Das gute Schenken.

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Lesedauer ~17 Minuten

Möchten Sie jemandem etwas zu Weihnachten schenken, worüber er oder sie sich freut? Ein passendes Geschenk zu finden, ist gar nicht so einfach. Viele Leute haben ja schon das meiste, was sie brauchen. Oder ganz konkrete Vorstellungen, was sie wollen, die man nicht erahnen kann.

Mir schenken Menschen manchmal feine Pralinen – ein Klassiker, mit dem man nichts falsch machen kann. Oder doch? Die Idee trifft meine Freude am Genuss und ist insofern genau in die richtige Richtung gedacht. Leider habe ich eine Schokoladen-Allergie (Wie fies ist das denn?!) Damit kann nun wirklich keiner rechnen.

Weil viele Geschenke gut gemeint und trotzdem individuell unpassend sind, geht nach dem Fest das große Umtauschen los. Besonders unangenehm ist es, wenn wir uns dem Schenker verpflichtet fühlen und z.B. glauben, eine Vase aufstellen zu müssen, die so gar nicht zu unserer Einrichtung passt. Damit ist niemandem gedient. Wir freuen uns nicht über das Präsent, sondern quälen uns jeden Tag, wenn wir unser Ästhetik-Empfinden der vermeintlichen Pflichterfüllung oder falsch verstandenen Loyalität opfern.

Machen Sie dem irren Konsumtreiben ein Ende durch offene Kommunikation und Klarheit. Das fördert nicht nur eine gesunde Kultur des Schenkens, sondern auch die aufrichtige Beziehung zwischen den Beteiligten.

Fragen Sie im Zweifel einfach nach, womit Sie dem Adressaten Ihrer Gabe eine kleine, mittlere oder große Freude machen können. Vielleicht werden Sie sich wundern, welch einfache Dinge Ihre Lieben glücklich machen können. In diesen Tagen gewinnen Symbole der Verbundenheit eine neue Bedeutung, wie eine Einladung zum Kaffeetrinken oder ein gemeinsamer Spaziergang am See.

Kleine Aufmerksamkeiten wie selbst gemachte Marmelade oder eine Seife brauchen nur dann eine vorherige Abstimmung, wenn man Allergien und Abneigungen berücksichtigen will. Sonst zählt bei diesen Dingen vor allem die wohlmeinende Geste.

Bei engen Freunden weiß man manchmal schon, was der andere bevorzugt. Doch auch dabei ist man vor Überraschungen nicht sicher. Seit 10 Jahren dieselbe Creme geschenkt? Was damals genau passend war, kann heute vielleicht voll daneben sein. Geschmäcker ändern sich…

Wessen Bedürfnis wird gerade erfüllt? Mit der aufrichtigen Antwort auf diese Frage fallen alle Verlegenheitsgeschenke schon mal weg. Denn diese dienen in erster Linie dem Schenkenden.

Aufschlussreich kann eine Antwort auf diese Frage beim Schenken von Charity-Aktionen sein. Wenn ich weiß, der Beschenkte unterstützt die Organisation auch ohne mein Geschenk, mag das gehen. Sonst ist es eine bevormundende Grenzüberschreitung, für ihn zu entscheiden, wem er eine Spende zukommen lassen will. Bei so viel demonstrativer Wohltätigkeit wird der Beschenkte sich kaum trauen zu sagen: „Ich hätte mich gefreut, wenn Du MIR etwas geschenkt hättest, nicht einer Hilfsaktion, zu der ich null persönlichen Bezug habe.“ Schließlich will man ja nicht als egoistisch gelten, besonders nicht beim Fest der Nächstenliebe.

Umgekehrt ist das Thema Charity genauso problematisch: Wenn Sie um eine Spende für eine gemeinnützige Einrichtung bitten als Ersatz für ein persönliches Geschenk. Damit lehnen Sie das Geschenk eigentlich ab. Und Sie schreiben dem anderen vor, dass er gefälligst etwas Gutes tun soll. Falls Sie mit diesem Menschen eine persönliche Verbindung haben wollen, würde ich das nicht empfehlen. Fragen Sie sich lieber, warum Sie von dieser Person kein Geschenk haben möchten. Oder warum es Ihnen generell schwerfällt, Geschenke anzunehmen, falls das so ist. Die Energie, die in dem persönlichen Geschenk liegt und an Sie gerichtet ist, lenken Sie an sich vorbei und woanders hin, wenn Sie daraus eine Spendenaktion machen. Prüfen Sie Ihre Motive. Wollen Sie, dass jeder sieht, was für ein guter Mensch Sie sind? Wie aufopferungsvoll und selbstlos!

Wenn Sie etwas spenden wollen, machen Sie das jederzeit. Wahre Wohltätigkeit fließt von Herz zu Herz. Sie braucht keine Bühne und keinen Applaus.

Tiefere Bedeutungen sind nicht immer offenkundig. Natürlich ist der Vorgang des Schenkens wie alle menschlichen Handlungen stets im Gesamtzusammenhang zu sehen. In einem scheinbar unpersönlichen Geschenk kann eine Symbolik liegen, die den Schenker und den Geschenkten auf liebevolle Weise verbindet. Als Beispiel fällt mir eine Mutter ein, die ihrem Kind jedes Jahr ein Los der “Aktion Sorgenkind” geschenkt hat. Darin kam zum Ausdruck, dass sie selbst eine gruselige Kindheit hatte und leider auch ihre Tochter nicht vor solch einem Schicksal bewahren konnte. Ihr Beitrag zum Wohlergehen von notleidenden Kindern kann man als symbolische Geste im Sinne eines Wiedergutmachungsversuchs werten – an ihrem inneren Kind und auch auch ihren Nachkommen. Es ist sinnig, die jeweilige Motivation zu durchblicken. Leicht ist das nicht, weil sie mitunter dem Schenkenden selbst nicht bewusst ist. Falls Sie wissen, warum Sie etwas schenken, dessen Bedeutung sich nicht spontan erschließt, sprechen Sie es einfach aus.

Ich empfehle Ihnen aus meiner Erfahrung, prinzipiell anzunehmen, dass der andere es gut meint.

Im beruflichen Umfeld kann man seine Kollegen oder Geschäftspartner aus diplomatischen Gründen nicht immer davon abhalten, einem Dinge zu geben, die man weder will noch braucht oder ausgleichen möchte. Dann sprechen Sie schlicht die Wahrheit aus: “Oh, Sie haben das Bedürfnis, mir etwas zu schenken.” Allein diese Feststellung kann sehr entlastend für Sie und möglicherweise sogar erhellend für den anderen sein.

Manchmal ist weniger mehr. Bitte denken Sie daran, dass Beschenkte grundsätzlich den Wunsch empfinden, für das Gute, das sie erhalten haben, etwas ausgleichen zu wollen. Das ist ein ganz natürliches Bedürfnis. Was die wenigsten wissen: Ist das Bedürfnis nach Ausgleich nicht erfüllbar, etwa weil das Geschenk viel zu groß ist, kann der Beschenkte wütend werden über die Schuld, in der er nun steht. Diese Wut ist für beide Seiten überraschend und häufig unverständlich. Sie wird mitunter nicht direkt ausgedrückt, sondern auf den Umweg des Sarkasmus oder der Stichelei. Happy X-mas!

Einzig Eltern dürfen ihren Kindern alles schenken, ohne dass ein energetischer Ausgleich notwendig ist. Das gilt in milderer Form auch für Geschenke zwischen Schwiegereltern und Schwiegersöhnen oder -töchtern. Kinder müssen ihren Eltern eigentlich gar nichts schenken. Mein Tipp: Drücken Sie Ihre Dankbarkeit gegenüber Mutter und Vater auf andere Weise aus. Wertschätzende Worte berühren Eltern mehr als ein paar Wollsocken oder eine Designer-Handtasche.

Was, wenn das Präsent den angemessenen Rahmen sprengt? In der Regel hat ein übergroßes Geschenk einen Grund. Dieser Grund richtet sich in die Vergangenheit, was in Ordnung ist, oder in die Zukunft, was nach Manipulation riecht. Hilfreich ist es, eine Erklärung anzubieten, welche das übergroße Präsent bereits als Ausgleich für etwas Erbrachtes bezeichnet: „Oh, das ist ja ein extrrem üppiger Blumenstrauß, den Du mir dieses Jahr schenkst. Damit möchtest Du Dich bestimmt dafür bedanken, dass ich Dir neulich bei den Bewerbungen geholfen habe. Deine Wertschätzung kommt an. Vielen Dank.“ An der Reaktion des Schenkenden können Sie erkennen, ob Sie richtig lagen.

Geschenke werden manchmal für hintergründige Zwecke missbraucht, die den Beteiligten gar nicht bewusst sind. Das muss nicht sein. Wir klären das einfach offen. Fragen Sie im Zweifel direkt nach: „Das Geschenk ist so groß, dass ich Dir kaum etwas Angemessenes zurück schenken kann. Was erwartest Du von mir, wenn ich Deine Gabe annehme?“ Ein Deal kommt nur zustande, wenn Sie sich darauf einlassen. Kluges Erwartungsmanagement hat schon so manchen Konflikt im Vornherein verhindert.

Falls die Größe des Geschenks nichts mit Ihnen zu tun hat, sondern nur die Großartigkeit des Schenkers darstellt, hat das ganze Geschenk vermutlich nichts mit Ihnen zu tun. Nehmen Sie es, wenn Sie es wollen, aber nehmen Sie es nicht persönlich.

Gerechtigkeit ist nicht möglich. Der Versuch ist zwar ehrenwert, aber sinnlos. Wie wir sehen, ist das passende Geschenk etwas höchst Individuelles. Wie soll es jemals gerecht sein, zwei Menschen dasselbe zu schenken? Der Ansatz ist gut gemeint, setzt aber alle unter Druck und verfehlt häufig sein Ziel.

Erhält die neue Freundin des Sohnes dieselbe Schmuckschatulle wie die Tochter des Hauses, ist das gerecht? Die Tochter ist viel länger in der Familie und steht den Eltern natürlich näher als die noch fremde junge Frau. Und ob die neue Freundin eine Schatulle braucht, geschweige denn ob diese ihren Geschmack trifft, weiß niemand.

Bei “gleichrangigen” Geschenke-Empfängern kann man versuchen, den Wert anzupassen. Wenn eine gute Resonanz besteht, passiert das hin und wieder sogar automatisch. Im ersten Jahr meiner Beziehung haben mein Freund und ich uns “zufällig” etwas exakt Gleichwertiges geschenkt, obwohl die Geschenke ganz verschieden waren. Vor zwei Jahren lagen unterm Tannenbaum sogar dieselben Geschenke von ihm und von mir! Daraufhin haben wir beschlossen, das nächste Weihnachtsgeschenk einfach gemeinsam auszuwählen.  

Euro schenken? Geld zu schenken kann ein Versuch sein, Gerechtigkeit zu produzieren. Persönlich ist das Geben von Münzen und Scheinen freilich nicht. Ob man den Mangel an Individualität über eine aufwändige Verpackung wettmachen kann oder sollte, da habe ich so meine Zweifel.

Sich Geld zu wünschen drückt aus, dass ich dem anderen nicht zutraue, meine Wünsche zu erfassen, auch wenn ich sie ihm nenne. Diese Befürchtung kann durchaus berechtigt sein. Das finde ich traurig unter Menschen, die sich eigentlich nahestehen könnten. Möglicherweise geben Sie Ihren eigenen Bedürfnissen aber auch nur zu wenig Raum. Vielleicht wagen Sie bei Gelegenheit einen Versuch, sich und Ihre Bedürfnisse dem Schenkenden zuzumuten. Erwarten Sie beim ersten Mal kein Wunder in puncto Stimmigkeit und Passung – aber seien Sie auch nicht allzu schockiert, wenn eines geschieht. Bei wichtigen Beziehungen dürfen ruhig ein bisschen Zeit und Geduld in das Finetuning fließen.

Als Ausgleich für große Events mag es angemessen erscheinen, sich von weitläufigen Bekannten lieber Geld zu wünschen. Das hat ganz pragmatische Gründe: um die Kosten für die Veranstaltung tragen zu können oder um sich einen lange gehegten Wunsch mit dem gesammelten Betrag zu erfüllen.

Was tun, wenn Sie etwas erhalten, was Sie nicht haben wollen? Es kommt es auf Ihre Beziehung zu dem Schenker an. Bedanken Sie sich auf jeden Fall für die gute Absicht. Denn eine solche steht – hoffentlich – hinter (fast) jedem Akt des Schenkens.

Wägen Sie ab, ob Sie das ungeliebte Teil weiterverschenken wollen. Doch, das DÜRFEN Sie! Es gehört ja jetzt Ihnen. Ein Geschenk ist niemals an Bedingungen geknüpft. Sonst ist es kein Geschenk, sondern Teil eines Tauschhandels, auf den Sie sich bewusst einlassen können, aber nicht müssen.

Falls Sie meinen, keine Wahl zu haben, seien Sie wachsam. In solchen Fällen kann viel Unmut vermieden werden, indem man eine Aussprache über die eigenen Befürchtungen und Phantasien – ohne Vorwurf und ohne Unterstellung – herbeiführt. Vielleicht fühlen Sie sich grundlos unter Zwang. Weisen Sie Geschenke zurück, mit denen Sie manipuliert werden sollen. Kein Geschenk der Welt ist es wert, unterm Tannenbaum Zugeständnisse zu machen, die Sie eigentlich nicht wollen.

