Wie wir es schaffen, nicht verrückt zu werden.

Das Leben ist dieser Tage für viele Menschen turbulent. Alles, was nicht echt ist, bricht jetzt weg. Das betrifft falsche Selbstbilder, unpassende Beziehungen und Umfelder – privat wie beruflich. Wer sich schon länger in Richtung seines Selbst entwickelt, erfährt einen kräftigen Schub auf seiner Bahn.

Während wir früher den Ruf zur Entwicklung durch Ablenkung oder Sturheit überhören konnten, drängen sich unsere heiklen Themen jetzt zunehmend so in den Vordergrund, dass sie gesehen werden.

Für mich ist das Gegenwärtige mehr Erleichterung als Herausforderung. Früher war ich ein Außenseiter mit meinem merkwürdigen Bestreben nach Selbsterkenntnis und Selbstausdruck. Plötzlich ist die Menschheit in weiten Teilen unterwegs, sich auf ebendiese Pfade zu begeben. Ich habe einen kleinen Vorsprung, daher treffen mich die Notwendigkeiten nicht ganz unvorbereitet und ich kann meinen Mitmenschen helfen, gut durch diese „spirituelle Geburt“ zu kommen.

Für den einen ist es ein kurzer schmerzhafter Flutsch, für den anderen eine langwierige Zangengeburt. Der Prozess kann linear oder in Wellen verlaufen. Manchmal pausiert er unerträglich lange, um dann ohne Vorwarnung wieder Fahrt aufzunehmen. Jeder hat seine eigene Dynamik. Die Menschen brauchen ganz unterschiedliche Auslöser, um sich in Bewegung zu setzen. Das Geschehen ist höchst individuell. Und doch ist das eine Entwicklung, die die gesamte Menschheit betrifft. Wir müssen da jetzt alle durch. Niemand bleibt in der Gebärmutter zurück. Da hilft kein Zaudern und kein Wehklagen, aber auch kein Augenschließen und Wegignorieren. Es geht nicht nur los, sondern wir sind mittendrin. Und es gibt kein Zurück mehr in den bequemen Schoß der Mutti.

Vielleicht wissen Sie etwas über Ihren eigenen Start ins Leben. Der Geburtsvorgang kann Ihnen als Orientierung dienen, wie Umbrüche bei Ihnen im Allgemeinen ablaufen. Meine Mutter und ihr Mann haben versucht, meine Niederkunft zu beschleunigen, indem sie mit einem Sportwagen über Schotterpisten gefahren sind. Sie mögen ihre Gründe gehabt haben, die ihnen damals sinnvoll erschienen. Davon habe ich mich nicht beeindrucken lassen. Ich kam auf die Welt als ich dazu bereit war. Und dann ging alles rasend schnell.

Die Krisen in meinem späteren Leben habe ich auf ähnliche Weise gemeistert: Ich lasse mich nicht drängen. Ich spüre, wann für mich der rechte Zeitpunkt ist, und dann lege ich meine ganze Energie in die Veränderung, die in der Regel rasch und ohne große Komplikationen vonstatten geht. Im Gegenteil: Meistens fügen sich die äußeren Umstände wie schicksalshaft geführt genau so wie ich es für mein Voranschreiten brauchen kann. Darauf vertraue ich in den letzten Jahren immer mehr: Wenn ich die Dinge so handhabe, wie sie mir und meinem Naturell entsprechen, arrangiert sich das Universum freundlich und wohlwollend um mich herum 🙂

Welche Weise der Krisenbewältigung zu Ihnen passt, finden Sie heraus, indem Sie Ihr bisheriges Leben betrachten. Gehen Sie in Ihrer ureigenen Art auf die Dinge zu – nicht in meiner.

Aus meiner Erfahrung und aus meinem Fachwissen möchte ich Ihnen eine ganze Reihe von Tipps geben, die in dieser Phase des äußeren Chaos zu innerer Stabilität beitragen können. Wählen Sie daraus, was Ihnen entspricht.

Die Verbindung zwischen Körper, Seele und Geist stärken

Werden Sie sich Ihrer Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken bewusst. Benennen Sie sie. Achtsamkeitsübungen oder die Arbeit mit einem Verfahren aus der Körper(psycho)therapie wie z.B. Somatic Experiencing sind dabei hilfreich. Als alltägliche Unterstützung ist es empfehlenswert, das eigene Gewicht zu spüren bzw. die Kraft, die ihm entgegensteht.

Bemerken Sie zum Beispiel beim Sitzen oder im Stehen, wo die Schwerkraft erlebbar ist: am Gesäß oder in den Fußsohlen. Gravitation ist das Verlässlichste auf unserem Planeten. Sie ist immer da. Unser gesamtes System erhält die Botschaft von Stabilität, sobald wir uns der Schwerkraft körperlich gewahr werden.

