Wie Mode uns beeinflusst

Manche Leser fragen sich jetzt bestimmt, warum ein tiefgründiger Mensch wie ich sich mit Mode beschäftigt. So ein oberflächliches Steckenpferd hätten sie mir gar nicht zugetraut. Sie werden sich vermutlich noch wundern, wie vielschichtig Fragen rund um Kleidung, Schuhe und Accessoires sein können. Natürlich schreibe ich nicht darüber, was diese Saison auf den Laufstegen der Haut Couture gezeigt wird. Davon habe ich tatsächlich keine Ahnung. Vielmehr möchte ich Ihr Bewusstsein dafür wecken, wie wir über Mode gesteuert werden.

Zum erweiterten Verständnis werde ich Ihnen zunächst von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Bis vor drei Jahren habe ich mich nicht im Geringsten für Einkaufstouren begeistern können. In Boutiquen fühle ich mich schnell von der eifrigen Ladenbesitzerin bedrängt. Ich hasse die stickige Luft und den Lärm in größeren Geschäften. Das blaustichige Licht in den Umkleidekabinen lässt den gesündesten Teint so erscheinen, als sei man schon vor drei Tagen an plötzlichem Blutverlust gestorben. Feine Nuancen gehen durch diese Beleuchtung verloren. Es ist unmöglich zu beurteilen, ob die Farben zusammenpassen. Man müsste mehrere Stücke derselben Kollektion kaufen, um sicher zu gehen. Oder man entscheidet sich für Schwarz und Weiß. Damit kann man nichts falsch machen. Außer, dass die meisten Menschen mit diesen Unfarben auch bei Tageslicht leichenblass sind.

Unter den mitleidigen Blicken von spindeldürren Verkäuferinnen, die halb so alt sind wie ich, Hosen und Röcke anzuprobieren, ist wirklich kein Vergnügen. Gar nicht zu denken an meinen letzten Versuch, im Fachgeschäft für Dessous einen Badeanzug zu erwerben.

Bei mir hatte sich längst der Eindruck verfestigt, dass es eben schwierig ist, für meine Figur das Passende zu finden, bis eine beleidigte Modell-Beraterin mir genau das ins Gesicht schleuderte, weil ich die von ihr emsig herbeigeschafften Hosen nicht kaufen wollte.

Was hatte sich zugetragen?

In meinem Leben gab es wichtigere Dinge als Modeschauen. Viele Jahre lang habe ich angezogen, was der Schrank halt gerade hergab und was vor allem bequem war. Ich verschwendete nicht viele Gedanken daran, wie ich mich möglichst vorteilhaft kleiden soll. Für meine Bürotätigkeit habe ich mich der Umgebung angeglichen. Kostüme (man beachte den Ausdruck!) und Hosenanzüge zogen in meinen Kleiderschrank ein. Ich fand tatsächlich Freude an hochwertigen Stoffen und gut sitzenden Passformen.

Eine Farbberatung, in die ich mit Mitte dreißig zufällig hineingeraten war, hatte mich mit einer glatten Fehldiagnose in die Welt entlassen. Mein hoffnungsloses Bemühen, ihren ganz und gar nicht passenden Empfehlungen zu folgen, haben mich zunehmend verwirrt und frustriert.

Ähnlich wie mit den Farben ging es mir auch mit den Formen: Die Expertise der vermeintlichen Fachleute lief immer darauf hinaus, dass ich Schnitte tragen sollte, die an mir aussahen, als hätte der Verhüllungskünstler Christo einen wirklich schlechten Tag gehabt. Doch statt sich für die erbärmliche Empfehlung zu entschuldigen, riefen die Beraterinnen voll freudiger Erregung „Das kaschiert!“ und konnten gar nicht verstehen, dass ich ihre überschwängliche Begeisterung nicht teile: Kaschieren muss man Mängel und Fehler.

Eigentlich ein Kinderspiel

Meine intensive Beschäftigung mit Mode führte mich über einen wirklich fachkundigen Mode-Blog und mehrere Bücher letztlich zu einer Farb- und Stilberatung mit einer sehr feingliedrigen Einteilung. Sie brachte vor drei Jahren endlich Licht ins Dunkel. Es ist überhaupt nicht schwer, sich typgerecht zu kleiden, wenn man weiß, wie es geht. Grundlegende Kenntnisse über Körperformen und Schnitte, welche die figürlichen Vorzüge betonen, eine zutreffende Farbanalyse und ein paar praktische Tipps. Voilà: Petra geht auch in chic!