Wählen Sie für klärende Gespräche prinzipiell einen geeigneten Zeitpunkt und ein passendes Setting. Wir wollen ja nicht, dass der ganzen Familie der köstliche Gänsebraten vor Schreck im Halse steckenbleibt.

Wenn Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem Schenkenden haben, können Sie entscheiden, ob Sie einfach Danke sagen und das Präsent weiterreichen. Oder ob Sie offen ansprechen, dass es leider nicht Ihren Bedürfnissen entspricht. Haben Sie bei dem Gedanken ein ungutes Gefühl? Dann klären Sie die Lage möglichst bevor die unangenehme Situation entstehen kann, also im Vorfeld.

Geschenken bestimmte Bedeutungen zuzusprechen, kann Weihnachten und andere Anlässe zu einem wahren Fettnäpfchen-Parcours machen. Die Größe oder Art des Geschenks lässt keine Rückschlüsse darauf zu, was dem anderen die Beziehung zu Ihnen Wert ist oder wie nahe er Ihnen steht.

Manche Menschen drücken Ihre Gefühle in der Tat durch Präsente aus, andere, indem sie etwas für Ihre Lieben tun und wieder andere durch Worte oder durch gemeinsam verbrachte Zeit. Auch Körperkontakt kann eine Sprache der Liebe sein. Der emotionale Ausdruck ist höchst individuell, und man vertut sich immer in der Bewertung der Ausdrucksweisen, wenn zwei Menschen hier unterschiedliche Sprachen sprechen. 

Ich wünsche Ihnen freudvolle Gelassenheit beim Schenken und beim Empfangen von Präsenten, entspannte Feiertage mit sich und vielleicht auch mit weiteren netten Menschen. Genießen Sie die Zeit und lassen Sie es sich gut gehen – so wie es Ihnen gemäß ist.

Frohes Fest!




Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin und Fachjournalistin für das Ressort Medizin & Gesundheit. Seit 2006 ist sie in ihrer Praxis für Ganzheitsmedizin und Psychotherapie niedergelassen. Sie hat sich auf Traumatherapie und systemische Familientherapie spezialisiert. Ihr Wissen und ihrer Erfahrungen teilt sie in ihrer Sprechstunde, in ihren Workshops sowie in Form von Text- und Video-Beiträgen mit der Welt. Sie gibt das Online-Magazin Weißheiten: vom Ich zum Selbst heraus.

Es ist doch nur eine Armbinde.

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Lesedauer ~10 Minuten
Rubrik: Im Lichte der Geschichte

Vergangene Nacht jährten sich die November-Progrome von 1938. Menschen wurden ermordet, eingesperrt und bestohlen. Viele verloren ihre wirtschaftliche Existenz, ihre Freiheit und ihr Leben. Geschäfte und Privatwohnungen wurden zerstört. Gotteshäuser verwüstet und Friedhöfe geschändet. Mindestens 300 Menschen nahmen sich – aus Verzweiflung oder Weitsicht – das Leben. Danach begann der systematische Völkermord.

Wie konnte es so weit kommen? Das fragt man sich heute und man wird sich dieselbe Frage immer wieder stellen, wenn große Krisen die Eigenschaften der Menschen sichtbar machen: die guten wie die üblen. Ich möchte ein Licht aus meiner psychologischen Sicht auf die Entwicklungen werfen, die zu diesen Geschehnissen führten. Es wäre vermessen, die komplexen Zusammenhänge im Rahmen eines Beitrags umfänglich darstellen zu wollen. Daher richte ich mein Augenmerk auf ein paar wenige Aspekte, die mich dieser Tage besonders beschäftigen.

Im Vorfeld der Ereignisse hatten die politischen Akteure eine passende Rechtsgrundlage geschaffen. Wer Jude war, definierte ein Gesetz. Die Beweislast wurde umgekehrt: Man musste einen Ariernachweis erbringen, im Volksmund „Persilschein“ genannt, um sich von dem Verdacht reinzuwaschen, jüdisch zu sein. Den Juden und auch anderen Gruppen wurden nach und nach ihre Menschenrechte aberkannt. Das meiste Unrecht geschah gemäß geltendem Recht.

Gute Menschen halten sich prinzipiell an Gesetze – wie absurd ihr Inhalt auch sein mag. Ihre Beweggründe liegen auf der Hand: Die Alternative zu verbindlichen Regeln ist Anarchie. Im Chaos will niemand leben. Besser alle halten sich an fragwürdige Vorgaben als an gar keine. Die Menschen stehen unter sozialem Druck, sich so zu gebärden wie die anderen Gesetzestreuen, um dazu zu gehören. Sie haben Angst vor einer Strafe, die sie selbst oder ihre Familie in Schwierigkeiten bringen könnte. Und sie können sich der Illusion hingeben, sie hätten keine Verantwortung für ihr Handeln, was in jeder Lebenslage ein fataler Irrtum ist. Handeln auf Befehl war noch nie frei von Verantwortung – unabhängig von der Rechtsprechung.

Zum Zwecke der Kennzeichnung mussten Juden Armbinden tragen. Diese im Vergleich zu den späteren Entwicklungen scheinbar harmlose Verordnung war der Anfang vom Ende. So waren die „Aussätzigen“ für jeden schon von weitem leicht erkennbar. Repressalien durch die allgegenwärtigen Staatsdiener und Diskriminierung durch die selbsternannten Hüter der Ordnung waren alltäglich.

Natürlich gab es auch Nicht-Juden, die das als Ungerechtigkeit empfanden. Die Sympathisanten standen in dem Risiko, ebenfalls bestraft und aus ihren bürgerlichen Kreisen ausgeschlossen zu werden. Man nannte sie abwertend „Judenfreunde“. Es gab eine Kontaktschuld: Man konnte sich mit diesen Menschen nicht treffen, ohne sich selbst schuldig zu machen. Sogar die „falsche“ Gesinnung von Freunden der Freunde barg eine latente Gefahr für Leib und Leben.

Das Prinzip „DIE und WIR“ spaltete Familien, Freunde, Kollegen und Nachbarn. Diese Spaltung ist die Grundlage eines jeden Terrors. Ohne sie wäre es nicht möglich, Menschen zu quälen, damit ein paar empathielose Psychopathen daraus irgendeinen Nutzen ziehen.

Die Propaganda hatte ganze Arbeit geleistet. Das ständige Wiederholen derselben Narrative hatte dafür gesorgt, dass Juden als Ursache allen Übels bei einem großen Teil der Gesellschaft verhasst waren. Sie waren schuld – am Krieg, an der Armut, an der politischen Krise. Einfach an allem. Hier wurde die berechtigte Empörung der Menschen über ganz andere Probleme gezielt gelenkt. Der Trick ist genauso alt wie effektiv. Er funktioniert immer wieder. Das Wir-Gefühl erstarkt mit einem gemeinsamen Gegner. Man bestätigt sich gegenseitig die Berechtigung für das vereinte Handeln und trägt die Flagge der „Solidarität“ als Rechtfertigung für grausame Taten vor sich her. Der staatstreue Bürger fühlte sich im Recht, wenn er Juden ausgrenzte oder beschimpfte. Später sah man folgerichtig weg, wenn die zuvor Diffamierten weggebracht wurden oder man hielt es sogar für eine gute Sache.

Statt sich zu fragen, ob all diese Behauptungen stimmten, waren die Leute damit beschäftigt, ihre Existenz zu sichern, entlastende Dokumente zu beschaffen und für Lebensmittel anzustehen. Zum Hinterfragen war keine Zeit. Außerdem war es gefährlich, die Autoritäten infrage zu stellen.

Man hatte zwei Meinungen: eine private und eine öffentliche. Zensur erfolgte überall. Wie viele Wahrheit damals verloren ging, werden wir wohl nie erfahren. Ironischerweise darf betreffend dieser Epoche heute keine vom offiziellen Narrativ abweichende Meinung geäußert werden. Das wäre strafbar. Manchmal hat das Schicksal einen schrägen Humor.

Weil so viel Normales verboten war, wurden normale Bürger zu Gesetzesbrechern. Diese konnte man jetzt mit reinem Gewissen anzeigen. Als Denunziant fühlt man sich moralisch überlegen, während man jemanden für ein im Grunde unwesentliches Vergehen in die Pfanne haut.

Je ohnmächtiger sich der einfache Mann fühlte, desto verlockender war es, am Machtsystem teilzunehmen. Ein kleiner Hinweis an den Blockwart und der unliebsame Nachbar, der Konkurrent um einen Arbeitsplatz oder der Ehemann der Geliebten konnte in Schwierigkeiten gebracht werden. Wie überaus praktisch! Der Betroffene musste noch nicht einmal wirklich etwas falsch gemacht haben. Es reichte, wenn man etwas völlig aus der Luft Gegriffenes behauptete, um eine Lawine der Schikane loszutreten. Für falsche Anschuldigungen wurde niemand zur Rechenschaft gezogen.

Ein psychologisch brillanter Schachzug der NS-Regierung – vielleicht sogar der entscheidende – war es, die Allgemeinbevölkerung am Raub zu beteiligen. Die von Juden gestohlenen Gegenstände, ihre Häuser, die Geschäftsbetriebe wurden spottbillig verkauft. Der Pelzmantel und die Lederhandschuhe der jüdischen Nachbarin, das edle Porzellan des jüdischen Chefs, Kunsthandwerk aus jüdischem Familienbesitz – plötzlich konnten sich Lieschen Müller und Franz Meier die begehrten Dinge leisten. Viele nutzten das einmalige Angebot und labten sich an den Überresten jüdischen Wohlstands. Ein Großteil der Bevölkerung lebte in existenzieller Abhängigkeit. Man fand Arbeit in den Giftgasfabriken, als Spitzel oder bei der SS. So macht man Mitläufer zu Profiteuren. Sie würden sich niemals gegen das Unrecht wenden oder es als solches überhaupt anerkennen, denn dann wären sie selbst Verbrecher und ihre Beute in Gefahr.

Es dient niemandem, dass wir in Gefühlen von Scham und Schuld versinken, wenn wir heute an die Opfer, Täter und Mitläufer denken. Lassen Sie uns lieber wachsam nach den Unterschieden zwischen damals und heute schauen.

“Wenn man eines aus der Menschheitsgeschichte lernen kann, dann ist es die Tatsache, dass Menschen aus ihrer Geschichte nichts lernen.” sagt angeblich ein Chinesisches Sprichwort. Mir wäre es sehr recht, diesen Text durch mein praktisches Erleben zu widerlegen.

Wir alle brauchen Antworten, wenn wir uns später fragen, was wir in unserem Leben getan haben und warum. Das nennt man Verantwortung. Unser Tun in Einklang mit den eigene Werten zu bringen, macht es leichter, dieser Verantwortung gerecht zu werden.

Dazu müssen wir uns unserer Werte bewusst werden, unsere Überzeugungen überprüfen und bereit sein, aus alten Denkmustern auszusteigen. Dieser Prozess bringt uns als Menschheitsfamilie weiter beim Erforschen unseres Bewusstseins. Wir können Perspektiven nachvollziehen, die uns vorher fremd waren. So halten Gnade und Vergebung Einzug in unsere Seelen – für andere und für uns selbst.

Der Blick in die Geschichte lohnt sich immer dann, wenn er uns dabei hilft, unser Bewusstsein zu wecken für das was heute und in Zukunft geschieht.




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Zur Person

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Petra Weiß ist als Heilpraktikerin mit ihrer Praxis für Homöopathie, Ganzheitsmedizin und Psychotherapie (HeilprG) in Weinheim niedergelassen. Parallel zu ihrer therapeutischen Arbeit ist sie als freie Journalistin im Ressort Medizin & Gesundheit tätig. Sie hat sich auf Naturheilkunde und Psychologie spezialisiert. Seit 2020 gibt sie das Online-Magazin Weißheiten: vom Ich zum Selbst heraus. Es dient der Entwicklung des Einzelnen in eine freies und selbstbestimmtes Leben und unterstützt somit den Bewusstseinsprozess der Menschheit.

Entwicklung in Zyklen

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In der Biographie-Arbeit gibt es das Konzept der Jahrsiebte. Alle sieben Jahre treten wir in einen neuen Entwicklungszyklus ein. In jedem Lebensjahrsiebt haben wir ein spezielles Thema in unserer Entwicklung zu bewältigen. Es kann sehr nützlich sein, sich über diese Themen zu informieren.

Vielleicht lässt sich das Konzept der Jahrsiebte auch auf Beziehungen, Unternehmen, Vereine oder Staaten anwenden. Lassen Sie Ihrer Phantasie einmal freien Lauf…

In den ersten drei Jahrsiebten (0 bis 7 Jahre, 7 bis 14 Jahre und 14 bis 21 Jahre) lernen wir das Gute, Schöne und Wahre (in dieser Reihenfolge) kennen. Was gut ist, sagt uns unser Herz. Diese Instanz entscheidet auch zwischen den beiden anderen, wenn Verstand und Bauch sich nicht einig sind.

Ob etwas schön ist oder nicht, erfahren wir durch (Bauch-)Gefühle von Lust oder Unlust. Das Wahre erkennt unser Verstand, wenn er in seiner Kraft ist.

Wir befinden uns während der ersten 21 Jahre in Abhängigkeit, das ist diesem Alter gemäß. Die Entwicklung erfolgt insbesondere im Körperlichen. Im ersten Jahrsiebt liegt ihr Schwerpunkt auf den Sinnen, mit denen wir die Welt wahrnehmen, im zweiten auf den natürlichen Rhythmen in und um uns, die wir annehmen (müssen), im dritten dann gelangt mit der Hormontätigkeit der Stoffwechsel zur vollen Entfaltung.

