Gerade weil…

Schreibkunst Redakteur PR-Text

Nun sind wir schon ziemlich fortgeschritten, was die Analyse der Taschenspielertricks angeht und haben einige Kapitel in Arthur Schopenhauers “Die Kunst Recht zu behalten” in der Serie “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” gemeinsam betrachtet.

Man sollte meinen, dass der wache Verstand die allzu platten Manipulationsversuche entdeckt, wenn man sich schon mit ganz ausgefeilten Techniken befasst hat. Leider ist das nicht immer so. Wenn der andere gar keine Chance hat, eine Debatte zu gewinnen, greift er manchmal zu ebenso verzweifelten wie aussichtsreichen Taktiken.

Jemand, der etwas von uns möchte, das dem gesunden Hausverstand oder der natürlichen Mitmenschlichkeit schon auf den ersten Blick eklatant widerspricht, hat eigentlich schlechte Karten. Er muss zu ganz fiesen Zaubertricks greifen.

An dieser Stelle sprechen wir über die Verkehrung eines stichhaltigen Arguments in sein genaues Gegenteil.

Es gibt Zwecke und Absichten, denen kaum jemand widersprechen würde, weil sie im allgemein anerkannten Wertesystem ganz weit oben stehen. Gesundheit, Sicherheit, Rücksichtnahme, Gemeinschaftssinn, etc. sind solche Werte. Gibt man vor, ehrenhafte Ziele zu verfolgen, hat man kein Risiko, für die Überzeugungen infrage gestellt zu werden und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dies vorgeblich ehrenhafte Handeln hingenommen wird, auch wenn es im Grunde schädlich oder sogar böse ist.

Man muss nur hinhören, auf welchem Wert der Gegner sein Hauptargument aufbaut und dreist behaupten, mit dem gegenteiligen Handeln genau diesem Zweck zu folgen.

Wir kehren zurück zum Esstisch und verfolgen die Debatte, in der die Mutter durch den Gesundheitsaspekt eigentlich ein wirklich gutes Argument auf ihrer Seite hat. Nehmen wir an, die Mutter sagt „Wenn Du Dich gesund ernähren möchtest, ist es wichtig, dass Du Spinat isst.“ würde der Zögling im Sinne der Verkehrung entgegnen „Gerade WEIL ich gesund sein und bleiben will, werde ich diesen Spinat nicht essen.“ und dann eine wortreiche Erklärung anfügen, z.B.: „Ich gehe davon aus, dass meine Abneigung gegen das Gemüse Ausdruck meiner inneren Weisheit ist, welche Nahrung mein Körper nicht gut verdauen kann.“ und so weiter und so fort.

Sie finden in der tagesaktuellen Presse einen bunten Reigen genau solcher Verdrehungen.

Seien Sie besonders wachsam, wenn man Ihnen etwas offenkundig Ungesundes als gesund, einen für jedermann ersichtlichen Zwang als Weg in die Freiheit oder das Ausgrenzen von Menschen als Akt der Solidarität verkaufen will.

Orwellsches Neusprech darf bei Ihnen alle Alarmglocken läuten lassen.

Nehmen wir an, ein Hersteller von Blei und Beton wollte Ihnen Schuhe verkaufen, mit denen Sie nur noch ganz schwer gehen können. Niemand würde diese Schuhe freiwillig anziehen. Es sei denn, man wendet den Trick der 180-Grad-Verdrehung an und behauptet frech, dass GENAU DIESE SCHUHE das Gehen verbessern, statt es zu behindern.

Pfiffige Marketing-Menschen würden die Schuhe als „gesunde Gehschutz-Sicherheitsschuhe“ betiteln. In der Werbung würde man sehen, wie wir durch das langsamere Gehen davor bewahrt werden, ungestüm eine Treppe hinabzustürzen, was unser aller Leben sicherer und gesünder macht. Wir könnten dann auch niemanden mehr umrennen, daher sei der Gehschutz ein Ausdruck von Solidarität. Nur mit den Gehschutz-Sicherheitsschuhen könne man sicher gehen. Menschen ohne Gehschutz-Schuhe wären eine Gefahr für die Allgemeinheit. Man müsse damit rechnen, dass sie überall stürzen. Das Risiko sei enorm, dass man ständig über einen Geschutz-Sicherheitsschuh-Verweigerer fällt und sich trotz des eigenen Gehschutzes ein Bein bricht.

Glauben Sie, das sei absurd? Ich auch. Trotzdem hören wir solche Argumente jeden Tag.

Die falsche Logik lösen Sie auf, indem Sie sich aus dem Glaubenssatz befreien, der Zweck heilige die Mittel. Das tut er nämlich nicht. So lange Sie das denken, kann man Ihnen jede noch so absurde Handlungsweise abverlangen, indem man einfach einen Ihrer Werte als angebliches Ziel in den Raum stellt. Sie tun dann sogar das glatte Gegenteil dessen, was tatsächlich Ihren Werten dienen würde.

Hören Sie nicht hin, wenn blumige Werbebotschaften Sie mit Ihren Werten locken wollen, sondern betrachten Sie mit offenen Augen, was tatsächlich passiert. Beobachten Sie ein Kind mit den „gesunden Gehschutz-Sicherheitsschuhen“. Ganz ehrlich: Wollen Sie, dass alle Kinder in Zukunft SO durch die Welt gehen? Klar, wenn sie dann sicherer sind? Wie sicher wäre es, wenn Kinder einfach GAR NICHT mehr laufen? Noch sicherer? Oder wenn sie gar nicht mehr atmen?

Vielleicht war der kategorische Imperativ als Richtschnur für unser Zusammenleben in der Gemeinschaft gar nicht so schlecht. Wenn Sie das wollen, legen Sie diesen Maßstab auch heute noch an: Kann Ihr momentanes Handeln zu jeder Zeit und in allen Zusammenhängen als vorbildlich gewertet werden? Nein, nicht Ihr Ziel. Ihr Handeln. 

Ihr Wertesystem darf ganz eigen sein und von meinem beliebig abweichen. Doch vielleicht können wir uns als Menschheitsfamilie auf EINEN gemeinsamen Wert einigen: das Leben an sich. Messen wir unser Tun an dem, was dem Leben dient, und fragen wir uns, ob das, was wir erleben, lebendiges Leben ist. Dann beantworten sich viele Fragen im Handumdrehen und andere etwas leichter.

Text und Bild: Petra Weiß

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Herzlichen Dank an alle Leser, die meine freiberufliche Tätigkeit durch einen Energieausgleich würdigen. Ich liebe die Arbeit an Texten. Mir macht es Freude, mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen zu teilen. Gleichzeitig habe auch ich alltägliche Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf und etwas Sojasahne im Kühlschrank. Daher bitte ich Sie, freiwillig einen angemessenen Energieausgleich zu leisten:

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Zur Autorin

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin, psychologische Beraterin und Therapeutin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Als Fachjournalistin für das Ressort Medizin und Gesundheit mit den Schwerpunkten Naturheilkunde und Psychologie hat sie zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht.

An mehreren Sachbüchern hat sie als Lektorin und Co-Autorin mitgewirkt. Ihr neues Buch SO BIN ICH ECHT ist im Februar 2022 im Hardcover erschienen.

Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus. Mit psychologisch fundierten Essays, praktischen Tipps und Denkanstößen begleitet sie Menschen, die sich weiterentwickeln wollen, auf ihrer spannenden Reise zu sich selbst.

 

 

 

 

 

Warum wir (keine) Insekten essen sollten.

Heilpraktiker Weinheim Heuschrecke Insekten

Immer wieder liest man in der Presse, dass Menschen künftig ihren Eiweißbedarf aus dem Essen von Insekten decken sollen. Vielleicht möchten Sie einen Moment lang in sich hineinspüren, welche spontane Reaktion dieser Gedanke bei Ihnen auslöst.

In äußerster Not oder unter akuter Lebensgefahr würden die meisten von uns Krabbeltiere verspeisen. Kaum jemand spaziert aber durch den Wald, bückt sich kurz und vertilgt dann einen köstlichen Käfer, der gerade seinen Weg gekreuzt hat. Zumindest in Mitteleuropa und vielen anderen westlichen Ländern empfinden die Menschen Ekel, Abscheu oder Mitleid, wenn sie jemanden beobachten, der sich von Insekten ernährt. Diese Reaktionen scheinen tief in unserer Kultur verankert zu sein. Das hat natürlich Gründe.

Nun finden wir überall Berichte, die den Verzehr von Heuschrecken & Co. anpreisen. Diese Kostform soll den Welthunger und die Klimakatastrophe auf einmal lösen und gleichzeitig unserer Tierliebe Vorschub leisten, damit Säugetiere nicht unter Bedingungen gehalten werden müssen, die nicht artgerecht sind. Klingt doch erst mal gut und vernünftig, nicht wahr?

Wenn Sie immer noch glauben, was Ihnen die Spin Doctors, PR-Manager und Weltenraddreher als großen Vorteil für die Menschheit verkaufen wollen, haben Sie meine Serie „Manipulative Muster erkennen“ noch nicht gelesen. Sie können das nachholen. Oder Sie klicken einfach weiter zu einem anderen Blogbeitrag. Das Internet ist groß und bietet auch für Ihren Bewusstseinsstand das Passende. Alles Gute für Sie!

Eine 180-Grad-Lüge?

Sie sind noch da. Schön. Dann interessiert es Sie vielleicht, in welchen übergeordneten Zusammenhängen man diesen merkwürdigen Einfall betrachten kann.

Mir gibt es zu denken, dass man ausgerechnet Heuschrecken zur seligmachenden Patentlösung für all unsere Ernährungsprobleme hochstilisieren will. Welche Assoziationen haben Sie mit diesen Tieren? Sind Heuschrecken dafür bekannt, dass sie irgendetwas mit Hungersnöten zu tun haben? Wie ist der Zusammenhang aus Ihrer Erinnerung?

Im kollektiven Gedächtnis der Menschheit sind die Ereignisse aus der Vergangenheit noch immer lebendig. Sie werden gemäß dem theoretischen Modell von Morphogenetischen Feldern, das auf den Erkenntnissen des Harvard-Forschers Prof. Rupert Sheldrake beruht, in ein Informationsfeld eingespeist und bleiben dort abrufbar. Ob wir dort wohl die Verbindung „Heuschrecke“ und „genährt sein“ häufiger finden als „Heuschrecke“ und „Hungersnot“? Was meinen Sie? Und ganz nebenbei erwähnt: Woher stammt der „-schreck-“liche Anteil des Wortes vermutlich?

Ich glaube wir werden hier wie allenthalben in großem Stile verarscht. Ob jemand einmal wieder ungeheuerlichen Profit aus unserem guten Glauben schlagen will, ob die Elite aus Industrie, Finanz und Politik ihre Verachtung für das gemeine Volk zum Ausdruck bringt oder ob irgendeine apokalyptische Sekte die Weltherrschaft anstrebt, ist mir offen gesprochen egal. Was mich interessiert, ist das geistige Prinzip, was hinter der Idee steht.

Facettenreiche Blickwinkel

Um mir Anregungen für solche Betrachtungen zu holen, schaue ich gerne in meine Homöopathiebücher. Vielleicht haben Sie schon erfahren, dass man Symptome mit bestimmten Mitteln behandeln kann, die aus metallischen/mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Ursprungssubstanzen hergestellt worden sind. So gibt es auch Mittel aus Insekten. Diese kommen zum Einsatz, wenn der Patient entsprechende Beschwerden hat. Wir werden weiter unten noch näher darauf eingehen. Zunächst will ich verdeutlichen, dass das Ableiten von geistigen Prinzipien zur Arzneimittelwahl gar nicht ungewöhnlich ist.

Auch andere Verfahren aus der Erfahrungsheilkunde bedienen sich solcher Betrachtungen. Sie nennen es nur anders.

In der Pflanzenheilkunde versteht man unter dem Begriff Signaturenlehre das Beobachten von Lebewesen, um aus der äußeren Erscheinung und dem Verhalten Erkenntnisse über ihre Einsatzmöglichkeiten in der Medizin zu gewinnen. Für pflanzliche Arzneien ist dieses Vorgehen in der Phytotherapie üblich. Werfen wir einen solchen Muster-Erkennungs-Blick auf die fragliche „Delikatesse“:

Insekten zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Körper eine deutliche Trennung verschiedener Bereiche aufweist: Der Kopf, der Brustbereich und oft auch das Hinterteil sind durch Einschnürungen klar voneinander abgegrenzt. Im übertragenen Sinne könnte man sagen: Das Denken, das Fühlen und das Handeln haben keine Verbindung.

Die anthroposophisch erweiterte Medizin hat eine Dreigliederung im Menschenbild verankert. Dort ersetzt man den Begriff des Handelns mit dem Wollen. Es ist im Bauchraum, dem sogenannten Stoffwechselpol, verortet und führt per Definition ins Handeln. Neudeutsch ausgedrückt sprechen wir von Integrität, wenn die drei Wesensglieder in Harmonie miteinander sind.

Bei philosophischen Betrachtungen stehen die drei Entscheidungszentren Kopf, Herz und Bauch für das Schöne, Wahre und Gute. Was sich für den Bauch gut anfühlt, erleben wir als angenehm (schön), was wahr ist, offenbar sich durch den Verstand, und das Herz bringt beide Instanzen zusammen, so dass im individuellen Sinne Gutes daraus hervorgehen kann.

In der Homöopathie wird Ähnliches mit Ähnlichem behandelt. Das ist das Grundprinzip dieser Heilkunst. Daher wundert es nicht, für welche Zustände ein Insekten-Mittel angezeigt ist: Das Fühlen und Denken des Patienten sind nicht in Einklang und seine Sexualität ist von beidem entkoppelt. Von Liebe spricht er nicht. Die Paarbeziehung dient seinen praktischen, materiellen oder sexuellen Bedürfnissen.

Aus psychologischer Sicht würde man die Entkopplung von Denken, Fühlen und/oder Körperempfinden als Dissoziation beschreiben. Der Patient hat Teile seines Erlebens voneinander abgespalten. Ein solcher Zustand kann chronisch werden und ist durchaus behandlungswürdig. Mitunter ist die Abspaltung eine Folge von Trauma. Die Betroffenen funktionieren häufig verblüffend gut im Alltag, sind möglicherweise sogar glasklar im Denken, aber nicht „bei sich“. Ein sinnvolles Behandlungsziel ist dann eine Re-Integration der dissoziierten Anteile.

Im Krankheitsbild von Psychopathen ist die Abspaltung von Emotionen dauerhaft. Das ist ein wichtiges Merkmal zur Diagnose. Sie haben von Geburt an kaum Zugriff auf ihre Gefühlswelt und können daher auch kein Mitgefühl für andere entwickeln. Mit Eiseskälte gehen sie über Leichen, ohne mit der Wimper zu zucken, lügen und betrügen, dass sich die Balken biegen, und entwickeln nicht das geringste schlechte Gewissen.

Aus einen spirituellen Blickwinkel betrachtet fehlt ihnen die Verbindung zu ihrem höheren Selbst, falls sie so etwas tatsächlich haben. Kein innerer Kompass sagt ihnen deutlich, was gut und was schlecht ist. Sie kennen keine Ethik, die aus den eigenen Werten erwächst, nur eine aufgesetzte Moral. Und diese biegt sich erfahrungsgemäß innerhalb der Grenzen des Nützlichen nach allen modischen Richtungen.

Laut Statistik soll es etwa 1 % Psychopathen in der Menschheit geben. Je länger ich darüber nachdenke, desto unwahrscheinlicher erscheint mir diese Aussage. Wie will man die Zahl denn ermittelt haben? Kaum jemand kommt in die Praxis und sagt „Hallo, ich bin ein Psychopath.“ Die Betroffenen wissen davon meist gar nichts und falls sie es ahnen, versuchen sie diese Tatsache zu verschleiern. Dass sie sich überhaupt in psychiatrische Therapie begeben, ist selten. Sie haben ja keinen Leidensdruck. Das ist verständlich. Vermutlich machen sie schon früh die Erfahrung, dass ihre Herzlosigkeit nicht gut ankommt. Daher verstellen sie sich und imitieren den Ausdruck emotionaler Regungen, den sie bei anderen studiert haben.