Und nicht nur das: Ich habe gelernt, mich mir gemäß zu kleiden, mit all den Facetten meiner Persönlichkeit. Die Veränderung ist unbeschreiblich. Jetzt sehe ich nicht nur gut angezogen aus, sondern ich wirke nach außen so wie ich innen bin. Nicht jeden Tag betone ich alle Anteile gleichermaßen. Bei einigen Gelegenheiten tritt zum Beispiel mehr der klassische, der sinnliche, der bodenständige oder der fröhliche Aspekt in den Vordergrund. Aber all das bin ich.

Seit mir das bewusst ist, hat sich nicht nur mein Kleidungsstil verändert, sondern auch meine Einrichtung und sogar mein natürlicher Schreibstil erlebt gerade eine Renaissance.

Die einfühlsame Farb- und Stilberatung war das Ende der Fehlkäufe und der immer gleichen Schwarz-in-Schwarz Kombinationen.

80 % (!) meiner Garderobe konnte ich aussortieren. Das meiste habe ich verschenkt. Als ich mit dem Verschenken angefangen habe, kamen als Dankeschön auch die ungetragenen Stücke meiner Freundinnen zum Vorschein. Wahre Schätze fristeten in den hinteren Regalen ihrer Kleiderschränke ein trauriges Dasein. Ich war offensichtlich nicht die Einzige, der es so ging.

Heute frage ich mich, warum ich so lange gebraucht habe, um meinen Stil zu finden. Mein Vermutung ist: Daran liegt niemandem außer mir. Alle meine Schrankhüter haben irgendwo eine Kasse klingeln lassen. So viel steht fest. Ich glaube, dahinter steckt aber noch mehr.

Beobachtungen und Erkenntnisse

Wir sind unfruchtbar beschäftigt, indem wir dem ständigen Wechsel der Mode hinterherhecheln. Während wir in Katalogen und Magazinen blättern, Shoppen gehen und über neue Trends sprechen, kommen wir nicht „auf dumme Gedanken“, uns mit wesentlichen Fragen des gesellschaftlichen Lebens zu befassen. Mode erfüllt diese Ablenkungsaufgabe genauso gut wie sinnbefreite Unterhaltung à la Deutschland sucht den Super-Deppen.

Dressiert zum Gehorsam. Durch Mode werden wir überdies darauf abgerichtet, der Herde nachzulaufen. Alle Schafe folgen brav dem Trend. Altmodisch oder spießig zu erscheinen, offenbart auf den ersten Blick, dass wir nicht dazu gehören. Wir laufen mähend nach rechts, wenn Grün in Mode kommt, und nach links bei Violett. Sogar Gelb mutet man uns als letzten Schrei zu, was die meisten Menschen gar nicht ziert und die übrigen nur, wenn sie schon eine knackige Sommerbräune vorweisen können. Braun werden sollen wir aber nicht mehr, wegen der weit verbreiteten Sonnenhysterie mit Lichtschutzfaktor 1.000.

Widersprüchliche Auftrage lösen ein Dilemma aus. Sie können nicht blass sein und mit Gelb gut aussehen und Sie können auch nicht natürlich gebräunt sein, während Sie die Sonne meiden. Hätte man diese Misere bewusst hervorgerufen, wäre es die hohe Kunst der Manipulation. Ein solches „Double Bind“ wie der Fachausdruck heißt, stellt Menschen vor eine innere Zerreißprobe. Sie wollen beide Anforderungen gerecht werden, was unmöglich ist. Deshalb fühlen sie sich schlecht, ungenügend oder sogar als Versager.

Man könnte fast meinen, hier sollen Menschen davon abgehalten werden, in ihre Kraft zu kommen. Schauen wir doch mal, was die Modebranche sonst noch mit unserem Unterbewusstsein anstellt.