Erwähnenswert ist in diese Zeit die erste Pubertät. Hier prüfen wir, ob unsere Eltern praktizieren, was sie uns beibringen wollen. Und wehe, sie predigen Wasser und trinken Wein! Je größer die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, desto holpriger die Pubertätskrise.

In den folgenden 21 Jahren bilden sich unsere Empfindung, unser Verstand und unser Bewusstsein aus. Diese Phase wird auch als „Krise der Talente“ bezeichnet. Es geht darum, das Selbst in die Welt zu bringen. Wir sind dabei allerdings mit der Realität konfrontiert und müssen „mit dem Wind segeln“, damit wir voran kommen. Die Zeit von 21 bis 42 ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Du. Unsere Beziehungen spielen eine wichtige Rolle als Spiegel und Verstärker für die Selbstreflexion. Das ist nicht immer angenehm und nicht alle (wollen) verstehen, dass sie durch Beziehungsprobleme wertvolle Hinweise auf ihre eigenen ungelösten Lebensthemen und inneren Konflikte erhalten.

Schauen wir auf die drei Jahrsiebte von 42 bis 63. Während dieser Phase geht es darum, den Geist zu entwickeln und sich selbst zu befreien: Ab dem 7. Jahrsiebt erleben wir eine zweite Pubertät, auch Midlifecrisis genannt. Hier vergleichen wir unsere eigenen Ansprüche mit unserem eigenen Leben. Autsch. Das kann schmerzhaft sein. Während wir zuvor der Spur gefolgt sind, kommen wir jetzt ins Zweifeln, ob das der richtige Weg ist. Durch die Korrektur der Lebensumstände in Richtung Authentizität kommt es häufig zu Trennungen, Umzügen oder Berufswechseln. Zwar nimmt die körperliche Energie in dieser Zeit ab, doch steigt die seelische Energie und gewinnt zunehmend an Kraft. Hier liegt jetzt der Schwerpunkt unsere Entwicklung.

Zwischen 42 und 49 geht es folglich darum, Mut zu entwickeln. Das heißt nicht, wir hätten in der Zeit keine Angst. Oft ist das Gegenteil der Fall. Mut ist die Fähigkeit, die wir benötigen, um etwas mit Angst zu tun, weil es wichtigeres gibt als die Angst.

Zwischen 49 und 56 dürfen wir dann zur Gelassenheit finden. Gründe für Aufregung gibt es in dieser Zeit meist genug, um die Kunst der Gelassenheit zu üben. Insbesondere können wir aus unserem Größen- und Machbarkeitswahn herausfinden und stattdessen unsere Demut entdecken. Nein, wir haben nicht alles unter Kontrolle und das müssen wir auch nicht. Das Wir wird wichtig. Wir lernen, uns in der Gruppe sicher zu fühlen und ihr zu dienen. Wir fangen an, weiterzugeben, was uns zu teil wurde, unsere Erfahrung und unser Wissen.

Das führt uns in das Jahrsiebt zwischen 56 und 63, in dem es um Weisheit geht, also um die Fähigkeit, Wissen und Erfahrung zu kombinieren. Mit dem Abschluss dieses Zyklus lösen wir uns immer mehr von unseren materiellen Vorstellungen von der Welt. Wir schließen viele Themen ab.

Ab 63 wird es noch einmal spannend. Erneut bewegen wir uns in den Themen „gut, schön und wahr“. In den sieben Jahren zwischen 63 und 70 erleben wir das Gute in der Welt mit gereiftem Blick. Unsere Werte sind befreit von Introjekten (Eingeimpftes von anderen), Erwartungen und Verstrickungen. Zwischen 70 und 77 gewinnen wir eine schöne Lust daran, für andere als Ratgeber zu fungieren. Wir finden heraus, wer jetzt wie viel unseres Rates wirklich braucht und haben will und welcher Rat der Gemeinschaft dient. Ab 77 ist der Weg frei für die Versöhnung mit der Wahrheit von allem was ist und war. Verletzungen, die vorher keine Vergebung finden konnten, haben jetzt eine Chance auf Heilung.

Über all diese Stufen entwickeln wir uns stetig aus dem „Erbstrom“ (Mitgebrachtes aus der Familie) heraus und in die Individualität hinein.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 2020 genau 71 Jahre alt. Bemerkenswert ist, welche Rolle Ratgeber in dieser Zeit spielen und wie wir unsere Funktion in verschiedenen Räten heute leben. Da ist noch Entwicklungspotenzial zu entfalten. Die Zeit ist reif. Wir wollen ja alle noch erleben, wie in sechs Jahren die Versöhnung mit der ganzen Wahrheit von allem, was ist und war in diesem Land, beginnt.

Im Jin Shin Jyutsu ist ausgerechnet das Sicherheitsenergieschloss SIEBEN SES7 der Energiepunkt, der uns dabei unterstützt, einen Entwicklungszyklus abzuschließen. Wenn das mal nicht passend ist!

Sie finden das SES7 an der Unterseite des großen Fußzehs. Halten Sie diesen Punkt, wenn Sie einen Entwicklungszyklus abschließen wollen. Der Punkt ganz unten harmonisiert Dysbalancen ganz oben, also im Kopfbereich, z.B. Kopfschmerzen oder epileptische Anfälle.

Der allerletzte Zyklus in unserem Leben wird übrigens auch mithilfe von SES7 abgeschlossen. Sterbenden hält man die großen Zehen, damit das Bewusstsein leichter aus dem Körper entweichen kann. Aus Sicht des Jin Shin Jyutsu tritt es durch das Fenster (SES4) in den Körper ein und dort auch wieder aus, nachdem es ganz unten (SES7) zuerst losgelassen worden ist.

Sie wissen ja: Beim Jin Shin Jyutsu können Sie sich strömen, indem Sie einfach nur die Punkte halten. Sie dürfen auch drücken, aber das müssen Sie nicht. Machen Sie es sich bequem. Probieren Sie es einfach aus, ob Sie den Punkt lieber mit den Händen oder mit den Füßen berühren wollen. Experimentieren Sie mit verschiedenen Positionen. Manche Punkte hält man am Besten im Liegen, andere im Sitzen. Oder man stellt die Füße auf. Und vielleicht findet sich auch ein lieber Mensch, der gerne Ihre großen Zehen für Sie strömt.




Zur Serie

Die Serie „Jin Shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impuls für das Bewusstsein“ erscheint im Online-Magazin „Weißheiten: vom Ich zum Selbst“. Zwischen September 2020 und Februar 2021 wird jede Woche ein Beitrag gepostet. Sie erfahren, wie Sie mit einfachen Griffen Ihren Energiefluss gezielt harmonisieren können. Ein gut balanciertes Energiesystem fördert Ihre Gesundheit, dient der emotionalen Regulation und unterstützt Ihren Bewusstseinsprozess. Grundlegende Informationen zur Methode und zur Anwendung der Griffe erhalten Sie aus dem…

Pilot-Artikel:

Jin Shin Jyutsu: japanische Heilkunst als Impulsgeber für das Bewusstsein

28.08.2020 Pilot-Artikel zur Serie. Lesedauer ~ 10 Minuten.
Schreibkunst Redakteur
Foto: Petra Weiß

In unserem kollektiven Entwicklungsprozess kommen wir Menschen immer stärker in unsere Kraft. Wir werden uns darüber bewusst, dass wir sehr viel mehr zu unserer Gesunderhaltung und Genesung beitragen können, als uns die „alte Medizin“ unser ganzes Leben lang erzählt hat. Und zwar nicht durch das Befolgen ihrer versuchten Eingriffe in unsere persönlichen Entscheidungen der Lebensführung, sondern durch unsere Selbstermächtigung in medizinischen Angelegenheiten.

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SES1 Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

01.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~5 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Foto: Huskyherz / pixelio.de

Kennen Sie das? Sie wissen genau, was Sie tun müssten, und finden keinen Anfang. Egal, ob es sich um einen Arbeitsauftrag, das Aussortieren Ihrer Kleider oder eine überfällige Bewerbungsaktion handelt. Vielleicht ist die Fülle an Möglichkeiten zu groß, so dass Sie sich nicht entscheiden können. Oder Sie fürchten, einen Fehler zu machen. Oder das Ganze überfordert Sie. Oder Ihr Kopf und Ihr Bauch sind unterschiedlicher Meinung. An vielen Punkten kann man ansetzen, um innere und äußere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Immer notwendig ist der zündende Funke, der gefühlte Startschuss, das Freisetzen der Energie.

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SES2 Das Ende der Spaltung

09.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~9 Minuten

Schreibkunst Texter Ghostwriter
Foto: p.kopf / pixelio.de

Wenn wir die schmerzhafte Spaltung in unserer Gesellschaft überwinden wollen, müssen wir die Spaltung in uns erkennen: Welche Anteile habe ich abgespalten, weil sie mir so böse erscheinen, dass ich nicht einmal im stillen Kämmerlein bei Kerzenschein hinschauen kann? Und genau diesen Teil integrieren.

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SES 3 Die Aikido-Abwehr – Angriffe transformieren

15.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~7 Minuten

Schreibkunst Texter Redakteur
Foto: Kurt / pixelio.de

Haben Sie schon einmal eine asiatische Kampfkunst beobachtet? Das schaut ganz anders aus als Boxen. Die Bewegungsabläufe erscheinen anmutig und fließend. Angriffe werden nicht durch eine abwehrende Gegenbewegung gestoppt, sondern geschmeidig in die eigene Bewegung überführt. So nutzt man die Energie des Gegners. Nach diesem Prinzip stärken wir mit Jin Shin Jytsu Ihre Abwehr auf körperlicher und seelischer Ebene.

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SES4 Weise Entscheidungen treffen

23.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~ 6 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Foto: Oliver Mohr / pixelio.de

Im Alltag treffen wir viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Hier fließen Millionen von Daten aus unserem Wissen und unseren Erfahrungen in Bruchteilen von Sekunden zusammen. Die Kunst dabei ist, das Unwesentliche zu ignorieren.

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SES 5 Bereit für den Wandel

01.10.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~ 6 Minuten

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Foto: uschi dreiucker / pixelio.de

Unsere Welt ist in einem weiträumigen Veränderungsprozess. Wie erleben Sie diese Bewegung? Freuen Sie sich auf den bevorstehenden Wandel? Oder machen Sie sich Sorgen, wie es dann weitergehen wird? Möchten Sie gar, dass alles so bleibt wie es immer war?

Menschen sind konstitutionell unterschiedlich gut dafür gewappnet, mit Veränderungen umzugehen. Was für den einen ein Bedürfnis ist, bereitet dem anderen großes Ungemach. Doch Leben ist Entwicklung, ist Veränderung. Wir Menschen können das prinzipiell, wir haben uns immer den Umständen angepasst, sonst wäre unsere Spezies längst ausgestorben.

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Zur Person

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Petra Weiß ist als Heilpraktikerin mit ihrer Praxis für Homöopathie, Ganzheitsmedizin und Psychotherapie (HeilprG) in Weinheim niedergelassen. Jin Shin Jyutsu war ab 2003 ein wesentlicher Mosaikstein in ihrem Genesungsprozess von einer angeblich unheilbaren Erkrankung. Sie ist seit 2014 als Jin Shin Jyutsu Praktikerin zertifiziert, hält Vorträge für Therapeuten und Laien, gibt Selbsthilfekurse und hat mehrere eigene Themen-Workshops gestaltet.

Zum Weiterlesen

Riegger-Krause, Waltraud: Jin Shin Jyutsu: Die Kunst der Selbstheilung durch Auflegen der Hände. IRISANA 2012
Burmeister, Alice: Heilende Berührung: Körper, Seele und Geist mit Jin Shin Jyutsu behandeln. KNAUR.LEBEN 2019

Wer die Sprache beherrscht, beherrscht seine Mitmenschen.

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Aufsatz von Petra Weiß. Lesedauer ~9 Minuten
Rubrik: Manipulative Muster erkennen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Manipulation anderer, wobei der Begriff Manipulation durchaus nicht negativ besetzt ist. Es handelt sich hierbei lediglich um eine gezielte Beeinflussung von Individuen unter Berücksichtigung der Wirkung von verschiedenen rhetorischen Stilmitteln auf die menschliche Psyche und das hieraus resultierende Verhalten.

Diese Wirkung hängt stets vom Zusammenspiel von gesprochener Sprache und Körpersprache ab, d.h. ein Redner wirkt nur dann überzeugend, wenn die Art seiner Kleidung, seine Gestik, Mimik und Körperhaltung seine Werte unterstreichen und bekräftigen. Die Körpersprache muss stimmen. Sie stellt jedoch nur die Grundlage für eine überzeugende Rede dar. Wir wollen uns hier also mit dem Hauptmedium zur Übermittlung von Botschaften befassen, nämlich mit dem Wort.

Sprache vermittelt nicht nur Wissen, sondern vor allem auch Gefühle. Psychologen haben längst herausgefunden, welche Wortkombinationen und Formulierungen sogenannte Schlüsselreize auslösen, und nicht nur kluge Köpfe aus der Werbebranche machen sich diese Erkenntnisse seit Jahrzehnten zunutze. Kurze, prägnante Sätze oder Satzfragmente überwiegen hier und zielen zumeist auf die emotionale Ebene der potenziellen Käufer.