Kehren wir noch einmal zurück zur Signaturenlehre. Schauen wir uns das Verhalten von Insekten an, fällt noch ein Gesichtspunkt ins Auge: der Mangel an Individualität. Schwarmtiere erfüllen ihre Funktion in der Gruppe. Es gibt keinen persönlichen Gestaltungsspielraum und wenig Platz für das, was wir als Individualbeziehung oder gar als Liebe bezeichnen würden. Schlimmstenfalls wird der Sexualpartner nach der Paarung verspeist.

Will man die Empfehlung, breite Teile der Bevölkerung künftig mit Insekten zu ernähren, mit einem breiten Blick bewerten, braucht es noch ein kleines, aber bedeutsames Fizzelchen Information.

Homöopathische Mittel sind dafür bekannt, dass sie beim Gesunden genau diejenigen Beschwerden auslösen, die sie beim Kranken zu heilen vermögen. Und das gilt nicht nur für ihre arzneilich aufbereitete Form, sondern auch für die Ursubstanzen. So mancher hat sich schon durch den übermäßigen Konsum von Kamillentee Symptome zugezogen, die man im Homöopathiebuch unter Chamomilla nachlesen kann.

Völkerkundlich kann man festhalten, dass über viele Jahrhunderte hinweg in einigen Kulturen die Auffassung galt, dass man sich die Eigenschaften von Lebewesen aneignen kann, indem man sie isst. Indigene Völker glaubten, sich den Mut einer Wildkatze zueigen machen zu können, indem sie ein Löwenherz verzehrten. Noch heute zeugen asiatische Potenzmittel aus tierischen Geschlechtsteilen von solchem Glauben. Das ist nicht immer gut für die entsprechenden Tierarten. Und ich möchte ausdrücklich nicht dazu raten. Wenn ich mir aber die Erfahrungen von unfreiwilligen Arzneimittelprüfungen wie oben beschrieben vergegenwärtige, frage ich mich schon, was es mit uns macht, wenn wir Insekten essen.

Ernährungswissenschaftlich ist längst bekannt, dass Essen und Trinken weit mehr ist als die Zufuhr von Kalorien und Vitalstoffen. Wir nehmen Energie in unseren Körper auf. Der Forscher Prof. Pop hat schon vor Jahrzehnten nachgewiesen, dass Lebensmittel Biophotonen enthalten, und die Frage ist berechtigt, ob sie es sind, wovon wir satt werden und Protein, Kohlenhydrate oder Fett ihnen nur als Träger dienen.

Mir steht es nicht zu, Ihnen sagen zu wollen, wie Sie sich ernähren sollen. Es gibt schon viel zu viel Bevormundung in diesem Thema. Meine Absicht ist es, Ihr Bewusstsein dafür zu wecken, welche Beweggründe man Ihnen für Ihre Entscheidungen unterjubeln will. Ich möchte Ihr Augenmerk darauf lenken, dass es noch andere Sichtweisen gibt.

Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen, erst gar nicht von Leuten, die selbst keines haben. Ihre Verantwortung liegt nur in Ihrem Wirkungsbereich. Und der ist realistisch betrachtet recht begrenzt. An den großen Rädern drehen andere schon sehr lange in die falsche Richtung.

Daran sind Sie nicht schuld. Das müssen Sie sich nicht einreden lassen, um dann dank emotionaler Erpressung irgendwelchen Steuerungen auf den Leim gehen, die uns als Menschheit in unseren individuellen Entwicklungen und kollektiven Bewusstseinsprozessen ganz bestimmt nicht weiterbringen wollen.

Bleiben Sie mit sich verbunden. Sie spüren, was Ihnen dient und wo man Sie wortgewandt manipulieren will. Pflegen Sie bewusst die Verbindung zwischen Ihrem Denken, Fühlen und Handeln. Üben Sie sich in ihrer individuellen Integrität. Folgen Sie Ihren eigenen Werten und Überzeugungen mit dafür geeigneten Mitteln. Nicht nach unseren Instinkten reflexhaft zu reagieren, sondern aus dem Bewusstsein heraus zu agieren, macht uns als Menschen aus.

Text: Petra Weiß
Foto:  Marion / PIXELIO

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Das Leben lieben!

Schreibkunst Texter Schriftsteller

Im Rahmen meiner Videosprechstunde treffe ich regelmäßig einen Patienten, der seit Jahren unter wiederkehrenden Depressionen leidet. Nun hat er mich zum dritten Mal mit den Worten begrüßt: „Frau Weiß, Sie strahlen immer so.“ Und in der Tat, wenn ich mein Bild auf dem Video sehe, strahle ich wie der Broadway bei Nacht.

Warum ist das so?

Verkenne ich die Situation, die für den Patienten wirklich ernst ist? Nein, mir ist sehr bewusst, was er gerade durchmacht. Ich bin voller Mitgefühl und Verständnis. Das Wesen einer Depression ist mir durchaus vertraut. Auch ich habe solche Zeiten in meinem Leben gehabt.

Bin ich aus therapeutischer Überheblichkeit in Vorfreude auf den Triumph, weil ich diejenige sein werde, die dank meiner außergewöhnlichen Fähigkeiten diesen Menschen retten wird? Keineswegs. Die Fragilität der Situation ist mir klar. Wir arbeiten seit mehreren Jahren zusammen, die Hintergründe sind komplex, einfache Lösungen nicht zu erwarten.

Wie komme ich also dazu, mit strahlenden Augen in die Kamera zu lächeln?

Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich meine Arbeit liebe, erleichtert bin, dass ich mit der Technik unerwartet gut zurecht komme, und dass ich den Mann auf der Herzebene von Mensch zu Mensch wirklich mag.

Zum anderen ist diese Lebensfreude einfach in mir. Sie war immer da. Auch und gerade in besonders anspruchsvollen Lebensphasen bin ich tanzen gegangen – lange nachdem ich dem Disko-Alter eigentlich entwachsen war. Die einstudierten Schrittfolgen lagen mir nicht. Lieber zappelte ich stundenlang im „Freestyle“ über die Tanzfläche. Mein Körper bewegte sich ganz von allein zu den fetzigen Rhythmen und beschwingten Melodien.

Ich wurde gefragt, wo ich diesen Tanzstil erlernt hätte. Gar nicht. Ich habe ihn entwickelt. Oder besser: Er hat sich aus mir heraus von selbst entwickelt. Genauer: Aus meinem Selbst heraus hat er sich entwickelt. Diese Art des Tanzens ist also eine kreative Form des Selbst-Ausdrucks.

Im Auto lag immer ein Handtuch bereit, damit ich mich nicht verkühle, wenn ich schweißüberströmt und glücklich die Rückfahrt antrat. An diese Erinnerungen kann ich heute anknüpfen, wenn ich Gefahr laufe, dass mir die Lebensfreude abhanden kommt.

Der Beitrag des Einzelnen

Auch ich nehme wahr, dass die Welt sich in einem katastrophalen Zustand befindet. Wird sie dadurch besser, dass ich in einem Depressionsloch verschwinde? Glauben Sie mir: Meine Gemütsverfassung ist den dunklen Mächten in Politik, Wirtschaft und Hochfinanz herzlich egal. Dabei liegt in ihr ein kostbares Potenzial.

Im Sinne einer Schwingungserhöhung ist es eher dienlich, wenn ich gut für mich sorge. Wir speisen alle unsere Stimmungen und Gedanken in das Morphische Feld der Erde ein. Über das kollektive Bewusstsein wirkt jeder daran mit, wie sich die Menschheit entwickelt. Setzen wir den lebensfeindlichen Bestrebungen skrupelloser Geschäftemacher und Machtmenschen etwas entgegen: unsere Liebe zum Leben. Und verleihen wir ihr Ausdruck. Was wir dann versprühen ist Lebensfreude. Sie ist ansteckend.

Selbstausdruck ist immer individuell

Finden Sie einen Ausdruck, der Ihnen entspricht. Tanzen ist nicht jedermanns Sache. Wobei es nützlich sein kann, den lebendigen Leib zu spüren, um wieder mit der Lebensfreude in Kontakt zu kommen. Gerade bei depressiven Verstimmungen ist dieser Zusammenhang bekannt und gut belegt.

Weniger bewegungsfreudige Menschen spüren sich beim sinnlichen Genuss. Das kann ein Stück Kuchen sein oder ein heißes Bad, die Berührung eines lieben Menschen oder das Hören einer erbaulichen Musik.

Den Genuss genießen

Hören wir endlich auf, unsere schönsten Momente durch konventionelle Bewertungen zu zerstören. Solange Sie sich über die Kalorien oder den Fettanteil Gedanken machen, während Sie eine Donauwelle kosten, wird das nichts. Kaum hat man sich versehen, ist der Bissen am Gaumen vorbei, ohne dass man ihn wirklich bemerkt hat.

Lenken Sie stattdessen Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf den Geschmack, auf das Verändern der Beschaffenheit des Häppchens in Ihrem Mund, während Sie kauen. Kauen Sie ausgiebig bevor Sie schlucken. Freuen Sie sich an der Handwerkskunst des Bäckers, an der Tradition des Rezepts, an der Schönheit der Gestaltung, oder was auch immer für Sie ein wichtiger Wert ist, den der Kuchen erfüllt.

Lassen Sie sich das Erlebnis eines Wannenbads nicht vermiesen, indem Sie sich damit grämen, wie viele Liter Wasser Sie gerade „verschwenden“. Auf das SCH können Sie getrost verzichten. Kein Tropfen ist verschwendet, wenn Sie das Bad genießen und es Ihrem Wohlgefühl dient. Wir sind viel zu sehr in schlechtem Gewissen gebadet durch all die Ideologien, mit denen man uns Schuldgefühle einflößt von früh bis spät.

Ein neue Haltung einnehmen

Gebieten Sie solche Gedanken Einhalt, z.B. mit einem großen roten STOP-Schild vor Ihrem geistigen Auge. Eine abwehrende Handgeste kann die Wirkung unterstützen.

Machen Sie sich die Konditionierung bewusst, die Sie durchlaufen haben: Wehe, wenn wir einfach nur etwas für unser Wohlbefinden tun, statt nützlich zu sein! „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Mit solchen selbstschädigenden Glaubenssätzen sind die meisten von uns aufgewachsen. Dabei liegt im baren Sein ohne nutzbringende Absicht ein großer Schatz.

Die grundlegenden Einfälle zu wichtigen Erfindungen kamen den Forschern nicht im Labor oder in der Werkstatt, sondern unter der Dusche oder in der Hängematte. Manchmal auch bei gedankenverlorenen Alltagstätigkeiten, z.B. beim Bügeln oder bei der Gartenarbeit.

In diesen Augenblicken bricht das Selbst sich Bahn und dringt mit seiner Schöpferkraft in unser Bewusstsein vor. Was dann als Erfindung in die Welt findet, entstammt den Tiefen unseres Seins.

Ergänzen Sie das STOP-Schild und die Handgeste um einen neuen Glaubenssatz, durch den Sie den alten ersetzen. Allgemein: „Wohlbefinden ist mein Geburtsrecht.“ oder „Auch im großen Schweren kann ich etwas kleines Leichtes finden.“ Oder konkret: „Ich übe mich in der Kunst des Nichtstuns.“

Darf ich das?

In der Psychotherapie hat es sich bewährt, wenn Menschen eine Erlaubnis erhalten, gut für sich zu sorgen. Im fortgeschrittenen Zustand erteilen sie sich die Erlaubnis selbst.

Sie können sich zu diesem Zweck eine Urkunde ausstellen, z.B. mit dem Text „Ich, (Name), erlaube mir hiermit feierlich, mich auszuruhen, wann immer mein Körper, meine Seele oder mein Geist eine Pause benötigt. Und auch wenn es gar nicht nötig ist, sondern einfach nur mein Wunsch, darf ich ruhen.“

Malen sie ein amtliches Siegel auf das Papier, spannen Sie es in einen schönen Rahmen und hängen Sie es auf – ganz praktisch oder als Visualisierungsübung.

Knifflige Probleme löse ich – ohne angestrengt darüber nachzudenken – häufig beim Spazierengehen bzw. auf dem Laufband. Verborgene Zusammenhänge werden mir beim Hören von Audio- und Videobeiträgen bewusst, die ich mir „faul im Bett oder auf der Couch liegend“ zu Gemüte führe.

Und woher stammt mein Strahlen während der Sprechstunde?

Das Geheimnis will ich hier gerne lüften: Ich habe mir angewöhnt, bei Bedarf ein paar Minuten fetzige Musik aufzulegen, bevor ich mich mit ganzem Herzen und aller Aufmerksamkeit dem nächsten Patienten widme. Und manchmal zapple ich dabei durch die Praxis – so wie es meinem ganz persönlichen Ausdruck der Lebensfreude entspricht.

Text: Petra Weiß
Foto: knipseline / PIXELIO

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Beweisketten mit falschem Ausgang

Schriftsteller, Texter, Editor, Bewusstsein

Wir kennen das aus der Verkaufspsychologie: Wird zwei Mal „ja“ gesagt, kommt die nächste Zustimmung fast von allein. Um den Weg zum dritten „Ja“ zu bahnen, werden wir scheinbar sinnlos nach allerlei Selbstverständlichkeiten gefragt.

Diesen Kniff würzen wir noch mit einer Prise verdrehter Logik und schon ist der nächste Trick im Kasten.

In der Reihe “Sie baden gerade Ihr Gehirn darin…” untersuchen wir manipulative Muster durch Sprache. Wir bedienen uns dabei der Aufzeichnungen von Arthur Schopenhauer, der in seinem Buch “Die Kunst Recht zu behalten” die Wortjonglagen der antiken Philosophen auseinandernimmt.

Wieder einmal belauschen wir den Spinat-Disput am Esstisch, um einen alltäglichen Eindruck zu bekommen, wie rhetorische Kunststückchen in der Praxis Anwendung finden:

Unser Fidius könnte seiner Mutter auf den Leim gehen, indem sie fragt: „Brauchst Du fast jeden Tag etwas zum Essen, weil Du sonst verhungerst?“ Natürlich würde er das bejahen. „Und kannst Du noch nicht selbst für Dich sorgen?“ Je jünger er ist, desto weniger kann er das verleugnen.

Jetzt kommt die Irreführung ins Spiel, die zwar logisch klingt, aber nicht ist: „Dann hängt Dein Leben davon ab, dass Du brav isst, was ich für Dich zubereite!“

Ein bisschen emotionaler Erpressung mit der Angst vorm Verhungern und eine kleine Machtdemonstration inklusive!

Wer Ihnen etwas verkaufen will und als erstes eine vollkommen entbehrliche Frage stellt bzw. einen unstrittigen Sachverhalt zur Bestätigung in den Raum stellt (“Sie sind also Frau Müller?”), versucht Sie zu manipulieren. Dieses Vorgehen darf Sie zu Recht hellhörig machen.

Jetzt wissen Sie, warum man Sie in der Fußgängerzone mit der Frage anspricht “Mögen Sie Tiere?” Das ist eine fiese Fangfrage. Wer outet sich schon als Tierhasser?! Und noch dazu öffentlich. Das erste “Ja” ist den Spendeneintreibern für irgendwelche dubiosen Projekte damit sicher.

Wenn Sie wollen, veräppeln Sie die Manipulateure einfach mal zurück und sagen Sie “nein”. Das lässt die komplette Taktik in sich zusammenfallen.

Falls Sie etwas für Tiere tun wollen und es dabei um Geld gehen soll, wählen Sie selbst die Initiative, welche Sie reinen Herzens unterstützen können. Aber bitte aus Ihrem freien Willen heraus und nicht aus schlechtem Gewissen oder aus dem Druck, als guter Mensch dastehen zu wollen. Genau darauf zielen solche Werbestrategien. Lassen Sie sich nicht überrumpeln und mit platten Verkäufertricks zu einer Unterschrift verleiten, die Sie später bereuen. 

Im Zweifel gibt es in der Nachbarschaft einen Hund der ausgeführt werden will, eine Katze auf der Suche nach Streicheleinheiten oder eine Gans, die sich über Ihr trockenes Brot freut. Dann wissen Sie, wo Ihre Gutherzigkeit ankommt. Echte Tierfreunde finden viele Möglichkeiten zu helfen. 

Text: Petra Weiß
Foto: knipseline / PIXELIO

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Hochsensibel, traumatisiert oder medial begabt?

Schreibkunst, Texter, Journalist, Bewusstsein, Psychologie

In den letzten Monaten werde ich häufiger gefragt, ob ich denke, dass Menschen mit besonderen Fähigkeiten seltene Ausnahmen sind oder ob eine solche Gabe in jedem von uns steckt. Mein Blick auf dieses Thema wird beeinflusst durch mein Dasein mit Eigenschaften, auf die ich weiter unten noch eingehen werde.

