Wer die Sprache beherrscht, beherrscht seine Mitmenschen.

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Aufsatz von Petra Weiß. Lesedauer ~9 Minuten
Rubrik: Manipulative Muster erkennen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Manipulation anderer, wobei der Begriff Manipulation durchaus nicht negativ besetzt ist. Es handelt sich hierbei lediglich um eine gezielte Beeinflussung von Individuen unter Berücksichtigung der Wirkung von verschiedenen rhetorischen Stilmitteln auf die menschliche Psyche und das hieraus resultierende Verhalten.

Diese Wirkung hängt stets vom Zusammenspiel von gesprochener Sprache und Körpersprache ab, d.h. ein Redner wirkt nur dann überzeugend, wenn die Art seiner Kleidung, seine Gestik, Mimik und Körperhaltung seine Werte unterstreichen und bekräftigen. Die Körpersprache muss stimmen. Sie stellt jedoch nur die Grundlage für eine überzeugende Rede dar. Wir wollen uns hier also mit dem Hauptmedium zur Übermittlung von Botschaften befassen, nämlich mit dem Wort.

Sprache vermittelt nicht nur Wissen, sondern vor allem auch Gefühle. Psychologen haben längst herausgefunden, welche Wortkombinationen und Formulierungen sogenannte Schlüsselreize auslösen, und nicht nur kluge Köpfe aus der Werbebranche machen sich diese Erkenntnisse seit Jahrzehnten zunutze. Kurze, prägnante Sätze oder Satzfragmente überwiegen hier und zielen zumeist auf die emotionale Ebene der potenziellen Käufer.

Wie Elmar Leterman in seinem Buch „Verkaufen durch Showmanship“ sehr einleuchtend darstellt, besteht Verkauf im weitesten Sinne zu 90 % aus „Emotion/Illusion“, gewissenhaft verpackt, in sorgfältig überlegte Worte, erzielen sie meist die gewünschte Wirkung. Die Verkaufszahlen werbeintensiver Firmen beweisen dies. Letermans These trifft auch auf andere Bereiche des „Verkaufs“ zu, die nicht direkt etwas mit dem Erwerb von Gütern oder Dienstleistungen zu ttun haben, und zwar mit dem „Verkauf“ von Information oder Meinung.

Ein Blick in die Vergangenheit konkretisiert diese Aussage. Gemeint ist Adolf Hitler als Beispiel für die negativen Auswirkungen, wenn ein Mensch andere mit Hilfe von Sprache beherrscht. Hitler hielt keine Reden, er hatte Auftritte, denn seine Kundgebungen waren wahre Meisterwerke der Rhetorik. Jedes einzelne Wort war mit aller Sorgfalt ausgewählt, jede Pause gezielt platziert und jeder „Gefühlsausbruch“ perfekt gespielt. In dem Film „Hitler – eine Karriere“ wird anschaulich gemacht, wie er durch emotionsgeladene Auftritte die Massen bewegte.

Doch die Zeiten der Manipulation durch sprachliche Mittel sind längst nicht vorbei. Die Ausführungen unserer Politiker verdeutlichen dies sehr gut. Als aktuelles Beispiel hierfür sind die Wahlreden der amerikanischen Präsidentschaftskandidatur zu nennen, die mit Hilfe ausgeklügelter Formulierungen unsere berechenbare Psyche durchdringen und in Verbindung mit den durch sie ausgelösten Emotionen die gewünschte Wirkung erzielen. Wesentlich ist oft nicht (nur) die Botschaft, sondern deren Präsentation, die „Verpackung“.

Doch nicht nur auf nationaler oder internationaler Ebene, nicht nur in der Werbung und im Verkauf, sondern auch im privaten Bereich spielt die Beherrschung der Sprache zur Beeinflussung der Mitmenschen eine entscheidende Rolle. Wer seine Argumente geschickt formuliert und in entsprechender Art und Weise zum richtigen Zeitpunkt artikuliert, wird kaum Schwierigkeiten haben, seine Meinung durchzusetzen.

Negative Folgen hieraus können sich nur dann ergeben, wenn die „Adressaten“ die Argumentationstaktiken des „Absenders“ von Information oder Meinung nicht durchschauen bzw. erkennen können, denn dann laufen sie Gefahr, nicht überzeugt, sondern überredet zu werden.

Genau das passierte im Dritten Reich. Kein Mensch, der bei halbwegs klarem Verstand ist, kann davon überzeugt sein, dass es gut ist, Juden zu töten, deshalb halte ich den Ausdruck „ein überzeugter Anhänger Hitlers“ für falsch. Es ist aber, wie die Vergangenheit zeigt, sehr gut möglich, Tausende von Menschen emotional für eine Sache zu begeistern, die man rational nicht logisch begründen kann. Nun ist die Nazi-Zeit ein sehr krasses Beispiel für das Problemfeld, das mit der Beherrschung der Menschen durch die Beherrschung der Sprache in Zusammenhang steht.

Kleinere Katastrophen durch Massenmanipulation mit Hilfe von sprachlichen Mitteln laufen auch heute zum Beispiel in Frankreich – hier sei der Name Le Pen erwähnt – oder in Südafrika ab.

Eine weitaus harmlosere Form der Beeinflussung wird durch psychologische Tricks in der Werbung erzielt, die zum Kauf eines bestimmten Produkts stimulieren sollen, denn nur zirka 10 % der Werbung bezieht sich sachlich auf die Eigenschaften desselben, doch hier gehen Manipulation und rationale Überzeugung fließend ineinander über.

Auch im privaten Bereich hat berechnendes, die Reaktion des anderen miteinbeziehendes Verhalten einen negativen Touch, und doch kommt es immer wieder erfolgreich zur Anwendung, denn viele wenden sprachliche Mittel völlig unbewusst an und erzielen – ohne dass sie eigentlich genau wissen warum – den gewünschten Erfolg.