Wir haben ein natürliches Empfinden für Farben. Wenn wir ihm freien Lauf lassen, wählen wir treffsicher Farben, die miteinander harmonieren. Untersuchungen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zeigen verblüffende Übereinstimmungen im Farbempfinden. Die Farblehre liefert nur die Theorie dazu. Sie beschreibt, welche Kombinationen sich schwertun, ansprechend zu wirken. Wenn man unbedingt Pink und Burgunderrot gleichzeitig anschauen will, kann man zur Not eine neutrale Farbe wie Beige, Weiß oder Dunkelblau als Puffer dazwischen platzieren. Neuerdings betreiben wir aber „Colorblocking“: Wir setzen Farben unmittelbar nebeneinander, die das menschliche Auge eigentlich nicht zusammen sehen will. Die meisten gewöhnen sich an den Anblick und schieben ihr natürliches Unbehagen beiseite. Bis sie die Zusammenstellung für schön halten.

Innere und äußere Harmonie hängen zusammen. Das beobachte ich immer wieder in der Sprechstunde. Farbliche Stimmigkeit fällt den Patienten plötzlich (wieder) auf, wenn sie sich nach einem Erregungszustand beruhigen. Der Grund ist einleuchtend: Unsere Aufmerksamkeit richtet sich nicht auf Blümchen und Wolken, während wir uns bedroht fühlen, sondern auf den Säbelzahntiger, der vor uns steht, und auf mögliche Auswege. Löst sich die (gefühlte) Gefahrenlage auf, wird der Blick wieder frei für andere Betrachtungen. Diese Auswirkung ist keine Einbahnstraße. Die Harmonie, die wir in unserer Umgebung wahrnehmen, wirkt umgekehrt auch auf die innere Harmonie. Was macht das mit unserem Innenleben, wenn im Außen Disharmonisches zur Schau gestellt ist? Und noch dazu, wenn man uns erzählt, das sei schön?

Neben den Farben dreht sich in der Mode vieles um Stil. Mit dem Stil der Kleidung wird das innere So-Sein nach außen sichtbar gemacht. Stil darf deshalb durchaus auch widersprüchlich und facettenreich sein – so wie Menschen eben sind: einzigartig.

Ein wildes Durcheinander an widersprüchlichen stilistischen Aussagen wird uns als guter Stil für die Massen vorstellt. Das bewirkt im Unterbewusstsein bei ihrem Träger und den Menschen, die sich das ansehen müssen, vor allem eines: Es stiftet Verwirrung.

Ich finde Jeans und Turnschuhe wirklich gut, je nach Anlass halt. Wenn man zum Beispiel im Garten arbeitet, sind Pumps und Rock eher unpraktisch. Auch habe ich nichts dagegen, den bodenständigen Workerlook mit einem Blazer zu ergänzen. Ein wohl überlegter Stilbruch bringt Esprit ins Outfit – wenn er individuell stimmig ist. Das heißt, wenn eine sportlicher Typ klassische Anteile hat. Oder wenn ein klassischer Typ in der Freizeit lockerer erscheinen will.

Anders verhält es sich aber, wenn auf einmal jedermann Turnschuhe zu jeder Gelegenheit trägt, weil er sonst nicht in den Modehimmel kommt. Turnschuhe zur Stoffhose und zum Sommerkleid? Ist das schön? Wirklich? Werden Turnschuhe eleganter, wenn wir sie Sneaker nennen? Und wenn sie mit Glitzersteinchen oder Leo-Muster überzogen sind?

Regredieren wir durch diese Mode? Haben Sie beim Durchstöbern alter Fotos schon einmal erlebt, dass Sie Stimmungen wieder hervorrufen können, die schon lange zurückliegen? Möglicherweise erinnern Sie sich an Details, die Ihnen vorher gar nicht mehr bewusst waren. Diese Wirkung eines gelenkten Blicks in die Vergangenheit wird manchmal auch therapeutisch genutzt.