Um meine Weltsicht vorweg zu nehmen: Ich glaube, dass wir alle von Grund auf in hohem Maß sensibel waren. Heute geht man von ca. 15 % „Hochsensiblen“ in der Bevölkerung aus. Es ist eine Seltenheit geworden, dass Menschen über eine feinsinnige Wahrnehmung verfügen. In unserer zivilisierten Gesellschaft wird diese Eigenschaft von Kindesbein an unterdrückt. Ob das mit Absicht geschieht oder aus Versehen, darüber will ich hier nicht spekulieren.

Auf vorgeburtliche Traumatisierungen und die Umstände der Geburt selbst, werde ich ebenfalls nicht näher eingehen. Das wäre ein weites Feld und bedarf einer eigenen Beleuchtung. Für diesen Beitrag starte ich an dem Punkt des ersten Atemzugs. Als Heilpraktikerin und psychologische Beraterin will ich die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit medizinischer Maßnahmen im Kreißsaal nicht beurteilen. Mir geht es darum, wie sich bestimmte Verfahrensweisen auf die Psyche und auf das Nervensystem auswirken.

Vorsichtsmaßnahmen mit Nachwirkungen

Direkt nach der Niederkunft tropft man den Babys Vitamin K in den Mund. Die allererste Geschmackswahrnehmung ist grässlich bitter. Das Vitamin dient der Gerinnung. Nur für den Fall, dass es beim Geburtsvorgang eine Gehirnblutung gegeben haben sollte. Jedes Kind bekommt sogleich eine brennende Flüssigkeit ins Auge: Falls Mutti einen Tripper hat und die Erreger bei der Passage des Geburtskanals auf das Kind übertragen worden sein sollten. Und dann rammt uns jemand eine Lanzette in die zarte Ferse, um Blut abzunehmen. Sofort muss geprüft werden, ob ein Wachstumshormon fehlt.

All das geschieht, während das Nervensystem der Mutter und des Kindes durch die vorangegangene Geburt bereits aufs Äußerste angespannt sind und dringend Erholung bräuchten. Die Wahrscheinlichkeit einer Posttraumatischen Belastungsstörung steigt, wenn man das Trauma genau dort platziert, wo nach einer belastenden Erfahrung eigentlich ein Aufatmen erfolgt. Jeder gute Folterknecht der Geheimdienste weiß das. Und wenn Sie einmal einen Spionagefilm gesehen haben, wissen Sie das auch. Auf diese Weise werden neue Erdenbürger im Krankenhaus willkommen geheißen.

Ich habe Eltern in der Sprechstunde erlebt, die ausdrücklich mit der Klinik vereinbart hatten, das Procedere zu unterlassen oder auf etwas später zu verschieben. Ihre Sprösslinge wurden trotzdem der „Behandlung“ unterzogen. So startet ihr Leben mit einem Wortbruch, einer Körperverletzung und der fassungslosen Ohnmacht ihrer Eltern. Auch als Nicht-Mutter kann ich nachvollziehen, warum sich werdende Eltern für ein Geburtshaus oder die durch eine erfahrene Hebamme begleitete Hausgeburt entscheiden.

Die Anfechtungen, denen ausgerechnet Hebammen ausgesetzt sind, erscheinen in der Sache fragwürdig. Mag es beim Verbannen des Berufsstandes aus den Kreißsäälen darum gehen, bei dem „Begrüßungsritual“ nicht gestört zu werden durch ihre Empathie und Expertise? Die Damen schreiten ein, wenn Schulmediziner ihr Standard-Verfahren an den Bedürfnissen von Mutter und Kind vorbei durchziehen wollen. Sie mögen einwenden, dass es für die Vorgehensweisen gute Gründe gibt. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

In meiner Generation war es noch üblich, das Neugeborene mit einem „Klaps“ auf den Po zum Schreien zu bringen. Warum? Es erschien den Gynäkologen in den 1970er Jahren notwendig, damit die Kinder ihren ersten Atemzug nehmen. Merkwürdig, dass seit Jahrzehnten kleine Menschen wieder anfangen zu atmen, ohne dass man sie schlägt. Heute erscheint uns das Vorgehen herzlos, damals war es gängige Praxis und wurde einfach nicht hinterfragt. Wenn der Doktor sagt, das muss so sein, dann muss es so sein.

Unbemerkte Abspaltung

Unser Nervensystem schützt sich bei Überforderung unter anderem durch Dissoziieren. Wir schalten die Empfindung ab, indem wir unsere bewusste Wahrnehmung vom Körper trennen. Im späteren Jahren ist dieser Überlebensmechanismus ganz offenkundig zu beobachten. Warum sollte er bei Babys nicht ebenso zum Einsatz kommen? Dann würde mit den ersten Minuten auf Erden der Grundstein für eine lebenslange Abspaltung zwischen Körper und Bewusstsein erfolgen – von denen der Betreffende nicht die geringste Ahnung hat. Er kennt sich ja nicht anders. In diesem Zustand kann man für sich und andere durchaus vollkommen unauffällig erscheinen.

Über introvertierte Menschen ist mittlerweile durch das Messen ihrer Nervenimpulse bekannt, dass sie nach außen hin sehr still wirken, während in ihnen alles in Aufruhr ist. Sie sind mit dem Verarbeiten ihrer Sinneseindrücke beschäftigt. Ob es diesen Menschen dient, sie als „hochsensibel“ einzustufen, kann ich nicht sagen. In der Praxis zeigen sie sich häufig durch die „Diagnose“ beruhigt. Sie haben erst einmal ein Etikett, das ihnen (scheinbar) Sicherheit gibt: „Aha, deshalb bin ich so. Ich bin eben anders.“

Ist das so? Vielleicht ist es genau umgekehrt! Lassen Sie uns einmal eine Überlegung zusammen durchspielen:

hochsensibel = normal?

Ich wage die These, dass wir alle hochsensibel sind – bevor unser Nervensystem durch äußere Umstände ins Abstumpfen gezwungen wird. Wie ich darauf komme? Viele der „Besonderheiten“ von Hochsensiblen gleichen den Auswirkungen von Trauma, zumindest denen, die als behandlungsbdürftig eingestuft werden: Die Betroffenen haben geschärfte Sinne, deshalb reagieren sie empfindlich auf grelles Licht, laute Geräusche, manche auch auf Aromen oder Berührung. Sie sind rasch in Habachtstellung zu bringen. Daher brauchen sie immer wieder Zeiten der Ruhe, um ihre Nerven zu regulieren. Alle Plötzlichkeiten können Stress verursachen.

Den Hochsensiblen rät man, ihr Leben so zu gestalten, dass sie ihr Nervensystem nicht überlasten. Ein „normaler“ Vollzeitjob kann bereits viel zu viel sein. Sich gegen Reizüberflutung abzuschirmen ist das A und O. Eine große Anzahl von Menschen in ihrer Umgebung, z.B. bei einem Konzert, in der U-Bahn oder in der Innenstadt, ertragen sie je nach Tagesform mal besser, mal weniger gut und manche gar nicht.

Sollte nicht jeder Mensch gut für sich sorgen und sich vor Lebensumständen schützen, die ihm nicht wohltun? Wer legt denn fest, dass wir 40 Stunden die Woche in einem Großraumbüro inmitten von Menschen, die uns nur nur teilweise wohlgesonnen sind, bei LED-Beleuchtung mit fortwährenden Arbeitsunterbrechungen durch Telefon und Mails nervlich verkraften müssen? Warum nicht 80 Stunden? Oder 20? An wessen Bedürfnissen orientiert sich das Übliche?

Je länger ich darüber nachdenke, desto drängender wird für mich die Frage, was eigentlich normal ist oder wäre: Sind die Hochsensiblen möglicherweise jene, bei denen trotz Trauma eine gesunde Reaktion auf unsere leider gar nicht menschgemäßen Lebensbedingungen geblieben ist? Sind die „Normalen“ von Grund auf so traumatisiert, dass sie dank der Abspaltung in der Regel gut funktionieren, aber gar nicht bei sich sind?

Haben deshalb so wenige Kontakt zu ihrer Intuition, zu ihren Körperempfindungen und zum „morphogenetischen Feld“ oder wenn Sie so wollen: zur geistigen Welt? Laufen sie daher im Hamsterrad bis sie umfallen und denken sich nichts dabei? Gehorchen sie aufgrund einer Traumatisierung blind irgendwelchen Regeln, deren Sinnhaftigkeit sie nicht einmal auf die Idee kommen infragezustellen? Dissoziierten Menschen könnte man im Extremfall sogar das Atmen verbieten und sie würden sich bemühen, der Anordnung zu folgen.

Jede Absurdität ist denkbar. Wenn ein Trauma reaktiviert ist, z.B. durch Angst, verliert der gesunde Menschenverstand an Bedeutung für das Handeln. Informationen werden aufgrund der Stresshormone, die den Körper fluten, nicht korrekt verarbeitet, Verdrehungen von Sachlagen dringen nicht ins Bewusstsein vor. Entscheidungen werden bis ins Groteske irrational, ohne dass die Betreffenden sich dessen gewahr sind.

In diesem Zustand schauen wir uns um, wie die anderen sich verhalten, und passen uns an, statt eigene Entscheidungen zu treffen. In der Natur ist das auch gut so, denn instinkthaftes Verhalten bei vielen liegt in der Regel richtig, wenn alle in ähnlicher Weise reagieren. Daher spricht man von Schwarmintelligenz. Was aber, wenn der ganze Schwarm traumatisiert ist? Und deshalb beliebig gelenkt werden kann?

Nun kann man zu Recht sagen, ich sei Traumatherapeutin und wer einen Hammer habe, für den schaue jedes Problem eben wie ein Nagel aus. Das stimmt natürlich. Könnte es trotzdem sein, dass das Problem tatsächlich ein Nagel ist? Und deshalb von Menschen mit Schraubendrehern und Zangen weder erkannt noch eingestuft oder gar gelöst werden kann?

Durchaus erwünschte Ansteckung

Die Neurowissenschaft meint, dass Spiegelneuronen uns dabei unterstützen, die Emotionen eines anderen Menschen in uns wahrzunehmen. Ob es bestimmte Nerven sind, die uns dazu befähigen, oder ob wir die Information aus dem Energiefeld abgreifen: Das Phänomen scheint ziemlich alltäglich zu sein. Es ist beispielsweise auch aus der Tierwelt bekannt. Mit der „Ansteckung“ von Nervensystemen arbeite ich jeden Tag.

In der Körperorientierten Psychotherapie gehen wir davon aus, dass die Übertragung des Erregungsgrades von Mensch zu Mensch vollkommen normal ist. Emotionale Regungen und Körperempfindungen des anderen können wir ebenfalls spüren. Manchmal empfange ich bei der Arbeit Worte oder Bilder von meinem Gegenüber. Für mich ist das nichts Besonderes. Ich denke, das könnte grundsätzlich jeder, der sich selbst wahrnimmt. Selten allerdings spricht man die Wahrnehmungen an, so dass die Übertragungen meist verborgen bleiben.

Wenn meine These stimmt, dann kommen nur diejenigen der Traumatisierten in Behandlung, die sich ihres Zustandes bewusst werden. Sie bemerken, dass etwas anders ist als es sein sollte. Manchmal werden sie durch das Nicht-Funktionieren ihres Alltags, ihres Berufs oder ihrer Beziehungen in die Therapie geführt. Traumapatienten sind möglicherweise solche, die aufgrund glücklicher Umstände nicht ganz so stark von sich getrennt wurden, die nicht vollständig von ihrer Körperwarhnehmung und von ihren Emotionen abgespalten sind. Sie lernen, ihre Nerven selbst zu regulieren, schützen sich vor Reizüberflutungen und handhaben ihre Emotionen, ohne ihnen ausgeliefert zu sein. Ein erschreckend großer Teil der Menschen zieht als dissoziierter Schwarm seine Kreise.

Wie groß der Anteil ist, weiß keiner.

Es gibt Menschen, die auf wundersame Weise bei sich sind und gut für sich sorgen, während sie gesunde Beziehungen unter lebensfördernden Bedingungen pflegen. Die selbstbestimmt und frei leben und sich gleichsam in Gruppen einfügen, welche die Einzigartigkeit des Individuums anerkennen. Sie begegnen mir manchmal. Von ihnen höre ich oft, dass sie sich als Außenseiter fühlen. Das ist schade. Denn es gibt viel mehr von uns als wir denken.

Unsere eigene Introversion, unsere Furcht vor Verletzung unserer Zartheit, unsere Erfahrungen in einer empathielosen Welt, die Gehirnwäsche, die uns als Ausnahmefälle darstellt oder als Sonderlinge brandmarkt, hindern uns am Austausch.

Narzissten und Hochsensible unterscheiden

Zuweilen laufen wir einem angeblich hochsensiblen Kameraden in die Arme, der in Wahrheit nur ein besonders empfindlicher Narzisst ist. Diese Fehldiagnose treffen die Betroffenen meist selbst. Sie erleben ihre Empfindsamkeit als übertrieben und bemerken nicht, dass sie nur auf sich bezogen ist, nicht auf ihr Umfeld.

Das Mitgefühl für andere unterscheidet den Narzissten vom Hochsensiblen. Während Narzissten vor allem um sich kreisen, haben Hochsensible ein Gespür dafür, was der andere braucht und wie es ihm geht. Verletzen sie aus Versehen ihr Gegenüber, bereitet ihnen das durch ihre feine Wahrnehmung selbst Schmerzen.

Ob Sie es mit einem Hochsensiblen oder mit einem Narzissten zu tun haben, finden das ganz schnell heraus, wenn sie dem Menschen eine Grenze setzen. Der Hochsensible hat ein schlechtes Gewissen, dass er die Grenze nicht gleich erspürt hat und entschuldigt sich reuevoll. Der Narzisst ist beleidigt und gekränkt. Er verhält sich abweisend.

Bitte verzeihen Sie mir meine überzeichnete und grob vereinfachte Darstellung. Sie dient dazu, dass sie „in freier Wildbahn“ beide Eigenarten trotz der Gemeinsamkeiten gut unterscheiden können.

Mediale Eigenschaften praktisch nutzen

Nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Können wir besondere Eigenschaften erwerben oder werden sie uns in die Wiege gelegt? Sowohl als auch, würde ich sagen. Wir können vielleicht nicht alles, aber viel mehr als wir wissen oder glauben.

Und die Begabungen sind ganz unterschiedlich ausgeprägt. Eine ehemalige Patientin von mir hört Frequenzen, die nur sehr wenige Menschen wahrnehmen können. Anfangs war sie nicht sicher, ob sie unter einer Gehörstörung oder gar unter Wahnwahrnehmungen leidet. Sie hat dieses “Problem” durch die Behandlung nicht verloren, sondern begreift ihre Begabung heute als das, was sie ist, und geht daher anders mit ihr um. Unterstützt wurde die resolute junge Frau von weiteren Betroffenen, mit denen sie sich verbunden hat. 

Es steht uns als Gesellschaft nicht zu, Menschen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten auszugrenzen oder ihre Gabe als Spinnerei abzutun. Im Gegenteil könnten wir uns darum bemühen herauszufinden, welche besonderen Eigenschaften jeder Einzelne mitgebracht hat.

Indem wir unser Nervensystems entlasten, schaffen wir eine körperliche Grundlage dafür, die Eigenschaften, welche wir durch Trauma verloren haben bzw. die verschüttet worden sind, wiederzuentdecken. Manchen hilft das Meditieren, andere machen Achtsamkeitsübungen oder praktizieren eine asiatische Bewegungskunst. Es gibt viele Wege, zurück zu sich zu finden.

Hört man den „medial Begabten“ zu, ist man oft verwundert über die Einfachheit ihrer Technik. Die meisten behalten schön für sich, wie sie ihre Anbindung „nach oben“ bewerkstelligen. Mich macht derartige Geheimniskrämerei immer skeptisch. Es würde mich nicht wundern, wenn so manche mysteriöse Methode verhältnismäßig leicht zu erlernen wäre.

Letztlich befragt jeder kinesiologische Test das Unterbewusstsein, die Körperintelligenz oder meinetwegen das “morphische Feld”. Meiner Ansicht nach gehört eine einfache Variante davon (der Schwanktest) an alle Schulen – verbunden mit Informationen zum Formulieren der passenden Fragen und Überlegungen zur Ethik des Testens in Eigenregie.