Wie Elmar Leterman in seinem Buch „Verkaufen durch Showmanship“ sehr einleuchtend darstellt, besteht Verkauf im weitesten Sinne zu 90 % aus „Emotion/Illusion“, gewissenhaft verpackt, in sorgfältig überlegte Worte, erzielen sie meist die gewünschte Wirkung. Die Verkaufszahlen werbeintensiver Firmen beweisen dies. Letermans These trifft auch auf andere Bereiche des „Verkaufs“ zu, die nicht direkt etwas mit dem Erwerb von Gütern oder Dienstleistungen zu ttun haben, und zwar mit dem „Verkauf“ von Information oder Meinung.

Ein Blick in die Vergangenheit konkretisiert diese Aussage. Gemeint ist Adolf Hitler als Beispiel für die negativen Auswirkungen, wenn ein Mensch andere mit Hilfe von Sprache beherrscht. Hitler hielt keine Reden, er hatte Auftritte, denn seine Kundgebungen waren wahre Meisterwerke der Rhetorik. Jedes einzelne Wort war mit aller Sorgfalt ausgewählt, jede Pause gezielt platziert und jeder „Gefühlsausbruch“ perfekt gespielt. In dem Film „Hitler – eine Karriere“ wird anschaulich gemacht, wie er durch emotionsgeladene Auftritte die Massen bewegte.

Doch die Zeiten der Manipulation durch sprachliche Mittel sind längst nicht vorbei. Die Ausführungen unserer Politiker verdeutlichen dies sehr gut. Als aktuelles Beispiel hierfür sind die Wahlreden der amerikanischen Präsidentschaftskandidatur zu nennen, die mit Hilfe ausgeklügelter Formulierungen unsere berechenbare Psyche durchdringen und in Verbindung mit den durch sie ausgelösten Emotionen die gewünschte Wirkung erzielen. Wesentlich ist oft nicht (nur) die Botschaft, sondern deren Präsentation, die „Verpackung“.

Doch nicht nur auf nationaler oder internationaler Ebene, nicht nur in der Werbung und im Verkauf, sondern auch im privaten Bereich spielt die Beherrschung der Sprache zur Beeinflussung der Mitmenschen eine entscheidende Rolle. Wer seine Argumente geschickt formuliert und in entsprechender Art und Weise zum richtigen Zeitpunkt artikuliert, wird kaum Schwierigkeiten haben, seine Meinung durchzusetzen.

Negative Folgen hieraus können sich nur dann ergeben, wenn die „Adressaten“ die Argumentationstaktiken des „Absenders“ von Information oder Meinung nicht durchschauen bzw. erkennen können, denn dann laufen sie Gefahr, nicht überzeugt, sondern überredet zu werden.

Genau das passierte im Dritten Reich. Kein Mensch, der bei halbwegs klarem Verstand ist, kann davon überzeugt sein, dass es gut ist, Juden zu töten, deshalb halte ich den Ausdruck „ein überzeugter Anhänger Hitlers“ für falsch. Es ist aber, wie die Vergangenheit zeigt, sehr gut möglich, Tausende von Menschen emotional für eine Sache zu begeistern, die man rational nicht logisch begründen kann. Nun ist die Nazi-Zeit ein sehr krasses Beispiel für das Problemfeld, das mit der Beherrschung der Menschen durch die Beherrschung der Sprache in Zusammenhang steht.

Kleinere Katastrophen durch Massenmanipulation mit Hilfe von sprachlichen Mitteln laufen auch heute zum Beispiel in Frankreich – hier sei der Name Le Pen erwähnt – oder in Südafrika ab.

Eine weitaus harmlosere Form der Beeinflussung wird durch psychologische Tricks in der Werbung erzielt, die zum Kauf eines bestimmten Produkts stimulieren sollen, denn nur zirka 10 % der Werbung bezieht sich sachlich auf die Eigenschaften desselben, doch hier gehen Manipulation und rationale Überzeugung fließend ineinander über.

Auch im privaten Bereich hat berechnendes, die Reaktion des anderen miteinbeziehendes Verhalten einen negativen Touch, und doch kommt es immer wieder erfolgreich zur Anwendung, denn viele wenden sprachliche Mittel völlig unbewusst an und erzielen – ohne dass sie eigentlich genau wissen warum – den gewünschten Erfolg.

Jeder sollte sich aber bewusst mit der Wirkung von Sprache auf andere beschäftigen, obgleich Beherrschung von Sprache gleichbedeutend mit Macht über andere sein kann, dennoch ist die genaue Kenntnis des „Machtinstrumentes“ Sprache wichtig, um die Mitmenschen überzeugen zu können und die eigenen Ziele zu erreichen, und sie ist geradezu unerlässlich, wenn es darum geht, Machtmissbrauch zu vermeiden, indem man die Manipulationsversuche anderer erkennt und sich ihnen in geeigneter Weise entziehen kann.

Dieser Deutschaufsatz stammt aus dem Jahr 1988, damals war ich 18 Jahre alt. An dem Aufsatz habe ich als Text-Profi mit mehr als 20 Jahren Erfahrung nichts Wesentliches auszusetzen, außer dass einige Sätze etwas zu lang sind. Um ehrlich zu sein, bin ich ganz schön stolz auf den Teenager, der ich einmal war.

Ein Germanist mit überkämmter Glatze und schlecht sitzendem Anzug hat mir damals 8 von 15 Punkten gegeben und mein Heft mit seinem Rotstift über und über verunziert. Eine ganze Seite lang ist seine unberechtigte Kritik. Am meisten erheitert mich heute sein Satz „Achten Sie auf die Formulierungen“ mit dem Vorwurf, es mangle ihnen an Präzision. Ich hoffe und bete, dass Pädagogen heutzutage Ausnahmetalente erkennen, wenn sie im Klassenzimmer vor ihnen sitzen und sie angemessen fördern.




Weise Entscheidungen treffen

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Weisheit entsteht durch die Verbindung von Wissen und Erfahrung. Das eine ohne das andere kann niemals weise sein. Wissen ohne Erfahrung bleibt theoretisch, ihm fehlt das Lebendige, der Bezug zum sinnlich Erlebten. Erfahrung ohne Wissen, bleibt instinktiv und oberflächlich. Allzu leicht verleitet sie zu voreiligen Schlüssen und unbedachten Handlungen.

Im Alltag treffen wir viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Wollten wir uns immer mit einer inneren Entscheidungsmatrix plagen, Gewichtungsfaktoren bestimmen und Ausschlusskriterien definieren, kämen wir mit unseren täglichen Beschlüssen nicht zu Potte. Stattdessen entscheidet in den meisten Fällen unser sogenanntes Bauchhirn. Hier fließen Millionen von Daten aus unserem Wissen und unseren Erfahrungen in Bruchteilen von Sekunden zusammen. Das Bauchhirn verarbeitet diese Informationen um ein Vielfaches schneller als es unser Verstand jemals könnte.

Die Kunst dabei ist, „das Unwesentliche zu ignorieren“, wie es der Psychologe Professor Gerd Giegerenzer, ehemaliger Leiter des Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. (Link zu meinem Artikel „Gefühltes Wissen“ über einen Vortrag von Prof. Giegerenzer in der Rubrik „Seelische Aspekte“: www.schreibkunst.online/berichte )

Unsere Bauchhirn ist immer dann ein guter Ratgeber, wenn die Möglichkeiten zahlreich sind und die Informationen unüberschaubar viele. Genau dann kommt es darauf an, das Wesentliche herauszufiltern. Und das machen wir automatisch, wenn unser Kopf uns nicht dazwischenfunkt.

Basis dieser Entscheidungen sind also die subjektiven Erfahrungen und das, was wir für unser Wissen halten. Über die Objektivität von Informationen habe ich an anderer Stelle philosophiert. Hier ist es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass sich Entscheidungen stimmig anfühlen, wenn Wissen und Erfahrung zusammenpassen, auch wenn das „Wissen“ nicht der Wahrheit entspricht.

Vor dreißig Jahren hörte ich eine Frau sagen: „Das Revolverblatt lese ich nicht. Eines Tages erzähle ich das womöglich meinem Kind, weil ich nicht mehr weiß, aus welcher Quelle die Information stammt.“ Der Satz hat mich so nachhaltig beeindruckt, dass ich mich heute noch lebhaft daran erinnern kann – und ich weiß übrigens auch noch, wer ihn gesagt hat. Ja, wir sollten mit Bedacht wählen, woher wir unser Informationen beziehen und nicht alles in uns aufnehmen, das wir vorgesetzt bekommen. Denn auch diese Infos fließen in unsere (unbewussten) Entscheidungen ein. So entstehen beispielsweise Vorurteile und Ressentiments, die wir für das berechtigte Resultat von Erfahrungswerten halten.

Ganz häufig hat der Bauch längst entschieden, während der Kopf noch Argumente sammelt, um die Entscheidung zu begründen. Am Ende denkt man dann, man hätte eine vernünftige Entscheidung getroffen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Auch im Jin Shin Jyutsu findet sich ein Griff für diesen Zweck.

Haben Sie schon einmal einen Manager gesehen, der die Hände im Nacken verschränkt während er in seinem Chefsessel sitzend nachdenkt? Diese Pose ist gut gewählt. Dabei aktiviert er sein Sicherheitsenergieschloss 4.

Das SES4 an der Schädelbasis rechts und links der Wirbelsäule lässt das Licht der Weisheit und den lebensspendenden Atem in uns einfließen. Es wird als das „das Fenster“ bezeichnet. Weisheit und Lebendigkeit, können wir im Moment alle gut brauchen.

Die Bedeutung dieses Energie-Punktes wird bestätigt, wenn wir andere therapeutische Verfahren betrachten: In der Kinesiologie wird eine Hand in den Nacken gelegt und die andere auf die Stirn, um emotionalen Stress zu reduzieren. Und auch das dient vielen Menschen in der aktuellen Lage.

Probieren Sie das Halten des SES4 einfach aus, wenn Sie Ihre Entscheidungsfindung auf stabile Füße stellen wollen (eine Hand in den Nacken legen oder beide Hände im Nacken verschränken), oder um Ihre Emotionen zu regulieren (eine Hand in den Nacken, die andere auf die Stirn legen). Jin Shin Jyutsu wirkt nur dann nicht, wenn Sie es nicht anwenden. Jeder Griff unterstützt Ihre Balance. Es gibt weder Risiken noch Nebenwirkungen. Viel Freude beim Üben.




Zur Serie

Die Serie „Jin Shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impuls für das Bewusstsein“ erscheint im Online-Magazin „Weißheiten: vom Ich zum Selbst“. Zwischen September 2020 und Februar 2021 wird jede Woche ein Beitrag gepostet. Sie erfahren, wie Sie mit einfachen Griffen Ihren Energiefluss gezielt harmonisieren können. Ein gut balanciertes Energiesystem fördert Ihre Gesundheit, dient der emotionalen Regulation und unterstützt Ihren Bewusstseinsprozess. Grundlegende Informationen zur Methode und zur Anwendung der Griffe erhalten Sie aus dem…

Pilot-Artikel:

Jin Shin Jyutsu: japanische Heilkunst als Impulsgeber für das Bewusstsein

28.08.2020 Pilot-Artikel zur Serie. Lesedauer ~ 10 Minuten.
Schreibkunst Redakteur
Foto: Petra Weiß

In unserem kollektiven Entwicklungsprozess kommen wir Menschen immer stärker in unsere Kraft. Wir werden uns darüber bewusst, dass wir sehr viel mehr zu unserer Gesunderhaltung und Genesung beitragen können, als uns die „alte Medizin“ unser ganzes Leben lang erzählt hat. Und zwar nicht durch das Befolgen ihrer versuchten Eingriffe in unsere persönlichen Entscheidungen der Lebensführung, sondern durch unsere Selbstermächtigung in medizinischen Angelegenheiten.

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SES1 Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

01.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~5 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Foto: Huskyherz / pixelio.de

Kennen Sie das? Sie wissen genau, was Sie tun müssten, und finden keinen Anfang. Egal, ob es sich um einen Arbeitsauftrag, das Aussortieren Ihrer Kleider oder eine überfällige Bewerbungsaktion handelt. Vielleicht ist die Fülle an Möglichkeiten zu groß, so dass Sie sich nicht entscheiden können. Oder Sie fürchten, einen Fehler zu machen. Oder das Ganze überfordert Sie. Oder Ihr Kopf und Ihr Bauch sind unterschiedlicher Meinung. An vielen Punkten kann man ansetzen, um innere und äußere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Immer notwendig ist der zündende Funke, der gefühlte Startschuss, das Freisetzen der Energie.

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SES2 Das Ende der Spaltung

09.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~9 Minuten

Schreibkunst Texter Ghostwriter
Foto: p.kopf / pixelio.de

Wenn wir die schmerzhafte Spaltung in unserer Gesellschaft überwinden wollen, müssen wir die Spaltung in uns erkennen: Welche Anteile habe ich abgespalten, weil sie mir so böse erscheinen, dass ich nicht einmal im stillen Kämmerlein bei Kerzenschein hinschauen kann? Und genau diesen Teil integrieren.

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SES 3 Die Aikido-Abwehr – Angriffe transformieren

15.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~7 Minuten

Schreibkunst Texter Redakteur
Foto: Kurt / pixelio.de

Haben Sie schon einmal eine asiatische Kampfkunst beobachtet? Das schaut ganz anders aus als Boxen. Die Bewegungsabläufe erscheinen anmutig und fließend. Angriffe werden nicht durch eine abwehrende Gegenbewegung gestoppt, sondern geschmeidig in die eigene Bewegung überführt. So nutzt man die Energie des Gegners. Nach diesem Prinzip stärken wir mit Jin Shin Jytsu Ihre Abwehr auf körperlicher und seelischer Ebene.

