen wir unbewusst wahr. Wenn das Gesprochene von der Wirklichkeit des Sprechers absichtlich abweicht, steht er unter Stress (es sei denn, er ist ein Psychopath). Diesen Zustand verrät er auf mannigfaltige Weise. Der Stress kann aber auch von ganz anderen Zusammenhängen herrühren. Das wissen wir nicht. Wir können nur beobachten und interpretieren.

Der schlaue Lügner verpackt seine Halbwahrheit in einen emotionalen Inhalt. Er weiß, dass er beim Aussprechen der Lüge, sehr aufgeregt sein wird. Also fügt er diesen Teil der Erzählung in einen Handlungsstrang, der mit einer nachvollziehbaren Erregung verbunden ist.

Mein frisch verliebter Don Juan plauderte einst beim Abendessen mit leuchtenden Augen von seiner neuen Flamme. Damit seine offensichtliche Begeisterung meinen Argwohn nicht erregt, strahlte er vor Freude über die geschäftlichen Vorteile, die sein Kontakt mit der Frau noch mit sich bringen würden. Vorteilhaft war vor allem die vom Ehemann getrennt geführte Dienstwohnung, wo man sich treffen konnte.

Ob ich die Flöhe husten hörte? Das kann man sich zu Recht fragen. Und leider bleibt die Frage oft unbeantwortet im Raum stehen. Selten ergibt sich eine Aufklärung wie in diesem Fall: Mit dem Begehr, mein Einverständnis für sein Techtelmechtel zu erhalten, endete kurz darauf unsere Liaison.

Bei der Analyse des Gesprächsverlaufs fiel mir später auf, dass er von vier neuen Geschäftspartnern sprach und ausgerechnet bei der Frau den Vornamen weggelassen hatte. Als ich ihn danach fragte, wurde er ärgerlich und fing an, völlig unnötig über etwas Nebensächliches herumzustreiten.

Wenn wohl überlegte Fragen den Lügner in Bedrängnis bringen, ist es sehr praktisch, den Ärger über die Unzulänglichkeit der Story auf den Belogenen abzuwälzen. Gerade Frauen – zumindest in meiner Generation – neigen allzu schnell dazu, der Wut ihres Partners aus dem Weg gehen zu wollen und sind dann lieber still.

Sie sehen: Schwindeln für Einsteiger hat Risiken und Nebenwirkungen. Schauen wir doch mal, wie die Spitzenkräfte in dieser Disziplin das machen. Sie lügen nicht nur ab und zu, sondern ständig. Daher brauchen sie eine ganz andere Taktik. Das Aussprechen der Unwahrheit entwickelt einen reflexhaften Zug.

Mit großer Verblüffung habe ich so etwas einmal bei einer Kollegin in Echtzeit miterlebt. Sie hat völlig ohne Not einen Kunden angelogen. Der Sachverhalt war eindeutig, und ich selbst war Zeuge der wahren Begebenheit gewesen. Also sprach ich sie darauf an, als wir wieder alleine waren. Sie gab unumwunden zu, dass sie gelogen hatten, konnte aber gar nicht sagen, warum. Später habe ich von ihr erfahren, dass sie sich in einem privaten Zusammenhang seit Jahren gezwungen sah, die Wahrheit in ihrem engsten Umfeld zu verbiegen. Ich habe daraus den Schluss gezogen, dass sie es einfach gewohnt war, den Menschen direkt ins Gesicht zu lügen. Sie tat es nicht mit einer bestimmten Absicht, sondern aus Reflex.

Mit der Zeit kann man sich mitunter sogar selbst einreden, die „alternative Wirklichkeit“ sei objektive Wahrheit. Nach einigen Jahrzehnten mit einer Lebenslüge übertüncht dieses Märchen sozusagen die Realität. Und doch bleibt untergründig immer ein leises Störgefühl, wie ein Instrument, das nur ganz leicht verstimmt ist. Knapp daneben eingestimmt, stört es die Harmonie des Klangs.

Ganz anders wirkt die hohe Kunst der Unaufrichtigkeit: Ich nenne es „die 180-Grad-Lüge“. In einem Comic über den professionellen Umgang mit der Unwahrheit heißt es sinngemäß, man solle nicht ein bisschen schwindeln, das fällt eher auf. Nein, man solle dem anderen so richtig „die Hucke voll lügen“.

Klingt das widersinnig für Sie und deshalb riskant? Ganz im Gegenteil: Dadurch, dass es exakt widersinnig ist, geht die Lüge durch wie ein warmes Messer durch weiche Butter. Wie kann das sein?

Unser Gehirn erkennt Sachverhalte eher als richtig, wenn sie um 180 Grad verdreht sind, als wenn man nur knapp an der Wahrheit vorbei gezielt hat. Ich vermute, das hängt mit unseren Sehgewohnheiten zusammen. Vielleicht haben Sie aus dem Biologie-Unterricht in Erinnerung, dass der Sehvorgang im Auge die Außenwelt auf dem Kopf stehend abbildet. Erst im Gehirn wird das Bild automatisch korrigiert.

Ähnlich ist es mit dem Blick in den Spiegel. Wir sehen uns alltäglich seitenverkehrt. Daran sind wir so gewöhnt, dass wir mit der Webcam üben müssen, um die Haarsträhne nicht versehentlich aus der falschen Seite der Stirn streichen zu wollen.

Die genaue Umkehr macht eine Lüge praktisch unsichtbar und setzt unseren angeborenen Instinkt außer Kraft. Deshalb kann unser Unterbewusstsein das pure Gegenteil durchwinken als sei es die ganze Wahrheit.

Dazu habe ich noch ein Beispiel aus dem echten Leben:

Ein Westentaschen-Casanova gab mir einen ungewöhnlichen Kosenamen – eine Abkürzung, die dafür stand, dass es außer mir keine Frau in seinem Leben gab. Im Nachhinein betrachtet war die geschmackloseste 180-Grad-Lüge, die mir je begegnet ist. Niemand zu vor oder später hat mir so demonstrativ die (nicht vorhandene) Exklusivität unserer Paarbeziehung aufs Auge gedrückt. Ich bekam sogar eine Kaffeetasse mit dem Es-kann-nur-eine-geben-Aufdruck geschenkt.

Was mir bei allen Fremdgängern aufgefallen ist, war ihre übertriebene Eifersucht. Der eine konnte nicht ertragen, dass ich regelmäßig in meine Heimatstadt fuhr, der andere wollte mir Kleidungsstücke verbieten, die meine Figur betonten (ich bin ein klassischer Stiltyp und neige ohnehin nicht zum Catsuit), der dritte war nach mehr als 10 Jahren noch tödlich beleidigt, dass seine Frau ihn betrogen hatte – mit meinem Wissen von heute würde ich sagen, sie hat sich möglicherweise revanchiert.

Woher kam der unangebrachte Argwohn mir gegenüber? Nun ja, die Herren wussten aus eigenem Erleben, dass Betrug alltäglich sein kann. Kein Wunder, fürchteten sie sich davor, eines Tages selbst hintergangen zu werden. Je nach Weltbild könnte man das als ausgleichende Gerechtigkeit empfinden oder als Entlastung für ihre Taten werten.

Gleichzeitig kann es sich um Projektion, man könnte auch sagen, um eine 180-Grad-Unterstellung handeln: Ich gehe fremd und unterstelle stattdessen dir das Fremdgehen. In der Psychologensprache nennt man das eine Opfer-Täter-Umkehr. Dieser Trick ist sehr beliebt, vor allem bei Menschen, die sich ihren eigenen Schattenanteilen nicht stellen wollen.

Kommen wir noch mal auf die Vorzüge der 180-Grad-Lügen zu sprechen: Während man sich bei kleinen Vergehen an die Schnittstellen zwischen Wahrheit und Lüge präzise erinnern muss, ist beim Hucke-voll-Lügen alles erlaubt, je absurder desto besser.

Ohne diese Person als Vorbild nehmen zu wollen, geschweige denn mit seinen politischen Zielen in irgendeiner Weise übereinzustimmen, zitiere ich hier den Propagandisten Joseph Goebbels: „Je größer die Lüge desto mehr laufen hinterher.“

Nehmen wir an, Sie wollten jemanden vergiften. Würden Sie sagen: „Liebling, das ist Arsen, aber ich habe Dir eine unbedenkliche Menge zusammengerührt.“ Oder: „Mit diesem Gewürz wird Dein Mittagsessen verfeinert?“ Nein, das würden Sie nicht.

Stattdessen würden Sie eine 180-Grad-Wende hinlegen mit der Behauptung: „Das ist ein sicheres und gut verträgliches Magenmittel, davon gehen Deine Verdauungsbeschwerden weg.“ Und falls mit den ersten Dosen Übelkeit, Brechreiz und Durchfall auftreten? Dann sprechen Sie einfach von einer Heilkrise oder von einer Erstverschlimmerung. Oder Sie behaupten rotzfrech „Daran merkt man, dass es wirkt. Du brauchst noch mehr davon.“

Haben Sie den Trick verstanden?

Die Geschichte ist voll von 180-Grad-Lügen. „Niemand hat die Absicht…“ ist ein Paradebeispiel aus der deutschen Historie. „Unsere Renten sind sicher“, „Es wird keine Kürzungen der Sozialleistungen geben“, und so weiter und so fort.

Sie müssen nicht lange suchen, um jederzeit und überall solche Kehrtwenden aufzuspüren. Spricht man sie an, wird sich ohrenbetäubendes Getöse erheben, ob der Unverfrorenheit, jemanden an sein Versprechen zu erinnern. Wie können Sie es wagen?!

Meine Beobachtung der letzten Monate führt mich zu der Annahme, dass es in vielen Fällen wahrscheinlicher ist, von einer 180-Grad-Lüge auszugehen als von einer ehrlichen Aussage.

Prüfen Sie im Zweifel den Wahrheitsgehalt von gesprochenen Worten anhand ihrer praktischen Umsetzung. Einige Behauptungen haben eine erstaunlich kurze Halbwertszeit.

Wir fallen zuweilen unsanft aus dem Spiegeluniversum zurück in die Realität, nachdem jemand bekommen hat, was er von uns wollte. Das kann eine Einwilligung sein, ein Vertragsabschluss, ein Ehering oder das Kreuz auf einem Wahlzettel.