Vielleicht achten Sie fürs Erste einmal auf Dinge, die „aus Versehen“ passieren. „Aus Vorsehung“ wäre möglicherweise eine passendere Formulierung: Etwas in mir kann vorher sehen, was für mich gut und richtig ist.

Haben Sie eine Ausfahrt oder einen Termin verpasst? Gab es ein „Missverständnis“? Können Sie ein Video partout nicht aufrufen? Vertippen Sie sich immer wieder beim Schreiben an derselben Stelle? Geht Ihnen eine Datei verloren oder vergessen Sie, etwas abzuspeichern? Ziehen Sie in Betracht, dass Ihr Unterbewusstsein wissen könnte, was es tut – auch wenn das Ergebnis Ihrem Willen entgegenläuft. Was weiß schon unser Wille?!

Wozu die individuelle Begabung taugt

Der Mann, welche mich zuletzt nach der Erlernbarkeit von besonderen Fähigkeiten gefragt hatte, kann übrigens Elektrizität spüren, die durch Stromleitungen läuft. Wozu das Beispiel dienen soll? Lassen Sie sich bloß nicht als Spinner oder als krank abstempeln, wenn Sie außergewöhnliche Wahrnehmungen haben. Kultivieren Sie diese Eigenheiten und nutzen Sie Ihre Gabe praktisch für sich und andere.

Meiner Weltanschauung nach haben Sie alles, was Sie brauchen, um Ihr Leben so zu gestalten, dass Ihr Selbst hier Verwirklichung findet. Das ist Ihre Lebensaufgabe. Nicht mehr und nicht weniger. Lassen Sie sich durch mutwillige oder versehentliche Traumatisierungen nicht davon abhalten, ein in diesem Sinne erfülltes Leben zu führen. Dafür ist es nie zu spät.

Text: Petra Weiß
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Duzt Du noch oder siezen Sie schon?

Schreibkunst Redaktion

Die Beeinflussung unserer Gefühle, Gedanken und Handlungen erfolgt auf vielen Kanälen: über Bilder, Formen und Farben, über die Stimmlage und die optische Erscheinung eines Sprechers, über Hintergrundgeräusche oder Musik, über haptische Eindrücke, sogar durch Düfte werden uns subtile Botschaften vermittelt. Jeder Frequenzbereich hat eine spezifische Wirkung. Und diese wird genutzt.

Wir können unmöglich alle Einflüsse im Blick haben, die auf uns wirken. Daher beschränke ich mich auf meinen Fachbereich, die Sprache. Und selbst hier gibt es ein ganzes Universum zu entdecken, das ich Ihnen häppchenweise in Form alltäglicher Beispiele eröffnen will. 

Früher habe ich mich gewundert, warum ich mich so unwohl damit fühle, dass ich ungefragt in einem Einrichtungshaus von wildfremden Menschen geduzt werde. Anderen Kunden scheint das gar nichts auszumachen. Offen gesprochen, macht es mich ärgerlich. Ich erlebe dieses Überschreiten der sprachlichen Vertraulichkeitsschwelle ohne vorherige Abstimmung als Grenzverletzung durch Worte.

Wir sind ja nicht auf dem Fußballplatz oder in der Kneipe und treffen uns zur gemeinsamen Freizeitgestaltung, sondern hier soll sich ein Geschäft anbahnen. Ich bin als potenzielle Vertragspartnerin und Kundin in dem Laden. Die Rolle macht den Unterschied. Halten Sie meine Sichtweise für überholt? Würden Sie den Bankdirektor beim ersten Gespräch zur Kreditvergabe für Ihr Haus duzen? Oder den Sachbearbeiter beim Finanzamt? Wie sprechen Sie die Kassiererin im Supermarkt an? Und wie Ihren Arzt? Haben es nur “Respektspersonen” verdient, mit dem Sie geehrt zu werden? Ich denke, Respekt dürfen wir vor allen Menschen haben, unabhängig von Ihrem gesellschaftlichen Rang.

Freilich gibt es Ansichten, die für einen jovialen Umgang im geschäftlichen Umfeld Partei ergreifen. Das Übernehmen von Gepflogenheiten aus anderen Ländern, vornehmlich aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, zum Zweck der Globalisierung scheint dafür zu sprechen. Fluch und Segen der weltweiten Vernetzung können wir heute deutlicher sehen denn je. Das politische Thema will ich nicht weiter vertiefen. Mir geht es um psychologische Zusammenhänge.

Man mag anführen, dass es beispielsweise im Englischen gar keine Unterscheidung zwischen dem Du und dem Sie gibt. Das stimmt. Ob wir die Feinheit und Präzision unserer Muttersprache für die Anpassung und Gleichmachung aufgeben wollen, steht auf einem anderen Blatt.

Aus psychologischer Sicht ermöglichen genau diese Besonderheiten im Deutschen eine außergewöhnlich nuancierte Benennung und damit auch ein feingliedriges Bewusstsein über die eigenen Emotionen und Gefühle. Dieser Grad der Differenzierung unterstützt uns dabei, unsere facettenreiche Innenwelt anderen Menschen verständlich zu machen. Die deutsche Sprache dient also in ihrer Eigenart der Beziehung zu uns selbst und zu unserem Umfeld.

Mit der Entscheidung über Du oder Sie kann man die Qualität einer Beziehung innerhalb der Beteiligten und nach außen sichtbar kennzeichnen. Das Mehr an Vertraulichkeit wird traditionell durch das Du beschrieben. Ein Duzfreund steht mir näher als ein Bekannter.

Die Ausdruckskraft von Worten wird durch einen Gebrauch abseits ihrer ursprünglichen Bedeutung verfälscht und verzerrt. Wenn ich 5.000 „Freunde“ auf einer Internet-Plattform habe, von denen ich 4.850 noch nie begegnet bin, was bedeutet dann das Wort „Freund“? Was macht es mit unserem Erleben von Beziehung, wenn wir diesem Begriff keine Eindeutigkeit mehr zugestehen? War ein Freund nicht mal jemand, auf den Verlass ist? Der mir treu zur Seite steht? Dem ich mich anvertrauen kann? Und umgekehrt. Was geschieht mit diesen Werten, wenn wir den Begriff verwässern? Dann ist ein Freund plötzlich jemand, den ich einmal auf irgendeiner Messe getroffen habe. Wem nützt es, wenn dieser Mensch, auf den nicht einmal der Begriff „Bekannter“ wirklich zutrifft, mir zum Geburtstag gratuliert? Hat er meinen Namen in sein Notizbuch geschrieben oder wurde er als automatische Erinnerung ausgespuckt?

Wir sind darauf gepolt, „Netzwerke“ zu pflegen und strategisch auszubauen. Jeder Karriereratgeber sagt uns, das „Networken“ sei von großem Vorteil für unser berufliches Vorankommen. Mir kommt dabei die Echtheit von Beziehungen zu kurz. Verbindungen, die zum gegenseitigen Nutzen betrieben werden, statt unserem tiefen Herzenswunsch zu entspringen, und trotzdem das Prädikat “Freundschaften” erhalten, sind mir zuwider.

Gegen rein berufliche Beziehungen ist natürlich nicht das Geringste einzuwenden – beidseitige Wertschätzung eingeschlossen. Man muss sich mit Kollegen, Vorgesetzten, Mitarbeitern oder Kunden nicht anfreunden, um in angenehmer Weise mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Aus dienstlichen Kontakten heraus kann mitunter ein freundschaftliches Band geknüpft werden. Das ist dann eine organische Entwicklung und kein planvoller Prozess. Privat wie dienstlich sollten sich alle Beteiligten über die Art ihrer Beziehungen grundsätzlich bewusst sein. Im Zweifel hilft ein offenes Gespräch zur Klärung.

Viel zu selbstverständlich ist es geworden, einen anderen Menschen als Mittel zum Zweck zu sehen. Ohne böse Absicht setzen Eltern in ihre Nachkommen bestimmte Erwartungen. Was sollen die Zöglinge alles verkörpern, um Mami oder Papi eine Freude zu bereiten?! Tatsächlich wird das Vorbeischauen an der Einzigartigkeit des Buben oder Mädchen und das Pressen des Abkömmlings in Anforderungsschablonen als eine mögliche Ursache des allgegenwärtigen Narzissmus angenommen. Die Folge sind eine Verleugnung des Selbst und letztlich dessen Vergessen. Selbst-Vergessenheit ist kein erstrebenswertes Ziel. Solche Identitätslosigkeit führt in den Bau von Fassaden, die nur allzu leicht ins Bröckeln geraten und dann um jeden Preis aufrecht erhalten werden müssen. Der Verlust dieser Ersatz-Identität wird “ums Verrecken” vermieden.

Aus meiner Sicht ist das Benutzen von Menschen für bestimmte Zwecke eine alltägliche Form von Missbrauch. Der Gehirnforscher Prof. Gerald Hüther spricht von der Würde des Menschen, die dabei auf der Strecke bleibt, wenn wir andere zum Objekt machen. Jemanden in seiner Einzigartigkeit als Mensch, der besondere Fähigkeiten und Bedürfnisse hat, die geachtet werden wollen, nicht wahrzunehmen und stattdessen in erster Linie seinen Gebrauch für das eigene Wohl im Blick zu haben, ist wahrlich unwürdig.

Mir machen Verwechslungen auf diesem Gebiet schwer zu schaffen, wenn ich feststellen muss, dass jemand sich als „Freund“ darstellt, während er schaut, welchen Profit er aus seiner Beziehung zu mir schlagen kann. Bei bestimmten Typenmustern kommt dieses Verhalten häufiger vor als bei anderen. Es gehört zu ihrem Selbstverständnis und sie sind sogar stolz darauf, wieder jemand Nützlichen in ihr Netzwerk eingebunden zu haben. Gleichzeitig fördert unsere Karriere-orientierte Ellenbogengesellschaft grundsätzlich derlei Haltung.

Vielleicht nehmen Sie diesen Beitrag zum Anlass, sich darüber Gedanken zu machen, was für Sie Freundschaft bedeutet und wer in Ihrem Umfeld die Bezeichnung „Freund“ verdient hat. Damit Sie nicht in eine Schwarz-Weiß-Betrachtungsfalle tappen, wählen Sie am besten eine Skala der Freundschaftsqualität: Busenfreund, enger Freund, Duzfreund, Freund, Kumpel, Bekannter, weitläufiger Bekannter. Bei Bedarf machen Sie die Kategorie erst einmal an äußeren Beziehungsmerkmalen fest wie: Verwandter, Nachbar, Kollege, etc.

Kommen wir zurück zum Du.

In den 1980er Jahren konnte ich eine Innenansicht auf die damals vorherrschende Maxime in der Verkaufssprache erhalten. Es galt als zweckdienlich, die „Sprache der 5- bis 7-Jährigen“ zu verwenden. Sie haben richtig gelesen. Nicht die erwachsene Ebene im Käufer soll angesprochen werden, sondern eine kindliche. „Keep it simple and stupid“ war entsprechend der Leitsatz der damaligen Zeit. Einfach und für Dumme wollte die Ansprache im Verkaufsgespräch sein.

Während meiner Zeit im Marketing in den 1990ern durfte ich lernen, wie man diese Maßgabe praktisch umsetzt. Es gibt klare Regeln für das Texten auf Kinderniveau: einfacher Satzbau, kurze Sätze, nicht mehr als 7 Worte in Überschriften, bildhafte Formulierungen, optische Hervorhebung der Kernbotschaft, positive und aktive Wortwahl, konkrete Handlungsaufforderungen am Ende – kurzum: es dem Leser so einfach wie nur möglich machen, um die gewünschte Handlung bei ihm auszulösen. Sogar mit der Augenkamera wird analysiert, wohin der Betrachter in einem Text schaut, damit man genau dort werbewirksame Wörter platziert. Werbetexten ist eine ausgefeilte Kunst.

Während meiner Ausbildung zur Hypnosetherapeutin in der Dekade nach der Jahundertwende lernte ich das Neurolinguistische Programmieren (NLP). Die Bezeichnung macht gar keinen Hehl daraus, dass man das Gehirn seines Gegenübers durch Sprache programmieren will. Aha. Hier ist eine Schnittstelle zwischen der Rhetorik in der Werbung und der gezielten Verwendung von Sprache zu therapeutischen Zwecken. Die Anliegen der beiden Anwendergruppen sind aufgrund der Natur ihrer Berufe vollkommen unterschiedlich.

Ein verantwortungsvoller Therapeut wird den Clienten immer in seine Absichten einweihen und an den per Behandlungsauftrag abgestimmten Zielen des Clienten richtet sich die gemeinsame Arbeit aus. Der Verkäufer hingegen ist in erster Linie seinem Unternehmen verpflichtet. Seine Aufgabe ist es, dem Kunden etwas zu verkaufen. Das ist kein Geheimnis. Warum manche Kunden gutherzig davon ausgehen, dass ein Verkäufer stets nur das Beste für sie will und seiner Beratung blauäugig vertrauen, ist mir schleierhaft.

Aus meiner Warte kann ich die Vorbehalte gegenüber der professionellen Beeinflussung durch Sprache nachvollziehen: Das NLP wird mit gutem Grund misstrauisch beäugt. Es ist ein machtvolles Mittel der Manipulation. Ich versuche, mein Wissen über Rhetorik nicht unbewusst zu verwenden und stattdessen Menschen darüber aufzuklären. Wie bei vielen Tricks aus der Redekunst, ist man deutlich im Hintertreffen, wenn das Gegenüber sie beherrscht und man selbst sie nicht durchblickt.

Unter Hypnose wird der Therapeut den Patienten in der Regel duzen, weil das Unterbewusstsein auf diese Weise direkter angesprochen werden kann. Während einer Familienaufstellung nutzt er ebenfalls das Du, um bei Bedarf mit frühen Lebensphasen arbeiten zu können. Psychologen wissen sehr wohl, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob man jemanden duzt oder siezt. Wir gehen sehr sorgsam mit diesem Instrument um.

Meine Hypnoausbildung hat mich hochgradig darauf sensibilisiert, dass während einer Trance alle Geräusche im Raum ins Unterbewusstsein eindringen. Jedes Wort erzeugt ein Störgefühl, wenn es nicht exakt passend gewählt ist. Das Wiederholen des genauen Wortlauts aus den Äußerungen des Patienten ist wesentlich für den reibungslosen Verlauf einer Sitzung. Feinste Nuancen werden wahrgenommen. Durch Wiederholung werden Programmierungen gefestigt. Man ankert sie durch das Koppeln von gewünschten Gedankeninhalten an bestimmte Reize.

Für eine Rauchentwöhnung kann das außerordentlich hilfreich sein. Das Wissen, welches in der Psychotherapie in Abstimmung mit dem Patienten zu seinem Vorteil bewusst und gezielt eingesetzt wird, kann in anderen Zusammenhängen ohne dessen Zustimmung zum Nachteil eines Menschen verwendet werden.

Aktiviert man eine bestimmte Ebene des Denkens durch das Du, wirkt Werbung auf unser Unbewusstes, auf unser Kindliches und spricht damit Bedürfnisse auf eine Weise an, die sich unserem wachen Verstand entzieht. Das ist Manipulation. Und wenn es zur Belohnung nach dem Einkauf noch ein Softeis zum Spottpreis gibt, haben wir gerade unser Geld im Kindergarten gelassen und gehen mit einem seligen Grinsen nach Hause. Unsere neuen „Spielsachen“ haben Namen wie damals der Teddybär. Ich bin voller Bewunderung für die Marketingstrategen, die durch diesen Trick unsere Bücherregale und Spülbürsten zu unseren neuen „Freunden“ machen.

Ich weiß, dass das Du in den sogenannten sozialen Medien üblich ist. Das ist einer der Gründe, warum ich dort nicht heimisch geworden bin. Meine Arbeit richtet sich an die erwachsene Ebene, an den vernünftigen Verstand, der Instinkte, Emotionen und Gefühle integriert. An diesem Punkt ihrer Entwicklung stehen natürlich nicht alle und manche fühlen sich deshalb von mir nicht abgeholt. Ihr Empfinden ist richtig.

„Der kleine Lukas will im Schmalland abgeholt werden“, fällt mir da ein und ich muss schallend lachen, weil ich mir vorstelle, wie die Lautsprecherdurchsage im Sie klingt „Der kleine Herr Müller will im Schmalland abgeholt werden“.