Das klingt in Ihren Ohren möglicherweise banal, ist aber ein äußerst praktischer Schlüssel zu mehr Körperbewusstsein. Mit Ihrem Bewusstsein in Ihrem Körper verankert zu sein, ist die Grundlage für wesentliche Fähigkeiten, die Sie noch brauchen werden, z.B. eine gute Selbstfürsorge, den Zugang zu Ihrer Intuition sowie die Unterscheidung von Wahrheit und Lüge.

Das Energiesystem regulieren

Jede noch so einfache Möglichkeit, das Energiesystem in Balance zu bringen, dient Ihrem Körper, Ihrer Seele und Ihrem Geist. Diese drei Ebenen des Seins sind über die Energie miteinander verbunden. Ob Sie sich zu Jin Shin Jyutsu (JSJ), zu Qi-Gong, zu Reiki oder einer anderen Energiearbeit hingezogen fühlen, spielt eine untergeordnete Rolle. Probieren Sie aus, was Ihnen wohltut.

Zusätzlich zum gesundheitlichen Nutzen und zur Wirkung auf Ihre Persönlichkeitsentwicklung dient Ihnen das Ausüben einer Heilkunst in Selbsthilfe dazu, in eine handlungsfähige und tatkräftige Verfassung zu kommen.

Nein, das ist kein aufwändiges Studium. Wenn Sie gar nichts anderes machen wollen, dann nehmen Sie sich drei Minuten Zeit und lesen Sie nur, welcher Finger im JSJ für welche Emotion steht. Daran erkennen Sie kinderleicht, welchen Griff Sie brauchen. Und dann: Halten Sie einfach den entsprechenden Finger. Dabei werden auf natürliche Weise und ohne weiteres Zutun die Meridiane harmonisiert, die gerade aus dem Gleichgewicht sind.

Sich gegen schädliche Einflüsse abschirmen

Oft wollen Leute von mir hören, was Sie für sich tun können. Im ersten Schritt müssen Sie aufhören, etwas gegen sich zu tun und sich vor schädlichen Einflüssen wirksam schützen. Erst, wenn Störendes ausgeschaltet sind, wenden wir uns dem Fördern von Stärkendem zu.

Für den einen bedeutet das, den Kontakt zu bestimmten Menschen zu beenden oder deutlich zu vermindern. Der andere tropft etwas von der Bachblüte Centaury in die Körpermilch oder ins Badewasser. Oder Sie berühren Ihre Ellbogen wie beim Verschränken der Arme, um sich energetisch abzugrenzen. Dieser Trick entstammt dem Jin Shin Jyutsu.

Prüfen Sie, ob Ihre Gewohnheiten Ihnen noch dienen. Falls ja: gut. Falls nein: Üben Sie sich im Loslassen. Wie kann das gehen? Gewohnheiten haben eine starke Tendenz, sich weiter verfestigen zu wollen. Wir müssen uns bewusst dafür entscheiden, sie zu verabschieden. Sonst wird das nichts. Und dann ist es noch schwierig genug. Nutzen Sie bewährte Hilfen zum Loslassen aus der Naturheilkunde (z.B. Bachblüten: Walnut oder JSJ: Innen- und Außenseite der Knöchel halten), Trennungs-Rituale und andere Unterstützungen, die Ihnen passend erscheinen.

Mit einem Beispiel will ich dazu beitragen, dass Sie sich vorstellen können, wie man eine Veränderung von Gewohnheiten im ersten Schritt angehen kann: die Frage nach dem rechten Maß beim Alkohol-Genuss. Sie taucht mit zunehmendem Bewusstseinsstand bei den meisten Menschen irgendwann auf. Dieselben Überlegungen können Sie natürlich mit allen anderen Gewohnheiten anstellen:

Wir starten mit direkten Fragen, beispielsweise: Wie bekommt es Ihnen, abends Wein zu trinken? Oder: Welche Menge tut Ihnen wohl? Lassen Sie ich Zeit. Probieren Sie verschiedene Antworten aus. Befragen Sie nicht nur Ihren Bauch, der Lust und Unlust spürbar macht, sondern auch Ihren Kopf, der die Kategorien “richtig” und “falsch” überprüft. Am Ende entscheidet das Herz unter Berücksichtigung von Bauch und Herz, ob etwas für Sie “gut” oder “schlecht” ist. Alle Ebenen haben ihre Berechtigung.