Seien Sie sich dessen bewusst, dass Ihr brillanter Verstand an den dreistesten Lügen vorbei schielt und sie im 180-Grad-Winkel automatisch korrigiert. Finden Sie die leisen Misstöne zwischen all den Geschichten, die man Ihnen auftischt, und hören Sie auf Ihren Bauch, wenn Ihr hauseigener Alarm Warnsignale gibt.

Text: Petra Weiß
Foto: knipseline / PIXELIO

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Wenn die Fackeln der Freiheit verglühen

Social Engeneering ist eine präzise Wissenschaft. Wer das Denken und Handeln einer Gesellschaft lenken will, braucht psychologisches Fachwissen, Intelligenz und Langmut. Ziele werden über Jahrzehnte hinweg in mehrstufigen Maßnahmen verfolgt. In Stufe 1 kann man als Außenstehender nicht ahnen, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Und in Stufe 2 fällt einem vielleicht gar nicht auf, dass es irgendeinen Zusammenhang mit den Ereignissen der Stufe 1 geben könnte. Erst rückblickend entlarvt sich ein Muster, wenn das eigentliche Ziel sichtbar wird.

In diesem Beitrag verknüpfe ich ein paar lose Fäden ohne Anspruch auf „DIE Wahrheit“ und lasse Sie an meinen Gedanken teilhaben.

Öffentliche Meinung am Beispiel des Rauchens

Es geht exemplarisch um das Rauchen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass es abhängig macht. Und dass man als Raucher ständig in der Angst lebt, sich selbstverschuldet die Gesundheit zur ruinieren. Vor mehr als 20 Jahren habe ich die Gewohnheit nach vielen Anläufen endlich an den Nagel gehängt. Anlass war meine nächtliche Einlieferung ins Krankenhaus mit heftigen Schmerzen in der Brust. Ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt. Dieses Schockerlebnis brachte mich von meiner Nikotinsucht ab. Wie sich später herausstellte, war eine Rippenfellentzündung die Ursache des Übels. Trotzdem blieb ich dauerhaft von meinem Verlangen nach dem Glimmstängel kuriert.

Um sich aus einer Sucht zu lösen, brauchen Menschen eine große Portion Willenskraft. Ihre innere Überzeugung muss stark genug sein, um die körperliche Begierde und die psychische Abhängigkeit von dem Mittel so lange zu unterdrücken, bis beides überwunden ist. So ging es auch mir. Mein vorrangiges Ziel war es, mich aus der Abhängigkeit zu lösen. Die Sucht an sich, also die Tatsache, dass ich das Rauchen nicht ohne weiteres willentlich seinlassen konnte, war mein Hauptproblem. Um den Entzug durchzuhalten, musste ich mir bewusst machen, dass die tägliche Rauchvergiftung meinem Körper schadet. Als zusätzlichen Anreiz gönnte ich mir für das gesparte Geld eine besonders edle Uhr, die ich mir sonst nicht gekauft hätte. Die öffentliche Kampagne zur Gesundheitsgefährdung durch Zigaretten erleichterte es mir, meine Haltung gegenüber den „Sargnägeln“ zu festigen.

Das Unterbewusstsein ausrichten

Das Bewusstsein über die Schädlichkeit des Rauchens führte dazu, dass ich Rauch in meiner Umgebung gar nicht mehr ertragen konnte, obwohl ich mich sehr bemühte, tolerant zu sein. Immerhin waren einige meiner Freunde Raucher und ich wollte die mir liebgewonnen Menschen nicht verprellen. Zu Recht sagt man „Ehemalige Raucher sind die schlimmsten Nichtraucher“. Dahinter steckt eine nachvollziehbare Logik: Mein Unterbewusstsein musste darauf ausgerichtet werden, Rauchen als große Gefährdung einzustufen, damit ich selbst davon lassen konnte. Berichte in den Medien über die Bedrohung durch Passivrauchen unterstützten die Abneigung und gaben ihr einen vernünftigen Grund.

Aus meiner bequemen Position als Nichtraucherin konnte ich beobachten, wie Raucher immer weiter ins Abseits gedrängt wurden. Plötzlich waren sie „Gefährder“ der Gesundheit anderer. Man durfte nicht zulassen, dass sie sich frei entscheiden, was sie für oder gegen sich selbst tun. Ihr Tun wurde in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gebracht. Sie waren eine Zumutung für die Gemeinschaft und eine unnötige Belastung für das Gesundheitssystem.

Natürlich war ich froh, dass der Rauch aus den Diskos und Kneipen verschwand. Sogar im Biergarten störte es mich, wenn am Nebentisch geraucht wurde. Anderen die Luft zu verpesten gehörte sich einfach nicht. Der Schritt war nicht mehr weit, den Nikotinkonsum als dumm und/oder asozial einzustufen. Mit Unverständnis oder Verachtung schauten Nichtraucher auf Raucher. Eine Spaltung ist die Folge.

Erinnert Sie das an etwas?

Die Datenlage zum Rauchen ist gar nicht so eindeutig wie uns die landläufige Meinung glauben macht. In einer großangelegten Studie an rund 20.000 Britischen Krankenschwestern stellte sich heraus, dass bei maximal 5 Zigaretten am Tag keinerlei Gesundheitsrisiko gegenüber einem Nichtraucher erhöht ist – weder für Krebs noch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Beschwerden. Wundern Sie sich, dass Sie von diesen Forschungsergebnissen noch nichts gehört haben? Die Analyse ist schon viele Jahre alt und nicht ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen.

Auch hat sich gezeigt, dass nur ein winziger Teil der Raucher an Lungenkrebs erkrankt. Sie dürfen selbst recherchieren, wenn Sie die genauen Zahlen wissen wollen. Ziehen Sie keine vorschnellen Schlüsse aus eindimensionalen Auswertungen. Vergleichen Sie den Anteil der Todesursache Lungenkrebs bei Rauchern mit denen von Nichtrauchern in Hinblick auf alle Todesursachen. Sie werden erstaunt sein.

Sozialpsychologie

Meine Absicht ist nicht, Ihnen medizinisches Fachwissen zu vermitteln, sondern psychologische Zusammenhänge zu beleuchten. Das Nervengift Nikotin hat eine aus meiner Warte bemerkenswerte Wirkung: Es vermindert Ängste. Davon haben Sie vermutlich auch noch nichts gehört. Wenn jemand unter den Folgen von Trauma leidet oder sich in einer beängstigenden Lebenslage befindet, dient das Rauchen seiner emotionalen Regulation. Natürlich gibt es gesündere Möglichkeiten, mit Ängsten umzugehen, aber unsere Medienlandschaft, die das Rauchen so verurteilt, schürt gleichzeitig jede erdenkliche Angst durch Dauerbeschallung. Das erscheint mir widersprüchlich.

Ebenso wundere ich mich, warum so vieles ungesund ist und ausgerechnet beim Rauchen werden wir in aggressiver Art mit verstörenden Bildern und beängstigenden Worten penetrant darauf hingewiesen. Sonderbar. Der variantenreich geförderte Gesundheitsfanatismus wird in vielfältiger Weise unterstützt, aber beim Rauchen ist das Maß schon außergewöhnlich.

Verfehlter Zweck?

Neulich las ich in der Werbung an der Zapfsäule sinngemäß „Rauchen ist tödlich“ und „Rauchen stört die Fruchtbarkeit“ auf den abgebildeten Zigaretten-Packungen. Klar, auf den Päckchen müssen Warnhinweise stehen. Aber: Würde ich als Marketing-Verantwortlicher genau dieses beiden Punkte auswählen, um mein Produkt zu bewerben? Echt jetzt? Mich lies diese „Werbung“ aufmerken. Als ehemalige Marketing-Fachkraft glaube ich nicht an so ein erbärmliches und offensichtliches „Versagen“. Diese Plakate haben sicher einen Zweck. Die Verkaufsunterstützung kann es nicht sein.

Was passiert unbewusst, wenn wir ständig solche Botschaften wahrnehmen? Nichtraucher halten Raucher platt gesprochen für bescheuert, wenn sie trotzdem Kippen kaufen. Raucher halten sich selbst für charakterschwach und fühlen sich schuldig. Gleichzeitig wird ihre Angst geschürt. Was dem Weiterrauchen eine zusätzliche Funktion beschert. So installiert man einen Teufelskreis.

Lügen in Bildern

Die gruseligen Bilder sind übrigens nicht echt. Lungengewebe von Rauchern schaut nicht schwarz aus, wie Pathologen versichern können. Die Fotos wurden retuschiert. Damit sie Eindruck machen. Na, sowas! Wenn derart freimütig gelogen wird, darf man dann auch andere Aussagen in ihrem Wahrheitsgehalt anzweifeln? Da können uns schon mal merkwürdige Fragen in den Sinn kommen:

Wird uns das Rauchen als Sündenbock präsentiert? Werden das Sterben und die Kinderlosigkeit gemäß dem Grundsatz des „Pre-Teaching“ (bewährte PR-Technik) schon mal ins Bewusstsein der Massen geholt? Wenn die Leute durch ganz andere Ursachen sterben, haben wir dann bereits unsere vorgefertigte Meinung, woran sie verblichen sind? Sollen wir suggeriert bekommen, die Unfruchtbarkeit der Menschen sei auf das Rauchen zurückzuführen, und bekommen wir den „Schuldigen“ gleich mitgeliefert?

Natürlich hält solch ein konstruierter Zusammenhang keiner logischen Prüfung stand. Aber Logik spielt bei der Beeinflussung des Unterbewussten keine wesentliche Rolle. Es geht um das Erzeugen von Emotionen und Bildern, die in ganz anderen Gehirnregionen angesiedelt sind. Je größer die Emotion desto entbehrlicher die Logik. So steuert man Menschen, nicht durch vernünftige Argumente. Ich behaupte nichts. Ich frage nur…

Wie alles begann…

Bedeutungsvoll erscheint mir die Rolle des Rauchens als Startpunkt der Massenbeeinflussung in der Welt der Public Relations, oder wie man früher sagte, der Propaganda. Schauen wir zurück ins Jahr 1929.

Ein pfiffiger Mann namens Edward Bernays lockte Journalisten, über ein Ereignis zu berichten, bei dem die „Fackeln der Freiheit entzündet“ würden. Diese Ankündigung machte die Presseleute neugierig. Sie erwarteten mit Spannung, was sich zutragen würde. Das Kommende war schon „geframt“, also mit einer Bedeutung versehen, bevor die Inszenierung begann.