Nein, das ist nicht meine Aufgabe, Erwachsene auf der Kinderebene einzufangen. Und es ist ebenso wenig in meinem Interesse, sie zu “pampern”, „nachbeeltern“ sagt man im Psychologen-Deutsch. Mir ist daran gelegen, dass Menschen in ihre Kraft kommen und entdecken, dass sie in der Lage sind, selbst für sich zu sorgen. Sie erkennen dann, dass sie keine Eltern mehr brauchen, die sich um sie kümmern, und deshalb auch keine Autoritäten hinnehmen müssen, die sie bevormunden wollen.

Menschen, die in diesem Sinne erwachsen sind, treten im Wortsinne selbst-bewusst für ihre Bedürfnisse ein. Sie müssen niemanden manipulieren, der ihre Sehnsüchte stillen soll, und sie lassen sich auch nicht als Bedürfniserfüller anderer einspannen. Dieses Für-sich-stehen-Können ist eine gute Grundlage für eine Beziehung auf Augenhöhe. Gerade in Liebesbeziehungen finden wir häufig kindliche Muster von Trotz, Bedürftigkeit oder Gefallen-Wollen auf der einen und elterliche Anmaßungen von Fürsorge oder Erziehung ohne Auftrag auf der anderen Seite – und gerne auch im Wechsel. Mit dem Verlassen solcher Rollen ist die Beziehung nicht zu Ende, dort fängt sie erst an.

Wie Sie das Du und das Sie handhaben wollen, bleibt natürlich ganz Ihnen überlassen. Mir ist es nur wichtig, dass Sie sich über die Wirkung im Klaren sind und eine bewusste Wahl treffen.

Text: Petra Weiß
Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Danke schön

Herzlichen Dank an alle Leser, die meine freiberufliche Tätigkeit durch einen Energieausgleich würdigen. Ich liebe die Arbeit an Texten. Mir macht es Freude, mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen zu teilen. Gleichzeitig habe auch ich alltägliche Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf und etwas Sojasahne im Kühlschrank. Daher bitte ich Sie, freiwillig einen angemessenen Energieausgleich zu leisten:

Konto: IBAN DE48 4306 0967 6022 2369 03
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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Wenn die Fackeln der Freiheit verglühen

Social Engeneering ist eine präzise Wissenschaft. Wer das Denken und Handeln einer Gesellschaft lenken will, braucht psychologisches Fachwissen, Intelligenz und Langmut. Ziele werden über Jahrzehnte hinweg in mehrstufigen Maßnahmen verfolgt. In Stufe 1 kann man als Außenstehender nicht ahnen, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Und in Stufe 2 fällt einem vielleicht gar nicht auf, dass es irgendeinen Zusammenhang mit den Ereignissen der Stufe 1 geben könnte. Erst rückblickend entlarvt sich ein Muster, wenn das eigentliche Ziel sichtbar wird.

In diesem Beitrag verknüpfe ich ein paar lose Fäden ohne Anspruch auf „DIE Wahrheit“ und lasse Sie an meinen Gedanken teilhaben.

Öffentliche Meinung am Beispiel des Rauchens

Es geht exemplarisch um das Rauchen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass es abhängig macht. Und dass man als Raucher ständig in der Angst lebt, sich selbstverschuldet die Gesundheit zur ruinieren. Vor mehr als 20 Jahren habe ich die Gewohnheit nach vielen Anläufen endlich an den Nagel gehängt. Anlass war meine nächtliche Einlieferung ins Krankenhaus mit heftigen Schmerzen in der Brust. Ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt. Dieses Schockerlebnis brachte mich von meiner Nikotinsucht ab. Wie sich später herausstellte, war eine Rippenfellentzündung die Ursache des Übels. Trotzdem blieb ich dauerhaft von meinem Verlangen nach dem Glimmstängel kuriert.

Um sich aus einer Sucht zu lösen, brauchen Menschen eine große Portion Willenskraft. Ihre innere Überzeugung muss stark genug sein, um die körperliche Begierde und die psychische Abhängigkeit von dem Mittel so lange zu unterdrücken, bis beides überwunden ist. So ging es auch mir. Mein vorrangiges Ziel war es, mich aus der Abhängigkeit zu lösen. Die Sucht an sich, also die Tatsache, dass ich das Rauchen nicht ohne weiteres willentlich seinlassen konnte, war mein Hauptproblem. Um den Entzug durchzuhalten, musste ich mir bewusst machen, dass die tägliche Rauchvergiftung meinem Körper schadet. Als zusätzlichen Anreiz gönnte ich mir für das gesparte Geld eine besonders edle Uhr, die ich mir sonst nicht gekauft hätte. Die öffentliche Kampagne zur Gesundheitsgefährdung durch Zigaretten erleichterte es mir, meine Haltung gegenüber den „Sargnägeln“ zu festigen.

Das Unterbewusstsein ausrichten

Das Bewusstsein über die Schädlichkeit des Rauchens führte dazu, dass ich Rauch in meiner Umgebung gar nicht mehr ertragen konnte, obwohl ich mich sehr bemühte, tolerant zu sein. Immerhin waren einige meiner Freunde Raucher und ich wollte die mir liebgewonnen Menschen nicht verprellen. Zu Recht sagt man „Ehemalige Raucher sind die schlimmsten Nichtraucher“. Dahinter steckt eine nachvollziehbare Logik: Mein Unterbewusstsein musste darauf ausgerichtet werden, Rauchen als große Gefährdung einzustufen, damit ich selbst davon lassen konnte. Berichte in den Medien über die Bedrohung durch Passivrauchen unterstützten die Abneigung und gaben ihr einen vernünftigen Grund.

Aus meiner bequemen Position als Nichtraucherin konnte ich beobachten, wie Raucher immer weiter ins Abseits gedrängt wurden. Plötzlich waren sie „Gefährder“ der Gesundheit anderer. Man durfte nicht zulassen, dass sie sich frei entscheiden, was sie für oder gegen sich selbst tun. Ihr Tun wurde in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gebracht. Sie waren eine Zumutung für die Gemeinschaft und eine unnötige Belastung für das Gesundheitssystem.

Natürlich war ich froh, dass der Rauch aus den Diskos und Kneipen verschwand. Sogar im Biergarten störte es mich, wenn am Nebentisch geraucht wurde. Anderen die Luft zu verpesten gehörte sich einfach nicht. Der Schritt war nicht mehr weit, den Nikotinkonsum als dumm und/oder asozial einzustufen. Mit Unverständnis oder Verachtung schauten Nichtraucher auf Raucher. Eine Spaltung ist die Folge.

Erinnert Sie das an etwas?

Die Datenlage zum Rauchen ist gar nicht so eindeutig wie uns die landläufige Meinung glauben macht. In einer großangelegten Studie an rund 20.000 Britischen Krankenschwestern stellte sich heraus, dass bei maximal 5 Zigaretten am Tag keinerlei Gesundheitsrisiko gegenüber einem Nichtraucher erhöht ist – weder für Krebs noch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Beschwerden. Wundern Sie sich, dass Sie von diesen Forschungsergebnissen noch nichts gehört haben? Die Analyse ist schon viele Jahre alt und nicht ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen.

Auch hat sich gezeigt, dass nur ein winziger Teil der Raucher an Lungenkrebs erkrankt. Sie dürfen selbst recherchieren, wenn Sie die genauen Zahlen wissen wollen. Ziehen Sie keine vorschnellen Schlüsse aus eindimensionalen Auswertungen. Vergleichen Sie den Anteil der Todesursache Lungenkrebs bei Rauchern mit denen von Nichtrauchern in Hinblick auf alle Todesursachen. Sie werden erstaunt sein.

Sozialpsychologie

Meine Absicht ist nicht, Ihnen medizinisches Fachwissen zu vermitteln, sondern psychologische Zusammenhänge zu beleuchten. Das Nervengift Nikotin hat eine aus meiner Warte bemerkenswerte Wirkung: Es vermindert Ängste. Davon haben Sie vermutlich auch noch nichts gehört. Wenn jemand unter den Folgen von Trauma leidet oder sich in einer beängstigenden Lebenslage befindet, dient das Rauchen seiner emotionalen Regulation. Natürlich gibt es gesündere Möglichkeiten, mit Ängsten umzugehen, aber unsere Medienlandschaft, die das Rauchen so verurteilt, schürt gleichzeitig jede erdenkliche Angst durch Dauerbeschallung. Das erscheint mir widersprüchlich.

Ebenso wundere ich mich, warum so vieles ungesund ist und ausgerechnet beim Rauchen werden wir in aggressiver Art mit verstörenden Bildern und beängstigenden Worten penetrant darauf hingewiesen. Sonderbar. Der variantenreich geförderte Gesundheitsfanatismus wird in vielfältiger Weise unterstützt, aber beim Rauchen ist das Maß schon außergewöhnlich.

Verfehlter Zweck?

Neulich las ich in der Werbung an der Zapfsäule sinngemäß „Rauchen ist tödlich“ und „Rauchen stört die Fruchtbarkeit“ auf den abgebildeten Zigaretten-Packungen. Klar, auf den Päckchen müssen Warnhinweise stehen. Aber: Würde ich als Marketing-Verantwortlicher genau dieses beiden Punkte auswählen, um mein Produkt zu bewerben? Echt jetzt? Mich lies diese „Werbung“ aufmerken. Als ehemalige Marketing-Fachkraft glaube ich nicht an so ein erbärmliches und offensichtliches „Versagen“. Diese Plakate haben sicher einen Zweck. Die Verkaufsunterstützung kann es nicht sein.

Was passiert unbewusst, wenn wir ständig solche Botschaften wahrnehmen? Nichtraucher halten Raucher platt gesprochen für bescheuert, wenn sie trotzdem Kippen kaufen. Raucher halten sich selbst für charakterschwach und fühlen sich schuldig. Gleichzeitig wird ihre Angst geschürt. Was dem Weiterrauchen eine zusätzliche Funktion beschert. So installiert man einen Teufelskreis.

Lügen in Bildern

Die gruseligen Bilder sind übrigens nicht echt. Lungengewebe von Rauchern schaut nicht schwarz aus, wie Pathologen versichern können. Die Fotos wurden retuschiert. Damit sie Eindruck machen. Na, sowas! Wenn derart freimütig gelogen wird, darf man dann auch andere Aussagen in ihrem Wahrheitsgehalt anzweifeln? Da können uns schon mal merkwürdige Fragen in den Sinn kommen:

Wird uns das Rauchen als Sündenbock präsentiert? Werden das Sterben und die Kinderlosigkeit gemäß dem Grundsatz des „Pre-Teaching“ (bewährte PR-Technik) schon mal ins Bewusstsein der Massen geholt? Wenn die Leute durch ganz andere Ursachen sterben, haben wir dann bereits unsere vorgefertigte Meinung, woran sie verblichen sind? Sollen wir suggeriert bekommen, die Unfruchtbarkeit der Menschen sei auf das Rauchen zurückzuführen, und bekommen wir den „Schuldigen“ gleich mitgeliefert?

Natürlich hält solch ein konstruierter Zusammenhang keiner logischen Prüfung stand. Aber Logik spielt bei der Beeinflussung des Unterbewussten keine wesentliche Rolle. Es geht um das Erzeugen von Emotionen und Bildern, die in ganz anderen Gehirnregionen angesiedelt sind. Je größer die Emotion desto entbehrlicher die Logik. So steuert man Menschen, nicht durch vernünftige Argumente. Ich behaupte nichts. Ich frage nur…

Wie alles begann…

Bedeutungsvoll erscheint mir die Rolle des Rauchens als Startpunkt der Massenbeeinflussung in der Welt der Public Relations, oder wie man früher sagte, der Propaganda. Schauen wir zurück ins Jahr 1929.

Ein pfiffiger Mann namens Edward Bernays lockte Journalisten, über ein Ereignis zu berichten, bei dem die „Fackeln der Freiheit entzündet“ würden. Diese Ankündigung machte die Presseleute neugierig. Sie erwarteten mit Spannung, was sich zutragen würde. Das Kommende war schon „geframt“, also mit einer Bedeutung versehen, bevor die Inszenierung begann.

Bernays hatte den Auftrag, der Tabakindustrie neue Käufer zu verschaffen. Damals galt das Rauchen als männliche Beschäftigung. Es war nicht gesellschaftsfähig für Damen. Das änderte sich, nachdem Barnays einige Studentinnen dafür bezahlte, dass sie in der Öffentlichkeit auf Kommando ihre Zigaretten zückten. Die Presse deutete das Geschehen wunschgemäß als Geste der Emanzipation und platzierte so das Rauchen als Akt der Befreiung im öffentlichen Bewusstsein. Durch diesen Trick verdoppelte Bernays die Zielgruppe seiner Auftraggeber mit einem Streich.

Zündung der Stufe 2

Was wir später in der Werbung gesehen haben, holte die Kopplung Rauchen = Freiheit in scheinbar unendlichen Wiederholungsschleifen immer und immer wieder hervor. Wir erinnern uns an Kino-Besuche, als der Cowboy noch die Weite der Prärie mit uns teilte, während er rauchend über die Leinwand ritt. Fünfzig Jahre lang hat man uns mit diesem Image des Rauchens gehirngewaschen. Und plötzlich kam ein Schwenk, ein “Spin” in der Sprache der Public Relations Fachleute, die man daher auch “Spin Doctors” nennt. Auf einmal war Rauchen nicht mehr cool, sondern blöd. Ist die Tabakindustrie zur Besinnung gekommen? Hat der Verbraucherschutz sich endlich durchgesetzt? Glauben Sie das?

Erinnern wir uns an den Dreisatz in der Schule. Welche Logik wird verankert, wenn wir beide Gegebenheiten miteinander betrachten?

Rauchen = Freiheit

Rauchen = tödlich

Freiheit = ???

Genau. Unser Unterbewusstsein hat den Clou schon seit Jahrzehnten als Programmierung erhalten. Ich bin voller Bewunderung für die Schläue der Architekten. Social Engeneering ist keine Eintagsfliege. Man muss wirklich Finesse und Ausdauer beweisen, um die Massen zu bewegen.

Große gesellschaftliche Veränderungen werden nicht dem Zufall überlassen. Sie sind gemacht und von langer Hand vorbereitet. Wollte man die Bevölkerung aus Gründen der Gesundheitsvorsorge vor dem Rauchen schützen, wäre es längst verboten. Es wird noch gebraucht. Und nicht, um Frauen gleiche Rechte einzuräumen wie Männern.

Die Spaltung zwischen Männlein und Weiblein ist ebenfalls gewollt. Eine Gleichberechtigung der Geschlechter gibt es bis heute lediglich in der Theorie. Da muss man sich nur mal die Gehaltsgerechtigkeit ansehen. In Wirklichkeit ging es nie um dieses Ziel. Mit dem entsprechenden politischen Willen wären längst andere Verhältnisse durchzusetzen gewesen. Oder meinen Sie im Ernst, die finanziellen Mittel stünden nicht zur Verfügung?

Es geht offensichtlich um Profit und Konsum. Und gleichzeitig geht es untergründig um Massenpsychologie. Unter anderem wird der römische Grundsatz noch heute von erfolgreichen Staatsoberhäuptern und Führungskräften auf allen Hierarchieebenen beherzigt: “Teile und herrsche!” Zu riskieren, dass ein vereinigtes Volks sich seiner Stärke bewusst werden kann, wäre töricht.

Aufdeckung als Schutz

Die Manipulation zu durchblicken wird eine unserer vordringlichsten Aufgaben für die kommenden Jahre sein, wenn wir uns von der aktuellen Krise erholt haben und nicht wieder in ähnliche Zustände geraten wollen. Wann immer Ihnen manipulative Muster ins Auge fallen, dient das Ihrer Immunität gegenüber der Fremdbestimmung und damit Ihrer freien Selbst-Entfaltung.

Beschäftigen wir uns mit solchen Techniken, um den Strippenziehern im Hintergrund nicht auf den Leim zu gehen. Wie bei einem Taschenspielertrick verliert Manipulation ihre Magie, wenn wir sie entzaubern. Wir werden die Machtgierigen dieser Welt weder im großen politischen Geschehen noch im Alltag davon abhalten, uns steuern zu wollen. Aber wir können ihnen auf die Schliche kommen. Und dann funktioniert der Betrug an unserer Psyche nicht mehr. Vielleicht werden wir uns später freuen, wieder einmal einen kunstvollen Kniff entlarvt zu haben, uns entspannt zurücklehnen und sagen „Nice try, Darling.“

Text: Petra Weiß
Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Wie wir es schaffen, nicht verrückt zu werden.