Grundsätzlich bin ich dafür, selbst bei klarem Geist zu bleiben, statt mir Drinks mit “Geist” einzuverleiben. Manchmal kann es notwendig erscheinen, sich die Sinne ein bisschen zu vernebeln. Der eine macht das mit Arbeit, der andere mit Netflix, der nächste mit Rauschmitteln. Es mag Lebensumstände geben, die erträgt man nur im Suff. Darüber dürfen wir nicht urteilen. Andererseits gibt es Asketen, die sich jeden Genuss verbissen verwehren. Sie sind vielleicht ein Muster an Selbstdisziplin, doch es entgeht Ihnen lebendige Sinnlichkeit.

Ganz gleich, wie Sie das handhaben wollen, treffen Sie diese Entscheidung bewusst.

Alkohol ist ein Nervengift. Sein Abbau hat Vorrang gegenüber allen anderen Verdauungsprozessen. Egal, was Sie gegessen oder getrunken haben – ZUERST kümmert sich Ihre Leber immer um den Alkohol. Falls Ihre Nerven gerade gut in Form sind und Ihre Entgiftung sonst wenig zu tun hat, können Sie sich das leisten. Sonst wäre ich eher zurückhaltend.

A propos Entgiften: Auf jeden Fall lohnt es sich, den Medienkonsum zu überdenken. Was Ihnen Angst einflößt, Sie in Empörung versetzt oder Sie auf das Maß eines Dreijährigen zusammenschrumpfen lässt, dient nicht Ihrer Stabilität.

Giftig sind zahlreiche Dinge, die wir täglich gedankenlos zu uns nehmen. Sie glauben, der Verbraucherschutz verhindert das? Leider nein. Er regelt nur, wie die Gifte gekennzeichnet werden müssen, damit die Hersteller aus der Haftung sind. Bringen Sie in Erfahrung, welche Zutaten in Ihrer Nahrung, welche Inhaltsstoffe in Ihren Pflege- und Reinigungsprodukten enthalten sind. Gehen Sie Schritt für Schritt dazu über, Schädliches gegen gesündere Varianten auszutauschen. Dabei hat es sich bewährt, einige Dinge selbst herzustellen. Das ist vielmals leichter als man denkt. Dadurch verfolgen Sie gleichzeitig Ihr Bestreben nach Autonomie.

Unabhängigkeit fördern

Aus psychotherapeutischer Sicht ist jede Bewegung in die Handlungsfähigkeit ein Gewinn. Je weniger wir dabei von äußeren Umständen abhängig sind, desto tiefgreifender ist das „Ich kann“-Erlebnis. Wählen Sie, in welchem Lebensbereich Sie starten wollen. Vielleicht stellen Sie eine Salbe her, oder Sie machen Ihr Waschmittel selbst.

Von meinem Verlustgefühl hinsichtlich des Besuchs im Italienischen Restaurant habe ich mich befreit, indem ich gelernt habe, super lecker Pizza zuzubereiten. Ganz nebenbei kann ich Zutaten weglassen, gegen die ich allergisch bin und vertrage den Genuss noch besser.

Nicht jeder hat alle Möglichkeiten, die folgenden Ideen in seinem Leben direkt umzusetzen. So ist die Auflistung nicht gedacht. Sie soll Anregungen geben, etwas im eigenen Wirkungskreis zu finden, das sich verändern lässt. Sämtliche Beispiele entstammen dem echten Leben:

    • Ein Mann, dessen Spinning-Kurs nicht mehr stattfindet, stellt sein Fahrrad zu Hause auf ein Band und trifft sich online zum Sport mit Freunden.
    • Eine Frau, die nicht mehr ins Schwimmbad gehen kann, errichtet einen kleinen Schwimmteich im Garten.
    • Ein Mann, der seine Kino-Besuche vermisst, legt sich für sein Heimkino eine Popcorn-Maschine zu.
    • Eine Frau, die ihre Freundinnen-Treffen im Café entbehrt, backt und lädt Mädels zu sich ein.
    • Ein Paar, das nicht mehr im Supermarkt einkaufen kann, findet einen freundlichen Hofladen in Bio-Qualität.
    • Ein Paar, dessen Friseur “auf Weltreise” ist, lässt die Haare wachsen und entwickelt kreative Varianten des Stylings.
    • Eine Frau, die nicht mehr Kleider shoppen gehen kann, gründet einen privaten Kleiderkreisel.
    • Ein Mann, der sich um die Grundversorgung sorgt, sammelt Regenwasser, erzeugt Strom und legt Holz für den Winter zurück.
    • Eine Frau, die Angst vor leeren Lebensmittelregalen hat, lernt wie man Gemüse einkocht.
    • Ein Paar, das sich vor unterbrochenen Lieferketten fürchtet, betreibt neuerdings Permakultur.
    • Ein Paar, das den Weihnachtsmarkt vermisst, lädt Freunde zu Glühwein und Bratäpfeln bei Adventsmusik und Kerzenschein ein.