Jeder sollte sich aber bewusst mit der Wirkung von Sprache auf andere beschäftigen, obgleich Beherrschung von Sprache gleichbedeutend mit Macht über andere sein kann, dennoch ist die genaue Kenntnis des „Machtinstrumentes“ Sprache wichtig, um die Mitmenschen überzeugen zu können und die eigenen Ziele zu erreichen, und sie ist geradezu unerlässlich, wenn es darum geht, Machtmissbrauch zu vermeiden, indem man die Manipulationsversuche anderer erkennt und sich ihnen in geeigneter Weise entziehen kann.

Dieser Deutschaufsatz stammt aus dem Jahr 1988, damals war ich 18 Jahre alt. An dem Aufsatz habe ich als Text-Profi mit mehr als 20 Jahren Erfahrung nichts Wesentliches auszusetzen, außer dass einige Sätze etwas zu lang sind. Um ehrlich zu sein, bin ich ganz schön stolz auf den Teenager, der ich einmal war.

Ein Germanist mit überkämmter Glatze und schlecht sitzendem Anzug hat mir damals 8 von 15 Punkten gegeben und mein Heft mit seinem Rotstift über und über verunziert. Eine ganze Seite lang ist seine unberechtigte Kritik. Am meisten erheitert mich heute sein Satz „Achten Sie auf die Formulierungen“ mit dem Vorwurf, es mangle ihnen an Präzision. Ich hoffe und bete, dass Pädagogen heutzutage Ausnahmetalente erkennen, wenn sie im Klassenzimmer vor ihnen sitzen und sie angemessen fördern.




Das Ende der Spaltung

Schreibkunst Texter Ghostwriter

Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~9 Minuten
Folge 2 der Serie „Jin Shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impulsgeber für das Bewusstsein“

Menschen bei einer tatsächlichen oder angeblichen Verfehlung zu ertappen, ist zum Volkssport geworden. Es gibt uns ein gutes Gefühl der moralischen Überlegenheit. Über gut oder schlecht entscheidet häufig nicht der innere Kompass des Einzelnen, sondern das aktuell gültige Wertesystem. Die Konvention gibt nicht nur vor, welchen Werten wir zu folgen haben, sondern auch in welcher Weise sie sich in unseren Handlungen spiegeln müssen.

Wir können uns mit breiter Rückendeckung über abweichendes Verhalten empören und wähnen uns vollkommen im Recht. Wir tun dann so, als seien wir selbst frei von Makel. Und manchmal glauben wir das sogar. Auf jeden Fall sind wir bemüht, der Welt eine blütenweiße Weste zu zeigen. Aus gutem Grund: Der kleinste Schmutzfleck könnte uns von der ungnädigen Gemeinschaft der Unfehlbaren ausschließen. Wenn wir uns dann nicht in vorauseilendem Gehorsam selbst geißeln, bewerfen uns dieselben Menschen mit Dreck, die eben noch gemeinsam mit uns Seite an Seite gegen andere vorgegangen sind.

Uns mit unseren eigenen Schwächen zu konfrontieren, ist hingegen völlig aus der Mode geraten.

Wenn wir die schmerzhafte Spaltung in unserer Gesellschaft überwinden wollen, müssen wir die Spaltung in uns erkennen: Welche Anteile habe ich abgespalten, weil sie mir so böse erscheinen, dass ich nicht einmal im stillen Kämmerlein bei Kerzenschein hinschauen kann? Und genau diesen Teil integrieren.

Wir leiden kollektiv unter einem besorgniserregenden Selbsthass oder zumindest an einem Mangel an Selbstliebe. Die Schokoladenseiten zu lieben, ist kein Kunststück. Selbstliebe bedeutet, auch die weniger populären Eigenschaften als Teil unseres liebenswerten Selbst zu betrachten, statt sie mit aller Macht verbannen oder mit Gutmenschentum übertünchen zu wollen.

Befassen wir uns etwas näher mit der Frage, was mit dem Wort „böse“ gemeint ist. Darüber gibt es einige philosophische Abhandlungen. Mich interessiert vor allem die psychologische Sicht. Böse ist das Gegenteil von gut. Was als gut gewertet wird, variiert von Kulturkreis zu Kulturkreis und von Epoche zu Epoche. Der jeweils aktuell Zeitgeist bildet sich oft in der Gesetzgebung ab. Suchen wir also nach Gemeinsamkeiten.

Der kleinste gemeinsame Nenner ist das Leben. Was dem Leben dient, wird allgemein als gut anerkannt. Was dem Leben schadet, zumindest als schlecht, häufig auch als böse, und wird bestraft. Eine objektive Einschätzung zu treffen, ist oft kniffelig bis unmöglich. Daher blicken wir auf das Extrem, an dem das Leben Schaden nehmen kann: Wenn jemand das Leben eines anderen beendet.

Wir werden fündig bei der Gerichtspsychologie. Als böse eingestuft werden Täter, die hinter Gittern sitzen, weil sie jemanden ermordet haben. Insbesondere, wenn sie keine Reue und kein Mitgefühl zeigen. Der Mangel an Empathie ist mitentscheidend für das Strafmaß. Diese Beobachtung deckt sich mit dem Satz „Das Böse beginnt da, wo das Mitgefühl endet.“ Und in der Tat gibt es Verbrechen, die kann man nur bei vollkommener Abwesenheit jedes Mitgefühls begehen. Ist also das Einfühlungsvermögen ein wichtiger Faktor bei der Suche nach dem „Bösen“?

Wenn das so ist, müssen wir uns fragen, wovon das Maß unseres Einfühlungsvermögens abhängt. Wieder gibt es verwirrend viele Faktoren und Betrachtungsweisen. Schauen wir uns zur Klärung das Ende der Empathie-Skala an: Menschen ganz ohne Mitgefühl.

Schätzungen zufolge haben etwa 1 % der Bevölkerung keinen Zugang zu ihren Gefühlen und können somit auch kein Mitgefühl empfinden. Wir bezeichnen diese Menschen als Psychopathen. Ein Prozent kling wenig. Das sind allein in Deutschland aber 830.000 Menschen. Ihr Anteil in Gefängnissen ist bei großer Gewaltbereitschaft und geringem IQ hoch. Sind die Vorzeichen umgekehrt, finden wir sie häufiger in den Top-Führungspositionen: von 14,5 % Psychopathen im Management ist die Rede. Wieso sind die Führungs-Eliten Sammelbecken für Leute ohne Emotionen?