Unter Hypnose lässt man den Patienten an sich herabblicken, um die Trance zu verstärken. Die Kleidung, die er dann beschreibt, hilft ihm, sich noch tiefer in die Situation hineinzuversetzen. So unterstützt man unter anderem eine gewünschte Regression, also das Erleben einer früheren Zeit und des damaligen Zustandes. Es ist erstaunlich, wie viele Einzelheiten auf diese Weise wachgerufen werden können. Das Gemüt versetzt sich so in die Jugend oder Kindheit und bei Bedarf sogar in den Mutterleib zurück. Solche Tricks im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung mit Zustimmung des Patienten einzusetzen, ist in Ordnung. Ohne Wissen des Betroffenen, ist das ein unlauterer Eingriff in das Unterbewusstsein.

Der Jugendwahn ist allgegenwärtig. Mich beschleicht der Verdacht, dass erwachsene Menschen sich zu Jugendlichen zurückentwickeln sollen. Wie alt hätte man uns denn gerne? 14? 12? Oder noch jünger? Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich unterstelle, dass wir den Entwicklungsstand der Unmündigkeit gar nicht erst verlassen sollen? Ein Kind übernimmt nicht die Verantwortung für das eigene Leben oder grenzt sich gegen Bevormundung ab.

Sich schlecht fühlen mit System. Modekollektionen werden in der Regel so gefertigt, dass man die Kleidungsstücke für die Maße eines bestimmten Modells genau passend designed und dann für andere Größen die Abmessungen linear skaliert. Die allermeisten Frauen sind deutlich gewichtiger als die Damen, für deren Proportionen Kleidung gestaltet wird. Das führt dazu, dass viele Frauen mit durchschnittlicher Figur sich viel zu fett fühlen. Und dass die Kleidung, wenn sie in größeren Konfektionen einfach nur nach Verhältnismäßigkeit skaliert wird, schlecht sitzt. Maßanfertigungen wären eine charmante Lösung, sind aber kostspielig.

Wenn ein Mann einen Anzug von der Stange anprobiert, kommt sogleich eine Maßbandfee herbeigeschwebt und sogt dafür, dass der Anzug sich verändert, bis er perfekt sitzt. In der Damenabteilung eines normalen Kaufhauses habe ich das noch nie erlebt. Wenn uns ein Kleid nicht passt, liegt es nicht am Kleid, sondern an der Käuferin. Wir nehmen es nicht und fühlen uns schuldig. Oder wir kaufen es eine Nummer zu groß, so dass es an manchen Stellen schlabbert. Oder zu klein, so dass wir darin als Presswurst umherlaufen.

Lassen Sie sich von niemandem in Ihre Farbwahl oder in Ihren Stil hineinreden. Und machen Sie keine Kompromisse bei der Passform. Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich einen guten Schneider zu suchen oder einen Nähkurs zu besuchen, um Ihre Lieblingsstücke Ihrer Silhouette anzugleichen statt umgekehrt. Das geht schneller, ist billiger und erquicklicher als die meisten Diäten. Und Freude macht es auch noch.

Der Jugendkult und seine Auswirkungen

Die einzige Alternative zum Altwerden ist früh zu sterben. Diese einfache Wahrheit braucht keine weiteren Erklärungen. Dennoch tun wir Menschen so, als könnten wir dem Unvermeidlichen entgehen. Wir betreiben sogar einen beachtlichen Aufwand, damit der Zahn der Zeit nicht allzu offensichtlich an uns nagt. Psychologisch betrachtet spielt die (unbewusste) Angst vor dem Tod hier vielleicht eine Rolle. Mindestens genauso bedeutend ist aus meiner Sicht die Dauerhypnose durch die Medien.

Gehirnwäscheartig werden wir ständig damit beschallt, dass wir uns jung fühlen und gefälligst auch so aussehen sollen. Jugendlichkeit steht bei den gängigen Werten ganz weit oben. Das ist wieder so ein Anspruch, den wir nicht, oder zumindest nicht auf Dauer erfüllen können. Wir werden älter. Jeden Tag.

Überall sieht man junge gertenschlanke Menschen: auf Plakaten, in der Werbung, in Serien und Spielfilmen, in Zeitschriften und im Internet. So entsteht der irrige Eindruck, alle Frauen wären Anfang 20 und hätten Größe 34-36. Schätzen Sie doch mal, welche Konfektionsgröße in Deutschland am häufigsten verkauft wird. 42. Hätten Sie das vermutet? Ich war sehr überrascht. Was wir mit eigenen Augen sehen, nimmt unser Unterbewusstsein leider viel zu unkritisch als wahr an. Im Fernsehen und in anderen künstlichen Welten sehen wir nicht die Wahrheit. Wir sehen Bilder, die nur einen kleinen Ausschnitt der Realität zeigen. Dieser wird dann zu unserer Wirklichkeit. Sie ist eine Täuschung.