Verstehen Sie das Prinzip? Es gibt immer eine Lösung, wenn wir pfiffig und anpassungsbereit sind. Manch scheinbare Notwendigkeit ist im Lichte betrachtet viel entbehrlicher als gedacht.

Wenn Sie natürlich glauben, vom Besuch öffentlicher Veranstaltungen hinge Ihr Lebensglück ab, kann man Sie damit ganz schön unter Druck setzen. Fragen Sie stattdessen doch mal im Freundeskreis herum, wer einen modernen Fernseher mit 3D-Technik hat (und wer eine Popcorn-Maschine!), wer ein Musikstück für Sie aufführen würde oder eine Weinprobe organisiert. Womöglich werden Sie feststellen, dass so eine private Gemeinschaft im kleinen Kreis viel persönlicher ist als die Anonymität in der SAP-Arena.

Natürlich sind wir von manchen Dingen abhängig, zum Beispiel davon, Luft zu atmen. Wenn wir das lassen, sterben wir. Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge, Gähnen Sie herzhaft und genießen Sie die Fülle in Ihren Lungen. „Is klar“ werden Sie vielleicht sagen. Sie wissen ja, dass Sie atmen können. Das reicht nicht. Machen Sie es. Und atmen Sie bewusst. Ihr Körper muss die Fülle praktisch erleben, damit diese Wahrheit bei Ihnen leiblich ankommt. Sonst glauben Sie womöglich noch, jemand dürfe Ihnen aus irgendwelchen absurden Gründen den Mund zuhalten…

Falls Sie in einer „Ich-kann-nicht“-Schleife gefangen sind, lassen Sie sich trösten: Ja, wir werden alle sterben. Und dagegen kann man nicht das Geringste tun. Das erscheint für viele betrüblich. Man darf die eigene Sterblichkeit und die der anderen betrauern. So lange wir aber noch auf der Erde sind, nehmen wir das Leben in die Hand – so gut es eben geht. Und ein bisschen geht meistens.

Wenn man ihn lässt, zeigt der Körper ganz von selbst, dass er Regungen hat, die dem Leben dienen wollen. Sogar währende wir uns in einem Zustand der Starre befinden, gibt es lebendige Anteile, die sich durch Bewegungsimpulse zeigen. Heben Sie nur den kleinen Finger, sobald Sie den körperlichen Impuls dazu verspüren. Nicht früher. Der Impuls kommt. Keine Sorge.

Lebendiges Leben erleben

Gibt es ein Leben vor dem Tod? Das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Sorgen Sie dafür, dass Sie das Blut in Ihren Adern spüren, dass Lebensfreude durch sie hindurch strömt, dass Sie sich körperlich und seelisch-geistig als lebendig wahrnehmen. Wie bemerken Sie, dass Sie am Leben sind? Wodurch können Sie dieses Erleben verstärken? Das darf jeder nach seiner Fasson handhaben.

Wertvolle Gelegenheiten sind fast zu alltäglich, um sie zu bemerken: im sinnlichen Erleben beim Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören und Sehen. Nutzen wir z.B. unsere Nahrungsaufnahme in diesem Sinne, indem wir den Duft der Speisen in uns aufnehmen, ihre Beschaffenheit im Mund erspüren und ihren Geschmack auf uns einwirken lassen.

Körperliche Betätigung ist eigentlich eine einfache Chance, sich als lebendig wahrzunehmen. Leider, leider werden wir von Kleinauf dazu gedrillt, mehr auf das Steigern der Leistung zu achten, als auf unser leibliches Empfinden. Wir schalten die Körperwahrnehmung beim Sport eher aus. Das ist schade. Vielleicht möchten Sie bei Ihrem nächsten Waldlauf oder beim Radfahren einmal darauf achten, wie sich Ihr Körper anfühlt, während Sie sich bewegen. Wettkampfsport ist für solche Übungen ungeeignet. Sie müssen sich schon auf sich selbst konzentrieren können.

Ich greife gerne auf kraftvolle Musik zurück, die mir direkt in die Beine geht und mich zum Tanzen auffordert. In meinem ganz persönlichen Tanzstil flattere ich mit Freude und Elan durch den Raum. Dazu brauche ich keine Disko. Das ist Lebendigkeit auf der leiblichen Ebene.

Emotionen sind ebenfalls Ausdruck von Lebendigkeit. Wenn wir ihnen allerdings ausgeliefert sind wie ein Kind, dienen sie uns nicht. Mit fortgeschrittenem Bewusstseinsgrad können wir von ihnen zurücktreten, wie hinter einen tropischen Wasserfall und die vorbeirauschenden Emotionen beobachten. Dann können wir unsere Gemütsregungen einsortieren, bewerten und regulieren. Wir haben eine Emotion. Wir sind nicht diese Emotion.