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Zur Person

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Petra Weiß ist als Heilpraktikerin mit ihrer Praxis für Homöopathie, Ganzheitsmedizin und Psychotherapie (HeilprG) in Weinheim niedergelassen. Jin Shin Jyutsu war ab 2003 ein wesentlicher Mosaikstein in ihrem Genesungsprozess von einer angeblich unheilbaren Erkrankung. Sie ist seit 2014 als Jin Shin Jyutsu Praktikerin zertifiziert, hält Vorträge für Therapeuten und Laien, gibt Selbsthilfekurse und hat mehrere eigene Themen-Workshops gestaltet.

Zum Weiterlesen

Riegger-Krause, Waltraud: Jin Shin Jyutsu: Die Kunst der Selbstheilung durch Auflegen der Hände. IRISANA 2012
Burmeister, Alice: Heilende Berührung: Körper, Seele und Geist mit Jin Shin Jyutsu behandeln. KNAUR.LEBEN 2019

 

In jeden meiner Beiträge fließen etwa drei Stunden Arbeit, nicht gerechnet die Zeit, in der mein Wissen und meine Erfahrung zu dem Thema wachsen durften.

Nun sind Sie an der Reihe, sich zu äußern: Wie geht es Ihnen mit der Jin Shin Jyutsu Serie? Haben Sie schon einen der Griffe ausprobiert? Was haben Sie dabei erlebt? Konnte ich Sie mit meinen Gedanken zum jeweiligen Thema inspirieren?

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar, wenn Sie Ihre Erfahrungen teilen wollen:

Das Ende der Spaltung

Schreibkunst Texter Ghostwriter

Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~9 Minuten
Folge 2 der Serie „Jin Shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impulsgeber für das Bewusstsein“

Menschen bei einer tatsächlichen oder angeblichen Verfehlung zu ertappen, ist zum Volkssport geworden. Es gibt uns ein gutes Gefühl der moralischen Überlegenheit. Über gut oder schlecht entscheidet häufig nicht der innere Kompass des Einzelnen, sondern das aktuell gültige Wertesystem. Die Konvention gibt nicht nur vor, welchen Werten wir zu folgen haben, sondern auch in welcher Weise sie sich in unseren Handlungen spiegeln müssen.

Wir können uns mit breiter Rückendeckung über abweichendes Verhalten empören und wähnen uns vollkommen im Recht. Wir tun dann so, als seien wir selbst frei von Makel. Und manchmal glauben wir das sogar. Auf jeden Fall sind wir bemüht, der Welt eine blütenweiße Weste zu zeigen. Aus gutem Grund: Der kleinste Schmutzfleck könnte uns von der ungnädigen Gemeinschaft der Unfehlbaren ausschließen. Wenn wir uns dann nicht in vorauseilendem Gehorsam selbst geißeln, bewerfen uns dieselben Menschen mit Dreck, die eben noch gemeinsam mit uns Seite an Seite gegen andere vorgegangen sind.

Uns mit unseren eigenen Schwächen zu konfrontieren, ist hingegen völlig aus der Mode geraten.

Wenn wir die schmerzhafte Spaltung in unserer Gesellschaft überwinden wollen, müssen wir die Spaltung in uns erkennen: Welche Anteile habe ich abgespalten, weil sie mir so böse erscheinen, dass ich nicht einmal im stillen Kämmerlein bei Kerzenschein hinschauen kann? Und genau diesen Teil integrieren.

Wir leiden kollektiv unter einem besorgniserregenden Selbsthass oder zumindest an einem Mangel an Selbstliebe. Die Schokoladenseiten zu lieben, ist kein Kunststück. Selbstliebe bedeutet, auch die weniger populären Eigenschaften als Teil unseres liebenswerten Selbst zu betrachten, statt sie mit aller Macht verbannen oder mit Gutmenschentum übertünchen zu wollen.

Befassen wir uns etwas näher mit der Frage, was mit dem Wort „böse“ gemeint ist. Darüber gibt es einige philosophische Abhandlungen. Mich interessiert vor allem die psychologische Sicht. Böse ist das Gegenteil von gut. Was als gut gewertet wird, variiert von Kulturkreis zu Kulturkreis und von Epoche zu Epoche. Der jeweils aktuell Zeitgeist bildet sich oft in der Gesetzgebung ab. Suchen wir also nach Gemeinsamkeiten.

Der kleinste gemeinsame Nenner ist das Leben. Was dem Leben dient, wird allgemein als gut anerkannt. Was dem Leben schadet, zumindest als schlecht, häufig auch als böse, und wird bestraft. Eine objektive Einschätzung zu treffen, ist oft kniffelig bis unmöglich. Daher blicken wir auf das Extrem, an dem das Leben Schaden nehmen kann: Wenn jemand das Leben eines anderen beendet.

Wir werden fündig bei der Gerichtspsychologie. Als böse eingestuft werden Täter, die hinter Gittern sitzen, weil sie jemanden ermordet haben. Insbesondere, wenn sie keine Reue und kein Mitgefühl zeigen. Der Mangel an Empathie ist mitentscheidend für das Strafmaß. Diese Beobachtung deckt sich mit dem Satz „Das Böse beginnt da, wo das Mitgefühl endet.“ Und in der Tat gibt es Verbrechen, die kann man nur bei vollkommener Abwesenheit jedes Mitgefühls begehen. Ist also das Einfühlungsvermögen ein wichtiger Faktor bei der Suche nach dem „Bösen“?

Wenn das so ist, müssen wir uns fragen, wovon das Maß unseres Einfühlungsvermögens abhängt. Wieder gibt es verwirrend viele Faktoren und Betrachtungsweisen. Schauen wir uns zur Klärung das Ende der Empathie-Skala an: Menschen ganz ohne Mitgefühl.

Schätzungen zufolge haben etwa 1 % der Bevölkerung keinen Zugang zu ihren Gefühlen und können somit auch kein Mitgefühl empfinden. Wir bezeichnen diese Menschen als Psychopathen. Ein Prozent kling wenig. Das sind allein in Deutschland aber 830.000 Menschen. Ihr Anteil in Gefängnissen ist bei großer Gewaltbereitschaft und geringem IQ hoch. Sind die Vorzeichen umgekehrt, finden wir sie häufiger in den Top-Führungspositionen: von 14,5 % Psychopathen im Management ist die Rede. Wieso sind die Führungs-Eliten Sammelbecken für Leute ohne Emotionen?

Unbelastet von quälenden Gewissensbissen können diese Menschen ihre Agenda verfolgen. Sie plagt keine Angst – weder vor Entdeckung noch vor Strafe. Warum sollten sie redlich arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Sie können andere manipulieren und absahnen. Ihr Entscheidungskriterium heißt: Nützt mir das? Und nicht: Dient das dem Wohl der Gemeinschaft?

Auf diese Menschen können wir gut mit Fingern zeigen. Sie sind ja ganz anders als wir. Sie manipulieren uns und beuten uns aus. Und warum? Weil sie kein Mitgefühl besitzen! Deshalb fühlen wir uns berechtigt, Ihnen das Mitgefühl zu entziehen. Merken Sie was?

Haben Sie Mitleid mit Menschen, die mitleidlos sind. Auch sie gehören zur Menschheitsfamilie. Sie haben sich das Leben ohne Emotionen nicht ausgesucht. Psychopathie ist sozusagen ein „Geburtsfehler“ oder neutraler formuliert „eine Laune der Natur“. Niemand ist schuld. Und keiner kann etwas dagegen unternehmen.

Natürlich müssen wir ihren Untaten ein juristisches und gesellschaftliches STOPP-Schild entgegensetzen, aber als Monster abwerten dürfen wir diese Menschen nicht. Sie verdienen unser Mitgefühl. Schauen Sie in jedes beliebige Gremium und rechnen Sie aus, wie viele der Mitglieder keinen Zugang zu ihren eigenen Gefühlen haben. So ein armes Leben! Und wenn es Ihnen gelungen ist, Mitgefühl zu empfinden mit jenen, die skrupellos jedes beliebige Verbrechen begehen können, das ihnen Macht oder Reichtum beschert, dann sind Sie reif für die nächste Stufe: Mitgefühl mit sich selbst.

Hören Sie endlich damit auf, sich für Ihre vermeintlichen Schwächen zu verurteilen. Anerkennen Sie, dass Sie nicht perfekt sind. Betrachten Sie Ihre Schattenseiten, auch wenn es weh tut. Der Blick auf das „Böse“ in uns verleiht Demut und Gnade. Ja, wir sind Menschen. Das Gute und das Böse gehören zum Menschsein dazu. Wir können uns dem stellen und wachsen. Oder es verleugnen und unsere schönes Image polieren, bis uns die Hände krampfen.

Beenden Sie die Spaltung in sich. Begreifen Sie, dass Ihnen Ihr scheinbar untolerierbares Gegenüber ungeliebte Facetten Ihrer eigene Persönlichkeit vor Augen hält, und wenn es nur Ihre Unvollkommenheit ist. Werden Sie sich der Projektion bewusst. Erst dann können Sie sie verhindern.

Integrieren Sie Ihre gesellschaftlich weniger erwünschten Qualitäten. Lieben Sie sich nicht trotz Ihrer Schwächen, sondern mit ihnen. Werden Sie sich aller Facetten Ihrer Persönlichkeit bewusst. Erkennen Sie sich selbst. Gewinnen Sie Verständnis für Ihr So-Sein. Vergeben Sie Ihrem jüngeren Ich, das vielleicht unverzeihliche Fehler gemacht hat (mehr dazu bei SES13). Und dann änZum Weiterlesen:dern Sie, was Sie von sich aus verbessern wollen – aber nicht aus einem Gruppendruck heraus, sondern weil es Ihren tiefen Überzeugungen entspricht (mehr dazu bei SES5 und SES16).

Den Prozess der Selbsterkenntnis unterstützt das Sicherheitsschloss SES2. Es befindet sich am Rücken am oberen Rand des Hüftknochens rechts und links der Wirbelsäule. Mit dem Balancieren von SES2 werden Zweifel, Verzweiflung und Zweitracht gelindert. SES2 schickt den „Richter im Rucksack“ in Urlaub und hilft uns aus dem Drang heraus, mit anderen konkurrieren zu müssen. Dadurch werden Erschöpfungszustände aufgelöst. Ganz nebenbei befreit der Griff Energie, die sich in den Beinen staut, und entlastet allgemein den Rücken. Auf der emotionalen Ebene reguliert SES2 Traurigkeit und Sorgen.




Zur Serie

Die Serie „Jin Shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impuls für das Bewusstsein“ erscheint im Online-Magazin „Weißheiten: vom Ich zum Selbst“. Zwischen September 2020 und Februar 2021 wird jede Woche ein Beitrag gepostet. Sie erfahren, wie Sie mit einfachen Griffen Ihren Energiefluss gezielt harmonisieren können. Ein gut balanciertes Energiesystem fördert Ihre Gesundheit, dient der emotionalen Regulation und unterstützt Ihren Bewusstseinsprozess. Grundlegende Informationen zur Methode und zur Anwendung der Griffe erhalten Sie aus dem…

Pilot-Artikel zur Serie Jin shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impulsgeber für das Bewusstsein

Schreibkunst Redakteur
Foto: Petra Weiß

Weitere Beiträge aus der Serie:

SES1 Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

01.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~5 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Foto: Huskyherz / pixelio.de

Kennen Sie das? Sie wissen genau, was Sie tun müssten, und finden keinen Anfang. Egal, ob es sich um einen Arbeitsauftrag, das Aussortieren Ihrer Kleider oder eine überfällige Bewerbungsaktion handelt. Vielleicht ist die Fülle an Möglichkeiten zu groß, so dass Sie sich nicht entscheiden können. Oder Sie fürchten, einen Fehler zu machen. Oder das Ganze überfordert Sie. Oder Ihr Kopf und Ihr Bauch sind unterschiedlicher Meinung. An vielen Punkten kann man ansetzen, um innere und äußere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Immer notwendig ist der zündende Funke, der gefühlte Startschuss, das Freisetzen der Energie.

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SES 3 Die Aikido-Abwehr – Angriffe transformieren

15.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~7 Minuten

Schreibkunst Texter Redakteur

Foto: Kurt / pixelio.de

Haben Sie schon einmal eine asiatische Kampfkunst beobachtet? Das schaut ganz anders aus als Boxen. Die Bewegungsabläufe erscheinen anmutig und fließend. Angriffe werden nicht durch eine abwehrende Gegenbewegung gestoppt, sondern geschmeidig in die eigene Bewegung überführt. So nutzt man die Energie des Gegners. Nach diesem Prinzip stärken wir mit Jin Shin Jytsu Ihre Abwehr auf körperlicher und seelischer Ebene.

Weiterlesen…

SES4 Weise Entscheidungen treffen

23.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~ 6 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Foto: Oliver Mohr / pixelio.deIm Alltag treffen wir viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Hier fließen Millionen von Daten aus unserem Wissen und unseren Erfahrungen in Bruchteilen von Sekunden zusammen. Die Kunst dabei ist, das Unwesentliche zu ignorieren.

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Zur Person

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Petra Weiß ist als Heilpraktikerin mit ihrer Praxis für Homöopathie, Ganzheitsmedizin und Psychotherapie (HeilprG) in Weinheim niedergelassen. Jin Shin Jyutsu war ab 2003 ein wesentlicher Mosaikstein in ihrem Genesungsprozess von einer angeblich unheilbaren Erkrankung. Sie ist seit 2014 als Jin Shin Jyutsu Praktikerin zertifiziert, hält Vorträge für Therapeuten und Laien, gibt Selbsthilfekurse und hat mehrere eigene Themen-Workshops gestaltet.