Das Leben ist dieser Tage für viele Menschen turbulent. Alles, was nicht echt ist, bricht jetzt weg. Das betrifft falsche Selbstbilder, unpassende Beziehungen und Umfelder – privat wie beruflich. Wer sich schon länger in Richtung seines Selbst entwickelt, erfährt einen kräftigen Schub auf seiner Bahn.

Während wir früher den Ruf zur Entwicklung durch Ablenkung oder Sturheit überhören konnten, drängen sich unsere heiklen Themen jetzt zunehmend so in den Vordergrund, dass sie gesehen werden.

Für mich ist das Gegenwärtige mehr Erleichterung als Herausforderung. Früher war ich ein Außenseiter mit meinem merkwürdigen Bestreben nach Selbsterkenntnis und Selbstausdruck. Plötzlich ist die Menschheit in weiten Teilen unterwegs, sich auf ebendiese Pfade zu begeben. Ich habe einen kleinen Vorsprung, daher treffen mich die Notwendigkeiten nicht ganz unvorbereitet und ich kann meinen Mitmenschen helfen, gut durch diese „spirituelle Geburt“ zu kommen.

Für den einen ist es ein kurzer schmerzhafter Flutsch, für den anderen eine langwierige Zangengeburt. Der Prozess kann linear oder in Wellen verlaufen. Manchmal pausiert er unerträglich lange, um dann ohne Vorwarnung wieder Fahrt aufzunehmen. Jeder hat seine eigene Dynamik. Die Menschen brauchen ganz unterschiedliche Auslöser, um sich in Bewegung zu setzen. Das Geschehen ist höchst individuell. Und doch ist das eine Entwicklung, die die gesamte Menschheit betrifft. Wir müssen da jetzt alle durch. Niemand bleibt in der Gebärmutter zurück. Da hilft kein Zaudern und kein Wehklagen, aber auch kein Augenschließen und Wegignorieren. Es geht nicht nur los, sondern wir sind mittendrin. Und es gibt kein Zurück mehr in den bequemen Schoß der Mutti.

Vielleicht wissen Sie etwas über Ihren eigenen Start ins Leben. Der Geburtsvorgang kann Ihnen als Orientierung dienen, wie Umbrüche bei Ihnen im Allgemeinen ablaufen. Meine Mutter und ihr Mann haben versucht, meine Niederkunft zu beschleunigen, indem sie mit einem Sportwagen über Schotterpisten gefahren sind. Sie mögen ihre Gründe gehabt haben, die ihnen damals sinnvoll erschienen. Davon habe ich mich nicht beeindrucken lassen. Ich kam auf die Welt als ich dazu bereit war. Und dann ging alles rasend schnell.

Die Krisen in meinem späteren Leben habe ich auf ähnliche Weise gemeistert: Ich lasse mich nicht drängen. Ich spüre, wann für mich der rechte Zeitpunkt ist, und dann lege ich meine ganze Energie in die Veränderung, die in der Regel rasch und ohne große Komplikationen vonstatten geht. Im Gegenteil: Meistens fügen sich die äußeren Umstände wie schicksalshaft geführt genau so wie ich es für mein Voranschreiten brauchen kann. Darauf vertraue ich in den letzten Jahren immer mehr: Wenn ich die Dinge so handhabe, wie sie mir und meinem Naturell entsprechen, arrangiert sich das Universum freundlich und wohlwollend um mich herum 🙂

Welche Weise der Krisenbewältigung zu Ihnen passt, finden Sie heraus, indem Sie Ihr bisheriges Leben betrachten. Gehen Sie in Ihrer ureigenen Art auf die Dinge zu – nicht in meiner.

Aus meiner Erfahrung und aus meinem Fachwissen möchte ich Ihnen eine ganze Reihe von Tipps geben, die in dieser Phase des äußeren Chaos zu innerer Stabilität beitragen können. Wählen Sie daraus, was Ihnen entspricht.

Die Verbindung zwischen Körper, Seele und Geist stärken

Werden Sie sich Ihrer Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken bewusst. Benennen Sie sie. Achtsamkeitsübungen oder die Arbeit mit einem Verfahren aus der Körper(psycho)therapie wie z.B. Somatic Experiencing sind dabei hilfreich. Als alltägliche Unterstützung ist es empfehlenswert, das eigene Gewicht zu spüren bzw. die Kraft, die ihm entgegensteht.

Bemerken Sie zum Beispiel beim Sitzen oder im Stehen, wo die Schwerkraft erlebbar ist: am Gesäß oder in den Fußsohlen. Gravitation ist das Verlässlichste auf unserem Planeten. Sie ist immer da. Unser gesamtes System erhält die Botschaft von Stabilität, sobald wir uns der Schwerkraft körperlich gewahr werden.

Das klingt in Ihren Ohren möglicherweise banal, ist aber ein äußerst praktischer Schlüssel zu mehr Körperbewusstsein. Mit Ihrem Bewusstsein in Ihrem Körper verankert zu sein, ist die Grundlage für wesentliche Fähigkeiten, die Sie noch brauchen werden, z.B. eine gute Selbstfürsorge, den Zugang zu Ihrer Intuition sowie die Unterscheidung von Wahrheit und Lüge.

Das Energiesystem regulieren

Jede noch so einfache Möglichkeit, das Energiesystem in Balance zu bringen, dient Ihrem Körper, Ihrer Seele und Ihrem Geist. Diese drei Ebenen des Seins sind über die Energie miteinander verbunden. Ob Sie sich zu Jin Shin Jyutsu (JSJ), zu Qi-Gong, zu Reiki oder einer anderen Energiearbeit hingezogen fühlen, spielt eine untergeordnete Rolle. Probieren Sie aus, was Ihnen wohltut.

Zusätzlich zum gesundheitlichen Nutzen und zur Wirkung auf Ihre Persönlichkeitsentwicklung dient Ihnen das Ausüben einer Heilkunst in Selbsthilfe dazu, in eine handlungsfähige und tatkräftige Verfassung zu kommen.

Nein, das ist kein aufwändiges Studium. Wenn Sie gar nichts anderes machen wollen, dann nehmen Sie sich drei Minuten Zeit und lesen Sie nur, welcher Finger im JSJ für welche Emotion steht. Daran erkennen Sie kinderleicht, welchen Griff Sie brauchen. Und dann: Halten Sie einfach den entsprechenden Finger. Dabei werden auf natürliche Weise und ohne weiteres Zutun die Meridiane harmonisiert, die gerade aus dem Gleichgewicht sind.

Sich gegen schädliche Einflüsse abschirmen

Oft wollen Leute von mir hören, was Sie für sich tun können. Im ersten Schritt müssen Sie aufhören, etwas gegen sich zu tun und sich vor schädlichen Einflüssen wirksam schützen. Erst, wenn Störendes ausgeschaltet sind, wenden wir uns dem Fördern von Stärkendem zu.

Für den einen bedeutet das, den Kontakt zu bestimmten Menschen zu beenden oder deutlich zu vermindern. Der andere tropft etwas von der Bachblüte Centaury in die Körpermilch oder ins Badewasser. Oder Sie berühren Ihre Ellbogen wie beim Verschränken der Arme, um sich energetisch abzugrenzen. Dieser Trick entstammt dem Jin Shin Jyutsu.

Prüfen Sie, ob Ihre Gewohnheiten Ihnen noch dienen. Falls ja: gut. Falls nein: Üben Sie sich im Loslassen. Wie kann das gehen? Gewohnheiten haben eine starke Tendenz, sich weiter verfestigen zu wollen. Wir müssen uns bewusst dafür entscheiden, sie zu verabschieden. Sonst wird das nichts. Und dann ist es noch schwierig genug. Nutzen Sie bewährte Hilfen zum Loslassen aus der Naturheilkunde (z.B. Bachblüten: Walnut oder JSJ: Innen- und Außenseite der Knöchel halten), Trennungs-Rituale und andere Unterstützungen, die Ihnen passend erscheinen.

Mit einem Beispiel will ich dazu beitragen, dass Sie sich vorstellen können, wie man eine Veränderung von Gewohnheiten im ersten Schritt angehen kann: die Frage nach dem rechten Maß beim Alkohol-Genuss. Sie taucht mit zunehmendem Bewusstseinsstand bei den meisten Menschen irgendwann auf. Dieselben Überlegungen können Sie natürlich mit allen anderen Gewohnheiten anstellen:

Wir starten mit direkten Fragen, beispielsweise: Wie bekommt es Ihnen, abends Wein zu trinken? Oder: Welche Menge tut Ihnen wohl? Lassen Sie ich Zeit. Probieren Sie verschiedene Antworten aus. Befragen Sie nicht nur Ihren Bauch, der Lust und Unlust spürbar macht, sondern auch Ihren Kopf, der die Kategorien “richtig” und “falsch” überprüft. Am Ende entscheidet das Herz unter Berücksichtigung von Bauch und Herz, ob etwas für Sie “gut” oder “schlecht” ist. Alle Ebenen haben ihre Berechtigung.

Grundsätzlich bin ich dafür, selbst bei klarem Geist zu bleiben, statt mir Drinks mit “Geist” einzuverleiben. Manchmal kann es notwendig erscheinen, sich die Sinne ein bisschen zu vernebeln. Der eine macht das mit Arbeit, der andere mit Netflix, der nächste mit Rauschmitteln. Es mag Lebensumstände geben, die erträgt man nur im Suff. Darüber dürfen wir nicht urteilen. Andererseits gibt es Asketen, die sich jeden Genuss verbissen verwehren. Sie sind vielleicht ein Muster an Selbstdisziplin, doch es entgeht Ihnen lebendige Sinnlichkeit.

Ganz gleich, wie Sie das handhaben wollen, treffen Sie diese Entscheidung bewusst.

Alkohol ist ein Nervengift. Sein Abbau hat Vorrang gegenüber allen anderen Verdauungsprozessen. Egal, was Sie gegessen oder getrunken haben – ZUERST kümmert sich Ihre Leber immer um den Alkohol. Falls Ihre Nerven gerade gut in Form sind und Ihre Entgiftung sonst wenig zu tun hat, können Sie sich das leisten. Sonst wäre ich eher zurückhaltend.

A propos Entgiften: Auf jeden Fall lohnt es sich, den Medienkonsum zu überdenken. Was Ihnen Angst einflößt, Sie in Empörung versetzt oder Sie auf das Maß eines Dreijährigen zusammenschrumpfen lässt, dient nicht Ihrer Stabilität.

Giftig sind zahlreiche Dinge, die wir täglich gedankenlos zu uns nehmen. Sie glauben, der Verbraucherschutz verhindert das? Leider nein. Er regelt nur, wie die Gifte gekennzeichnet werden müssen, damit die Hersteller aus der Haftung sind. Bringen Sie in Erfahrung, welche Zutaten in Ihrer Nahrung, welche Inhaltsstoffe in Ihren Pflege- und Reinigungsprodukten enthalten sind. Gehen Sie Schritt für Schritt dazu über, Schädliches gegen gesündere Varianten auszutauschen. Dabei hat es sich bewährt, einige Dinge selbst herzustellen. Das ist vielmals leichter als man denkt. Dadurch verfolgen Sie gleichzeitig Ihr Bestreben nach Autonomie.

Unabhängigkeit fördern

Aus psychotherapeutischer Sicht ist jede Bewegung in die Handlungsfähigkeit ein Gewinn. Je weniger wir dabei von äußeren Umständen abhängig sind, desto tiefgreifender ist das „Ich kann“-Erlebnis. Wählen Sie, in welchem Lebensbereich Sie starten wollen. Vielleicht stellen Sie eine Salbe her, oder Sie machen Ihr Waschmittel selbst.

Von meinem Verlustgefühl hinsichtlich des Besuchs im Italienischen Restaurant habe ich mich befreit, indem ich gelernt habe, super lecker Pizza zuzubereiten. Ganz nebenbei kann ich Zutaten weglassen, gegen die ich allergisch bin und vertrage den Genuss noch besser.

Nicht jeder hat alle Möglichkeiten, die folgenden Ideen in seinem Leben direkt umzusetzen. So ist die Auflistung nicht gedacht. Sie soll Anregungen geben, etwas im eigenen Wirkungskreis zu finden, das sich verändern lässt. Sämtliche Beispiele entstammen dem echten Leben:

    • Ein Mann, dessen Spinning-Kurs nicht mehr stattfindet, stellt sein Fahrrad zu Hause auf ein Band und trifft sich online zum Sport mit Freunden.
    • Eine Frau, die nicht mehr ins Schwimmbad gehen kann, errichtet einen kleinen Schwimmteich im Garten.
    • Ein Mann, der seine Kino-Besuche vermisst, legt sich für sein Heimkino eine Popcorn-Maschine zu.
    • Eine Frau, die ihre Freundinnen-Treffen im Café entbehrt, backt und lädt Mädels zu sich ein.
    • Ein Paar, das nicht mehr im Supermarkt einkaufen kann, findet einen freundlichen Hofladen in Bio-Qualität.
    • Ein Paar, dessen Friseur “auf Weltreise” ist, lässt die Haare wachsen und entwickelt kreative Varianten des Stylings.
    • Eine Frau, die nicht mehr Kleider shoppen gehen kann, gründet einen privaten Kleiderkreisel.
    • Ein Mann, der sich um die Grundversorgung sorgt, sammelt Regenwasser, erzeugt Strom und legt Holz für den Winter zurück.
    • Eine Frau, die Angst vor leeren Lebensmittelregalen hat, lernt wie man Gemüse einkocht.
    • Ein Paar, das sich vor unterbrochenen Lieferketten fürchtet, betreibt neuerdings Permakultur.
    • Ein Paar, das den Weihnachtsmarkt vermisst, lädt Freunde zu Glühwein und Bratäpfeln bei Adventsmusik und Kerzenschein ein.

Verstehen Sie das Prinzip? Es gibt immer eine Lösung, wenn wir pfiffig und anpassungsbereit sind. Manch scheinbare Notwendigkeit ist im Lichte betrachtet viel entbehrlicher als gedacht.

Wenn Sie natürlich glauben, vom Besuch öffentlicher Veranstaltungen hinge Ihr Lebensglück ab, kann man Sie damit ganz schön unter Druck setzen. Fragen Sie stattdessen doch mal im Freundeskreis herum, wer einen modernen Fernseher mit 3D-Technik hat (und wer eine Popcorn-Maschine!), wer ein Musikstück für Sie aufführen würde oder eine Weinprobe organisiert. Womöglich werden Sie feststellen, dass so eine private Gemeinschaft im kleinen Kreis viel persönlicher ist als die Anonymität in der SAP-Arena.

Natürlich sind wir von manchen Dingen abhängig, zum Beispiel davon, Luft zu atmen. Wenn wir das lassen, sterben wir. Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge, Gähnen Sie herzhaft und genießen Sie die Fülle in Ihren Lungen. „Is klar“ werden Sie vielleicht sagen. Sie wissen ja, dass Sie atmen können. Das reicht nicht. Machen Sie es. Und atmen Sie bewusst. Ihr Körper muss die Fülle praktisch erleben, damit diese Wahrheit bei Ihnen leiblich ankommt. Sonst glauben Sie womöglich noch, jemand dürfe Ihnen aus irgendwelchen absurden Gründen den Mund zuhalten…

Falls Sie in einer „Ich-kann-nicht“-Schleife gefangen sind, lassen Sie sich trösten: Ja, wir werden alle sterben. Und dagegen kann man nicht das Geringste tun. Das erscheint für viele betrüblich. Man darf die eigene Sterblichkeit und die der anderen betrauern. So lange wir aber noch auf der Erde sind, nehmen wir das Leben in die Hand – so gut es eben geht. Und ein bisschen geht meistens.

Wenn man ihn lässt, zeigt der Körper ganz von selbst, dass er Regungen hat, die dem Leben dienen wollen. Sogar währende wir uns in einem Zustand der Starre befinden, gibt es lebendige Anteile, die sich durch Bewegungsimpulse zeigen. Heben Sie nur den kleinen Finger, sobald Sie den körperlichen Impuls dazu verspüren. Nicht früher. Der Impuls kommt. Keine Sorge.