Falls Sie den Unterschied nicht nachvollziehen können, ist das ein guter Anlass, das Verbinden von Emotionen und Verstand zu kultivieren. Da die innere Abhängigkeit oft ein Ausgeliefertsein an emotionale Regungen ist, schlagen Sie hier zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie werden weniger anfällig für Manipulation und für ein willensschwaches Dazugehörenwollen um jeden Preis.

Licht und Schatten integrieren

Das Regulierenkönnen von Emotionen ist eine Voraussetzung dafür, dass wir uns unseren Schatten zuwenden. Es geht um verdrängte Erlebnisse und um die tief verankerten Rückschlüsse, die wir über uns, unsere Mitmenschen und das Leben an sich daraus gezogen haben. Oft sind dabei heftige Ängste im Spiel. Sofern wie sie regulieren können, muss uns das nicht schrecken.

Für Menschen mit Trauma in der Biografie empfehle ich einen wachen Umgang mit der eigenen Psyche. Nicht jede Methode der Schattenarbeit ist für Sie geeignet. Und nicht jeder „spirituelle Begleiter“ weiß, was er bei Ihnen anrichtet, geschweige denn, wie man bei Bedarf eingreifen kann, um Schaden durch (Re-)Traumatisierungen zu vermeiden. Wenden Sie sich im Zweifel an vertrauenswürdige Fachkräfte.

Sich der Gründe für die Entstehung von selbstschädigenden Glaubenssätzen bewusst zu sein, die Unterschiede zu der Situation heute zu benennen und dabei ganz hart an der Realität zu bleiben, nützt Ihnen mehr als eine eso-mäßige Friede-Freude-Eierkuchen-Haltung mit Einhörnern und Feenstaub. Unserem Unterbewusstsein können wir nichts vormachen. Hier müssen wir alle in die Tiefe. Finden Sie Ihren Weg dafür. Manche wenden sich an ihr Tagebuch als geduldigen Zuhörer, andere tauschen sich mit einem Freund oder dem Lebenspartner aus. Vorsicht: Er ist nicht Ihr Therapeut! Falls es Rollenverwicklungen gibt, oder Sie den Eindruck gewinnen, der Bewusstseinsprozess nimmt zu viel Raum in ihren privaten Beziehungen ein, verlagern Sie einen Teil der Gespräche in einen professionellen Rahmen.

Wollen Sie parallel Ihr Licht scheinen lassen? Das ist eine gute Idee! Ersetzen Sie die ausgedienten Glaubenssätze durch neue. Entlassen Sie das Alte in Würde und Wertschätzung. Es hatte seinen Zweck zu seiner Zeit. Prüfen Sie mit Ihrem heutigen Weltblick bei neuen Glaubenssätzen kritisch jedes einzelne Wort.

Betrachten wir beispielhaft das Mantra „Ich bin ein wunderbarer Mensch“. Es beinhaltet die Tatsache, dass ich bin. Und dass ich ein Mensch bin. Dagegen kann das Unbewusste kaum etwas einzuwenden haben. Und wenn es Ihrem Empfinden nach passt, ist das Wort „wunderbar“ ganz wunderbar.

Aus meiner Warte fügt es sich hervorragend in diesem Satz: wunder-bar. Ein Wunder wird (offen-)bar. Es entblößt sich vor unseren Augen. Genau. Im Menschsein wird ein Wunder offenbar. Jede Zelle in mir nickt. Wenn das bei Ihnen ebenso ist, passt der Satz für Sie. Sonst formulieren Sie ihn so lange um, bis Sie dem Wortlaut guten Herzens wirklich zustimmen können.

Gleichgesinnte finden

Durch viele Freundschaften gehen Risse. Häufig tritt jetzt deutlich zutage, was schon länger nicht mehr ganz gepasst hat. Klärungen führen manchmal zum tieferen Verständnis oder zur Einsicht, dass eine Trennung ansteht. Leider sind die Fronten zuweilen so verhärtet, dass Sprechen keine Lösung bringt. Mitgefühl und Verständnis können nur wirksam werden, wenn die Bereitschaft da ist, die Sicht des anderen zumindest einen kurzen Moment lang einzunehmen. Diesen Perspektivenwechsel zu wagen und die eigene Blickrichtung zu ändern, ist ein mutiger Akt.

Dennoch liegt es nicht immer an Feigheit, wenn jemand diesen Schritt nicht geht. Aus psychologischer Sicht gehört ein „Mentalisierungsgrad“ dazu, der einen bestimmten Bewusstseinsstand erfordert. Und dieser ist nicht selbstverständlich. Im Gegenteil.