Zum Weiterlesen

Riegger-Krause, Waltraud: Jin Shin Jyutsu: Die Kunst der Selbstheilung durch Auflegen der Hände. IRISANA 2012
Burmeister, Alice: Heilende Berührung: Körper, Seele und Geist mit Jin Shin Jyutsu behandeln. KNAUR.LEBEN 2019

Stimmen Sie zu?

Kommentar von Petra Weiß. Lesedauer ~8 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Blindes Vertrauen ist nicht immer angebracht.

Wenn Sie im Internet surfen, klicken Sie auf fast jeder Website auf einen Knopf mit der Aufschrift „Ich stimme zu“. Diese Einrichtung soll dazu dienen, Ihre Daten zu schützen. Sie haben die Möglichkeit, umfassende Ausführungen zur Verwendung Ihrer Daten zu lesen, bevor Sie die Meldung quittieren. Tun Sie das? Vermutlich nicht immer. Das wäre ein zeitintensives Hobby mit wenig Unterhaltungswert.

Mir geht es an dieser Stelle nicht um Datenschutz. Ich möchte die Beobachtung aus psychologischer Sicht einordnen: Wir gewöhnen uns daran, reflexhaft unsere Zustimmung zu bekunden, ohne uns damit auseinanderzusetzen, WOZU wir hier nicken. Das ist bedenklich.

Mir fällt in diesem Zusammenhang ein alter Verkäufertrick ein: Der Kunde bekommt mehrere Fragen gestellt, die er sicher mit „ja“ beantworten wird, um den Weg zum ersehnten „ja“ – nämlich zur Kaufentscheidung – zu bahnen. Unser Unterbewusstsein begünstigt eine Serie von Zustimmungen. Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir uns dessen sehr bewusst sind, wenn das gerade geschieht.

Ähnliches erlebt man manchmal bei medizinischen Maßnahmen. Kurz vor einer Darmspiegelung musste ich vor Ort unterschreiben, dass es vollkommen in Ordnung sei, wenn man mich bei der Untersuchung versehentlich umbringt. Hätte ich nicht unterschrieben, wäre die erschöpfende Abführaktion der vergangenen 24 Stunden umsonst gewesen.

Meine Zustimmung diente dem Haftungsausschluss. Wenn der Untersuchende meine Darmwand perforiert hätte, wäre die Klinik nicht zur Verantwortung zu ziehen gewesen. Man könnte argumentieren, dass es nicht fair sei, solch ein Dokument direkt vor dem Eingriff den aufgeregten Patienten unter die Nase zu halten. Welche praktische Chance auf Widerspruch haben sie an dieser Stelle noch?

Nicht nur durch unsere Unterschrift dokumentieren wir Zustimmung, auch durch unser Handeln. Ein Beispiel sind die Nebenwirkungen unserer Arzneimittel. Der Beipackzettel informiert uns über alle Risiken. Die einen wollen genau wissen, welche unerwünschten Effekte ihnen begegnen können. Die anderen schauen lieber gar nicht erst hin.

Der verschreibende Mediziner muss uns über alle Risiken aufklären, wenn er uns ein Präparat erstmalig verordnet. Nehmen wir einmal an, dieser gesetzlichen Bestimmung würde in den Praxen ausnahmslos nachgekommen: Wie wägen Sie ab, was Sie einnehmen und was nicht? Sie müssten informiert sein über Notwendigkeit, Nutzen und Risiko, um eine richtige Entscheidung treffen zu können. Sind Sie umfassend informiert oder stimmen Sie in blindem Vertrauen zu?

Wir stimmen zu, weil es eine Autorität gesagt hat. Wir stimmen zu, weil wir keine Zeit haben. Wir stimmen zu, weil wir scheinbar keine andere Wahl haben. Wir stimmen zu, weil alle dazu nicken. Wir stimmen zu, um nicht in einen Konflikt zu geraten. Wir stimmen zu, um zur Gruppe gehören zu dürfen. Wir stimmen zu, weil es als moralisch einwandfrei oder politisch korrekt gilt. Wir stimmen zu, um keinen Shitstorm zu ernten. Wir stimmen zu, um gut dazustehen.

Wir stimmen nicht mehr zu, weil wir es RICHTIG finden, sondern weil es gemäß der aktuell gültigen Konventionen als GUT gilt. Es entspricht den allgemein anerkannten Werten. Ob eine Zustimmung unseren eigenen Werten widerspricht, merken wir erst, wenn sich danach ein ungutes Gefühl einstellt. Und das registrieren wir nur, falls wir aufmerksam in uns hineinspüren.

In einem psychologischen Experiment hat man eine Gruppe von Menschen eine sehr einfache Frage gestellt. Bis auf die eigentliche Testperson, waren alle anderen angehalten, eine falsche Antwort zu geben – und zwar alle dieselbe. Von dieser Absprache wusste die Testperson nichts. Sie stand mit ihrer objektiv richtigen Entscheidung also alleine da. Und was war das Resultat des Experiments? Sie hat sich der anderen – objektiv falschen – Meinung aus Gruppendruck heraus angeschlossen. Erst als eine weitere Person ihre Entscheidung unterstützte, hat sie sich getraut, bei ihrer Meinung zu bleiben.

Wir leben in einer Kultur der mehr oder weniger druckvoll herbeigeführten Zustimmungen. Durch die alltägliche Wiederholung erscheint uns das normal. Im ersten Schritt ist es deshalb wichtig, die Situation zu begreifen. Mit diesem Beitrag will ich Sie anregen, darauf zu achten, an welchen Stellen Sie zustimmen, ohne den Sachverhalt geprüft zu haben und ohne selbst zu der Meinung gelangt zu sein, dass es RICHTIG für Sie ist, zuzustimmen.

Lassen Sie sich nicht von erhobenen Zeigefingern davon abhalten, Ihre Position zu finden. Moralisten würgen jede sachliche Diskussion ab, indem sie meinen, bestimmen zu können, was als GUT gelten darf – es muss noch nicht einmal richtig sein. Was als GUT gilt, ist aber eine persönliche Entscheidung. Niemand kann Ihnen sagen, was in Ihrem Leben als GUT zu bewerten ist.

Ihr Kopf kann Ihnen sagen, was WAHR ist, der Bauch gibt Signale, was Sie als SCHÖN und lustvoll empfinden. Was aber GUT ist, entscheidet Ihr Herz. Diese Instanz trifft die Wahl zwischen der Unlustvermeidung aufgrund des Bauchgefühls und dem Urteil der Nützlichkeit aus dem Verstand. Der Kompass ist Ihre höchst individuelle Wertehierarchie.

Natürlich müssen Sie nicht jedes mal alle Datenschutzregeln durchlesen, wenn Sie auf eine Website gehen wollen. Mein Ziel ist es, dass Ihnen das Reflexhafte der Zustimmung bewusst wird. Und dass Sie an wichtigen Stellen aufhorchen, wenn jemand Ihre Zustimmung einfordert. Dann können Sie frei entscheiden, was für Sie die passenden Kriterien für eine Zustimmung sind. Diese Kriterien dürfen Sie frei wählen.

Sie haben Ihr eigenes Wertesystem. Werden Sie sich Ihrer Werte bewusst. Nach diesen zu entscheiden und zu handeln bedeutet, ein Leben in Aufrichtigkeit zu führen. Diese gelebte Integrität wünsche ich Ihnen und uns allen von Herzen.




Schatz, der Mülleimer ist voll! Warum wir nicht sagen was wir meinen

Essay von Petra Weiß. Lesedauer ~20 Minuten.

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Klarheit in der Kommunikation dient unseren lebendigen Beziehungen. Foto: Petra Weiß

In den letzten Wochen höre ich immer wieder, dass sich die Menschen manipuliert fühlen. Mag sein, dass die Manipulation in unserer Gesellschaft Formen angenommen hat, die schwer zu ertragen sind. Wenn wir die Kultur ändern wollen, fangen wir am Besten bei uns selbst an. „Ich manipuliere doch niemanden!“ werden manche jetzt entrüstet ausrufen. Falls Sie tatsächlich Ihre Bedürfnisse deutlich aussprechen, ohne jemanden emotional unter Druck zu setzen: Prima! Glückwunsch! Die meisten von uns haben das nicht gelernt. Deshalb grämen Sie sich bitte nicht, wenn Sie sich ab und zu dabei erwischen, dass auch Sie die Kunst der Beeinflussung anwenden. Wie sieht Manipulation in unserem ganz normalen Alltag aus? Warum greifen wir zu solchen Methoden? Und welche alternativen Kommunikationsmuster sind denkbar?

„Schatz, der Mülleimer ist voll!“ Wie würden Sie diesen Satz beantworten. „Da hast Du Recht.“ vielleicht? Nein, Sie würden wissen, dass von Ihnen erwartet wird, etwas zu unternehmen. Warum eigentlich? Weil wir diese Form der Manipulation gewohnt sind. Statt zu sagen, was wir wollen, werfen wir etwas anderes in den Raum. Und unser Gegenüber soll gefälligst die passenden Schlüsse ziehen. Probieren Sie einmal, solche Manipulationsversuche großzügig zu übersehen. Statt loszuspurten, um den Abfall zu entsorgen, sagen Sie doch einfach mal „Aha.“ Das kann sehr interessante Reaktionen auslösen. Eine zielführende Erwiderung könnte lauten „Das stimmt. Möchtest Du mir damit noch etwas anderes sagen?“ Gehen Sie nicht stillschweigend darüber hinweg, wenn andere Leute sie manipulieren. Machen Sie den Versuch transparent. Das muss ja nicht im Bösen sein. Sie dürfen dabei ruhig lachen, wenn die Situation es erlaubt.

Bedürfnisse und was keine sind

Oft sind wir uns unserer eigentlichen Bedürfnisse gar nicht bewusst. Nehmen wir mal an, Sie möchten, dass Ihr Mann im Keller die Heizung hochdreht, weil sie frieren. „Mir ist kalt.“ werden Sie vielleicht vorwurfsvoll in den Raum stellen und erwarten, dass Ihr Mann ins Handeln geht. Er wird schon wissen, dass er jetzt in den Keller muss, um die Temperatur zu regeln.

Ist es Ihr Bedürfnis, dass der Mann in den Keller geht? Nein. Sie haben ein Bedürfnis nach WÄRME. Und dieses kann auf verschiedene Arten gestillt werden. EINE davon ist das Heizunghochdrehen durch den werten Gatten. Fallen Ihnen noch weitere Lösungen ein? Es ist wichtig, sich darüber bewusst zu werden, um welches Bedürfnis es geht, damit Sie verstehen, dass es noch andere Möglichkeiten gibt. Insbesondere, gilt es herauszufinden, mit welchen Optionen Sie sich Ihren Wunsch selbst erfüllen können. Das entlastet Ihre Beziehungen wesentlich.

Sie könnten zum Beispiel in einen wärmeren Raum gehen. Oder einen dicken Pulli anziehen. Oder sich eine Wärmflasche machen. Oder den Kreislauf in Schwung bringen. Oder sich einen heißen Tee zubereiten. Oder etwas essen. Oder selbst die Heizung hochdrehen. Oder, oder, oder. Merken Sie was?

Die Vielfalt der Möglichkeiten bringt Ihnen Handlungsoptionen. Handlungsoptionen sind das Gegenteil von Ohnmacht. Sie müssen sich nicht ausgeliefert und hilflos fühlen.

Satte Gewinne durch die Opferhaltung

Obwohl ich zugeben muss, dass die gute alte Opferhaltung natürlich auch Vorteile bringt. Man kann sich in Selbstmitleid suhlen. Man erhält Zuwendung und Aufmerksamkeit, wenn man über sein Schicksal klagt. Man kann mit einer Freundin über die Männer schimpfen und durch das gemeinsame Feindbild Verbundenheit erleben. Man kann dem Mann irgendetwas Fieses antun, ohne sich schlecht zu fühlen. Und so weiter. Das gilt für Männer umgekehrt natürlich genauso. Über die Vorzüge des Jammerns und Piensens könnte ich einen eigenen Beitrag schreiben. Darum geht es hier aber nicht primär. Wir schauen darauf, warum wir überhaupt ins Manipulieren kommen.

Ein weiterer Grund kann sein, dass wir nicht Nein sagen können und diese Schmach auch keinem anderen zumuten wollen. Oder – die Kehrseite derselben Medaille – dass wir auf gar keinen Fall Ablehnung erleben wollen. Wenn ich nicht klar frage, muss der andere nicht direkt antworten. Big Deal! Ich lasse die Frage unausgesprochen durch den Äther schweben und kann in die (Nicht-)Reaktion alles hineininterpretieren, was mir beliebt. Erfahrungsgemäß ist das häufig nichts Erquickliches. „Dem ist egal, ob ich mir den A… abfriere.“ ist eine der üblichen Phantasien in so einem Zusammenhang. Kann sein. Kann aber auch ganz anders sein. Erfahren werde ich es nur, wenn ich offen kommuniziere. Am Besten, bevor ungute Phantasien die Stimmung verderben.

„Schatz, mir ist kalt. Könntest Du bitte die Heizung hochdrehen?“ Damit wäre alles erledigt.

Gewaltfrei Klarheit schaffen

Ist die Stimmung schon verrutscht, hilft uns die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg. Sie wirkt der Manipulation entgegen, indem Sie die Sachebene und die Gefühlsebene klar trennt und Verwechslungen zwischen Realität und Phantasie beseitigt.