Bernays hatte den Auftrag, der Tabakindustrie neue Käufer zu verschaffen. Damals galt das Rauchen als männliche Beschäftigung. Es war nicht gesellschaftsfähig für Damen. Das änderte sich, nachdem Barnays einige Studentinnen dafür bezahlte, dass sie in der Öffentlichkeit auf Kommando ihre Zigaretten zückten. Die Presse deutete das Geschehen wunschgemäß als Geste der Emanzipation und platzierte so das Rauchen als Akt der Befreiung im öffentlichen Bewusstsein. Durch diesen Trick verdoppelte Bernays die Zielgruppe seiner Auftraggeber mit einem Streich.

Zündung der Stufe 2

Was wir später in der Werbung gesehen haben, holte die Kopplung Rauchen = Freiheit in scheinbar unendlichen Wiederholungsschleifen immer und immer wieder hervor. Wir erinnern uns an Kino-Besuche, als der Cowboy noch die Weite der Prärie mit uns teilte, während er rauchend über die Leinwand ritt. Fünfzig Jahre lang hat man uns mit diesem Image des Rauchens gehirngewaschen. Und plötzlich kam ein Schwenk, ein “Spin” in der Sprache der Public Relations Fachleute, die man daher auch “Spin Doctors” nennt. Auf einmal war Rauchen nicht mehr cool, sondern blöd. Ist die Tabakindustrie zur Besinnung gekommen? Hat der Verbraucherschutz sich endlich durchgesetzt? Glauben Sie das?

Erinnern wir uns an den Dreisatz in der Schule. Welche Logik wird verankert, wenn wir beide Gegebenheiten miteinander betrachten?

Rauchen = Freiheit

Rauchen = tödlich

Freiheit = ???

Genau. Unser Unterbewusstsein hat den Clou schon seit Jahrzehnten als Programmierung erhalten. Ich bin voller Bewunderung für die Schläue der Architekten. Social Engeneering ist keine Eintagsfliege. Man muss wirklich Finesse und Ausdauer beweisen, um die Massen zu bewegen.

Große gesellschaftliche Veränderungen werden nicht dem Zufall überlassen. Sie sind gemacht und von langer Hand vorbereitet. Wollte man die Bevölkerung aus Gründen der Gesundheitsvorsorge vor dem Rauchen schützen, wäre es längst verboten. Es wird noch gebraucht. Und nicht, um Frauen gleiche Rechte einzuräumen wie Männern.

Die Spaltung zwischen Männlein und Weiblein ist ebenfalls gewollt. Eine Gleichberechtigung der Geschlechter gibt es bis heute lediglich in der Theorie. Da muss man sich nur mal die Gehaltsgerechtigkeit ansehen. In Wirklichkeit ging es nie um dieses Ziel. Mit dem entsprechenden politischen Willen wären längst andere Verhältnisse durchzusetzen gewesen. Oder meinen Sie im Ernst, die finanziellen Mittel stünden nicht zur Verfügung?

Es geht offensichtlich um Profit und Konsum. Und gleichzeitig geht es untergründig um Massenpsychologie. Unter anderem wird der römische Grundsatz noch heute von erfolgreichen Staatsoberhäuptern und Führungskräften auf allen Hierarchieebenen beherzigt: “Teile und herrsche!” Zu riskieren, dass ein vereinigtes Volks sich seiner Stärke bewusst werden kann, wäre töricht.

Aufdeckung als Schutz

Die Manipulation zu durchblicken wird eine unserer vordringlichsten Aufgaben für die kommenden Jahre sein, wenn wir uns von der aktuellen Krise erholt haben und nicht wieder in ähnliche Zustände geraten wollen. Wann immer Ihnen manipulative Muster ins Auge fallen, dient das Ihrer Immunität gegenüber der Fremdbestimmung und damit Ihrer freien Selbst-Entfaltung.

Beschäftigen wir uns mit solchen Techniken, um den Strippenziehern im Hintergrund nicht auf den Leim zu gehen. Wie bei einem Taschenspielertrick verliert Manipulation ihre Magie, wenn wir sie entzaubern. Wir werden die Machtgierigen dieser Welt weder im großen politischen Geschehen noch im Alltag davon abhalten, uns steuern zu wollen. Aber wir können ihnen auf die Schliche kommen. Und dann funktioniert der Betrug an unserer Psyche nicht mehr. Vielleicht werden wir uns später freuen, wieder einmal einen kunstvollen Kniff entlarvt zu haben, uns entspannt zurücklehnen und sagen „Nice try, Darling.“

Text: Petra Weiß
Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

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Thuja: Masken und Spaltung

Heilpraktiker Weinheim

Der Beschäftigung mit homöopathischen Mitteln und ihren charakteristischen Merkmalen habe ich zum Gutteil mein Verständnis für individuelle Erscheinungen und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen zu verdanken. Gerne teile ich heute meine Erkenntnisse über Thuja mit Ihnen.

Die Pflanze ist Ihnen sicher schon begegnet: Gerade in Deutschland haben wir eine Vorliebe dafür, unsere Grundstücke durch eine Thuja-Hecke uneinsichtig zu machen. Wir verstecken unsere kleinen Geheimnisse gerne hinter dem immergrünen Nadelgehölz.

Was im Verborgenen bleiben soll, kann bei Menschen mit Thuja-Konstitution eine wichtige Rolle spielen. Lügen, Betrug und Verrat als Dreh- und Angelpunkte in der Lebensgeschichte sind ein Hinweis auf das Mittel in der Anamnese. Und umgekehrt, geraten wir alle – unabhängig von unserer Veranlagung – in thuja-artige Zustände, wenn wir von Heimlichkeiten umgeben sind.

Geheimnisse und Tabus

Familiengeheimnisse, auf denen ein Tabu lastet, erinnern mich an Thuja. Mir sind schon mehrfach Menschen begegnet, in deren Sippe eine falsche Vaterschaft aufgedeckt wurde. Für alle Beteiligten kann man prüfen, ob das Mittel angezeigt ist, um die Nachwirkungen des Identitätsbetrugs aufzulösen. Glauben Sie, das sei ein Ausnahme-Phänomen? Falsch gedacht. Es wird nur nicht darüber gesprochen. Experten gehen von 10 % „Kuckuckskindern“ in unserer Gesellschaft aus.

Scham und Schuldgefühle sind häufig mit der Lüge und dem Betrug verknüpft. Der Betrogene schämt sich, dass er jemandem auf den Leim gegangen ist. Aber auch der Betrüger schämt sich oft für sein Tun und noch mehr für dessen Ursache. Denn es muss ja Gründe geben, warum solch eine gewaltige Lebenslüge in die Welt gesetzt wird. Ein “nicht standesgemäßer” Vater, eine abweichende Kaste oder Religionszugehörigkeit, ein Ehebruch, eine Vergewaltigung oder ein Missbrauch sind Nährböden, auf denen Thuja-Geschichten wachsen.

Keine Mutter gibt leichtfertig einen falschen Vater an. Und kein Vater verzichtet frohen Mutes auf die Rechte an seinem Kind. Wir sind von Natur aus mit unserem Nachwuchs aufs Engste verbunden. Der Schmerz, vom eigenen Spross getrennt zu werden, ist für seelisch gesunde Eltern schwer verkraftbar. Und gleichsam übernimmt kaum jemand freiwillig die Verantwortung für die Nachkommenschaft anderer.

Anmaßung

Aus Sicht der systemischen Familientherapie liegt in der bewussten Annahme eines Buben oder Mädchens an Kindesstatt eine erhebliche Anmaßung („Ich bin besser als der echte Vater.“), solange das leibliche Elternteil am Leben ist. Diese Anmaßungen sieht man in frühen Stadien einer Thuja-Entwicklung im Verbund mit Herrschsucht. Einen kleinen Menschen befehligen zu dürfen, kann dem Thuja-Stiefvater möglicherweise als angemessene Entlohnung für seinen Einsatz dienen. 

Was auch immer sich die Beteiligten davon versprechen: Derlei Scharaden führen selten in ein harmonisches Familienleben. Verschworene Gemeinschaften mögen im Fernsehdrama einen gewissen Unterhaltungswert haben. Im echten Leben führen solche Verstrickungen zwischen leiblichen Eltern und angeblichen so lange zu Schuld und (unbewusster) Sühne, bis das Schweigegelöbnis endlich gebrochen wird. Die Wahrheit kommt immer ans Licht. Und in diesen Zeiten mehr denn je. 

In den allermeisten Fällen wird hingegen eine mehrfache Täuschung vorliegen: Ein ahnungsloser Mann und ein treugläubiges Kind werden hinters Licht geführt. Solche Schatten wirf Thuja.

Zweifel, Verzweiflung, Zwietracht

Wenn man genauer nachfragt, hat es durchaus Momente gegeben, in denen Zweifel aufkamen. Etwas war unrund, Erlebnisse und Aussagen passten nicht zusammen, Verhaltensweisen waren merkwürdig, Emotionen der angeblichen Verbindung nicht gemäß. So ein Zwiespalt zwischen der gefühlten Wahrheit und einer erdachten „Story“ ist typisch für Thuja. „Da bin ich zweigeteilt.“ ist ein Ausspruch, der häufig fällt.

Ver-zweiflung und Zwietracht zeigen schon vom Wortsamm her die Verbindung zu Thuja. Bemerkenswert finde ich, dass in der japanischen Heilkunst Jin Shin Jyutsu genau diese Themen mit demselben Griff (Hände auf dem hinteren Beckenkamm) behandelt werden, wie Probleme im Unterleib (siehe weiter unten: sexuelle Themen).  Die sprichwörtliche Thuja-Teilung zeigt sich hin und wieder ganz offen z.B. in Haarspaltereien, Spliss oder einem gegabelten Harnstrahl.

Maskerade

Genauso charakteristisch wie der Zweifel ist der Umgang damit: das Wegsehen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird das ungute Gefühl gar nicht erst zugelassen, geschweige denn der Sachverhalt mit der gebotenen Skepsis hinterfragt. Man tut einfach so, als sei alles ganz normal, und versucht, sich nicht durch unbedachte Äußerungen zu verraten. Dadurch werden die Äußerungen im Wort, aber auch in der Mimik und Gestik unnatürlich, die Bewegungen wirken irgendwie hölzern, das Lächeln aufgesetzt.