Unbelastet von quälenden Gewissensbissen können diese Menschen ihre Agenda verfolgen. Sie plagt keine Angst – weder vor Entdeckung noch vor Strafe. Warum sollten sie redlich arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Sie können andere manipulieren und absahnen. Ihr Entscheidungskriterium heißt: Nützt mir das? Und nicht: Dient das dem Wohl der Gemeinschaft?

Auf diese Menschen können wir gut mit Fingern zeigen. Sie sind ja ganz anders als wir. Sie manipulieren uns und beuten uns aus. Und warum? Weil sie kein Mitgefühl besitzen! Deshalb fühlen wir uns berechtigt, Ihnen das Mitgefühl zu entziehen. Merken Sie was?

Haben Sie Mitleid mit Menschen, die mitleidlos sind. Auch sie gehören zur Menschheitsfamilie. Sie haben sich das Leben ohne Emotionen nicht ausgesucht. Psychopathie ist sozusagen ein „Geburtsfehler“ oder neutraler formuliert „eine Laune der Natur“. Niemand ist schuld. Und keiner kann etwas dagegen unternehmen.

Natürlich müssen wir ihren Untaten ein juristisches und gesellschaftliches STOPP-Schild entgegensetzen, aber als Monster abwerten dürfen wir diese Menschen nicht. Sie verdienen unser Mitgefühl. Schauen Sie in jedes beliebige Gremium und rechnen Sie aus, wie viele der Mitglieder keinen Zugang zu ihren eigenen Gefühlen haben. So ein armes Leben! Und wenn es Ihnen gelungen ist, Mitgefühl zu empfinden mit jenen, die skrupellos jedes beliebige Verbrechen begehen können, das ihnen Macht oder Reichtum beschert, dann sind Sie reif für die nächste Stufe: Mitgefühl mit sich selbst.

Hören Sie endlich damit auf, sich für Ihre vermeintlichen Schwächen zu verurteilen. Anerkennen Sie, dass Sie nicht perfekt sind. Betrachten Sie Ihre Schattenseiten, auch wenn es weh tut. Der Blick auf das „Böse“ in uns verleiht Demut und Gnade. Ja, wir sind Menschen. Das Gute und das Böse gehören zum Menschsein dazu. Wir können uns dem stellen und wachsen. Oder es verleugnen und unsere schönes Image polieren, bis uns die Hände krampfen.

Beenden Sie die Spaltung in sich. Begreifen Sie, dass Ihnen Ihr scheinbar untolerierbares Gegenüber ungeliebte Facetten Ihrer eigene Persönlichkeit vor Augen hält, und wenn es nur Ihre Unvollkommenheit ist. Werden Sie sich der Projektion bewusst. Erst dann können Sie sie verhindern.

Integrieren Sie Ihre gesellschaftlich weniger erwünschten Qualitäten. Lieben Sie sich nicht trotz Ihrer Schwächen, sondern mit ihnen. Werden Sie sich aller Facetten Ihrer Persönlichkeit bewusst. Erkennen Sie sich selbst. Gewinnen Sie Verständnis für Ihr So-Sein. Vergeben Sie Ihrem jüngeren Ich, das vielleicht unverzeihliche Fehler gemacht hat (mehr dazu bei SES13). Und dann änZum Weiterlesen:dern Sie, was Sie von sich aus verbessern wollen – aber nicht aus einem Gruppendruck heraus, sondern weil es Ihren tiefen Überzeugungen entspricht (mehr dazu bei SES5 und SES16).

Den Prozess der Selbsterkenntnis unterstützt das Sicherheitsschloss SES2. Es befindet sich am Rücken am oberen Rand des Hüftknochens rechts und links der Wirbelsäule. Mit dem Balancieren von SES2 werden Zweifel, Verzweiflung und Zweitracht gelindert. SES2 schickt den „Richter im Rucksack“ in Urlaub und hilft uns aus dem Drang heraus, mit anderen konkurrieren zu müssen. Dadurch werden Erschöpfungszustände aufgelöst. Ganz nebenbei befreit der Griff Energie, die sich in den Beinen staut, und entlastet allgemein den Rücken. Auf der emotionalen Ebene reguliert SES2 Traurigkeit und Sorgen.




Zur Serie

Die Serie „Jin Shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impuls für das Bewusstsein“ erscheint im Online-Magazin „Weißheiten: vom Ich zum Selbst“. Zwischen September 2020 und Februar 2021 wird jede Woche ein Beitrag gepostet. Sie erfahren, wie Sie mit einfachen Griffen Ihren Energiefluss gezielt harmonisieren können. Ein gut balanciertes Energiesystem fördert Ihre Gesundheit, dient der emotionalen Regulation und unterstützt Ihren Bewusstseinsprozess. Grundlegende Informationen zur Methode und zur Anwendung der Griffe erhalten Sie aus dem…

Pilot-Artikel zur Serie Jin shin Jyutsu – japanische Heilkunst als Impulsgeber für das Bewusstsein

Schreibkunst Redakteur
Foto: Petra Weiß

Weitere Beiträge aus der Serie:

SES1 Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

01.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~5 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Foto: Huskyherz / pixelio.de

Kennen Sie das? Sie wissen genau, was Sie tun müssten, und finden keinen Anfang. Egal, ob es sich um einen Arbeitsauftrag, das Aussortieren Ihrer Kleider oder eine überfällige Bewerbungsaktion handelt. Vielleicht ist die Fülle an Möglichkeiten zu groß, so dass Sie sich nicht entscheiden können. Oder Sie fürchten, einen Fehler zu machen. Oder das Ganze überfordert Sie. Oder Ihr Kopf und Ihr Bauch sind unterschiedlicher Meinung. An vielen Punkten kann man ansetzen, um innere und äußere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Immer notwendig ist der zündende Funke, der gefühlte Startschuss, das Freisetzen der Energie.