Der Ablauf ist schlicht:

  1. Tatsache benennen, möglichst sachlich, am Besten eine konkrete Beobachtung.
  2. Phantasie aussprechen und als solche kennzeichnen.
  3. Emotion ansprechen, die durch die Phantasie entstanden ist.
  4. Umsetzbaren Wunsch äußern.

In unserem Beispiel:

  1. „Hier hat es 19 Grad. Ich friere.“
  2. „Bei mir ist die Phantasie entstanden, dass es dir gleichgültig ist, wie es mir geht.“
  3. „Das macht mich traurig.“
  4. „Ich wünsche mir, dass Du die Heizung hochdrehst.“

Wenn wir noch nicht ganz in unserem Film von „Keine kümmert sich um mich“ versunken sind, fällt uns vielleicht sogar auf, wie absurd die Vorstellung ist, dass der Mann kein Interesse an unserem Wohlergehen hat.

Für den Fall, dass wir einen solchen Mangel an Interesse tatsächlich für Realität halten, wird es Zeit für eine Klärung. Und die spielt sich nicht in unserem Kopf ab, sondern im Austausch.

Meistens handelt es sich bei derlei Phantasien um uralte Glaubenssätze. Deshalb sind solche Situationen wertvoll für die eigene Bewusstseinsentwicklung. Lassen wir das Thema in dieser Stelle ungeklärt, können wir uns weiter einbilden, der andere sei schuld an unserem Leid. Konfrontieren wir ihn aber mit unseren Gedanken, dann kann er dazu Stellung nehmen. Außer, wenn Sie mit einem Psychopathen oder pathologischen Narzissten zusammen sind, wird es Ihren Partner sehr wohl interessieren, wie es Ihnen geht. Er wird vermutlich über Ihre merkwürdige Annahme aufrichtig bestürzt sein. Mit mitfühlender Anteilnahme wird er ihrer traurigen Weltsicht begegnen.

Rollenverwechslung als Wurzel des Übels

Geben Sie ihm Gelegenheit, sich zu Ihren Ideen zu äußern, löst sich Ihre Phantasie aller Wahrscheinlichkeit nach in Luft auf. Für ihre falsche Interpretationen muss es aber einen Grund geben. Nun können Sie sich darüber klarwerden, dass Sie hier möglicherweise noch ein Thema zu bearbeiten haben. Vielleicht sogar ein ganz grundlegendes: Zum Beispiel, dass sie den Partner mit Ihrem Papa verwechseln und er deshalb immer für Sie sorgen soll. Oha! Solche Verwechslungen sind gar nicht so selten und bereiten vielen Paaren Ungemach. Die Mama-Verwechslung umgekehrt natürlich auch. Mit falschen Rollen ist jeder Mensch langfristig überfordert. Das kann nur in Enttäuschung und Vorwürfen enden.

Wenn wir hier Paardynamiken betrachten, dann vor allem deshalb, weil sie die beliebteste Projektionsfläche für unsere ungelösten Seelenthemen und unterschwelligen Konflikte bieten. Ersetzen Sie Partner wahlweise mit Chefin, Nachbar oder Schwester. Häufig betrifft die Rollen-Verwirrung Personen, denen wir nicht ohne weiteres ausweichen können.

Das Feld ist breit, warum wir glauben, jemanden manipulieren zu müssen. Ihn in eine unpassende Position schieben zu wollen, ist ein möglicher Grund, der meist unerkannt bleibt.

Häufig begegnen mir Menschen, die – ohne es zu ahnen – als alleingeborene Zwillinge stets auf der Suche nach einem „Ersatz-Zwilling“ sind. Sie locken oder pressen andere in diese Rolle, der niemand gewachsen sein kann. Und dabei empfinden sie ihre Ansprüche als vollkommen berechtigt. Die Verwechslung ist ihnen ja nicht bewusst. Sie bekommen nicht, was ihnen anscheinend zusteht. Also lassen sie sich allerlei Tricks einfallen, um den anderen doch noch dazu zu bringen, ihre große Sehnsucht zu stillen. Vergeblich.

Mein Bedürfnis – meine Verantwortung

Im ersten Schritt müssen wir uns darüber bewusst werden, dass wir als  erwachsener Mensch selbst für das Erfüllen unsere Bedürfnisse verantwortlich sind, dass wir keine Eltern mehr brauchen, um unsere Existenz zu sichern, und dass wir – in den allermeisten Fällen – dazu selbst in der Lage sind.

Das heißt nicht, dass wir isoliert von der Außenwelt leben und nichts von anderen annehmen dürfen oder sollen. Die innere Haltung dabei ist entscheidend: In der Regel geht es nicht darum, Hilfe anzunehmen, sondern Unterstützung. Der Unterschied ist wesentlich. Hilfe heißt: Ich kann es nicht allein und brauche deshalb andere zur Bedürfniserfüllung. Unterstützung hingegen bedeutet: Ich könnte es auch allein, aber durch das Mitwirken anderer wird es schöner, besser, leichter, schneller etc. Hilfsbedürftigkeit erleben wir als Schwäche. Sich passende Unterstützung zu holen, ist ein Ausdruck von Kompetenz. In diesem Sinne können Sie die Suche nach Unterstützung nicht als persönliches Versagen, sondern im Gegenteil als aktive Selbstfürsorge (um-)bewerten.

Selbstwertschätzung – zu viel und zu wenig

Etwas zu wollen, das uns eigentlich nicht zusteht, ist also ein Grund für Manipulation. Die gegenteilige Ursache kann zum selben Ergebnis führen: Man glaubt, das was man braucht, eigentlich nicht verdient zu haben bzw. es nicht wert zu sein. Der Mangel an Selbstwertschätzung ist leider ein weit verbreitetes Phänomen. In diesem Fall wird man ebenfalls nicht direkt um etwas bitten. Man wird darauf entweder verzichten oder versuchen, das Objekt der Begierde mit List und Tücke zu erschleichen und hoffen, dass niemand den Schwindel bemerkt.

List und Tücke sind übrigens nicht für alle Menschen verabscheuungswürdig. Je nach kultureller Prägung, Familientradition oder Typenmuster kann man sogar einen Volkssport daraus machen. Mal sehen, wie weit man gehen kann, bis der andere bemerkt, dass er über den Tisch gezogen wurde. Es gibt Leute, die haben diebische Freude an einem kleinen Betrug, einige brüsten sich sogar damit. Ich habe schon erlebt, dass jemand sich durch clevere Gaunereien beweist, dass er kein Dummer ist. Manchen gibt der Adrenalinstoß einen Kick.

Wenn das Leid des „Opfers“ beim Beurteilen einer Tat gar keine oder eine sehr untergeordnete Rolle, sind wir aber eher wieder bei den psychischen Störungen. Insbesondere der Narzissmus verhindert eine offene Kommunikation über die Bedürfnisse. Das gilt nicht nur für narzisstische Persönlichkeitsstörungen, sondern in abgemilderter Form auch den sogenannten Alltagsnarzissmus.

Fühlt sich ein Narzisst doch als Nabel der Welt und erwartet von seinem Umfeld ein gewisses Maß an Hellsichtigkeit. Er erwartet vorauseilenden Gehorsam, man soll ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen. Wenn er sich dazu äußern muss, kommt das einer Majestätsbeleidigung gleich. Und umgekehrt interessieren ihn die Bedürfnisse der anderen herzlich wenig. Wie kommen sie dazu, diese in seiner erlauchten Gegenwart äußern zu wollen?!

Ich will das Thema Narzissmus hier nicht weiter vertiefen. Diese Anteile nehmen naturgemäß sowieso zu viel Raum ein. Mein Tipp an dieser Stelle: Hören Sie nicht auf die Worte eines Narzissten, sondern schauen Sie auf seine Taten. Wollen Sie dieses Verhalten in Ihrem Leben? Beachten Sie auch die Übereinstimmung Ihrer eigenen Worte mit Ihren Handlungen. Ein bisschen Narzissmus steckt in jedem von uns.

Konflikte auflösen

Die wenigsten Leute lieben es, sich zu streiten. Aber es gibt auch regelrecht konfliktscheue Menschen. Das kann vielfältige Gründe haben. Verlustängste und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit stehen weit oben auf der Liste. Eine ausgeprägte Konfliktscheu macht ebenfalls manipulativ. Konflikte gehören zum menschlichen Miteinander. Wenn sie nicht zutage treten dürfen, ist es wichtig, Klarheit zu vermeiden. Das gelingt durch nebulöse Aussagen, durch Unausgesprochenes und Mehrdeutiges.

Fragen Sie schlicht: „Würdest Du das für mich tun?“ und der Angesprochene hat andere Bedürfnisse, die sich mit Ihrem Wunsch nicht in Einklang bringen lassen, dann ist das ein Konflikt. Wird er gezwungen, „nein“ zu sagen, ist der Konflikt für alle sichtbar auf dem Tisch.

Wie man Konflikte souverän und erwachsen handhaben kann, lernen die wenigsten von Kindesbein an. Wir haben nicht erfahren, dass Konflikte zum Leben ganz selbstverständlich dazugehören und aufgelöst werden. Den äußeren Konflikten können wir ja oft ganz gut ausweichen. Für die inneren Konflikte ist das kein gangbarer Weg. Darum lernen wir das doch lieber im Außen, dann steht es uns auch für das gesunde Wachstum unserer Innenwelt zur Verfügung.

Was hinter der Manipulation liegt…

Die Selbstaufrichtigkeit ist nicht bei allen gleich stark ausgeprägt. Vielleicht werden manche ihre Konfliktscheu, Ihren Narzissmus oder Ihre Verwechslungen vor sich selbst und vor anderen rechtfertigen und kaschieren.

Beliebt sind dabei Erklärungen wie „Ich wollte diplomatisch sein.“, „…dem anderen Gelegenheit geben, sein Gesicht zu wahren.“, „…auf seine Gefühle Rücksicht nehmen.“ und so zu. Es ist verständlich, sich den eigenen Motiven nicht immer stellen zu wollen, um ein gutes Image zu erhalten. Das Selbstbild dient der Stabilität. Aber nur, wenn es aufrichtig ist.

Ihrer Persönlichkeitsentwicklung förderlich ist das Streben nach Authentizität. Seien Sie die Person, die aus Ihnen geworden ist, haben sie Verständnis und Mitgefühl mit ihr. Und dann wenden Sie sich dem Menschen zu, der Sie sein können, der in Ihnen angelegt ist wie eine Blaupause: ihr Selbst.

Das Bewusstwerden von Manipulationsversuchen stoppt nicht nur die Manipulation. Es gibt den Blick frei auf tiefliegende Ursachen, die das eigentliche Problem sind. Und ermöglicht so erst eine ursächliche Lösung. Schon allein für diese Chance lohnt es sich, sich auf den Weg in eine faire und bewusste Kommunikation zu wagen. Das Heilungspotenzial für unsere Beziehungen ist immens: für die Beziehung zu unserem Mitmenschen und zu uns selbst.




Woher wissen wir, was wir wissen?

Essay von Petra Weiß. Lesedauer ~ 17 Minuten
Rubrik: Umdenken

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Individuelle Erfahrungen prägen ein Universum von subjektiver Wahrheit. Foto: Carsten Przygoda / pixelio.de

Viele Dinge erfahren wir im Laufe unseres Lebens. Wir nehmen etwas wahr: ein Bild, ein Geräusch, einen Geschmack, einen Duft, eine Bewegung oder eine Berührung. Diese Erfahrungen sind sinnliche Wahrnehmungen. Wir nehmen sie mit unseren Sinnen wahr. Sie erscheinen uns als objektive Wahrheiten. Sind sie das wirklich? Oder ist Objektivität in der Wahrnehmung eine Illusion?

Wenn zwei Menschen dasselbe Bild gezeigt bekommen, beschreiben sie es womöglich mit ähnlichen Worten. „Drei grüne Scheiben und ein rotes Rechteck“, sagt ein Betrachter. Ein anderer meint zu erkennen, hier seien „ein rotes Quadrat und drei grün gefüllte Kreise“. Im Wesentlichen scheinen die Wahrnehmungen übereinzustimmen. Die Zahlen sind identisch, die Formen zumindest ähnlich und die Farben werden gleich beschrieben. Woher wissen wir aber, dass ein anderer Mensch die Farbe Rot in gleicher Weise wahrnimmt wie wir selbst?

Wir alle haben gelernt, eine bestimmte Farbe als Rot zu bezeichnen. Ihre Frequenz ist physikalisch messbar, unsere Wahrnehmung von ihr kann identisch oder unterschiedlich sein. Dass Menschen Farben individuell wahrnehmen, wissen wir spätestens seit Bekanntwerden der Rot-Grün-Blindheit. Sie wird anhand eines einfachen Sehtests festgestellt. Bevor aber diese Menschen einen entsprechenden Test machen oder man die Frequenzen von Rot und Grün gemessen hat: Woher wussten die Betroffenen, dass sie Rot und Grün anders wahrnehmen als ihre Mitmenschen?

Und wenn umgekehrt 99 % aller Menschen eine Rot-Grün-Schwäche hätten, wie würden wir mit denjenigen umgehen, die Rot und Grün unterscheiden können? Hätten wir Angst vor ihrer „übersinnlichen“ Wahrnehmung? Würden wir sie als psychisch krank einstufen und versuchen, sie zu heilen?

Eine Erdbeere ist eine Erdbeere ist eine Erdbeere.