Im Laufe der Jahre wird die Maske immer undurchschaubarer. Das um jeden Preis zu bewahrende Geheimnis steht der freien Entfaltung natürlicher Regungen im Wege. Der zwischenmenschliche Kontakt wird schwerfällig bis unmöglich. In ihrer ausgeprägten Erscheinung verursachen Thuja-Zustände soziale Phobien und Thuja-Anlagen ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörungen.

Die Betroffenen entwickeln die fixe Idee, dass niemand sie mögen würde, der weiß, wer oder wie sie wirklich sind. Und dabei wollen sie doch unbedingt „dazugehören“. Dafür lügen sie sogar über ihre Lebensumstände, wenn es aus ihrer Sicht sein muss. Derart tief verwurzelt ist ihre Überzeugung, dass mit ihnen etwas Wesentliches nicht stimmt.

Natürlich(e) Liebe?

Vielleicht liegen sie zuweilen gar nicht so daneben mit der Notwendigkeit zur Geheimniskrämerei. Sexuelle Perversionen und Geschlechtskrankheiten sind ein Schwerpunkt im Arzneimittelbild von Thuja. Die Patienten haben keinen natürlichen Bezug zu ihrem Körper, wirken verklemmt und suchen Befriedigung in abartigen Vorstellungen.

Vor einigen Jahren habe ich einen Beamten erlebt, der mich beim Gespräch zu einem Antrag, der von seiner Zustimmung abhing, in der Amtsstube mit seinen Phantasien belästigt hat. Solche Machtverhältnisse nutzen Thuja-Menschen aus. „Schamlos“ will ich nicht schreiben, denn ich denke, sie schämen sich durchaus. Der Mann ist mir noch mehrmals auf der Straße begegnet, und er hat stets den Blickkontakt vermieden.

Wir kultivieren heute die vollkommene Verwirrung über Sexualität. Alles scheint erlaubt zu sein. Was früher als pervers galt, wird zum neuen Ideal erhoben. Pornografie zerstört den unbefangenen Bezug zum körperlichen Beisammensein und zerrt das Intimste ins Scheinwerferlicht. Wer einfach nur zärtlich und leidenschaftlich mit seinem Partner sein will, fühlt sich als überholte Spezies im regenbogenfarbenen Durcheinander der Geschlechter. Manche Veränderungen in der öffentlichen Wahrnehmung mögen fortschrittlich sein. Gesund für die seelische Entwicklung der Menschen ist der Mangel an Orientierung über die eigene Identität wahrlich nicht.

Mir kommt der Verdacht, dass im bunten Reigen der Tabu-Brüche der Schritt zur Legalisierung von sexualisierter Gewalt und zur Akzeptanz von Missbrauch eines Tages nicht mehr groß sein wird. Schaut man unter Thuja-Gesichtspunkten auf die Entwicklung, könnte man meinen, das sei kein Zufall.

Meister der Manipulation

Das Ränkeschmieden gehört bei Thuja zum guten Ton. Wer sich selbst für unwert hält, wird seine Bedürfniserfüllung nicht auf geradlinigem Weg zu erlangen versuchen. Mit List und Tücke wird er seine Mitmenschen beeinflussen und in Richtungen drängen, die seinen Wünschen entsprechen.

Thuja-Menschen sind Meister der Manipulation. Sie beherrschen die gesamte Klaviatur der emotionalen Erpressung bravurös. Schmeicheln und Jammern dienen ihnen zum Erreichen ihrer Ziele. Das mitfühlende Umfeld eilt zur Hilfe und bemerkt gar nicht, wie es gelenkt und gesteuert wird.

Dass Sie ausgerechnet jetzt etwas über Thuja von mir lesen, hat damit zu tun, dass ich thuja-ähnliche Erscheinungen bemerke und solche, die dazu angetan sind, Thuja-Zustände auszulösen.

Persönlichkeitsspaltung

Die Spaltung in unserer Gesellschaft wird offenkundig. Vielleicht befinden wir uns kollektiv in einem Thuja-Zustand: Während wir ganze Bevölkerungsgruppen vom gesellschaftlichen Leben ausschließen, beteuern wir den gemeinsamen Wert der Solidarität. Was für eine Schizophrenie! Übrigens ist sie ebenfalls ein Thuja-Symptom.

Um nur ja nicht ausgeschlossen zu werden, machen manche Menschen jede Vergewaltigung mit – als Opfer und als Täter. Und wenn sie aus scheinbar edlen Gründen (Selbstaufwertung) zum Märtyrer geworden sind, müssen alle anderen sich ebenfalls fügen. Diese Thuja-Logik zeugt von einem schwachen Selbstwertgefühl und im Einzelfall von einem gar nicht vorhandenen Selbstgefühl. Thuja-Menschen halten sich für falsch und verkommen. Sie fürchten ständig, dass sie jemand eines Verbrechens überführt und sie damit aus dem unverdienten Stand der Gnade herausfallen.

Feige Helden

Strafbare Verfehlungen kann man dieser Tage recht einfach begehen, indem man sich auf eine Parkbank setzt, indem man seinem Mitmenschen die Hand gibt oder ihn gar umarmt. Selbstberufene Hobby-Richter, die den Frevel mit leidenschaftlicher Verachtung für das Urmenschliche ahnden, muss man nicht lange suchen. Unter diesen Umständen gedeihen verdrehte („perverse“) Weltsichten wie die typischen Thuja-Warzen in Blumenkohl-Optik oder der Thuja-Hautpilz, der in der dunklen Feuchtigkeit der sogenannten Schamregion vortrefflich sprießt. Die Bezeichnung “Feig-Warzen” erhält bei der Gelegenheit eine erweiterte Bedeutung.

Später werden sich die Blockwarte und Denunzianten genauso verdünnisieren, wie die Augenbrauen von Thuja-Patienten, die nach außen dünn werden und allmählich verschwinden oder wie das typische Murmeln am Ende eines Satzes, das beim Gespräch mit Menschen im Thuja-Zustand auffällt.

Doch heute genießen sie ihre Macht. Und das hat Wirkung auf ihr Umfeld. Mir ist mehrfach begegnet, dass Leute erwägen, sich entgegen ihrer wohl begründeten Überzeugung einer aus ihrer Sicht unnötigen und zudem gefährlichen Behandlung auszusetzen, um nur nicht „ins soziale Abseits“ zu geraten. Selbst vor illegalen Handlungen schrecken einige nicht zurück. Diese müssen sie dann natürlich wieder verheimlichen. So zieht Thuja seine Kreise.

So ein Zufall!

Schallend gelacht habe ich bei dem an sich ernsten Thema, als mir bewusst wurde, welche Ironie des Schicksals darin liegt, dass Thuja in der Homöopathie DAS Mittel für „schlimme Folgen von Impfungen“ ist und auch für „ausbleibende Impfreaktionen“.

Womit wir bei einem heißen Tabu-Thema wären. So schließt sich der Kreis zum Eingang dieses Beitrags. Also nehme ich ein Thuja-Kügelchen in C1000 und behalte meine Meinung schön für mich. Aber erheitert sein darf ich schon über den „Zufall“.

Ich möchte niemanden ermutigen, sich auf Verdacht und ohne fachmännische Beratung homöopathische Mittel einzuverleiben. Fragen Sie lieber jemanden, der sich damit auskennt. Für sich im stillen Kämmerlein darf Einjeder prüfen, ob er Thujanisches an sich bemerkt. Die Erkenntnis dient dem Bewusstseinsprozess des Einzelnen und damit der Entwicklung der Menschheit. Danke für Ihren Beitrag dazu. 

Text: Petra Weiß
Foto: Thomas Scholz / pixelio.de

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Der Schwarze Contergan-Peter

Schreibkunst Essay Petra Weiß

Jahrestage nehme ich immer gerne zum Anlass, in die Vergangenheit zu blicken, um daraus Erkenntnisse für die Gegenwart zu gewinnen.

Am 1. August 1961 wurde das Beruhigungsmittel Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid rezeptpflichtig. Zuvor war es für jedermann ohne ärztliche Verschreibung in der Apotheke erhältlich. Es dauerte noch bis zum 27. November 1961, bis Contergan endlich verboten wurde, obwohl der Bundestag bereits am 14. Mai 1958 eine fruchtschädigende Wirkung des Mittels neben anderen möglichen Ursachen diskutiert hat. Nachdem man zunächst gar nicht zugeben wollte, dass es überhaupt eine Häufung von Fehlgeburten und Fehlbildungen gab.

Wie alles begann

Die Vorgeschichte liest sich wie ein Bericht aus dem Sommerferien-Camp von Jugend forscht: Contergan wurde 1954 von drei deutschen Wissenschaftlern für das Unternehmen Chemie Grünenthal in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Im Tierversuch zeigte es keinerlei Wirkung – weder erwünschte noch unerwünschte. Dann wurde das Medikament an Epilepsie Patienten getestet. Dort stellte sich heraus, dass es sich als Beruhigungsmittel einsetzten lies. Als solches wurde Contergan von 1957 bis 1961 vermarktet. Da es unter anderem bei Schwangerschaftsübelkeit helfen sollte, nahmen viele werdende Mütter die Arznei arglos ein.

Die Missbildungen der unter Contergan-Einfluss gereiften Babys schrieb man zunächst den Nachwirkungen von Atomwaffentests zu. Nachforschungen über die wahre Ursache wurden durch ideologische Fallstricke behindert, die man heute political correctness nennen würde: Das Erfassen von Missbildungen bei Neugeborenen brachte man mit rechten Gesinnungen in Verbindung. So wurde das Ausmaß der Katastrophe erst viel zu spät sichtbar.

Ende 1960 wandte sich ein Arzt mit einem Leserbrief in einem renommierten Zeitschrift an die Fachschaft und stellte den Zusammenhang zwischen dem Contergan-Wirkstoff und neuronalen Schäden her, was Chemie Grünenthal zunächst bestritt. Fast ein ganzes Jahr lang blieben die Verdachtsmomente ohne angemessene Konsequenzen, selbst die Rezeptpflicht wurde nur schleppend in den verschiedenen Bundesländern umgesetzt. Zuletzt in Bayern am 1. Januar 1962. Obwohl einige Wissenschaftler die Nebenwirkungen längst erkannt hatten und entsprechende Beiträge in angesehenen medizinischen Magazinen publiziert waren.