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SES 3 Die Aikido-Abwehr – Angriffe transformieren

15.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~7 Minuten

Schreibkunst Texter Redakteur

Foto: Kurt / pixelio.de

Haben Sie schon einmal eine asiatische Kampfkunst beobachtet? Das schaut ganz anders aus als Boxen. Die Bewegungsabläufe erscheinen anmutig und fließend. Angriffe werden nicht durch eine abwehrende Gegenbewegung gestoppt, sondern geschmeidig in die eigene Bewegung überführt. So nutzt man die Energie des Gegners. Nach diesem Prinzip stärken wir mit Jin Shin Jytsu Ihre Abwehr auf körperlicher und seelischer Ebene.

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SES4 Weise Entscheidungen treffen

23.09.2020 Beitrag von Petra Weiß. Lesedauer ~ 6 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Foto: Oliver Mohr / pixelio.deIm Alltag treffen wir viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Hier fließen Millionen von Daten aus unserem Wissen und unseren Erfahrungen in Bruchteilen von Sekunden zusammen. Die Kunst dabei ist, das Unwesentliche zu ignorieren.

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Zur Person

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Petra Weiß ist als Heilpraktikerin mit ihrer Praxis für Homöopathie, Ganzheitsmedizin und Psychotherapie (HeilprG) in Weinheim niedergelassen. Jin Shin Jyutsu war ab 2003 ein wesentlicher Mosaikstein in ihrem Genesungsprozess von einer angeblich unheilbaren Erkrankung. Sie ist seit 2014 als Jin Shin Jyutsu Praktikerin zertifiziert, hält Vorträge für Therapeuten und Laien, gibt Selbsthilfekurse und hat mehrere eigene Themen-Workshops gestaltet.

Zum Weiterlesen

Riegger-Krause, Waltraud: Jin Shin Jyutsu: Die Kunst der Selbstheilung durch Auflegen der Hände. IRISANA 2012
Burmeister, Alice: Heilende Berührung: Körper, Seele und Geist mit Jin Shin Jyutsu behandeln. KNAUR.LEBEN 2019

Stimmen Sie zu?

Kommentar von Petra Weiß. Lesedauer ~8 Minuten

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Blindes Vertrauen ist nicht immer angebracht.

Wenn Sie im Internet surfen, klicken Sie auf fast jeder Website auf einen Knopf mit der Aufschrift „Ich stimme zu“. Diese Einrichtung soll dazu dienen, Ihre Daten zu schützen. Sie haben die Möglichkeit, umfassende Ausführungen zur Verwendung Ihrer Daten zu lesen, bevor Sie die Meldung quittieren. Tun Sie das? Vermutlich nicht immer. Das wäre ein zeitintensives Hobby mit wenig Unterhaltungswert.

Mir geht es an dieser Stelle nicht um Datenschutz. Ich möchte die Beobachtung aus psychologischer Sicht einordnen: Wir gewöhnen uns daran, reflexhaft unsere Zustimmung zu bekunden, ohne uns damit auseinanderzusetzen, WOZU wir hier nicken. Das ist bedenklich.

Mir fällt in diesem Zusammenhang ein alter Verkäufertrick ein: Der Kunde bekommt mehrere Fragen gestellt, die er sicher mit „ja“ beantworten wird, um den Weg zum ersehnten „ja“ – nämlich zur Kaufentscheidung – zu bahnen. Unser Unterbewusstsein begünstigt eine Serie von Zustimmungen. Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir uns dessen sehr bewusst sind, wenn das gerade geschieht.

Ähnliches erlebt man manchmal bei medizinischen Maßnahmen. Kurz vor einer Darmspiegelung musste ich vor Ort unterschreiben, dass es vollkommen in Ordnung sei, wenn man mich bei der Untersuchung versehentlich umbringt. Hätte ich nicht unterschrieben, wäre die erschöpfende Abführaktion der vergangenen 24 Stunden umsonst gewesen.

Meine Zustimmung diente dem Haftungsausschluss. Wenn der Untersuchende meine Darmwand perforiert hätte, wäre die Klinik nicht zur Verantwortung zu ziehen gewesen. Man könnte argumentieren, dass es nicht fair sei, solch ein Dokument direkt vor dem Eingriff den aufgeregten Patienten unter die Nase zu halten. Welche praktische Chance auf Widerspruch haben sie an dieser Stelle noch?

Nicht nur durch unsere Unterschrift dokumentieren wir Zustimmung, auch durch unser Handeln. Ein Beispiel sind die Nebenwirkungen unserer Arzneimittel. Der Beipackzettel informiert uns über alle Risiken. Die einen wollen genau wissen, welche unerwünschten Effekte ihnen begegnen können. Die anderen schauen lieber gar nicht erst hin.

Der verschreibende Mediziner muss uns über alle Risiken aufklären, wenn er uns ein Präparat erstmalig verordnet. Nehmen wir einmal an, dieser gesetzlichen Bestimmung würde in den Praxen ausnahmslos nachgekommen: Wie wägen Sie ab, was Sie einnehmen und was nicht? Sie müssten informiert sein über Notwendigkeit, Nutzen und Risiko, um eine richtige Entscheidung treffen zu können. Sind Sie umfassend informiert oder stimmen Sie in blindem Vertrauen zu?

Wir stimmen zu, weil es eine Autorität gesagt hat. Wir stimmen zu, weil wir keine Zeit haben. Wir stimmen zu, weil wir scheinbar keine andere Wahl haben. Wir stimmen zu, weil alle dazu nicken. Wir stimmen zu, um nicht in einen Konflikt zu geraten. Wir stimmen zu, um zur Gruppe gehören zu dürfen. Wir stimmen zu, weil es als moralisch einwandfrei oder politisch korrekt gilt. Wir stimmen zu, um keinen Shitstorm zu ernten. Wir stimmen zu, um gut dazustehen.

Wir stimmen nicht mehr zu, weil wir es RICHTIG finden, sondern weil es gemäß der aktuell gültigen Konventionen als GUT gilt. Es entspricht den allgemein anerkannten Werten. Ob eine Zustimmung unseren eigenen Werten widerspricht, merken wir erst, wenn sich danach ein ungutes Gefühl einstellt. Und das registrieren wir nur, falls wir aufmerksam in uns hineinspüren.