Manchen Sinneswahrnehmungen billigen wir eher zu, subjektiver Natur zu sein. Woher glauben wir zu wissen, dass ein anderer Mensch den Geschmack einer Erdbeere auf die gleiche Weise erlebt wie wir selbst? Vielleicht weil wir das Erlebnis mit denselben Worten beschreiben wie er, z.B. als „süß und fruchtig“. Was genau ein anderer Mensch erlebt, wenn er in eine Erdbeere beißt oder überhaupt etwas Süßes und Fruchtiges isst, können wir nicht wissen, auch wenn wir Zuckergehalt und Fruchtsäure exakt bestimmen können.

Wir geben ihm eine reife Aprikose und freuen uns, dass er auch diese als „süß und fruchtig“ beschreibt. Damit wissen wir, dass in seiner Wahrnehmung beide Früchte ähnliche Erfahrungen verursachen. Ob sie dieselben sind wie bei uns wissen wir immer noch nicht.

Aus diesen Betrachtungen gewinnen wir eine wichtige Erkenntnis: Ich kann nur wissen, wie süß und fruchtig für mich schmeckt und wie Rot für mich ausschaut. Das ist meine subjektive Wahrheit. Wir können vermuten, dass andere Menschen ähnliches erleben, wissen können wir das nicht. Ihre subjektive Wahrheit ist möglicherweise der unseren gleich, aber vielleicht ja auch ganz anders.

In fremde Köpfe blicken

Dank moderner Technologie können wir beobachten, welche Regionen im Gehirn aktiv sind, während ein Mensch in eine Frucht beißt – was er dabei erlebt, kann uns der Apparat nicht sagen. Vor lauter Begeisterung über den Fortschritt dürfen wir unsere Bescheidenheit nicht verlieren.

Den sokratischen Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, hielt ich lange Zeit für den Ausdruck von Demut eines antiken Philosophen. Erst spät habe ich verstanden, dass man die Aussage durchaus wörtlich nehmen darf: Wer glaubt, etwas zu wissen, befindet sich im Irrtum. Wer hingegen weiß, dass er nur glaubt, der ist weise.

Wir verwechseln häufig unsere subjektive Wahrheit mit objektivem Wissen. Wenn wir schon im als gesund eingestuften Zustand im Unklaren sind, ob unsere Wahrnehmungen denen der anderen entsprechen, wie schaut das bei Wahrnehmungen außerhalb der Norm aus?

Wahn und Illusion

Die Psychiatrie diagnostiziert eine Wahnwahrnehmung oder Illusion, wenn jemand etwas anderes mit seinen Sinnen zu erfassen glaubt als die meisten anderen Menschen, die sogenannten Gesunden. So als sei Wahrnehmung etwas Objektives. Dabei wissen wir längst, dass manche Menschen besondere Fähigkeiten haben, sozusagen das Gegenteil einer Rot-Grün-Schwäche.

Es gibt zum Beispiel Personen mit einem extrem feinen Gehör, die Töne oberhalb oder unterhalb des üblicherweise wahrgenommenen Frequenzspektrums hören können. Oder elektrosensible, die Spannungsschwankungen wahrnehmen. Nur weil ihre Fähigkeiten nicht der Allgemeinheit entsprechen, heißt das nicht, dass ihre Wahrnehmungen „falsch“ sind. Bei Strom und Ton können wir die Frequenzen messen und ein Gerät sagt uns, dass die Wahrnehmung eine nachvollziehbare ist, auch wenn sie der allgemeinen nicht entspricht. Da haben die Betreffenden aber Glück gehabt! Könnte man die physikalische Frequenzen nicht messen, würden sie vermutlich als Spinner verlacht.

Letztlich sind alle Annehmen, die wir treffen, Konstrukte unseres Verstandes, um die Welt zu begreifen. Menschen bedienen sich geistiger Konzepte, um sich zu orientieren, um sich sicher zu fühlen, um Entscheidungen zu treffen und manchmal auch, um danach zu handeln. Unsere Annahmen gleichen wir mit den Annahmen unserer Mitmenschen ab.

Glauben viele Menschen dasselbe, halten sie diesen Glauben für Wissen. Diese Verwechslung kann Folgen haben.

Wenn schon unsere direkten sinnlichen Wahrnehmungen weit weg von einer  Objektivität sind, wie kommen wir dann auf die Idee, komplexere Zusammenhänge verobjektivieren zu wollen und damit Wahrheit zu erzeugen, was wir Wissenschaft nennen?

Wie schafft man Wissen?

Gibt es so etwas überhaupt: eine objektive Wahrheit? Sind Menschen in der Lage, sie zu ergründen? Oder können wir uns ihr immer nur nähern? Und welche Disziplin sucht wahrhaftig nach ihr?

„Die Naturwissenschaften!“, werden Sie vielleicht vermuten. Nun ja, hier werden Beobachtungen gemacht, die Fragen aufwerfen. Als mögliche Antwort stellt man eine These auf, die man versucht zu beweisen. Also findet man ein Argument, das für diese These spricht, und nennt das einen Beweis. Auch die Anti-These wird aufgestellt und in gleicher Weise beleuchtet. Am Ende wird aus der Gesamtschau eine Synthese gebildet. Wollen wir das Resultat dieser Abläufe als objektives Wissen bezeichnen? Wenn schon die anfängliche Beobachtung etwas Subjektives ist, von der Fragestellung und den entwickelten Thesen ganz zu schweigen.

Wie gehen wir als Menschheitsfamilie mit den Wahrheiten um, die uns unsere Wissenschaft beschert? Wozu dienen ihre Erkenntnisse, wenn sie keinen Einfluss auf unsere Leben haben?

Sensationelle Erkenntnisse ohne Auswirkung

Die Quantenphysik hat schon vor Jahrzehnten bewiesen, dass der Beobachter das Experiment beeinflusst, und damit eigentlich die bisher angenommene Objektivität wissenschaftlicher Experimente wissenschaftlich widerlegt. Die Erkenntnis dringt nicht in die Köpfe der Menschen vor: Es gibt keine Objektivität – weder im Labor noch im richtigen Leben.

Und noch etwas hat die Quantenphysik festgestellt: ein und derselbe Partikel kann sowohl Teilchen als auch Welle sein und sich auch noch an zwei Orten gleichzeitig befinden. Wird Ihnen schwindelig? Nein? Dann haben Sie die Tragweite dieser wissenschaftlich belegten Tatsache noch nicht begriffen: Unsere physische Welt, wie wir sie erleben, kann so und auch ganz anders sein.

Um noch das Sahnehäubchen draufzusetzen, könnte man an dieser Stelle eine weitere sensationelle Erkenntnis aus der Quantenphysik erwähnen: Zwei Teilchen desselben Ursprungs bleiben miteinander in Verbindung, auch wenn man sie räumlich voneinander trennt. Materie ist auf der Quantenebene miteinander verbunden!!!

Und was machen wir? Wir leben unser Leben weiter in den Ansichten der alten Physik, ohne von den neuen Erkenntnissen zu profitieren.

Sinnvolle Einsichten

Wenn Materie gleichzeitig mehrere Varianten von räumlichen Positionen und Zuständen einnehmen kann, ist unser 3-D-Modell der Realität überholt. Und in der Tat sprechen Experten von weit mehr als den bekannten 3 oder 4 (incl.Zeit) Dimensionen. Dann ist Materie nicht das, wofür wir sie bisher gehalten haben.

Und wenn ein Beobachter als Faktor in sein Experiment einfließt, dann ist das ein klarer Hinweis darauf, dass Bewusstsein Materie beeinflusst. Wir dürfen also hoffnungsfroh sein, zumindest unseren eigenen Körper durch unser Bewusstsein beeinflussen zu können. Von diesem Maß an Selbstwirksamkeit sollte jeder Mensch Kenntnis erhalten, entsprechende Fähigkeiten sollten erforscht und geschult werden.

Wo erfahren wir davon? Welche Veränderungen finden wir im Lehrplan der Schulen und Universitäten seit diesen umwälzenden Forschungsergebnissen? Und wer nutzt diese spektakuläre Erkenntnis zum Wohle der Menschheit?

Wenig genutztes Potenzial

In den 1980er Jahren kam die sogenannte Psychosomatik in Mode und erreichte sogar die Schulmedizin. Die Beteiligung psychischer Ursachen wurde für ein paar auserwählte Krankheiten offiziell anerkannt. Heute forscht die Psychoneuroimmunologie an den generellen Wechselwirkungen zwischen der Psyche und dem Nervensystem, der Abwehr sowie den Hormonen. Hier gibt es bereits beeindruckende Untersuchungen, die darauf hinweisen, wie wichtig ein guter Gemütszustand für die körperliche Gesundheit ist.

Hören Sie davon täglich in den Medien? Legt man Ihnen Yoga oder Entspannungstechniken ans Herz und ruft jemand Sie dazu auf, Ihre Traumata zu bearbeiten, wenn Sie gesund bleiben oder werden wollen? Ist Ihnen bewusst, wie schädlich Angst für Ihr Immunsystem ist?

Da sind wir wieder bei unserer Wahrnehmung und der Frage nach der Wahrheit. Nur wenn wir uns Gelegenheit geben, den Einfluss unseres Seelenlebens auf unser körperliches Wohlbefinden zu erfahren, wird die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche erlebte Realität. Sonst glauben wir, was wir oft genug und von vielen Seiten hören und halten das auch noch für objektives Wissen: Die alleinige Herrschaft über unser aller Gesundheit liegt anscheinend bei den medizinischen Fachleuten.

Nur sie wissen, wie wir gesund bleiben oder werden können. Sie dürfen uns folglich vorschreiben, was wir wie und wann essen sollen, wie oft und in welcher Weise wir uns bewegen sollen und so weiter. Schließlich gibt es wissenschaftliche Studien! Es wird Zeit, dass wir alle uns über das Wesen von Studien bewusst werden und sie ihren falschen Heiligenschein der Objektivität verlieren.

Verzerrte Wahrheit mit Nachkommastellen

Wer sich ausführlich mit Statistik befasst, dem wird irgendwann klar: Studien beweisen, was auch immer der Studiendesigner beweisen will. Man muss die Kriterien für die Gruppen nur geschickt auswählen oder die Daten in einen entsprechenden Rahmen setzen. Zahlen haben das Image von harten Fakten, daher eignen sie sich am Besten dazu, Menschen etwas glauben zu machen, insbesondere, wenn man sie mit Balken- oder Tortendiagrammen grafisch aufbereitet. Damit erzeugt man die scheinbar objektive Wahrnehmung eines Sachverhalts: geometrische Formen und Farben. Erinnern Sie sich an unser Anfangsbeispiel?

Wer prüft schon im Detail, ob ein Studiendesign dazu geeignet ist, das herauszufinden, was ihr Ergebnis angeblich belegt? Machen Sie das doch mal zum Spaß in einem Fachbereich, mit dem Sie sich wirklich gut auskennen. Und dann seien Sie sich gewiss, dass solche Zahlentricksereien allgegenwärtig sind.

Wenn unser gesamtes Weltbild auf einer Objektivität fußt, die es gar nicht gibt, wie können wir dann herausfinden, was wirklich wahr ist?

Zunächst einmal müssen wir begreifen, dass wir keine Sicherheit durch äußere Impulse erlangen werden. Das ist hart für unsere Dauerangst-geplagte und daher auf Sicherheit getrimmte Gesellschaft. Warum sind wir so abhängig von der Sicherheit, die uns irgendjemand im Außen anbietet? Weil wir verlernt haben, Sicherheit in uns zu suchen und zu finden. Niemand kann Ihnen sagen, was Ihre subjektive Wahrheit ist. Sie müssen sie selbst erfahren.

Wahrnehmen statt Denken

Woher wissen Sie, dass etwas wahr ist? Sie haben es mit eigenen Sinnen wahrgenommen. So wird es zu ihrer subjektiven Wahrheit. Oft bekommen Sie aber etwas aus zweiter oder dritter Hand vermittelt. Wie prüfen Sie den Wahrheitsgehalt solcher Botschaften? Wann halten Sie eine Information für vertrauenswürdig? Hat der Überbringer selbst eine Erfahrung gemacht, von der er erzählt? Oder berichtet er von etwas, das auch er irgendwo gehört oder gelesen hat?

Wir halten Informationen für wahr, wenn sie in unser bisheriges Weltbild passen und wenn wir dieselbe Aussage mehrfach aus verschiedenen Quellen hören. Dann denken wir, etwas zu wissen. Und haben wir uns erst einmal dafür entschieden, etwas zu glauben, haben gegenteilige Informationen kaum mehr Zugang zu unserem Kopf.

Haben Sie Ihr eigenes Wissen jemals hinterfragt? Ich empfehle Ihnen, in den nächsten Tagen immer wieder ein inneres Stopp-Schild zu setzen und sich zu fragen „Woher WEISS ich das?“. Vielleicht fällt Ihnen dann in dem ein oder anderen Zusammenhang auf, dass sie verschiedenen „Glaubensgemeinschaften“ angehören. Das ist vollkommen in Ordnung, solange Sie sich dessen bewusst sind oder werden. Aber bitte halten Sie Ihren Glauben nicht für eine objektive Wahrheit.

Wirklichkeit ist der Teil der Realität, der wirkt, das ist Ihre subjektive Wahrheit. Es kann dienlich sein, wenn Sie das Denken hin und wieder zugunsten direkter Wahrnehmung hintenanstellen. Gehen Sie in die Natur, riechen Sie an einer Blume, erfreuen Sie sich an ihrer Schönheit, spüren Sie den Boden unter Ihren Füßen, genießen Sie das Aroma einer Erdbeere und geben Sie jemanden einen Kuss. Damit sind Sie nicht in irgendeiner Objektivität. Und das macht gar nichts. Ihre Subjektivität ist für Ihr Leben wesentlich.