Verspätete Aufklärung

Die breite Öffentlichkeit lies man so lange im Unklaren darüber, dass es überhaupt ein Problem gab, bis es per Verbot der Arznei gar nicht mehr zu leugnen war. Ende November 1961 titelte die WELT: „Mißbildungen durch Schlaftabletten?“ Und am 6. Dezember 1961 las man dann auch im Spiegel: „Bis zum Montag vergangener Woche wußten die Bundesbürger nichts von der ‚Mißbildungs-Epidemie“

Die mit der Aufklärung beauftragten Fachleute versuchten, die Schuld den Müttern in die Schuhe zu schieben, die sich angeblich nicht gesund genug ernährt hätten. Da kann einem schon übel werden – mit und ohne Schwangerschaft.

Traurige Zahlen und solche die fehlen

Allein, dass es bis heute keine konkreten Daten gibt, erzeugt bei mir einen Würgereiz. Von 5.000 bis 10.000 Kindern ist die Rede. Was für ein Zynismus! Als mache es keinen Unterschied ob 5.000 Menschen mehr oder weniger von derart lebensbeeinträchtigenden Umständen betroffen seien. Und betroffen von solchen Schicksalsschlägen ist nicht nur der beeinträchtigte Mensch, sondern seine ganze Familie.

Die Anzahl der durch das Medikament im Mutterleib verstorbenen wird nicht einmal geschätzt. Nicht nur, dass ein Mensch nicht ins Leben kam – für viele Schwangere ist der Verlust ihres ungeborenen Kindes traumatisch und hat zum Teil jahrzehntelange Nachwirkungen, die ihr, dem Kindsvater und auch den Spätergeborenen zu schaffen machen.

Bei der systemischen Familientherapie zeigt sich immer wieder, wie dramatisch einerseits Verluste im Mutterleib sein können und andererseits wie folgenreich es sogar für die ganze Sippe der „Täter“ ist, dass jemand (auch unabsichtlich) den Tod eines Menschen herbeigeführt hat. Derartige Schuld wird unbewusst manchmal über Generationen hinweg gesühnt.

Auf die Anzahl der heute noch lebenden kann man nur mittels der bekanntgegebenen Schadenersatzzahlungen schließen. Mindestens 6.880 sind so schwer fehlgebildet, dass sie jetzt noch monatliche Zahlungen aus einem Fonts erhalten, der teils von den verursachenden Pharmaunternehmen, teils von uns Steuerzahlern getragen wird.

Im August 2020 (!) kam erst heraus, dass in einem Krankenhaus, das von der Caritas betrieben wurde, 1960 Versuche an Säuglingen und Kindern mit Contergan gemacht wurden. Der offizielle Tenor mit meinen Worten wiedergegeben: Oh, das kann man sich gar nicht erklären, wie es dazu wohl nur gekommen sein mag. Aber natürlich tut es einem leid. Das war‘s. Keine Untersuchung, keine Daten.

Offensichtlich will es niemand so genau wissen, wenn medizinische Fehleinschätzungen bleibenden Schaden anrichten. Schwamm drüber.

Maßnahmen aus dem Schlamassel

Damit so etwas nie wieder geschieht, wurde die Zulassung medizinischer Wirkstoffe streng reglementiert. Als Maßnahme aus den leidvollen Erfahrungen verlangen die Behörden von den Pharmaunternehmen, die Wirkung sowie unerwünschte Nebenwirkungen der Medikamente unter Laborbedingungen zu untersuchen, bevor sie für den Einsatz am Patienten freigegeben werden. Der Ablauf solcher Zulassungsverfahren ist im Detail geregelt.

Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, die erlauben, dass eine vom Standardvorgehen abweichende Notzulassung erteilt wird. Lebensbedrohliche Gefahr im Verzug und eine positive Einschätzung zur Nutzen-Risiko-Bilanz ermöglichen, dass zugunsten der sofortigen Verfügbarkeit eine Zulassung erteilt wird, ohne dass alle üblicherweise erforderlichen Studien abgeschlossen sind. Auf jedem Fall muss ein akuter Bedarf an einer solchen Arznei bestehen. Sie wird dringend gebraucht und kein bereits zugelassenes Medikament kann die Gefahr der betreffenden Erkrankung abwenden.

Um die restlichen Studienergebnisse einzureichen hat der Antragsteller dann 12 Monate Zeit. Währenddessen hat die Arznei eine „bedingte Zulassung“. Sie ist also zugelassen, aber eben nur „bedingt“.

Die bedingte Zulassung läuft nach einem Jahr aus. Wenn die nachgereichten Studienergebnisse die Wirksamkeit und Sicherheit der Arznei belegen, kann die Zulassung zunächst um 5 Jahre verlängert werden, bevor sie dann ggf. ohne Zeitbeschränkung erteilt wird.

Die Daten der im Rahmen des „Feldeinsatzes“ mit dem Notfallmedikament behandelten Patienten werden nicht systematisch erhoben und ausgewertet. Sie sind insofern nicht Teil einer Studie und ihre Erfahrungen fließen nicht in die Zulassungsbewertung ein. Das ist eigentlich schade. So gehen wertvolle Erkenntnisse verloren.

Verständnis aus psychologischer Sicht

Wenn ich heute auf die Ereignisse zurückblicke, kann ich für alle Beteiligten Verständnis entwickeln. Ich verstehe, dass Wissenschaftler die Früchte ihrer fleißigen Arbeit gerne der Welt zur Verfügung stellen wollen. Auch kann ich nachvollziehen, dass ein Unternehmen nach der aufwändigen Entwicklung eines Medikaments mit dem Präparat Geld verdienen will und muss.

Falls dann schwerwiegende Folgen zutage treten, möchte niemand daran die Schuld tragen. Wer will schon für dem Tod von ungeborenen Babys und die Fehlbildungen von Neugeborenen verantwortlich sein? Ich kann verstehen, dass Grünenthal jeden Zusammenhang mit ihrem Produkt abstritt. Von den drohenden finanziellen Konsequenzen mal ganz abgesehen, die bestimmt niemand tragen wollte.

Wohin mit der Schuld?

Statt der Wahrheit ins Auge zu blicken, wird der Schwarze Peter hin und her geschoben. Lieber nimmt man an, eine abstrakte und entfernte Ursache wie radioaktive Strahlung sei verantwortlich als ein von bestimmten Menschen hergestelltes, vermarktetes und gekauftes Produkt.

Ich könnte mir vorstellen, dass auch einige der Mütter gerne den Erklärungen Glauben schenkten, Atomwaffen seien die Ursache des Übels und nicht die von ihnen gutgläubig eingenommen Arzneien. Selbst dieser vergleichsweise kleine Beitrag zu dem schweren Schicksal ist für einen Menschen kaum zu ertragen.

Das Unterdrücken der Vermutung, Contergan könne ursächlich an den Fehlbildungen beteiligt sein, ist wissenschaftlich fatal und gesellschaftlich kann man es natürlich nicht vertreten.

Aus psychologischer Sicht ist die Nicht-Reaktion von Ärzteschaft und Medien dennoch verständlich. Noch keine Generation war vergangen, da hatten Ärzte sich blutige Hände geholt an den ideologisch gefärbten Vorstellungen von „unwertem“ Leben. Lieber kniff man beide Augen kräftig zu als auch nur im Entferntesten den Eindruck einer Nazi-Haltung zu erwecken. Wer hätte sich schon einem grollenden Sturm der Empörung stellen wollen?

Der Versuch, den ohnehin schon von Schuldgefühlen geplagten und mit den praktischen Ergebnissen des misslungen Menschen-Experiments belasteten Müttern die Verantwortung zuzuweisen, brachte vermutlich die Wendung. Muttis fühlen sich sowieso immer schuldig, wenn in der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Kindes irgendetwas schief läuft und machen sich zeit ihres Lebens Vorwürfe. Das konnten die Frauen nicht mehr dulden – und ihre Ärzte auch nicht.

Zwar hatte man die Mediziner durch die Rezeptpflicht zu Mitschuldigen gemacht und damit die Aufklärung erheblich erschwert. Wer verwickelt ist in solch ein Verbrechen, wird weder sich selbst noch seine Standesgenossen anklagen und wohl kaum als Zeuge belasten. Doch letztlich waren Gewissen und Moral entscheidend.

Mehrere Mutige hat es gebraucht, um den Stein endlich ins Rollen zu bringen: einen beherzten Arzt, einen unerschrockenen Chefredakteur und letztlich Juristen, die sich von Macht und Geld nicht beeindrucken ließen.

Die Lehre aus dem Contergan-Skandal

Forscher haben gelernt, dass man jede Verantwortung abgeben kann, wenn man sich an die behördlichen Vorschriften hält. Arzneimittelhersteller haben gelernt, dass sie die Haftung für Medikamente ohne reguläre Zulassung besser nicht übernehmen sollten. Die Presse hat gelernt, dass es ihr niemand dauerhaft übel nimmt, wenn sie unliebsame Wahrheiten verschweigt. Politiker haben gelernt, dass es immer gut ist, einen Sündenbock parat zu haben.

Was haben wir alle gelernt?

Wir haben erlebt, dass das Undenkbare geschehen kann. Wir haben gesehen, wie unmöglich es für manche Menschen ist, ihre Verantwortung zu übernehmen, wenn die Folgen ihrer Entscheidungen derart schwerwiegend sind. Wir konnten verfolgen, dass die Schuldigen lieber mit wehenden Fahnen weiter in die falsche Richtung rennen, als (sich und anderen gegenüber) ihre unverzeihlichen Fehler einzugestehen.

Wenn wir daraus nichts gelernt haben, war das Leid der Contergan-Geschädigten, die Bürde der Verursacher und der Mitschuldigen an der verzögerten Aufklärung vergebens.

Text: Petra Weiß
Foto: Kolja Fleischer  / pixelio.de

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Hier finden Sie weitere Beiträge aus der Rubrik Im Lichte der Geschichte.

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Wenn Absurdes obsiegt

Emotionale Erpressung ist ein machtvolles Mittel der Beeinflussung fühlender Menschen. Durch unseren vorhersehbaren Wunsch, gut zu sein und das Richtige zu tun, ist unser Verhalten durch weniger ehrenhaften Kräfte berechenbar. Weil das Thema ernst genug ist, habe ich Ihnen gleich zwei sprachliche Kunstgriffe mitgebracht, die ich ausgesprochen amüsant finde.