Lebendiges Leben erleben

Gibt es ein Leben vor dem Tod? Das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Sorgen Sie dafür, dass Sie das Blut in Ihren Adern spüren, dass Lebensfreude durch sie hindurch strömt, dass Sie sich körperlich und seelisch-geistig als lebendig wahrnehmen. Wie bemerken Sie, dass Sie am Leben sind? Wodurch können Sie dieses Erleben verstärken? Das darf jeder nach seiner Fasson handhaben.

Wertvolle Gelegenheiten sind fast zu alltäglich, um sie zu bemerken: im sinnlichen Erleben beim Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören und Sehen. Nutzen wir z.B. unsere Nahrungsaufnahme in diesem Sinne, indem wir den Duft der Speisen in uns aufnehmen, ihre Beschaffenheit im Mund erspüren und ihren Geschmack auf uns einwirken lassen.

Körperliche Betätigung ist eigentlich eine einfache Chance, sich als lebendig wahrzunehmen. Leider, leider werden wir von Kleinauf dazu gedrillt, mehr auf das Steigern der Leistung zu achten, als auf unser leibliches Empfinden. Wir schalten die Körperwahrnehmung beim Sport eher aus. Das ist schade. Vielleicht möchten Sie bei Ihrem nächsten Waldlauf oder beim Radfahren einmal darauf achten, wie sich Ihr Körper anfühlt, während Sie sich bewegen. Wettkampfsport ist für solche Übungen ungeeignet. Sie müssen sich schon auf sich selbst konzentrieren können.

Ich greife gerne auf kraftvolle Musik zurück, die mir direkt in die Beine geht und mich zum Tanzen auffordert. In meinem ganz persönlichen Tanzstil flattere ich mit Freude und Elan durch den Raum. Dazu brauche ich keine Disko. Das ist Lebendigkeit auf der leiblichen Ebene.

Emotionen sind ebenfalls Ausdruck von Lebendigkeit. Wenn wir ihnen allerdings ausgeliefert sind wie ein Kind, dienen sie uns nicht. Mit fortgeschrittenem Bewusstseinsgrad können wir von ihnen zurücktreten, wie hinter einen tropischen Wasserfall und die vorbeirauschenden Emotionen beobachten. Dann können wir unsere Gemütsregungen einsortieren, bewerten und regulieren. Wir haben eine Emotion. Wir sind nicht diese Emotion.

Falls Sie den Unterschied nicht nachvollziehen können, ist das ein guter Anlass, das Verbinden von Emotionen und Verstand zu kultivieren. Da die innere Abhängigkeit oft ein Ausgeliefertsein an emotionale Regungen ist, schlagen Sie hier zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie werden weniger anfällig für Manipulation und für ein willensschwaches Dazugehörenwollen um jeden Preis.

Licht und Schatten integrieren

Das Regulierenkönnen von Emotionen ist eine Voraussetzung dafür, dass wir uns unseren Schatten zuwenden. Es geht um verdrängte Erlebnisse und um die tief verankerten Rückschlüsse, die wir über uns, unsere Mitmenschen und das Leben an sich daraus gezogen haben. Oft sind dabei heftige Ängste im Spiel. Sofern wie sie regulieren können, muss uns das nicht schrecken.

Für Menschen mit Trauma in der Biografie empfehle ich einen wachen Umgang mit der eigenen Psyche. Nicht jede Methode der Schattenarbeit ist für Sie geeignet. Und nicht jeder „spirituelle Begleiter“ weiß, was er bei Ihnen anrichtet, geschweige denn, wie man bei Bedarf eingreifen kann, um Schaden durch (Re-)Traumatisierungen zu vermeiden. Wenden Sie sich im Zweifel an vertrauenswürdige Fachkräfte.

Sich der Gründe für die Entstehung von selbstschädigenden Glaubenssätzen bewusst zu sein, die Unterschiede zu der Situation heute zu benennen und dabei ganz hart an der Realität zu bleiben, nützt Ihnen mehr als eine eso-mäßige Friede-Freude-Eierkuchen-Haltung mit Einhörnern und Feenstaub. Unserem Unterbewusstsein können wir nichts vormachen. Hier müssen wir alle in die Tiefe. Finden Sie Ihren Weg dafür. Manche wenden sich an ihr Tagebuch als geduldigen Zuhörer, andere tauschen sich mit einem Freund oder dem Lebenspartner aus. Vorsicht: Er ist nicht Ihr Therapeut! Falls es Rollenverwicklungen gibt, oder Sie den Eindruck gewinnen, der Bewusstseinsprozess nimmt zu viel Raum in ihren privaten Beziehungen ein, verlagern Sie einen Teil der Gespräche in einen professionellen Rahmen.

Wollen Sie parallel Ihr Licht scheinen lassen? Das ist eine gute Idee! Ersetzen Sie die ausgedienten Glaubenssätze durch neue. Entlassen Sie das Alte in Würde und Wertschätzung. Es hatte seinen Zweck zu seiner Zeit. Prüfen Sie mit Ihrem heutigen Weltblick bei neuen Glaubenssätzen kritisch jedes einzelne Wort.

Betrachten wir beispielhaft das Mantra „Ich bin ein wunderbarer Mensch“. Es beinhaltet die Tatsache, dass ich bin. Und dass ich ein Mensch bin. Dagegen kann das Unbewusste kaum etwas einzuwenden haben. Und wenn es Ihrem Empfinden nach passt, ist das Wort „wunderbar“ ganz wunderbar.

Aus meiner Warte fügt es sich hervorragend in diesem Satz: wunder-bar. Ein Wunder wird (offen-)bar. Es entblößt sich vor unseren Augen. Genau. Im Menschsein wird ein Wunder offenbar. Jede Zelle in mir nickt. Wenn das bei Ihnen ebenso ist, passt der Satz für Sie. Sonst formulieren Sie ihn so lange um, bis Sie dem Wortlaut guten Herzens wirklich zustimmen können.

Gleichgesinnte finden

Durch viele Freundschaften gehen Risse. Häufig tritt jetzt deutlich zutage, was schon länger nicht mehr ganz gepasst hat. Klärungen führen manchmal zum tieferen Verständnis oder zur Einsicht, dass eine Trennung ansteht. Leider sind die Fronten zuweilen so verhärtet, dass Sprechen keine Lösung bringt. Mitgefühl und Verständnis können nur wirksam werden, wenn die Bereitschaft da ist, die Sicht des anderen zumindest einen kurzen Moment lang einzunehmen. Diesen Perspektivenwechsel zu wagen und die eigene Blickrichtung zu ändern, ist ein mutiger Akt.

Dennoch liegt es nicht immer an Feigheit, wenn jemand diesen Schritt nicht geht. Aus psychologischer Sicht gehört ein „Mentalisierungsgrad“ dazu, der einen bestimmten Bewusstseinsstand erfordert. Und dieser ist nicht selbstverständlich. Im Gegenteil.

Sehr viele Menschen wurden als Kind daran gehindert, diese natürliche Fähigkeit zu entwickeln. Sie bleiben in ihren Emotionen stecken und kommen nicht an den Punkt, Ihren Verstand vernünftig zu gebrauchen. Schlimmer noch: Sie wissen nichts von diesem Unvermögen und man kann ihnen kaum vermitteln, was Ihnen fehlt. Weil es um eine andere Dimension des Bewusstseins geht.

Der griffigste Vergleich, den ich dazu gehört habe, war ein Bild: Eine Linie weiß nicht, wie es ist, eine Fläche zu sein, und eine Fläche hat keine Ahnung vom Würfel.

Wenn Sie eine Fläche sind, seien Sie bitte gnädig mit den Linien um Sie herum. Während Sie als Fläche eine Linie begreifen, weil sie selbst aus Linien bestehen, wird die eindimensionale Linie mit der zweiten Dimension nichts anfangen können. Prüfen Sie, ob Sie sich auf weniger Dimensionen beschränken wollen, um eindimensionale Menschen in Ihrem Leben zu behalten. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass sie sich weiterentwickeln werden. Die Entscheidung kann durchaus zukunftsträchtig sein, wenn der Abstand nicht zu groß ist.

Als Würfel werden Sie Freundschaften mit anderen Würfeln, mit Quadern, mit Kugeln und mit Kegeln entspannen und anregen. Verbindungen mit Flächen – egal ob Quadrat, Kreis oder Dreieck – sind eine Herausforderung und bedürfen einer Beschränkung Ihrerseits. Mit Linien – ganz gleich ob sie geschwungen oder kerzengerade verlaufen – werden Sie viel Energie zur Überwindung der Differenz aufbringen müssen. Ihr eigenes Wachstum fördern solche Beziehungen natürlich nicht. Falls Sie sich noch ein bisschen verausgaben wollen, nur zu!

Es gibt so etwas wie „spirituelle Arroganz“, die einen in kraftraubenden Auseinandersetzungen hält: Man aalt sich in Überlegenheit und freut sich am eigenen fortgeschrittenen Zustand, während man auf andere herabblickt, die anscheinend noch nicht so weit sind. Entweder man schweigt und bedauert den anderen. Oder man versucht ihn zu belehren. So richtig fortgeschritten sind beide Verhaltensweisen nun auch nicht…

Ich setze auf das kluge Haushalten mit meinen Ressourcen. Meine Energie ist begrenzt. Gerade in anstrengenden Zeiten wähle ich mit Bedacht, wem ich meine Aufmerksamkeit schenke und lasse Energieräuber nicht zum Zug kommen – weder beruflich noch privat. Wenn ich einmal von meinem Grundsatz abweiche, erinnert mein Körper mich freundlicherweise an die erforderliche Kurskorrektur mithilfe von signalträchtigen Beschwerden.

Nicht immer muss eine Trennung die Folge eines Entwicklungsunterschieds sein. Entwicklungen laufen nun mal nicht synchron. Manchmal reicht es, eine kleine Beziehungspause einzulegen, etwas auf Abstand zu gehen oder die Frequenz der Kontakte zu verringern.

Bei einer ganzen Menge von Menschen wird genau aus diesen Gründen gerade jetzt Zeit und Energie frei für neue Verbindungen. Finden Sie ein Umfeld, das heute zu Ihnen passt. Gestalten Sie mit diesen Menschen Ihre Gegenwart und legen Sie gemeinsam mit ihnen Grundsteine für eine glückliche, freie und selbstbestimmte Zukunft. 

Ich sammle derzeit Menschen um mich, welche die Einzigartigkeit des Menschen ehren und die in Gemeinschaften leben wollen, in denen jeder er selbst sein kann, um seine einzigartigen Gaben zum Wohle aller in die Welt zu bringen, statt sich stromlinienförmig der Mehrheit anzupassen und in ihr zu verschwinden. Aber das ist nur meine Ausrichtung. Sie finden Ihre eigene.

Stärkungsmittel einsetzen

Finden Sie, was Sie nährt – im übertragenen Sinne, aber nicht nur. In Krisenzeiten denken wir leider viel zu selten an die einfachsten Dinge.

Füttern Sie Vitamine und Mineralien zu, damit nicht auch noch Ihr Körper im Notstand ist. Ein Multipräparat (bitte ohne künstliche Süßstoffe) nimmt Ihnen zähe Einzelentscheidungen ab. Zumindest im Winterhalbjahr braucht es zusätzlich Vitamin D. 7.000 IE pro Tag dürfen es schon sein. Neben all den körperlichen Vorteilen hebt das Sonnen-Vitamin zusätzlich die Laune. Vitamin C und Magnesium sind großvolumige Substanzen, deshalb sind sie in Multipräparaten grundsätzlich nicht in ausreichender Menge vorhanden. Ergänzen Sie Vitamin C aus pflanzlicher Quelle, z.B. Acerola, und bei Anspannung, Krampfneigung oder Verstopfung zudem Magnesium.

Ihr Körper besteht zu 80 % aus Wasser. Was Sie trinken, wird zum Bestandteil Ihres Leibes – nicht nur im Blut und in der Lymphe, sondern in jeder Zelle und in den Zellzwischenräumen. Wenn wir Getränke in uns hineinschütten, die unser Körper nicht gut aufnehmen kann, bleiben wir trotz großer Menge durstig und die Nährstoffe fehlen. Wählen Sie deshalb ein Wasser von bester Qualität. Falls der Wasserhahn Ihr Zapfhahn ist: Machen Sie sich kundig, was in Leitungswasser enthalten ist, und entscheiden Sie dann bewusst, ob Sie das in Ihrem Körper haben wollen.

Stärkend können je nach Veranlagung Bewegung und/oder Entspannung in unterschiedlichen Gewichtungen sein. Lauschen Sie auf Ihren Körper. Zwingen Sie ihm nicht Ihren Willen auf, sondern betrachten Sie ihn als Verbündeten auf dem Weg in eine gesunde Balance aus Action und Hängematte.

Sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Was für Sie “ausreichend” ist, darf höchst individuell sein. Nicht die Uhr ist die Richtschnur, sondern Ihr persönliches Wohlbefinden. Ohne genügend Schlaf ist jede andere Maßnahme nur halb so wirksam. Der Körper braucht diesen Zustand für die seelische, geistige und körperliche Erholung, zum Genesen und Gesundbleiben. Holen Sie sich bei Bedarf Hilfe. Es lohnt sich.

Bestimmt gibt es Beschäftigungen, die Ihnen wohltun. Für den einen sind das lustige Filme, für den anderen das Telefonat mit der Schwester, ein heißes Bad oder ein Spieleabend unter Freunden. Pflegen Sie diese Kraftspender. Vielleicht schreiben Sie auf, was Ihnen Energie gibt, um bei Bedarf auf Ihre Aufzeichnungen zurückgreifen zu können. Wenn wir es am nötigsten haben, fällt uns oft das Allernaheliegendste nicht ein.

Natur wiederentdecken

Den Begriff Natur hätte ich bei verschiedenen Punkten weiter oben einfügen können. Eine gute Beziehung zur Natur erfüllt gleich mehrere wichtige Aufgaben in dieser Zeit. Der Grund, waarum ich sie einzeln aufführe, liegt im Grundsätzlichen: Natürlichkeit darf sich als Thema durch alle Lebensbereiche ziehen.

Falls Sie sich mit künstlichen Duftstoffen einbalsamieren, ein Mittagessen voller Konservierungs- und Farbstoffe verzehren und den ganzen Tag unter LED-Licht sitzen, ist der Spaziergang im Wald kein hinreichender Ausgleich. Natürlichkeit ist kein punktueller Lifestyle, sondern ein Grundbedürfnis. Richten Sie Ihr Augenmerk darauf, was in Ihrem Leben natürlich ist und was künstlich – vielleicht werden Sie sich wundern.

Wenn wir uns an die Natur halten, gewinnen wir beispielsweise über die Naturheilkunde nicht nur wertvolle Heilmittel, sondern gleichzeitig unser Urvertrauen zurück. In der Natur erleben wir, dass alles vorhanden ist, was wir brauchen. Wir sind gesund oder erfahren Heilung, ohne dass uns die Nebenwirkungen der Medizin umbringen.

Ich möchte und darf niemanden davon abbringen, seine schulmedizinischen Arzneien einfach abzusetzen, das wäre töricht. Stattdessen kann ich Sie ermutigen, gemeinsam mit fachkundiger Unterstützung nach natürlicheren Wegen zu suchen.

Denken Sie, ohne Standard-Therapie ginge es nicht, weil Sie wenig von anderen Methoden hören, die erfolgreich gewesen sind? Dann möchte ich ein persönliches Erlebnis mit Ihnen teilen: Vor einigen Jahren wollte ich in einer Selbsthilfegruppe von meinem eigenen Umgang als Patientin mit einer angeblich unheilbaren Erkrankung berichten. Mir wurde der Mund verboten. Der betreuende Arzt erlaubte es nicht, dass ich mich frei äußere. Seine Begründung: Damit sich niemand „falsche Hoffnungen“ macht und so übermütig wird, ebenfalls nach Auswegen aus der Abhängigkeit von den Produkten der Pharmaindustrie zu suchen. Der Maulkorb hielt mich davon ab, die Gruppe zu besuchen.

Ein Einzelfall? Wohl kaum. Auf allen Ebenen wird zensiert, was das Zeug hält. Das kann ich aus meiner Innensicht nach 10 Jahren Fachjournalismus für Medizin und Gesundheit nur bestätigen. Offen für Naturheilkunde zu sprechen und schulmedizinische Therapien infrage zu stellen, ist der redaktionelle Freitod im Mainstream und ein Eiertanz in den „alternativen“ Medien. Sie lesen praktische keine ehrlichen Meinungen und klaren Stellungnahmen dazu. Auch von mir nicht.