Sehr viele Menschen wurden als Kind daran gehindert, diese natürliche Fähigkeit zu entwickeln. Sie bleiben in ihren Emotionen stecken und kommen nicht an den Punkt, Ihren Verstand vernünftig zu gebrauchen. Schlimmer noch: Sie wissen nichts von diesem Unvermögen und man kann ihnen kaum vermitteln, was Ihnen fehlt. Weil es um eine andere Dimension des Bewusstseins geht.

Der griffigste Vergleich, den ich dazu gehört habe, war ein Bild: Eine Linie weiß nicht, wie es ist, eine Fläche zu sein, und eine Fläche hat keine Ahnung vom Würfel.

Wenn Sie eine Fläche sind, seien Sie bitte gnädig mit den Linien um Sie herum. Während Sie als Fläche eine Linie begreifen, weil sie selbst aus Linien bestehen, wird die eindimensionale Linie mit der zweiten Dimension nichts anfangen können. Prüfen Sie, ob Sie sich auf weniger Dimensionen beschränken wollen, um eindimensionale Menschen in Ihrem Leben zu behalten. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass sie sich weiterentwickeln werden. Die Entscheidung kann durchaus zukunftsträchtig sein, wenn der Abstand nicht zu groß ist.

Als Würfel werden Sie Freundschaften mit anderen Würfeln, mit Quadern, mit Kugeln und mit Kegeln entspannen und anregen. Verbindungen mit Flächen – egal ob Quadrat, Kreis oder Dreieck – sind eine Herausforderung und bedürfen einer Beschränkung Ihrerseits. Mit Linien – ganz gleich ob sie geschwungen oder kerzengerade verlaufen – werden Sie viel Energie zur Überwindung der Differenz aufbringen müssen. Ihr eigenes Wachstum fördern solche Beziehungen natürlich nicht. Falls Sie sich noch ein bisschen verausgaben wollen, nur zu!

Es gibt so etwas wie „spirituelle Arroganz“, die einen in kraftraubenden Auseinandersetzungen hält: Man aalt sich in Überlegenheit und freut sich am eigenen fortgeschrittenen Zustand, während man auf andere herabblickt, die anscheinend noch nicht so weit sind. Entweder man schweigt und bedauert den anderen. Oder man versucht ihn zu belehren. So richtig fortgeschritten sind beide Verhaltensweisen nun auch nicht…

Ich setze auf das kluge Haushalten mit meinen Ressourcen. Meine Energie ist begrenzt. Gerade in anstrengenden Zeiten wähle ich mit Bedacht, wem ich meine Aufmerksamkeit schenke und lasse Energieräuber nicht zum Zug kommen – weder beruflich noch privat. Wenn ich einmal von meinem Grundsatz abweiche, erinnert mein Körper mich freundlicherweise an die erforderliche Kurskorrektur mithilfe von signalträchtigen Beschwerden.

Nicht immer muss eine Trennung die Folge eines Entwicklungsunterschieds sein. Entwicklungen laufen nun mal nicht synchron. Manchmal reicht es, eine kleine Beziehungspause einzulegen, etwas auf Abstand zu gehen oder die Frequenz der Kontakte zu verringern.

Bei einer ganzen Menge von Menschen wird genau aus diesen Gründen gerade jetzt Zeit und Energie frei für neue Verbindungen. Finden Sie ein Umfeld, das heute zu Ihnen passt. Gestalten Sie mit diesen Menschen Ihre Gegenwart und legen Sie gemeinsam mit ihnen Grundsteine für eine glückliche, freie und selbstbestimmte Zukunft. 

Ich sammle derzeit Menschen um mich, welche die Einzigartigkeit des Menschen ehren und die in Gemeinschaften leben wollen, in denen jeder er selbst sein kann, um seine einzigartigen Gaben zum Wohle aller in die Welt zu bringen, statt sich stromlinienförmig der Mehrheit anzupassen und in ihr zu verschwinden. Aber das ist nur meine Ausrichtung. Sie finden Ihre eigene.

Stärkungsmittel einsetzen

Finden Sie, was Sie nährt – im übertragenen Sinne, aber nicht nur. In Krisenzeiten denken wir leider viel zu selten an die einfachsten Dinge.

Füttern Sie Vitamine und Mineralien zu, damit nicht auch noch Ihr Körper im Notstand ist. Ein Multipräparat (bitte ohne künstliche Süßstoffe) nimmt Ihnen zähe Einzelentscheidungen ab. Zumindest im Winterhalbjahr braucht es zusätzlich Vitamin D. 7.000 IE pro Tag dürfen es schon sein. Neben all den körperlichen Vorteilen hebt das Sonnen-Vitamin zusätzlich die Laune. Vitamin C und Magnesium sind großvolumige Substanzen, deshalb sind sie in Multipräparaten grundsätzlich nicht in ausreichender Menge vorhanden. Ergänzen Sie Vitamin C aus pflanzlicher Quelle, z.B. Acerola, und bei Anspannung, Krampfneigung oder Verstopfung zudem Magnesium.