In einem psychologischen Experiment hat man eine Gruppe von Menschen eine sehr einfache Frage gestellt. Bis auf die eigentliche Testperson, waren alle anderen angehalten, eine falsche Antwort zu geben – und zwar alle dieselbe. Von dieser Absprache wusste die Testperson nichts. Sie stand mit ihrer objektiv richtigen Entscheidung also alleine da. Und was war das Resultat des Experiments? Sie hat sich der anderen – objektiv falschen – Meinung aus Gruppendruck heraus angeschlossen. Erst als eine weitere Person ihre Entscheidung unterstützte, hat sie sich getraut, bei ihrer Meinung zu bleiben.

Wir leben in einer Kultur der mehr oder weniger druckvoll herbeigeführten Zustimmungen. Durch die alltägliche Wiederholung erscheint uns das normal. Im ersten Schritt ist es deshalb wichtig, die Situation zu begreifen. Mit diesem Beitrag will ich Sie anregen, darauf zu achten, an welchen Stellen Sie zustimmen, ohne den Sachverhalt geprüft zu haben und ohne selbst zu der Meinung gelangt zu sein, dass es RICHTIG für Sie ist, zuzustimmen.

Lassen Sie sich nicht von erhobenen Zeigefingern davon abhalten, Ihre Position zu finden. Moralisten würgen jede sachliche Diskussion ab, indem sie meinen, bestimmen zu können, was als GUT gelten darf – es muss noch nicht einmal richtig sein. Was als GUT gilt, ist aber eine persönliche Entscheidung. Niemand kann Ihnen sagen, was in Ihrem Leben als GUT zu bewerten ist.

Ihr Kopf kann Ihnen sagen, was WAHR ist, der Bauch gibt Signale, was Sie als SCHÖN und lustvoll empfinden. Was aber GUT ist, entscheidet Ihr Herz. Diese Instanz trifft die Wahl zwischen der Unlustvermeidung aufgrund des Bauchgefühls und dem Urteil der Nützlichkeit aus dem Verstand. Der Kompass ist Ihre höchst individuelle Wertehierarchie.

Natürlich müssen Sie nicht jedes mal alle Datenschutzregeln durchlesen, wenn Sie auf eine Website gehen wollen. Mein Ziel ist es, dass Ihnen das Reflexhafte der Zustimmung bewusst wird. Und dass Sie an wichtigen Stellen aufhorchen, wenn jemand Ihre Zustimmung einfordert. Dann können Sie frei entscheiden, was für Sie die passenden Kriterien für eine Zustimmung sind. Diese Kriterien dürfen Sie frei wählen.

Sie haben Ihr eigenes Wertesystem. Werden Sie sich Ihrer Werte bewusst. Nach diesen zu entscheiden und zu handeln bedeutet, ein Leben in Aufrichtigkeit zu führen. Diese gelebte Integrität wünsche ich Ihnen und uns allen von Herzen.




Niemand hat die Absicht…

Essay von Petra Weiß, Lesedauer ~4 Minuten
Rubrik: Im Lichte der Geschichte

Texter Journalist Essay
Foto: Herzlichen Dank an die Stiftung Berliner Mauer

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ sagte Walter Ulbricht am 15.06.1961. Knapp zwei Monate später wurden die Menschen in Berlin gespalten, die Stadt wurde geteilt. Heute jährt sich der Mauerbau. Grund genug, diesen Ausbund an Unaufrichtigkeit aus psychologischer Sicht zu beleuchten.

Schauen wir uns zunächst die Vorgeschichte an: Mitte Juni 1961 waren binnen 14 Tagen (!) als Höhepunkt der Ausreisewelle mehr als 10.000 DDR-Bürger nach West-Berlin geflüchtet. Die SED-Regierung versuchte, die russische Besatzungsmacht für einen Grenzwall zu gewinnen. Chruschtschow zögerte. Immerhin musste er für das Anliegen die Verträge der Allianz brechen. Selbstverständlich wussten die Bürger nichts über das Ränkeschmieden im Hintergrund. Wir können das heute in den Geschichtsbüchern nachlesen.

Hätte man am 16.06.1961 öffentlich gemutmaßt, dass doch eine Mauer geplant sei, als Ergebnis einer Verschwörung der SED mit ihrer Zonenaufsicht gegen das Volk der DDR und gegen die West-Alliierten – Mit welcher Empörung wäre man dann wohl von den Staatsmedien diffamiert worden? Aber das nur am Rande.

Interessanter finde ich den Zusammenhang, in dem der historische Satz gesprochen worden ist: Die Pressekonferenz verlief völlig unspektakulär. Ulbricht wiederholte Aussagen, die alle bereits kannten. Die ersten Journalisten waren schon gegangen, man wähnte die Veranstaltung praktisch als vorbei. Da stellte die Redakteurin der WELT eine Zusatzfrage. Ulbricht reagierte darauf mit dem berühmten Ausspruch.

Im selben Atemzug unterstellte er, im Westen gäbe es Interessen an einem Mauerbau und erklärte, warum im Osten solche Bestrebungen gar nicht bestehen können: Das Bauwesen sei mit Wohnungsbau beschäftigt. Die Unterstellung war eine Projektion, die Begründung ebenso fadenscheinig wie unnötig. Man darf spekulieren, ob die Rede vorbereitet war und endlich ausgesprochen werden wollte. Denn wissen Sie was? Die Frau hatte gar nicht nach einer Mauer gefragt!

Die Historiker sind sich uneinig, ob Ulbricht die Worte versehentlich oder aus einem Kalkül heraus geäußert hat.

Mich erinnert der Sachverhalt an einem Tipp, den ich vor vielen Jahren von meinem Hypnoselehrer erhalten habe: „Der Patient gibt Dir die entscheidende Information schon im ersten Gespräch und oft beim Verlassen der Praxis.“ Der Idee stand ich anfangs eher skeptisch gegenüber. Mit viel Aufwand habe ich nach einigen Jahren psychotherapeutischer Praxis meine Notizen aus sämtlichen Erstanamnesen dahingehend analysiert. Ich wollte wissen, ob ich im ersten Gespräch tatsächlich Hinweise erhalten hatte auf das Thema, das letztlich zur Lösung des Problems geführt hat. Erstaunt musste ich feststellen: Mein Lehrer hatte Recht.