In verschiedenen Lebensbereichen tun wir alle gut daran, uns wieder der Natürlichkeit anzunähern: hinsichtlich der Ernährung, in Fragen der Verhütung, für Ihre Kleidung und Heimtextilien, in Sachen Baubiologie, bezüglich Ihrer Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände und, und, und.

Wie weit wir uns von der Natur entfernt haben, ist für mich erschreckend. Ich bin ein Stadtkind. Für mich waren Erbsen etwas, das in Dosen wächst, und zwar im Verbund mit Möhrchen. Nein, ich will nicht zurück auf den Baum. Hören wir endlich auf, in Schwarz und Weiß zu denken, besinnen wir uns auf fließende Übergänge und organische Entwicklungen, so wie sie in der Natur üblich sind.

Sich Zeit nehmen

Auch und besonders in Krisen brauchen wir Phasen der Ruhe und Erholung, des inneren Wachstums, in denen im Außen noch nicht viel zu sehen ist. Veränderungen gehen manchmal von jetzt auf gleich, oft brauchen sie hingegen Zeit. Üben Sie sich in Geduld. Das geht um so leichter, je überzeugter Sie von der Sinnhaftigkeit einer Veränderung sind. Dann verweilen Sie an der einen oder anderen Stelle ein Bisschen, ohne dem Wahnsinn anheim zu fallen.

Werden Sie sich der Zeit bewusst. Für uns Menschen sind Abläufe und Reihenfolgen wichtige Strukturen, die uns Halt und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Muster zu erkennen, die uns von früher oder aus anderen Zusammenhängen vertraut sind, kann sehr beruhigend wirken.

Stopfen Sie Ihren Tag nicht von früh bis spät mit Verpflichtungen und Erledigungen voll. Gerade jetzt brauchen Sie vielleicht mehr Raum für Rückzug. Nehmen Sie sich diesen. Ja, ich weiß: Es brennt überall und Sie müssen löschen. Doch Sie hetzen mit einem löchrigen Eimer umher, statt ihn erst einmal zu reparieren oder auszutauschen und dann viel geordneter weiterzumachen. Womöglich bemerken Sie dann, dass noch andere Menschen mit Eimern unterwegs sind, mit denen Sie sich zusammentun können.

Die Zeitqualität zwingt uns ins Bekennen von Eigenem. Kompromisse werden immer schwieriger durchzuhalten. Ob wir das wollen oder nicht, gehen wir kollektiv in die Aufrichtigkeit. Jeder in seinem eigenen Prozess. Das kann anstrengend sein und erfordert ein wachsendes Maß an Bewusstheit. Aber letztlich wird dieser Weg für viele von uns in eine ehrlichere und authentischere Zukunft führen.

Wenn wir mehr bei uns sind und unseren eigenen Werten folgen, wenn es selbstverständlich wird, das Selbst zu verwirklichen, statt fremden Vorstellungen hinterherzulaufen, dann wird unser Sein deutlich leichter, erfüllender und freier. Das wünsche ich uns allen.

Und in der Zwischenzeit? Lassen wir uns einfach nicht verrückt machen.

Text: Petra Weiß
Foto: Bärbel Gast / pixelio.de

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Herzlichen Dank an alle Leser, die meine freiberufliche Tätigkeit durch einen Energieausgleich würdigen. Ich liebe die Arbeit an Texten. Mir macht es Freude, mein psychologisches Wissen, meine Praxis-Erfahrungen und meine Überlegungen mit Ihnen zu teilen. Gleichzeitig habe auch ich alltägliche Bedürfnisse wie ein Dach über dem Kopf und etwas Sojasahne im Kühlschrank. Daher bitte ich Sie, freiwillig einen angemessenen Energieausgleich zu leisten:

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Die Spinne in der Yucca-Palme. Moderne Märchen für Erwachsene

Vielleicht erinnern Sie sich an die 1980er Jahre. Damals kamen schaurige Geschichten in Mode, die unsere Urängste angesprochen haben und für Gänsehaut am Lagerfeuer sorgten. Eine solche Mär war die Vogelspinne, die je nach Lesart entweder in einer Palme oder in einer Bananenstaude ins heimische Wohnzimmer fand und dort zunächst unentdeckt blieb.

Die Botschaft solcher Gruselgeschichten lautet: “Überall lauert Gefahr. Selbst dort, wo Du Dich sicher fühlst.” Auch wenn ich einer Erzählkunst mit überraschenden Wendungen im Sinne ihres Unterhaltungswertes einiges abgewinnen kann, sehe ich die Dramaturgie aus meiner psychologischen Warte mit wachsamem Blick. Und ich erkenne das Muster heute rings um mich her wieder.

Als Traumatherapeutin weiß ich, dass Gefahren unsere ganze Aufmerksamkeit binden. Darauf haben wir keinen Einfluss. Das hat die Natur für unser Überleben so eingerichtet. Ob es tatsächlich eine Bedrohung gibt, oder ob wir uns nur an ihrem Schauer ergötzen, spielt für das Nervensystem und für die Ausschüttung von Stresshormonen keine Rolle. Auf die biochemischen Auswirkungen bin ich an anderer Stelle bereits eingegangen. Hier will ich mich weiteren Gesichtspunkten widmen.

Narrative lenken unser Bewusstsein. Dafür können wir uns entscheiden. Wir können unser Bewusstsein aber auch auf ganz andere Gedankeninhalte richten. Das liegt in unserer Macht. Wem wir zuhören, was wir lesen, mit welchen Gedanken wir uns im Weiteren auseinandersetzen, ist unsere freie Wahl. Wenn unser Trauma aber erst einmal getriggert ist, kostet es uns viel mehr Energie und Achtsamkeit, um uns aus dem Strudel von Emotionen, Körperempfindungen und Gedanken wieder zu befreien. Manchmal bleiben wir dann im Alarmzustand von einem Angst-Kick bis zum nächsten und kommen gar nicht mehr zur Ruhe.

Wir können uns in ein Trauma regelrecht hineinschrauben. Aber wir müssen das nicht. Wenn wir stattdessen in einem Zustand der Stärke bleiben wollen, wenden wir uns stärkenden Inhalten zu. Das ist für jeden etwas anderes. Der eine schöpft Kraft aus seiner Arbeit, der andere aus seiner Familie, aus seinem Sport oder aus der Natur. Viele wenden sich in harten Zeiten einer Glaubensgemeinschaft zu, auch wenn wir diese nicht als religiös im Wortsinne bezeichnen würden. Sie glauben an etwas oder an jemanden, um Sicherheit und Halt zu gewinnen. Ich freue mich für jeden, bei dem das auf Dauer wirklich funktioniert.

Sich aus weiteren Geschichten mit Hoffnung zu speisen, hat Risiken und Nebenwirkungen. Sie können nämlich zutreffen oder auch nicht. Aus Erfahrung kann ich Ihnen raten, die tatsächlichen Zustände dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Sich in eine wunderbare Welt hineinzuträumen, mag zwar aus einem esoterischen Blickwinkel hilfreich sein. Und ich schließe gar nicht aus, dass wir so eine Schwingungserhöhung für den Planeten erzeugen. Mein Handwerk ist aber nicht die Esoterik, sondern die Psychologie. Und als Fachfrau für das Nervensystem muss ich Ihnen sagen, dass es wichtig ist, mit beiden Beinen auf der Erde zu bleiben. Spannen wir unser Nervensystem durch positives Denken zu sehr in die Friede-Freude-Eierkuchen-Perspektive, dann wird es vollautomatisch zurück schnalzen, wie ein überdehnter Gummi. Autsch, das tut weh.

Besonders ängstliche Menschen sind anfällig für Heilsbringer, Orakel und magische Kalenderdaten. Was ihnen zunächst Entspannung beschert, dient ihnen langfristig oft leider gar nicht. Wenn nämlich das Datum verstreicht, ohne dass das erhoffte goldene Zeitalter nun endlich angebrochen ist. Wenn der Retter sich als ganz normaler Mensch mit eigenen Interessen entpuppt oder wenn das Orakel mit seiner Prophezeiung mal wieder daneben lag. Diese Enttäuschungen sind um so schwerer zu verkraften, je ausschließlicher sich unsere Zuversicht darauf stützte. Wir brauchen also eine Zuversicht, die sich aus unserem Erleben speist und nicht nur aus weiteren Storys.

Beziehen Sie sich in ihren berechtigten Bedürfnis, einen hoffnungsfrohen Glauben zu pflegen, auf reale Erfahrungen mit echten Menschen und eigene spirituelle Erlebnisse. Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Körper. Spüren sie aufmerksam in sich hinein. Nehmen Sie ihre Empfindungen wahr und benennen Sie diese. Verweilen Sie nicht bei unangenehmen Gefühlen, aber verdrängen Sie sie auch nicht. Bleiben Sie in der Haltung eines aufmerksamen Beobachters.

Gruselgeschichten liefern einen Schein-Grund, warum wir uns als ängstlich erleben (dürfen). Dieser Kunstgriff des Unbewussten ist genauso verständlich wie bedenklich. Wenn wir nämlich unsere tatsächlichen Risiken zur Seite schieben und unsere Angst auf etwas ganz anderes richten, bleibt die eigentliche Bedrohung unbeantwortet. Sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen gegen konkrete Risiken zu ergreifen, ist uns dann nicht möglich. Wir sind gefangen in einem Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins. Stattdessen müssen wir in unsere Handlungsfähigkeit zurückfinden, um gut für uns zu sorgen.

In diesen Tagen erleben fast alle Menschen reale Gefahren, derer sie sich mehr oder weniger bewusst sind. Sie haben echte und eingebildete Ängste. Und je mehr wir in Angst sind, desto weiter entfernen wir uns von unserem gesunden Körperempfinden, von unserer klaren Wahrnehmung des Tatsächlichen und von einer Unterscheidungsfähigkeit zwischen theoretischer Möglichkeit und praktischer Wahrscheinlichkeit.

Meine Empfehlung ist eindeutig: Kommen Sie zu sich und beruhigen Sie sich. Sie haben bestimmte Methoden, Ihr Nervensystem zur Ruhe zu bringen. Wenden Sie diese jetzt vermehrt an. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob Sie sich durch Ablenkung beruhigen oder durch Kontakt oder durch naturheilkundliche Mittel wie Bachblüten oder Jin Shin Jyutsu. Sie wissen, was Ihnen dient. Ansonsten lassen Sie sich fachkundig unterstützen.

Bei konkreten Ängsten können Sachinformationen manchmal hilfreich sein. Zahlen, die ein Risiko differenziert darstellen und Ihnen verdeutlichen, wie gering die Gefahr tatsächlich ist, sind dienlich. Finden Sie heraus, wie stark Sie in Wirklichkeit von einer Krankheit, von den Nebenwirkungen einer Therapie, vom Verlust Ihres Arbeitsplatzes oder von Lebensmittelknappheit bedroht sind. Treffen Sie bei Bedarf vernünftige Vorsichtsmaßnahmen, aber beißen Sie sich nicht an einer Fixierung fest, die von nun an Ihr ganzes Leben bestimmt.

Entwickeln Sie einen realistischen Plan B. Immer wieder zeigt sich, dass Plan B bei genauer Betrachtung sogar attraktiver ist als der ursprüngliche Plan. Manchmal sind wir gezwungen, endlich zu tun und zu entscheiden, was sich schon länger als fällig angebahnt hat und noch nicht in die Tat umgesetzt werden konnte. Nehmen Sie Ihr Schicksal im Rahmen Ihrer Möglichkeiten in die Hand, statt auf einen Messias zu warten.

Wenn jeder von uns durch aufrichtiges Handeln seine eigenen Werte in die Welt bringt, gehen wir gemeinsam in eine bessere Zukunft, die weder eine Revolution noch einen Polsprung des Magnetfelds braucht. Warten Sie nicht auf Veränderungen im außen. Forschen Sie in sich, welche Richtung Ihre eigene Entwicklung nehmen soll und gehen Sie beherzt Ihren Weg. Suchen Sie sich passende Weggefährten und ziehen Sie los.

Klingt das gut, aber es fehlt Ihnen der Mut? Auch damit sind Sie nicht allein. Viele meinen, mutig zu sein bedeute, keine Angst zu haben. Das Gegenteil ist der Fall. Menschen ohne Angst sind psychopathisch, nicht mutig. Mut setzt Angst voraus, die man überwindet. Man tut etwas MIT der Angst. Doch, das geht. Wir müssen allerdings genau hinsehen. Sie werden feststellen, dass viele Ängste kleiner werden, wenn wir uns ihnen stellen.

Stellen Sie sich Ihrer Angst vor dem Tod. Denn darum geht es in letzter Konsequenz bei fast allen Ängsten. Das schlimmste was passieren kann, ist das Sie sterben. „Na, und?“ möchte ich Ihnen ein wenig fatalistisch zurufen. Das wird sowieso eines Tages geschehen. Ganz sicher. 100 %. Finden Sie vor diesem Hintergrund und in diesem Zusammenhang einen Glauben, der Ihnen dient, das Leben zu leben. Ihr Leben.

Text: Petra Weiß
Foto: Daniel Bleyenberg / pixelio.de

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Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

Peinlich, peinlich…

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Haben Sie sich schon einmal geirrt? Echt jetzt? Dann ist Ihnen womöglich ein peinlicher Fehler passiert. Damit kann man Sie im Nachhinein wunderbar manipulieren. In unserer Gesellschaft tun wir ja oft so, als sei es möglich, fehlerfrei durchs Leben zu schreiten.

Na, ja: Das Schreiten sieht eher aus wie ein Eiertanz, wenn man versucht, um jedes Fettnäpfchen herum zu manövrieren. Das geht natürlich nicht. Wir sind Menschen. Wir machen nun mal Fehler. Durch Lernen kann daraus Entwicklung entstehen.

Aus Ihrem schamvollen Aberglauben, unfehlbar sein zu müssen, kann Ihr Gegenüber einen Vorteil ziehen. Jemanden mit seinen früheren Verfehlungen zu konfrontieren, um ihm jedwede Kompetenz abzusprechen, ist ein beliebtes Totschlag-Argument in trickreichen Wortgefechten (“unfair warfare”).

In der Reihe “Sie baden gerade Ihr Gehir darin…” hangeln wir uns an den rhetorischen Kunstgriffen entlang, die Arthur Schopenhauer den Diskussionen antiker Philosophen entnommen hat. Er hat sie in seinem Buch „Die Kunst Recht zu behalten“ niedergeschrieben.

Bereits erschienen sind die Beiträge

Scheinargumente mit Tradition

All-gemeine Argumente.

Ups falsch verstanden…?

Beweise, die keine sind

Kopfsalat statt Spinat

In der letzten Ausgabe haben wir gesehen, wie hilfreich es für eine tückische Gesprächsführung ist, den anderen emotional in Wallung zu bringen.

Zur Veranschaulichung der Kunstgriffe zeigen wir die Tricks anhand einer alltäglichen Szene auf, die sich in vielen Familien so oder ähnlich schon zugetragen hat: dem Machtspiel um die Ernährung. Ein Kind soll Spinat essen und will das partout nicht.

Wenn man einen schönen Wutausbruch sehen will, hat es sich bewährt, aus Einzelfällen Verallgemeinerungen abzuleiten, die nicht schicklich für den anderen sind.

Gibt die Mutter zu „Als du klein warst, hast du den Möhrenbrei immer wieder ausgespuckt. Später hat sich herausgestellt, dass du gegen Möhren allergisch bist.“ hat der Sprössling sie am Schlafittchen: „Wir wissen ja schon, dass ich bei dir gegen meinen Willen Sachen essen muss, die ungesund für mich sind.“

So eine Anekdote eignet sich für den Dauergebrauch. Sie lässt sich pausenlos aufs Butterbrot schmieren und verdirbt der Mama vor lauter schlechtem Gewissen den Appetit auf weitere Diskussionen.

Falls Sie mit solchen Taktiken Bekanntschaft machen, wechseln Sie auf die Meta-Ebene und sprechen Sie den falschen Rückschluss als solchen an: „Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Du hattest in diesem Punkt Recht und ich hatte Unrecht. Das bedeutet aber nicht, dass Du nun immer im Recht bist und dass alles, was ich ab jetzt sage, falsch sein wird.“

Text: Petra Weiß
Foto: Elisabeth Patzal / pixelio.de

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