Die Folgen dieses Zerrbildes sind mannigfaltig. Das eingeredete Schönheitsideal führt zu chronischer Unzufriedenheit bis hin zu Selbsthass und Essstörungen. Magersucht ist die seelische Erkrankung mit der höchsten Gefahr, daran zu sterben, und ein zuverlässiger Weg in die Kinderlosigkeit.

Enge Kleidung am Unterleib kann bei Männlein und Weiblein Entzündungen der Geschlechtsorgane hervorrufen. Gewöhnliche Strumpfhosen klemmen Frauen den Bauch ab. Der bequeme Jazzpant-Schnitt für Unterwäsche wurde vor Jahren abgeschafft. Künstliche Stoffe an den Genitalen begünstigen Pilzerkrankungen. Über solche Dinge wird nicht gesprochen. Sie sind peinlich. Wie kann man Menschen mit solcher Marter an ihren empfindsamsten Stellen quälen? Welche Haltung gegenüber der Geschlechtlichkeit und der Fortpflanzung kommt da zum Ausdruck? Schauen wir doch einmal, wie liebesfördernd die Mode sonst noch ist:

Reizvoll ist es, Unterschiede der Geschlechter durch die Kleidung zu betonen. Das Gegenteil wird erreicht, indem man für alle dieselben Schnitte anbietet. Stellt man sexuelle Reize allerdings übertrieben zur Schau, geht die ganze Magie des Entkleidens verloren. Beide Extreme dienen nicht der Wertschätzung einer natürlichen Erotik. Das eine macht sie dumpf, das andere macht sie fahl.

Bei allem Respekt vor den Bestrebungen nach gleichen Rechten und Beziehungen auf Augenhöhe sind diese Extreme weder den Männern noch den Frauen dienlich.

Vielfalt oder Einheitsbrei?

Während theoretisch eine unendliche Vielfalt an Kleidungsstücken und Kombinationsmöglichkeiten vorhanden ist, schreibt die Mode vor, welche JETZT angezogen werden sollen und wie man sie zeitgemäß trägt. In welchem Alter ist es gemäß, dass Mutti morgens die Kleider herauslegt? Das machen übrigens manche Frauen für ihre Männer und halten den Bub damit auf Dauer im Kleinkindalter.

Die Schein-Individualität besteht darin, sich als Erste mit dem neuen Trend zu zeigen oder sich dieselben Styles von einer sündhaft teuren Marke leisten zu können, auf denen das Nobel-Etikett gut sichtbar prangt. Demonstrativer Reichtum ist ein armseliger Auswuchs unsere Leistungsgesellschaft. „Schaut her: Ich habe es geschafft, mir dieses Teil leisten zu können!“ Die Jacke oder Tasche ist in einem Entwicklungsland für wenige Pesos gefertigt, wurde aber für zweitausend Euro gekauft. Und jeder weiß es. Welchen Wert haben diese Dinge wirklich und welchen messen wir ihnen bei?

Individualität soll möglichst nicht vorhanden sein oder zumindest nicht ersichtlich. Die Gleichmacherei verhindert den freien Selbstausdruck. Jeder Mensch ist einzigartig. Das zu zeigen, gilt aber als mutig. Warum? Dürfen wir nicht mehr wir selbst sein, wenn wir uns einer Gruppe zugehörig fühlen wollen? Eigentlich ist das kein Widerspruch.

Text: Petra Weiß
Foto: Susanne Gebbeken / pixelio.de

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist als Heilpraktikerin mit ihrer Praxis für Homöopathie, Ganzheitsmedizin und Psychotherapie (HeilprG) in Weinheim niedergelassen. Sie unterstützt Menschen auf dem Weg zu sich selbst. Einer dieser Wege ist die Beschäftigung mit Mode und Stil als Mittel zum Selbstausdruck.