Mir erscheint es so, als spüle das Unterbewusste das Wesentliche unaufhaltsam nach oben. Die Wahrheit kommt immer ans Licht. Und wenn sie sich in einer anscheinend nebensächlichen Ungereimtheit zu erkennen gibt wie in der möglicherweise vorgefertigten Antwort auf eine ungestellte Frage. Diese Erkenntnis macht mir als Aufrichtigkeitssuchende Hoffnung.

Auf der Seite www.bundesregierung.de findet sich ein Artikel über den Vorfall mit der Bemerkung „(…)und Ulbricht steht als einer der größten Lügner der Geschichte da.“ Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Mann in dieser Hinsicht kein Ausnahmetalent war.

Bleiben Sie wach und wählen Sie mit Bedacht, wem Sie glauben wollen.




Schatz, der Mülleimer ist voll! Warum wir nicht sagen was wir meinen

Essay von Petra Weiß. Lesedauer ~20 Minuten.

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Klarheit in der Kommunikation dient unseren lebendigen Beziehungen. Foto: Petra Weiß

In den letzten Wochen höre ich immer wieder, dass sich die Menschen manipuliert fühlen. Mag sein, dass die Manipulation in unserer Gesellschaft Formen angenommen hat, die schwer zu ertragen sind. Wenn wir die Kultur ändern wollen, fangen wir am Besten bei uns selbst an. „Ich manipuliere doch niemanden!“ werden manche jetzt entrüstet ausrufen. Falls Sie tatsächlich Ihre Bedürfnisse deutlich aussprechen, ohne jemanden emotional unter Druck zu setzen: Prima! Glückwunsch! Die meisten von uns haben das nicht gelernt. Deshalb grämen Sie sich bitte nicht, wenn Sie sich ab und zu dabei erwischen, dass auch Sie die Kunst der Beeinflussung anwenden. Wie sieht Manipulation in unserem ganz normalen Alltag aus? Warum greifen wir zu solchen Methoden? Und welche alternativen Kommunikationsmuster sind denkbar?

„Schatz, der Mülleimer ist voll!“ Wie würden Sie diesen Satz beantworten. „Da hast Du Recht.“ vielleicht? Nein, Sie würden wissen, dass von Ihnen erwartet wird, etwas zu unternehmen. Warum eigentlich? Weil wir diese Form der Manipulation gewohnt sind. Statt zu sagen, was wir wollen, werfen wir etwas anderes in den Raum. Und unser Gegenüber soll gefälligst die passenden Schlüsse ziehen. Probieren Sie einmal, solche Manipulationsversuche großzügig zu übersehen. Statt loszuspurten, um den Abfall zu entsorgen, sagen Sie doch einfach mal „Aha.“ Das kann sehr interessante Reaktionen auslösen. Eine zielführende Erwiderung könnte lauten „Das stimmt. Möchtest Du mir damit noch etwas anderes sagen?“ Gehen Sie nicht stillschweigend darüber hinweg, wenn andere Leute sie manipulieren. Machen Sie den Versuch transparent. Das muss ja nicht im Bösen sein. Sie dürfen dabei ruhig lachen, wenn die Situation es erlaubt.

Bedürfnisse und was keine sind

Oft sind wir uns unserer eigentlichen Bedürfnisse gar nicht bewusst. Nehmen wir mal an, Sie möchten, dass Ihr Mann im Keller die Heizung hochdreht, weil sie frieren. „Mir ist kalt.“ werden Sie vielleicht vorwurfsvoll in den Raum stellen und erwarten, dass Ihr Mann ins Handeln geht. Er wird schon wissen, dass er jetzt in den Keller muss, um die Temperatur zu regeln.

Ist es Ihr Bedürfnis, dass der Mann in den Keller geht? Nein. Sie haben ein Bedürfnis nach WÄRME. Und dieses kann auf verschiedene Arten gestillt werden. EINE davon ist das Heizunghochdrehen durch den werten Gatten. Fallen Ihnen noch weitere Lösungen ein? Es ist wichtig, sich darüber bewusst zu werden, um welches Bedürfnis es geht, damit Sie verstehen, dass es noch andere Möglichkeiten gibt. Insbesondere, gilt es herauszufinden, mit welchen Optionen Sie sich Ihren Wunsch selbst erfüllen können. Das entlastet Ihre Beziehungen wesentlich.

Sie könnten zum Beispiel in einen wärmeren Raum gehen. Oder einen dicken Pulli anziehen. Oder sich eine Wärmflasche machen. Oder den Kreislauf in Schwung bringen. Oder sich einen heißen Tee zubereiten. Oder etwas essen. Oder selbst die Heizung hochdrehen. Oder, oder, oder. Merken Sie was?

Die Vielfalt der Möglichkeiten bringt Ihnen Handlungsoptionen. Handlungsoptionen sind das Gegenteil von Ohnmacht. Sie müssen sich nicht ausgeliefert und hilflos fühlen.

Satte Gewinne durch die Opferhaltung

Obwohl ich zugeben muss, dass die gute alte Opferhaltung natürlich auch Vorteile bringt. Man kann sich in Selbstmitleid suhlen. Man erhält Zuwendung und Aufmerksamkeit, wenn man über sein Schicksal klagt. Man kann mit einer Freundin über die Männer schimpfen und durch das gemeinsame Feindbild Verbundenheit erleben. Man kann dem Mann irgendetwas Fieses antun, ohne sich schlecht zu fühlen. Und so weiter. Das gilt für Männer umgekehrt natürlich genauso. Über die Vorzüge des Jammerns und Piensens könnte ich einen eigenen Beitrag schreiben. Darum geht es hier aber nicht primär. Wir schauen darauf, warum wir überhaupt ins Manipulieren kommen.