Heute widmen wir uns wieder den rhetorischen Tricks, die Arthur Schopenhauer uns in seinem Büchlein „Die Kunst Recht zu behalten“ vermacht hat. Den Auftakt-Artikel zur gleichnamigen Reihe finden Sie hier: Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…

Als Alltagsbeispiel dient uns das Gezuchtel am Esstisch, mit dem der Nachwuchs durch allerlei Kniffe dazu gebracht werden soll, Spinat zu verzehren, und die wehrhaften Versuche desselben, dem Grünzeug mit List und Tücke zu entgehen.

Übertreibung des Gegenteils.

Ein bisschen Drama hat noch keiner unfairen Diskussion geschadet. Das Stilmittel der Übertreibung ist dafür bestens geeignet. Besonders, wenn man den Tragik-Faktor verstärkt und das ohnehin unzulässige Argument durch ein absurdes Entweder-Oder würzt.

Die Mutter könnte eine Prise Macbeth in die Diskussion einbringen, indem sie ausruft: „Möchtest du den Spinat jetzt essen oder lehnst du meine mütterliche Fürsorge generell ab?“ Zumindest das Überraschungsmoment hat man mit solch einer Groteske auf seiner Seite. Der andere ist bestürzt über die Unterstellung und beißt mit etwas Glück in den anscheinend weniger sauren Apfel.

Halten Sie Ihre Augen offen: Sie werden jeden Tag solche unlauteren Vorgehensweisen finden, Ihnen eine ganz normale und berechtigte Haltung als Ausdruck eines unerträglichen Verhaltens, einer unmenschlichen Absicht oder eines geradezu barbarischen Ansinnens zu verkaufen. Vielleicht ist Ihnen schon einmal begegnete, dass Sie angeblich andere Leute umbringen, wenn Sie auf die von Ihnen gewählte Art und Weise gut für sich sorgen. Solche Aussagen sind in jedem Fall kritisch zu hinterfragen. Und wenn Ihnen das Hinterfragen madig gemacht wird? Dann erst recht.

Grundloser grandioser Triumpf.

Schallend gelacht habe ich beim Studium des Schopenhauer´schen Urtextes an dieser Stelle. Auf so eine unverfrorene Idee muss man erst mal kommen: Man stellt ein paar Unumstößlichkeiten in den Raum, die weit entfernt mit dem Thema zu tun haben. Dann stößt man einen triumphierenden Schrei aus und tut einfach so, als hätte man damit alles bewiesen. Herrlich!

Für unser Beispiel heißt das, dass der Gemüsehasser folgert: „Spinat gehört zu den grünen Gemüsesorten. Gemüse gehört zu den Früchten. Früchte haben schon die Dinosaurier vor Jahrmillionen verzehrt. Und die sind ausgestorben. Ha! Da haben wir es!“

Nicht nur kleine Halunken bedienen sich solcher Schamlosigkeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Wir finden die Wortkünstler und Sprachjongleure in jedem Alter und in allen Positionen unserer Gesellschaft.

Solche Übungen sind weit mehr als eine schöne sprachliche Spielerei für Intellektuelle. Während wir uns mit diesen Techniken befassen und sie in unseren eigenen und den Reden anderer finden, schulen wir unseren logischen Verstand. Mir scheint es heute wichtiger denn je, immer wieder zu fragen: Ist das so? Haben wir es hier tatsächlich mit Ursache und Wirkung zu tun? Kann es auch einen anderen Zusammenhang geben?

In der Reihe bereits erschienen sind die Folgen:

Scheinargumente mit Tradition

All-gemeine Argumente.

Ups falsch verstanden…?

Beweise, die keine sind

Kopfsalat statt Spinat

Peinlich, peinlich.

Richtungsweisend

Hier finden Sie weitere Beiträge aus der Rubrik Manipulative Muster erkennen.

Text: Petra Weiß
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Werkzeuge zur Bewusstwerdung

Heilpraktiker Weinheim Lichtblick

Essay. Lesedauer ~26 Minuten
Rubrik: Manipulative Muster erkennen

Niemand kann Ihnen sagen, wer Sie sind. Sie werden es selbst herausfinden, und zwar auf Ihre eigene Art und Weise. Wie wir alle wissen, führen viele Wege nach Rom. Es gibt nicht nur den einen Pfad der Selbsterkenntnis. Nur Sektenführer oder Gurus behaupten, als einzige den Stein der Weisen zu besitzen. In solche Hände will man nicht gelangen.

In unsicheren Zeiten blühen überall neue Glaubensrichtungen auf, was grundsätzlich in Ordnung ist. Einige davon geben sich allerdings als etwas anderes aus, zum Beispiel als politische Gruppierungen.

Vor Menschen, die ihre Beweggründe und Absichten verschleiern, dürfen Sie sich zu Recht in Acht nehmen. Ihre angemessene Wachsamkeit lässt Sie vielleicht auch aufhorchen, wenn Ihnen gute Möglichkeiten begegnen. Hier ist es wichtig, eine gesunde Vorsicht walten zu lassen, ohne jedoch hinter allem und jedem etwas Böses zu vermuten. Der innere Kompass, mit dem wir von Geburt an gesegnet sind, wird durch Manipulation verwirrt und unser natürliches Empfinden geht dabei manchmal verloren.

Sind Sie auf Ihrem Weg der Selbsterkenntnis schon einmal auf anscheinend zwielichtige Hilfsmittel gestoßen? Wurden Sie für Ihre Versuche, sich und die anderen besser zu verstehen, verlacht? Hat man Sie mit unheilschwangerer Stimme davor gewarnt, sich auf eine bestimmte Methode einzulassen?

Solche Einmischungen in Ihre inneren Angelegenheiten geschehen manchmal offen, häufiger aber in Andeutungen, die wesentlich schwieriger zu klären sind. Sie entfalten ihre Wirkung. Schlimmstenfalls werden Sie davon abgehalten, Ihren ganz persönlichen Weg der Bewusstwerdung beherzt weiter zu beschreiten. Wer will sich schon lächerlich machen oder auf Abwege geraten?! Wie beurteilen Sie, was Ihnen dienlich sein könnte und wodurch Sie Schaden erleiden?

Kostbare Hilfsmittel unter Beschuss

Als ich die Homöopathie für mich entdeckt habe, sah ich in ihr eine von vielen naturheilkundlichen Heilweisen. Dank einer Einzelmittelbehandlung durch einen erfahrenen Arzt habe ich Heilung auf verschiedenen Ebenen erleben dürfen. Mich faszinierte die Wirkung der süßen Kügelchen. Mit Begeisterung vertiefte ich mich in ihren reichen Wissensschatz. Später erschien es mir folgerichtig, mich in Homöopathie ausbilden zu lassen und das Verfahren als einen wesentlichen Mosaikstein in meine heilpraktische Arbeit einzufügen.

Heute schätze ich die Homöopathie als medizinische Unterstützung ebenso wie als Entwicklungshelfer auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Betrachtet man die Gemütssymptome der Arzneimittelbilder und die Ausführungen der konstitutionellen Homöopathie mit Blick auf die tiefen Beweggründe und wiederkehrenden Handlungsmuster, zeichnen sie vielschichtige und schlüssige Charakterstudien. Auf mich wirkt so eine Beschreibung spannender als jeder Krimi. Beim Lesen erscheinen Menschen vor meinem geistigen Auge, die zu dem Mittel passen könnten. Ich erinnere mich an Begebenheiten, in denen solche Züge bei ihnen zum Vorschein kamen. Jedes neue Arzneimittel, mit dem ich mich befasse, jeder überraschende Blickwinkel auf ein bekanntes Mittel ist für mich wie eine Reise durch den bunten Tiergarten des Menschseins. Meine Erlebnisse mit den Erkenntnissen der Homöopathie zu verbinden, gibt meinen Erfahrungen einen sinnvollen Rahmen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass die Homöopathie nicht nur im Kreuzfeuer der Kritik steht, weil sie so eine wirkungsvolle Heilweise ist. In ihr liegt ein Schlüssel zur Selbsterkenntnis und damit zur Selbstliebe und Selbstverwirklichung. Das Bewusstwerden der Menschen über ihr Selbst, das Entwickeln von Selbst-Bewusstsein im wörtlichen Sinne, wird unterdrückt.

Die Taktik der Unterdrückung

Das Muster habe ich erst erkannt, als ich begann, mich eingehender mit Astrologie zu beschäftigen. Über die 4 Elemente Medizin und die Mondhomöopathie hatte ich mich langsam und zögerlich für die Sternenkunde geöffnet. Ein paar Jahre vorher, wäre das undenkbar gewesen. Die Verleumdungskampagne zur Astrologie hatte bei mir üppige Früchte getragen. Ich schaute mitleidig auf Leute, die ihr Horoskop in der Zeitung lasen und daraus etwas für sich ableiten wollten. „Jaja: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…“ spottete ich. Ich hatte keine Ahnung, dass wir mit der „Vulgär-Astrologie“ einen armseligen Abklatsch der astrologischen Möglichkeiten gezeigt bekommen, damit wir die Aussagen als unzutreffend oder allgemeingültig abtun können und die Idee, uns mit dem „Aberglauben“ näher befassen zu wollen, von vorn herein verwerfen.

Es gibt etwas Vergleichbares in der Homöopathie: Diese ausgeklügelte Heilkunst wird ebenfalls im Niveau für die breite Masse soweit gesenkt, dass sie im Glücksfall hilft, oft gar nichts bringt und manchmal sogar schadet. Samuel Hahnemann hat die eher grobstofflichen D-Potenzen nicht entwickelt. Gegen Ende seines Schaffens hat er im Gegenteil die Ausgangsstoffe noch feiner verrieben und höher potenziert. Und nur in wenigen Ausnahmefällen hätte er standardmäßig 3×5 Kügelchen für ein bestimmtes Malheur eingeworfen – ohne Ansehen der Person!

Ungeschulte Laien, die ihr Wissen aus dem Internet und aus Patientenratgebern beziehen, sind in der Regel nur oberflächlich informiert. Sie können beispielsweise nicht unterscheiden, ob sie gerade eine Erstverschlimmerung erleben, die für das Mittel spricht, oder ob die Arznei falsch gewählt war. Manche haben ein Händchen für Homöopathie und erreichen trotzdem Beachtliches.