Ihr Körper besteht zu 80 % aus Wasser. Was Sie trinken, wird zum Bestandteil Ihres Leibes – nicht nur im Blut und in der Lymphe, sondern in jeder Zelle und in den Zellzwischenräumen. Wenn wir Getränke in uns hineinschütten, die unser Körper nicht gut aufnehmen kann, bleiben wir trotz großer Menge durstig und die Nährstoffe fehlen. Wählen Sie deshalb ein Wasser von bester Qualität. Falls der Wasserhahn Ihr Zapfhahn ist: Machen Sie sich kundig, was in Leitungswasser enthalten ist, und entscheiden Sie dann bewusst, ob Sie das in Ihrem Körper haben wollen.

Stärkend können je nach Veranlagung Bewegung und/oder Entspannung in unterschiedlichen Gewichtungen sein. Lauschen Sie auf Ihren Körper. Zwingen Sie ihm nicht Ihren Willen auf, sondern betrachten Sie ihn als Verbündeten auf dem Weg in eine gesunde Balance aus Action und Hängematte.

Sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Was für Sie “ausreichend” ist, darf höchst individuell sein. Nicht die Uhr ist die Richtschnur, sondern Ihr persönliches Wohlbefinden. Ohne genügend Schlaf ist jede andere Maßnahme nur halb so wirksam. Der Körper braucht diesen Zustand für die seelische, geistige und körperliche Erholung, zum Genesen und Gesundbleiben. Holen Sie sich bei Bedarf Hilfe. Es lohnt sich.

Bestimmt gibt es Beschäftigungen, die Ihnen wohltun. Für den einen sind das lustige Filme, für den anderen das Telefonat mit der Schwester, ein heißes Bad oder ein Spieleabend unter Freunden. Pflegen Sie diese Kraftspender. Vielleicht schreiben Sie auf, was Ihnen Energie gibt, um bei Bedarf auf Ihre Aufzeichnungen zurückgreifen zu können. Wenn wir es am nötigsten haben, fällt uns oft das Allernaheliegendste nicht ein.

Natur wiederentdecken

Den Begriff Natur hätte ich bei verschiedenen Punkten weiter oben einfügen können. Eine gute Beziehung zur Natur erfüllt gleich mehrere wichtige Aufgaben in dieser Zeit. Der Grund, waarum ich sie einzeln aufführe, liegt im Grundsätzlichen: Natürlichkeit darf sich als Thema durch alle Lebensbereiche ziehen.

Falls Sie sich mit künstlichen Duftstoffen einbalsamieren, ein Mittagessen voller Konservierungs- und Farbstoffe verzehren und den ganzen Tag unter LED-Licht sitzen, ist der Spaziergang im Wald kein hinreichender Ausgleich. Natürlichkeit ist kein punktueller Lifestyle, sondern ein Grundbedürfnis. Richten Sie Ihr Augenmerk darauf, was in Ihrem Leben natürlich ist und was künstlich – vielleicht werden Sie sich wundern.

Wenn wir uns an die Natur halten, gewinnen wir beispielsweise über die Naturheilkunde nicht nur wertvolle Heilmittel, sondern gleichzeitig unser Urvertrauen zurück. In der Natur erleben wir, dass alles vorhanden ist, was wir brauchen. Wir sind gesund oder erfahren Heilung, ohne dass uns die Nebenwirkungen der Medizin umbringen.

Ich möchte und darf niemanden davon abbringen, seine schulmedizinischen Arzneien einfach abzusetzen, das wäre töricht. Stattdessen kann ich Sie ermutigen, gemeinsam mit fachkundiger Unterstützung nach natürlicheren Wegen zu suchen.

Denken Sie, ohne Standard-Therapie ginge es nicht, weil Sie wenig von anderen Methoden hören, die erfolgreich gewesen sind? Dann möchte ich ein persönliches Erlebnis mit Ihnen teilen: Vor einigen Jahren wollte ich in einer Selbsthilfegruppe von meinem eigenen Umgang als Patientin mit einer angeblich unheilbaren Erkrankung berichten. Mir wurde der Mund verboten. Der betreuende Arzt erlaubte es nicht, dass ich mich frei äußere. Seine Begründung: Damit sich niemand „falsche Hoffnungen“ macht und so übermütig wird, ebenfalls nach Auswegen aus der Abhängigkeit von den Produkten der Pharmaindustrie zu suchen. Der Maulkorb hielt mich davon ab, die Gruppe zu besuchen.