Ein weiterer Grund kann sein, dass wir nicht Nein sagen können und diese Schmach auch keinem anderen zumuten wollen. Oder – die Kehrseite derselben Medaille – dass wir auf gar keinen Fall Ablehnung erleben wollen. Wenn ich nicht klar frage, muss der andere nicht direkt antworten. Big Deal! Ich lasse die Frage unausgesprochen durch den Äther schweben und kann in die (Nicht-)Reaktion alles hineininterpretieren, was mir beliebt. Erfahrungsgemäß ist das häufig nichts Erquickliches. „Dem ist egal, ob ich mir den A… abfriere.“ ist eine der üblichen Phantasien in so einem Zusammenhang. Kann sein. Kann aber auch ganz anders sein. Erfahren werde ich es nur, wenn ich offen kommuniziere. Am Besten, bevor ungute Phantasien die Stimmung verderben.

„Schatz, mir ist kalt. Könntest Du bitte die Heizung hochdrehen?“ Damit wäre alles erledigt.

Gewaltfrei Klarheit schaffen

Ist die Stimmung schon verrutscht, hilft uns die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg. Sie wirkt der Manipulation entgegen, indem Sie die Sachebene und die Gefühlsebene klar trennt und Verwechslungen zwischen Realität und Phantasie beseitigt.

Der Ablauf ist schlicht:

  1. Tatsache benennen, möglichst sachlich, am Besten eine konkrete Beobachtung.
  2. Phantasie aussprechen und als solche kennzeichnen.
  3. Emotion ansprechen, die durch die Phantasie entstanden ist.
  4. Umsetzbaren Wunsch äußern.

In unserem Beispiel:

  1. „Hier hat es 19 Grad. Ich friere.“
  2. „Bei mir ist die Phantasie entstanden, dass es dir gleichgültig ist, wie es mir geht.“
  3. „Das macht mich traurig.“
  4. „Ich wünsche mir, dass Du die Heizung hochdrehst.“

Wenn wir noch nicht ganz in unserem Film von „Keine kümmert sich um mich“ versunken sind, fällt uns vielleicht sogar auf, wie absurd die Vorstellung ist, dass der Mann kein Interesse an unserem Wohlergehen hat.

Für den Fall, dass wir einen solchen Mangel an Interesse tatsächlich für Realität halten, wird es Zeit für eine Klärung. Und die spielt sich nicht in unserem Kopf ab, sondern im Austausch.

Meistens handelt es sich bei derlei Phantasien um uralte Glaubenssätze. Deshalb sind solche Situationen wertvoll für die eigene Bewusstseinsentwicklung. Lassen wir das Thema in dieser Stelle ungeklärt, können wir uns weiter einbilden, der andere sei schuld an unserem Leid. Konfrontieren wir ihn aber mit unseren Gedanken, dann kann er dazu Stellung nehmen. Außer, wenn Sie mit einem Psychopathen oder pathologischen Narzissten zusammen sind, wird es Ihren Partner sehr wohl interessieren, wie es Ihnen geht. Er wird vermutlich über Ihre merkwürdige Annahme aufrichtig bestürzt sein. Mit mitfühlender Anteilnahme wird er ihrer traurigen Weltsicht begegnen.

Rollenverwechslung als Wurzel des Übels

Geben Sie ihm Gelegenheit, sich zu Ihren Ideen zu äußern, löst sich Ihre Phantasie aller Wahrscheinlichkeit nach in Luft auf. Für ihre falsche Interpretationen muss es aber einen Grund geben. Nun können Sie sich darüber klarwerden, dass Sie hier möglicherweise noch ein Thema zu bearbeiten haben. Vielleicht sogar ein ganz grundlegendes: Zum Beispiel, dass sie den Partner mit Ihrem Papa verwechseln und er deshalb immer für Sie sorgen soll. Oha! Solche Verwechslungen sind gar nicht so selten und bereiten vielen Paaren Ungemach. Die Mama-Verwechslung umgekehrt natürlich auch. Mit falschen Rollen ist jeder Mensch langfristig überfordert. Das kann nur in Enttäuschung und Vorwürfen enden.

Wenn wir hier Paardynamiken betrachten, dann vor allem deshalb, weil sie die beliebteste Projektionsfläche für unsere ungelösten Seelenthemen und unterschwelligen Konflikte bieten. Ersetzen Sie Partner wahlweise mit Chefin, Nachbar oder Schwester. Häufig betrifft die Rollen-Verwirrung Personen, denen wir nicht ohne weiteres ausweichen können.

Das Feld ist breit, warum wir glauben, jemanden manipulieren zu müssen. Ihn in eine unpassende Position schieben zu wollen, ist ein möglicher Grund, der meist unerkannt bleibt.

Häufig begegnen mir Menschen, die – ohne es zu ahnen – als alleingeborene Zwillinge stets auf der Suche nach einem „Ersatz-Zwilling“ sind. Sie locken oder pressen andere in diese Rolle, der niemand gewachsen sein kann. Und dabei empfinden sie ihre Ansprüche als vollkommen berechtigt. Die Verwechslung ist ihnen ja nicht bewusst. Sie bekommen nicht, was ihnen anscheinend zusteht. Also lassen sie sich allerlei Tricks einfallen, um den anderen doch noch dazu zu bringen, ihre große Sehnsucht zu stillen. Vergeblich.

Mein Bedürfnis – meine Verantwortung

Im ersten Schritt müssen wir uns darüber bewusst werden, dass wir als  erwachsener Mensch selbst für das Erfüllen unsere Bedürfnisse verantwortlich sind, dass wir keine Eltern mehr brauchen, um unsere Existenz zu sichern, und dass wir – in den allermeisten Fällen – dazu selbst in der Lage sind.

Das heißt nicht, dass wir isoliert von der Außenwelt leben und nichts von anderen annehmen dürfen oder sollen. Die innere Haltung dabei ist entscheidend: In der Regel geht es nicht darum, Hilfe anzunehmen, sondern Unterstützung. Der Unterschied ist wesentlich. Hilfe heißt: Ich kann es nicht allein und brauche deshalb andere zur Bedürfniserfüllung. Unterstützung hingegen bedeutet: Ich könnte es auch allein, aber durch das Mitwirken anderer wird es schöner, besser, leichter, schneller etc. Hilfsbedürftigkeit erleben wir als Schwäche. Sich passende Unterstützung zu holen, ist ein Ausdruck von Kompetenz. In diesem Sinne können Sie die Suche nach Unterstützung nicht als persönliches Versagen, sondern im Gegenteil als aktive Selbstfürsorge (um-)bewerten.