Die anderen wenden sich enttäuscht ab: „Hab ich probiert, nützt bei mir nix.“ Dabei hätten sie vielleicht nur eine andere Potenz gebraucht oder eine weiter Gabe. Oder sie hätten stattdessen früher mit der Behandlung aufhören sollen, um die erzielte Wirkung aufrecht zu erhalten. Wenn man Homöopathika zu lange einnimmt, löst man mitunter genau die Symptome aus, die man eigentlich loswerden will. Wissen, Erfahrung und Geduld sind vonnöten. Mit „Vulgär-Homöopathie“ kann man vielleicht ein wehes Knie bei der Heilung unterstützen, aber wohl kaum einer ernsthaften Erkrankung zuleiberücken. Das sagt man den Leuten aber nicht. Man tut einfach so, als seien 3×5 Globuli Arnika D6 das Beste, was die Homöopathie zu bieten hat. Das ist „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…“ auf Homöopathisch.

So hält man die Menschen wirksam davon ab, sich eine Betrachtungsweise anzueignen, die sie auf ihrem Weg zu sich selbst hilfreich begleiten könnte.

Der lange Kampf ums Überleben

Hahnemann wurde schon zu Lebzeiten (1755-1843) bekämpft, und zwar von Medizinern, die damals viele Methoden anwandten, die man heute als Naturheilkunde bezeichnen würde, oder die aus der Therapie verschwunden sind, weil sie mehr Schaden anrichten als Heil. 230 Jahre nach seinem erkenntnisreichen Selbstversuch mit Chinarinde sind seine Mittel immer noch im Einsatz.

Die Astrologie versucht man noch weit länger zu unterdrücken – mit fraglichem Ergebnis. Man hat es nicht geschafft, sie den Menschen ganz vorzuenthalten. Aber man baut genug Barrieren ein, damit sich die Selbsterkenntnis dem Durchschnittsbürger (falls es so etwas gibt) nicht allzu sehr aufdrängt.

Einst war es vollkommen normal, dass Staatsleute sich astrologischer Auswertungen bedienten, wenn sie wissen wollten, wann ein guter Zeitpunkt für einen Krieg oder für eine Vermählung unter Königshäusern war. Es würde mich nicht im Geringsten wundern, wenn unsere Herrscher nach wie vor dieses bewährte Hilfsmittel für ihre Entscheidungen einsetzten, auch wenn man davon in der Zeitung nichts liest. Ich kenne Unternehmer, die bedeutsame Termine für ihre Firma nach astrologischen Gesichtspunkten planen. Davon finden Sie sicher nichts auf deren Internet-Seiten. Das passt nicht ins Image. Gemacht wird es trotzdem.

Wissenschaft und Forschung haben die Astrologie erst belächelt, dann bekämpft und am Ende verdrängt. Wussten Sie, dass die Kunst der Sternendeutung an Deutschen Universitäten gelehrt wurde? Zuletzt 1835 in Erlangen. Dann verbannte man sie aus der akademischen Bildung und verweigerte ihr die wissenschaftliche Anerkennung. So wie man es auch mit der Homöopathie versucht, allen wissenschaftlichen Studien zum Trotz.

Aus der Massenpsychologie weiß man, dass Lügen sich in den Köpfen der Menschen festsetzen, wenn man sie nur oft genug wiederholt. Daher wird mantraartig immer und immer wieder gesagt, die Wirkung homöopathischer Arzneien sei nicht erwiesen. Die Behauptung ist schlicht falsch, gewinnt aber an Glaubwürdigkeit durch ihre unermüdliche Wiederholung.

Es gibt tausende von Fachgebieten. Wenige erleben so einen auf Vernichtung ausgerichteten Kampf. Warum ist es so schlimm, wenn sich jemand mit Homöopathie oder Astrologie befassen will? Und für wen?

Gute Absichten – und was danach ausschaut

In verschiedenen Bereichen konnte man im Laufe der Geschichte beobachten, wie viel versprechende Ansätze, die der Menschheit dazu dienen könnten, ihr Bewusstsein weiter zu entwickeln, erst von außen und dann von innen heraus beschädigt oder zerstört worden sind.

Ursprünglich in guter Absicht gegründete Vereinigungen werden unterwandert, gekapert und ihre Leitfiguren legen dann Bestimmungen fest, die vorgeben, der Sache zu dienen, doch ihr tatsächlich schaden. Ich bin besonders aufmerksam, wenn ein Schild mit den Worten „Sicherheit“ oder „Schutz“ hochgehalten wird. Langwierige und sündhaft teure Fortbildungen werden „zum Schutz der Verbraucher“ eingerichtet. Die Prüfungen sind „aus Gründen der Qualitätssicherung“ lebensfern, von Willkür geprägt oder unsinnig schwer.

Wichtige Hinweise auf das Selbst sendet der Leib in Form von Erkrankungen. Wenn wir uns von unserem Selbst entfernen, geht es uns nicht gut. Daher kann es sehr erhellend sein, sich mit seinem eigenen Körper auseinanderzusetzen und eine Sinnhaftigkeit in den Beschwerden zu finden, besonders, wenn sie chronisch geworden sind. Dann steht zu vermuten, dass etwas in der Tiefe gelöst werden will. Ganzheitsmedizinische Ärzte und Heilpraktiker unterstützen ihre Patienten dabei.

Ärzte, die sich alternativen Heil- und Betrachtungsweisen zuwenden, erleben aus ihrem Kollegium – freundlich formuliert – nicht immer Zuspruch und Verständnis. Heilpraktiker werden offen angegriffen und diskreditiert. Wenn sich Hintergründe einer gesellschaftlichen Erscheinung nicht spontan erschließen, lohnt sich manchmal ein Blick in die Geschichte:

Warum fallen 80 % der Heilpraktiker-Anwärter bei der Prüfung durch? Sind sie einfach nur zu dumm, schlecht vorbereitet oder neigen sie zur hemmungslosen Selbstüberschätzung, sich zu der Prüfung anzumelden ohne das erforderliche Wissen? Was meinen Sie? Dient die hohe Durchfallquote dem Schutz der “Volksgesundheit”, wie es im Heilpraktikergesetz genannt wird? Oder sind da vielleicht noch ganz andere Interessen im Spiel?

Jeder Anwärter lernt die Paragraphen des Heilpraktikergesetzes auswendig, damit er vor dem Amtsarzt aufsagen kann, was er als Heilpraktiker alles NICHT darf. Die Prüfung sichert keineswegs, dass ein fähiger Heilpraktiker seinen Patienten bestmöglich dienen kann, sondern nur, dass er keinen Schaden anrichtet. Was für ein Geist schwingt in diesem Gesetz und in dem Prüfungswesen mit?

Das Heilpraktikergesetz vom 17.02.1939 war von den Nazis ursprünglich als „Aussterbegesetz für den Berufsstand des Heilpraktikers“ geplant, wie man auf Wikipedia nachlesen kann. Es müsste eigentlich „Anti-Heilpraktiker-Gesetz“ heißen. Man wollte den Beruf ausrotten. Mag man der Hitler-Regierung unterstellen, sie habe sich um das Wohl der Patienten gesorgt? Wenn ich betrachte, was im Namen medizinischer Forschung im Dritten Reich verbrochen wurde, wäre ein unpassendes Kügelchen oder ein falsch gewähltes pflanzliches Heilmittel zu der Zeit aus Patientensicht meine geringste Sorge gewesen.

In den 1950er Jahren musste man einräumen, dass dieses Gesetz in einigen Passagen verfassungswidrig war und lies zähneknirschend die nicht-ärztlichen Naturheilkundler weiter ihrer Berufung folgen. Man fand andere Wege, ihnen das Leben schwer zu machen.

Ihr Ansehen in der Öffentlichkeit wird stets aufs Neue beschmutzt: Besteht auch nur der leiseste Verdacht auf einen Behandlungsfehler, wird die Geschichte in der Presse breitgetreten und der ganze Berufsstand infrage gestellt. Eine gewissenhafte Nachverfolgung der Anschuldigungen und konsequente Aufklärung, wie sich der Verdacht verflüchtigt hat, wird dann leider nicht betrieben.

Statt auf die anspruchsvollen Prüfungen hinzuweisen, wird gebetsmühlenartig das gleiche Kriterium für die Prüfungszulassung in den Blickpunkt gezerrt, nämlich, dass man nur einen Hauptschulabschluss braucht, um Heilpraktiker zu werden. Was für ein Licht wirft das auf die Kompetenz?

Die Zunft wird mit einem Wust von sich ständig ändernden Auflagen und Regelungen fruchtlos beschäftigt. Während ich den Sinn der (mit Bravour bestandenen) Hygieneprüfung durch das Gesundheitsamt noch nachvollziehen konnte, war mir schleierhaft, wieso die Größe der Fläche meiner Praxisräume sich auf die Anzahl der benötigten Patientenparkplätze auswirken soll.

Als ich 2006 meine Praxis gründete, durfte ich mit nur drei Therapierichtungen auf mein Praxisschild oder in Anzeigen werben. So eine Bevormundung! Nicht nur mir gegenüber, sondern auch gegenüber den Patienten. Als ob sie mit mehr als drei Nennungen überfordert gewesen wären. Die Regelung “zum Schutz der Patienten” ist mittlerweile überholt.

Wen schützt man hier eigentlich wovor?

Schauen wir uns doch einmal den Patientenschutz und seine Reglementierungen an einem Beispiel genauer an:

Die Stiftung Homöopathie Zertifikat (SHZ) hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die Qualität homöopathischer Aus- und Weiterbildung zu richten. Schulen werden SHZ-zertifiziert, Lehrer werden SHZ-zertifiziert. SHZ-Homöopathen verpflichten sich, nach Ausbildung und bestandener Prüfung drei Jahre lang bei einem SHZ-zertifizierten Supervisor “in die Lehre” zu gehen.

Ich kenne kein einziges naturheilkundliches Verfahren, das so reglementiert worden ist. Wir verstehen uns hier bitte nicht falsch: Natürlich müssen Mediziner gut ausgebildet sein und wissen, was sie tun. Diese Zertifizierung geht darüber weit hinaus.

Die Schulen und Lehrer sind gezwungen, sich nach SHZ-Standards zertifizieren zu lassen, um SHZ-zertifizierte Therapeuten hervorzubringen. Standards, die eine Kommission festgelegt hat, welche weder einer staatlichen Einrichtung angehört, noch aus gewählten Standesvertretern besteht.