Ein Einzelfall? Wohl kaum. Auf allen Ebenen wird zensiert, was das Zeug hält. Das kann ich aus meiner Innensicht nach 10 Jahren Fachjournalismus für Medizin und Gesundheit nur bestätigen. Offen für Naturheilkunde zu sprechen und schulmedizinische Therapien infrage zu stellen, ist der redaktionelle Freitod im Mainstream und ein Eiertanz in den „alternativen“ Medien. Sie lesen praktische keine ehrlichen Meinungen und klaren Stellungnahmen dazu. Auch von mir nicht.

In verschiedenen Lebensbereichen tun wir alle gut daran, uns wieder der Natürlichkeit anzunähern: hinsichtlich der Ernährung, in Fragen der Verhütung, für Ihre Kleidung und Heimtextilien, in Sachen Baubiologie, bezüglich Ihrer Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände und, und, und.

Wie weit wir uns von der Natur entfernt haben, ist für mich erschreckend. Ich bin ein Stadtkind. Für mich waren Erbsen etwas, das in Dosen wächst, und zwar im Verbund mit Möhrchen. Nein, ich will nicht zurück auf den Baum. Hören wir endlich auf, in Schwarz und Weiß zu denken, besinnen wir uns auf fließende Übergänge und organische Entwicklungen, so wie sie in der Natur üblich sind.

Sich Zeit nehmen

Auch und besonders in Krisen brauchen wir Phasen der Ruhe und Erholung, des inneren Wachstums, in denen im Außen noch nicht viel zu sehen ist. Veränderungen gehen manchmal von jetzt auf gleich, oft brauchen sie hingegen Zeit. Üben Sie sich in Geduld. Das geht um so leichter, je überzeugter Sie von der Sinnhaftigkeit einer Veränderung sind. Dann verweilen Sie an der einen oder anderen Stelle ein Bisschen, ohne dem Wahnsinn anheim zu fallen.

Werden Sie sich der Zeit bewusst. Für uns Menschen sind Abläufe und Reihenfolgen wichtige Strukturen, die uns Halt und ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Muster zu erkennen, die uns von früher oder aus anderen Zusammenhängen vertraut sind, kann sehr beruhigend wirken.

Stopfen Sie Ihren Tag nicht von früh bis spät mit Verpflichtungen und Erledigungen voll. Gerade jetzt brauchen Sie vielleicht mehr Raum für Rückzug. Nehmen Sie sich diesen. Ja, ich weiß: Es brennt überall und Sie müssen löschen. Doch Sie hetzen mit einem löchrigen Eimer umher, statt ihn erst einmal zu reparieren oder auszutauschen und dann viel geordneter weiterzumachen. Womöglich bemerken Sie dann, dass noch andere Menschen mit Eimern unterwegs sind, mit denen Sie sich zusammentun können.

Die Zeitqualität zwingt uns ins Bekennen von Eigenem. Kompromisse werden immer schwieriger durchzuhalten. Ob wir das wollen oder nicht, gehen wir kollektiv in die Aufrichtigkeit. Jeder in seinem eigenen Prozess. Das kann anstrengend sein und erfordert ein wachsendes Maß an Bewusstheit. Aber letztlich wird dieser Weg für viele von uns in eine ehrlichere und authentischere Zukunft führen.

Wenn wir mehr bei uns sind und unseren eigenen Werten folgen, wenn es selbstverständlich wird, das Selbst zu verwirklichen, statt fremden Vorstellungen hinterherzulaufen, dann wird unser Sein deutlich leichter, erfüllender und freier. Das wünsche ich uns allen.

Und in der Zwischenzeit? Lassen wir uns einfach nicht verrückt machen.

Text: Petra Weiß
Foto: Bärbel Gast / pixelio.de

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Zur Autorin

Schreibkunst Redakteur PR-Text
Petra Weiß ist Heilpraktikerin und psychologische Beraterin. Ihre Liebe zur Sprache begleitet sie schon ihr Leben lang. Sie hat zahlreiche Beiträge in Print und Online veröffentlicht. Seit Sommer 2020 gibt Sie die Zeitschrift “Weißheiten: vom Ich zum Selbst” heraus.

2 Antworten auf „Wie wir es schaffen, nicht verrückt zu werden.“

    1. Liebe Jeannine,

      danke für Deinen Kommentar. Schön, dass meine Beiträge Dich erhellen und inspirieren. Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, Dich zu meinen regelmäßigen Lesern zählen zu dürfen.
      Vielen Dank für Deine wertschätzenden Worte.

      Herzliche Grüße,

      Petra Weiß
      Schreibkünstlerin

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