Selbstwertschätzung – zu viel und zu wenig

Etwas zu wollen, das uns eigentlich nicht zusteht, ist also ein Grund für Manipulation. Die gegenteilige Ursache kann zum selben Ergebnis führen: Man glaubt, das was man braucht, eigentlich nicht verdient zu haben bzw. es nicht wert zu sein. Der Mangel an Selbstwertschätzung ist leider ein weit verbreitetes Phänomen. In diesem Fall wird man ebenfalls nicht direkt um etwas bitten. Man wird darauf entweder verzichten oder versuchen, das Objekt der Begierde mit List und Tücke zu erschleichen und hoffen, dass niemand den Schwindel bemerkt.

List und Tücke sind übrigens nicht für alle Menschen verabscheuungswürdig. Je nach kultureller Prägung, Familientradition oder Typenmuster kann man sogar einen Volkssport daraus machen. Mal sehen, wie weit man gehen kann, bis der andere bemerkt, dass er über den Tisch gezogen wurde. Es gibt Leute, die haben diebische Freude an einem kleinen Betrug, einige brüsten sich sogar damit. Ich habe schon erlebt, dass jemand sich durch clevere Gaunereien beweist, dass er kein Dummer ist. Manchen gibt der Adrenalinstoß einen Kick.

Wenn das Leid des „Opfers“ beim Beurteilen einer Tat gar keine oder eine sehr untergeordnete Rolle, sind wir aber eher wieder bei den psychischen Störungen. Insbesondere der Narzissmus verhindert eine offene Kommunikation über die Bedürfnisse. Das gilt nicht nur für narzisstische Persönlichkeitsstörungen, sondern in abgemilderter Form auch den sogenannten Alltagsnarzissmus.

Fühlt sich ein Narzisst doch als Nabel der Welt und erwartet von seinem Umfeld ein gewisses Maß an Hellsichtigkeit. Er erwartet vorauseilenden Gehorsam, man soll ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen. Wenn er sich dazu äußern muss, kommt das einer Majestätsbeleidigung gleich. Und umgekehrt interessieren ihn die Bedürfnisse der anderen herzlich wenig. Wie kommen sie dazu, diese in seiner erlauchten Gegenwart äußern zu wollen?!

Ich will das Thema Narzissmus hier nicht weiter vertiefen. Diese Anteile nehmen naturgemäß sowieso zu viel Raum ein. Mein Tipp an dieser Stelle: Hören Sie nicht auf die Worte eines Narzissten, sondern schauen Sie auf seine Taten. Wollen Sie dieses Verhalten in Ihrem Leben? Beachten Sie auch die Übereinstimmung Ihrer eigenen Worte mit Ihren Handlungen. Ein bisschen Narzissmus steckt in jedem von uns.

Konflikte auflösen

Die wenigsten Leute lieben es, sich zu streiten. Aber es gibt auch regelrecht konfliktscheue Menschen. Das kann vielfältige Gründe haben. Verlustängste und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit stehen weit oben auf der Liste. Eine ausgeprägte Konfliktscheu macht ebenfalls manipulativ. Konflikte gehören zum menschlichen Miteinander. Wenn sie nicht zutage treten dürfen, ist es wichtig, Klarheit zu vermeiden. Das gelingt durch nebulöse Aussagen, durch Unausgesprochenes und Mehrdeutiges.

Fragen Sie schlicht: „Würdest Du das für mich tun?“ und der Angesprochene hat andere Bedürfnisse, die sich mit Ihrem Wunsch nicht in Einklang bringen lassen, dann ist das ein Konflikt. Wird er gezwungen, „nein“ zu sagen, ist der Konflikt für alle sichtbar auf dem Tisch.

Wie man Konflikte souverän und erwachsen handhaben kann, lernen die wenigsten von Kindesbein an. Wir haben nicht erfahren, dass Konflikte zum Leben ganz selbstverständlich dazugehören und aufgelöst werden. Den äußeren Konflikten können wir ja oft ganz gut ausweichen. Für die inneren Konflikte ist das kein gangbarer Weg. Darum lernen wir das doch lieber im Außen, dann steht es uns auch für das gesunde Wachstum unserer Innenwelt zur Verfügung.

Was hinter der Manipulation liegt…

Die Selbstaufrichtigkeit ist nicht bei allen gleich stark ausgeprägt. Vielleicht werden manche ihre Konfliktscheu, Ihren Narzissmus oder Ihre Verwechslungen vor sich selbst und vor anderen rechtfertigen und kaschieren.

Beliebt sind dabei Erklärungen wie „Ich wollte diplomatisch sein.“, „…dem anderen Gelegenheit geben, sein Gesicht zu wahren.“, „…auf seine Gefühle Rücksicht nehmen.“ und so zu. Es ist verständlich, sich den eigenen Motiven nicht immer stellen zu wollen, um ein gutes Image zu erhalten. Das Selbstbild dient der Stabilität. Aber nur, wenn es aufrichtig ist.

Ihrer Persönlichkeitsentwicklung förderlich ist das Streben nach Authentizität. Seien Sie die Person, die aus Ihnen geworden ist, haben sie Verständnis und Mitgefühl mit ihr. Und dann wenden Sie sich dem Menschen zu, der Sie sein können, der in Ihnen angelegt ist wie eine Blaupause: ihr Selbst.

Das Bewusstwerden von Manipulationsversuchen stoppt nicht nur die Manipulation. Es gibt den Blick frei auf tiefliegende Ursachen, die das eigentliche Problem sind. Und ermöglicht so erst eine ursächliche Lösung. Schon allein für diese Chance lohnt es sich, sich auf den Weg in eine faire und bewusste Kommunikation zu wagen. Das Heilungspotenzial für unsere Beziehungen ist immens: für die Beziehung zu unserem Mitmenschen und zu uns selbst.