Egal, wie hilfreich ein Arzt oder Heilpraktiker in der Praxis für seine Patienten wirkt: Ohne das aufwändige und kostspielige Zertifikat ist er ein Homöopath zweiter Klasse. Das hat direkte Auswirkungen auf sein Einkommen und auf seine Möglichkeiten der Kundengewinnung.

Denn Krankenkassen machen vom SHZ-Zertifikat des Therapeuten abhängig, ob sie ihren Patienten eine homöopathische Behandlung erstatten. Es reicht nicht, dass seine Ausbildungsstätte und seine Lehrer SHZ-zertifiziert waren, was eine standardisierte Fortbildung gewährleistet. Der Therapeut selbst muss das Zertifikat erwerben.

Solche Einschränkungen der Leistungserbringung geschehen bestimmt nicht aus Sparsamkeit oder Geiz, geschweige denn aus politischen Gründen, sondern stets zum Wohle der Krankenkassenmitglieder.

Glauben Sie das?

Damit die Patienten sich durch das Gängelband nicht bevormundet fühlen, sondern gut beschützt, muss die Mär der Scharlatanerie am Leben gehalten werden: Es wimmelt da draußen nur so vor skrupellosen Beutelschneidern und Scherenschleifern, die mit Doktor-Titel oder – noch schlimmer! – als Heilpraktiker die Gesundheit ihrer Patienten mit Kügelchen ruinieren würden, wenn man sie nicht mit Macht davon abhielte.

Ist das so?

Wer seinen Patienten Leid zufügt, muss sich dafür verantworten. Das regelt die Rechtsprechung. Was glauben Sie wohl, mit welchen Medikamenten das häufiger der Fall ist? Werfen Sie doch einmal einen Blick in die Statistik, wenn Sie sich die Wahrheit zumuten wollen.

Was wäre wenn…

Die gleiche Argumentation, die gegen die Heilpraktiker und gegen die Homöopathie Verwendung findet, wird gegen die Astrologie eingesetzt: Gefährlich! Das glaube ich wohl. Aber für wen?

Als Kontrapunkt zur “Vulgär-Astrologie” wird sich auch hier zu-Tode-zertifiziert. Der Verband sichert die Qualität mit auserwählten Lehrern. Meine Anfrage nach einer Quelle für seriöses astrologisches Wissen wurde mit der Aussage quittiert, dieses könne man nur durch die zertifizierte Fortbildung erwerben.

Kommt Ihnen das Muster bekannt vor?

Nehmen wir einmal an, ein jeder könnte sich selbst erkennen und wüsste, wer er ist, wozu er auf Erden weilt und welche seiner Gaben er den Menschen aus vollem Herzen schenken kann. Würden wir dann einen ungeliebten Beruf weiterhin ausüben, damit wir als Ersatzbefriedigung noch mehr überflüssige Konsumgüter kaufen können?

Wenn wir mit erhobenem Haupt zu unserem So-Sein stünden, statt uns ständig dem Joch eines wahnhaften Perfektionierungszwangs zu beugen, wer wollte uns dann seinen Willen mithilfe von schlechtem Gewissen und Schuldgefühlen aufdrücken?

Hätten wir ein Bewusstsein über unsere naturgegebene Einzigartigkeit, welchen Herden würden wir nachlaufen in der Hoffnung, irgendwo dazu gehören zu dürfen?

Wer könnte uns noch sagen, dass etwas Grundlegendes an uns falsch wäre, weswegen wir uns schämen müssten, und wie wir gefälligst zu sein haben?

Wir wären frei. Frei in einem umfassenden Sinne, den wir uns in unserer Gesellschaft heute kaum vorstellen können.

Uns davon abzuhalten, der zu werden, der wir sind, ist ein machtvolles Herrschaftsinstrument. Gehen Sie davon aus, dass die Methoden, die uns dabei am nützlichsten wären, am gnadenlosesten bekämpft werden. Das betrifft alle Lebensbereiche.

Förderliche Bedingungen

Wohlstand wäre beispielsweise eine gute Voraussetzung, uns auf unsere seelisch-geistige Entwicklung zu konzentrieren, was wir nicht können, wenn wir all unsere Lebensenergie für die Existenzsicherung aufbringen müssen. Anstelle dessen erleben wir Mangel, wohin wir auch schauen. Die meisten Menschen rödeln von früh bis spät, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie sind durch Brotkrumen lenkbar, die man ihnen gnädig hinwirft. Statt zu verlangen, was ihnen zusteht, verneigen sie sich demütig, wenn ihnen ein Almosen gewährt wird. Es geht den Eliten nicht darum, dass sie noch reicher werden. Ihr Ziel ist es, dass die Armen arm bleiben. Dann sind die Massen beschäftigt und steuerbar.

Den Menschen wird es aus gutem Grund schwer gemacht, sich ihrer Anlagen, ihrer tiefen Bedürfnissen und kostbaren Fähigkeiten gewahr zu werden.

Jeder Mensch hat ein Recht darauf, sich zu entwickeln. Vielleicht sogar die Pflicht. Ein jeder in der ihm gemäßen Weise. Kostbare Hinweisgeber auf der Suche nach dem Selbst wurden seit jeher in erhabene Kreisen genutzt und vor dem niederen Volk geheim gehalten.

Weitere Beispiele

Das Enneagramm ist eine überaus hilfreiche Typenlehre. Die Kirche arbeitet in der Seelsorge seit Jahrhunderten mit der Weisheit des Enneagramms. Die Typologie dient dazu, den Menschen in seinen tiefliegenden Motiven und daraus resultierenden Handlungsmustern zu erfassen, um ihm so zu begegnen, wie es seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten entspricht. Erst in den 1980er Jahren kamen die ersten Enneagramm-Bücher auf den Markt. Seither bahnt sich das vormals okkulte Wissen seinen Weg über Fachleute wie Coaches und Personalberater in die Breite der Bevölkerung.

Typentests – mittlerweile auch im Internet – wollen anhand von ein paar Fragen bestimmen, welchem Persönlichkeitsmuster man angehört. Dieses Vorgehen entspringt dem verständlichen Wunsch, die zeitraubende Erforschung durch einen erfahrenen Enneagramm-Berater abzukürzen. Und führt häufig nicht zum Ziel, weil es weder der komplexen Methode noch dem Facettenreichtum des Menschseins gerecht werden kann. Durch dieses ungemäße Abspecken landen viele in einer falschen Schublade, und die Betroffenen versuchen jahrelang vergeblich, sich deren Format anzupassen. Damit ist niemandem gedient. Das bringt dieses wertvolle Werkzeug in Verruf und die Menschen auf Irrwege.

Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte ein begabter junger Arzt ein einzigartiges Werkzeug, mit dessen Hilfe man anhand der Auswahl von Farben psychische Zustände treffsicher und objektiv diagnostizieren kann: den Lüscher-Color-Test. Der schweizer Psychiater Prof. Max Lüscher erhielt von seinen Kollegen für die Entdeckung weder Anerkennung noch Unterstützung. Seine Veröffentlichungen richteten sich notgedrungen an die Laienleserschaft. So verkam die bahnbrechende Erfindung eine Zeitlang zum Partyspiel. Heute soll eine aufwändige Fachfortbildung die Qualität für den klinischen Einsatz des Diagnoseverfahrens in der Praxis sichern. Ob sie dadurch in Fachkreisen die angemessene Würdigung erfahren wird, steht in den Sternen.

Entfaltung braucht Bereitschaft

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass die Korrektur eines verzerrten Selbstbildes zwar schmerzhaft sein kann, sich aber für die weitere Persönlichkeitsentwicklung sehr lohnt. Wem dieser Schritt ein Gräuel ist, wird sich an das falsche Bild klammern. Selbst wenn er um eine Auswertung seiner Veranlagungen gebeten hat, kann er sehr wütend werden über eine unerwartete Enttarnung – vor allem, wenn sie punktgenau zutrifft.

Ich habe den „heiligen Zorn“ miterlebt, der einem Kollegen und seiner Arbeit entgegengeschleudert wurde, weil er mit seiner präzisen Analyse der Konstitution eines selbstgefälligen Mannes, dessen trügerisches Image in Scheiben fallen lies. Und er hatte es nicht einmal im Ansatz unfreundlich gemeint oder gefühllos vermittelt. Mit erbittertem Hass hat der Narzisst die Methode später bekämpft, die ihn in seinem Wesenskern erkannt hat.

Selbstverständlich steht es uns nicht zu, jemandem unaufgefordert zu sagen, wer er ist. Das Bedürfnis nach Selbsterkenntnis muss aus dem Betroffenen erwachsen. Dann findet er auch die für sich passenden Wege.

Um bewerten zu können, welche Mittel Ihnen wirklich dienen, braucht es einen klaren Verstand. Schauen Sie zuerst, von wem Sie etwas erfahren und fragen Sie sich, welche Absichten er wohl verfolgt. Geschriebenes Wort ist leider nicht immer Wahrheit. Ist das Gelesene logisch und plausibel? Kann das wahr sein? Wenn ja, befragen Sie Ihr Bauchgefühl. Falls nein, nützt es Ihnen nichts, dass es sich schön anfühlt oder als gut erscheint. Sobald Kopf, Herz und Bauch zustimmen: Sammeln Sie Erfahrungen und vergleichen Sie die Theorie mit ihrem Erleben.

So können Sie unterscheiden, was Ihnen nutzt und was Ihnen schadet, wer es ehrlich mit Ihnen meint und wer Sie für seine Zwecke einspannen will. Warten Sie nicht auf einen Führer, Guru oder Messias. Sie selbst sind der Schlüssel zu Ihrem Glück. Sie müssen nicht die Welt retten. Wenn sich jeder auch nur ein bisschen entwickelt, entfaltet die Menschheit nach und nach ihr gesamtes Potenzial.

Text: Petra Weiß
Foto: tokamuwi / pixelio.de

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin. Das Enneagramm nutzt sie in ihren psychologischen Beratungen. Die Homöopathie übt sie seit 15 Jahren aus, seit 2016 mit dem Segen einer SHZ-zertifizierten Schule. Die Lüscher-Color-Diagnostik ist eine der Grundlagen für die Moderne 4-Elemente-Medizin nach Dr. Peter Vill, die sich unter anderem astrologische Auswertungen zunutze macht. 2016 hat sie gemeinsam mit Dr. Vill den Patientenratgeber “Gesundheit gestalten mit den 4 Elementen” veröffentlicht. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.